die Wahrheit ist: Ich traue mich nicht, zu schreiben. Keine Abschlussarbeit, keinen Essay, kein Gedicht, keinen Bericht, keinen Kommentar, keine Geschichte. Einen Tagebucheintrag alle paar Monate und WhatsApp-Nachrichten tagtäglich - das ist, was ich verfasse. wie lange ich mit dir nicht gesprochen habe? Ich bin verwundert. Wie das deine Frage sein kann nach meinem Eingeständnis. Warum fragst du mich nicht.. „wovor du dich fürchtest? du wirst mir erzählen, was du dir selbst einredest. Du brauchst die Erklärungen, die Rechtfertigungen, die schlechten Ausreden und guten Entschuldigungen. Für und vor dir selbst. Ich versuche mich nur daran zu erinnern, wann ich das letzte Mal dein Gegenüber war, dein Spiegel, dein Therapeut, dein Freund, dein Kritiker.“ war nicht immer ich diejenige, die laut sprach in unseren Dialogen? Verkneife ich mir zu sagen. Vor Ewigkeiten? Ich weiß es ehrlich nicht, antworte ich dir. Ich habe in den letzten Jahren kaum noch an dich gedacht. „Ich habe auch nicht auf dich gewartet“ Natürlich hast du das nicht. Ich muss kurz aufschnaufen. Ich hatte mir das so nicht vorgestellt. Ich war doch hier, um mich besser zu fühlen. meine Versäumnisse und Untätigkeiten, mein Scheitern, mein mangelnder Ehrgeiz, meine fehlende Hingabe, meine Passivität, meine Prokrastination, meine Selbstsabotage, meine Faulheit, das alles eben, in ein anderes Licht zu rücken. Ich war hier, um meinem Verhalten psychoanalytisch einen Sinn zu geben, Erklärungen zu finden. etwas, das mir helfen könnte, Verständnis für mich selbst aufzubringen. „also für noch mehr Selbsttäuschung?“ nein, für die Wahrheit! - entgegnet der Trotz der pathetischen Teenagerin in mir. Nach einer Minute Schweigen und angehaltenem Atem, bin ich wieder alt und wenig stolz genug: Für eine Wahrheit, die ich akzeptieren kann. Mit der ich lernen kann, zu leben. die mir hilft, Wege zu finden, dieser Furcht die Stirn zu bieten, mit ihr umzugehen, der Angst vorm Scheitern, der Angst vor dem Anfang zu trotzen, meinen Fluchtimpulsen zu widerstehen. mein Vermeidungsverhalten ist längst pathologisch. Ich vermeide mein Vermeidungsverhalten (zu reflektieren). ich möchte mich nicht stellen müssen. ich möchte mich verkriechen. die Augen vor mir selbst verschließen. aber so geht das nicht weiter. Ich schäme mich so sehr für all das, was ich hätte tun können, aber nicht tat. „Du steckst in einem Strudel. Ein anderes Mal lassen wir uns von ihm und seinen Details mitreißen. Aber jetzt ist es Zeit, sich an diesem Floß festzuhalten: Erbarmungslose Ehrlichkeit.“ das sei die erste Zutat, die ich brauche, meinst du, während ich, so abrupt aus meinem Selbstmitleid gerissen, beleidigt brumme. „Und die richtigen Fragen.“ fügst du, meinen Unmut erprobt gekonnt ignorierend hinzu. „Zeit und Geduld.“