Fantastic show! Primal Fear Domination Tour 2025 at Hole44 Berlin 18.9.2025
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Fantastic show! Primal Fear Domination Tour 2025 at Hole44 Berlin 18.9.2025
Mehr Computerunterricht an Schulen
Die Briten starten eine neue Initiative -- hier sind Berichte dazu auf bbc.com und im Guardian -- und verteilen eine Million “Micro Bit” genannte Microcomputer an Schulen. Das Ganze ist wohl Teil der Initiative “Make it Digital.” Die Briten haben dafür die Unterstützung einer Menge internationaler Firmen und Organisationen.
Man kann jetzt darüber diskutieren ob C++ eine geeignete Programmiersprache ist, wenn man Schüler für Programmierung begeistern will, allerdings gibt es noch Python (gute Wahl!) und Touch Develop (kannte ich bisher auch nicht). Eine gute Idee ist das allemal.
Wo bleiben eigentlich solche Sachen bei uns? Woran scheitert’s? Gut, man möchte jetzt vielleicht nicht die Telekom, Siemens und SAP mit im Boot haben, wenn es um digitale Zukunft und Schulbildung geht und ob irgendjemand (in entscheidender Position) bei der ARD genügend Weitblick hat, um an so etwas auch nur zu denken, ist mehr als fraglich. Aber wir haben doch die Digitale Agenda. Da muss doch auch irgendwas in der Richtung drin sein...
Computerunterricht an Grundschulen
Weil das gerade auf Twitter an mir vorbeirauschte: http://www.welt.de/print/die_welt/finanzen/article137923109/Die-Zukunft-ist-programmiert.html
Das ist natürlich zu begrüßen! Die Briten war schon früher weit vorne, als es um Computerbildung für alle ging, siehe z.B. The Computer Programme, und sie fördern auch seit einiger Zeit sehr aktiv Informatikthemen und -technologie im Schulunterricht. Wir hatten den Computerclub (der als Podcast weiterlebt) und natürlich die CCC-Initiative Chaos macht Schule, aber ansonsten ist da... nichts. Und das ist in der heutigen Gesellschaft ein Desaster.
Der Untertitel des Artikels ("An britischen Schulen lernen schon Kinder den Umgang mit Quellcode und Computersprache. Sie sollen die Digital-Unternehmer von morgen werden") ist natürlich Quatsch. Es geht einfach darum, eine Vorstellung zu bekommen, wie Computer arbeiten. Programmierung ist keine arkane Kunst und Computer sind keine Mirakelmaschinen. Den Umgang damit kann und muss man lernen, denn diese Technik hat unsere Gesellschaft nun mal komplett durchdrungen und es kann nicht sein, dass weite Teile der Bevölkerung nicht mal ein grundlegendes Verständnis dafür haben, wie E-Mail oder WWW funktionieren. Es bekommt ja auch jeder von der Schule her ein grobes Verständnis wie Autos funktionieren, und zwar nicht weil alle Leute Autounternehmer werden sollen, sondern weil es nicht ganz unwahrscheinlich ist, dass man in seinem Leben mal mit der Benutzung so eines Autos konfrontiert wird.
Es wird also höchste Zeit, dass in der Hinsicht auch hierzulande was passiert, konkret: Computerunterricht an Grundschulen? Ja, ja, und nochmals ja! Die Digitale Agenda hat zu diesem Punkt leider gar nichts im Gepäck. Das ist nicht ganz verwunderlich, denn Schule ist Ländersache. Im Zentral regierten UK hat man es da natürlich leichter, aber warum sollte man sich das nicht zum Vorbild nehmen? Wenn die Länder nicht langsam mal in die Gänge kommen und die Bildung in diesem Bereich ausbauen, dann ist die Zukunft wirklich programmiert und sie wird sehr düster aussehen!
Wie ich einmal eine Debatte im Ersten sah
Worin berichtet wird, wie der Autor die Sendung "Hart aber Fair" vom 2.3.2015 wahrgenommen hat. Your mileage may vary.
Thema: Nieder mit den Ampelmännchen. Deutschland im Genderwahn. Gäste: Anton Hofreiter, Birgit Kelle, Wolfgang Kubicki, Sophia Thomalla, Anne Wizorek Moderator: Frank Plasberg
Aufmachertext: "Gleichstellungsgesetz, Quotenregelung, Genderforschung, bei uns wird das Verhältnis von Mann und Frau langsam zur Staatsräson. Braucht eigentlich echte Gleichberechtigung mehr Regulierung oder wird damit aus dem kleinen Unterschied ein großer Krampf?"
Der Titel ist schon mal komisch, soll aber wahrscheinlich irgendwas provozieren oder schon mal werten. Das ist ja eine Talksendung, da muss man es mit der Objektivität nicht so genau nehmen.
Die Sendung beginnt mit einer ziemlich einseitigen Anmoderation, der Moderator verspricht aber danach "ab jetzt der Moderator" zu sein. Na gut -- ich nehme die Hand vom Gesicht und die Restfunken Hoffnung zusammen.
Bei der Vorstellung der Gäste kann ich die Hoffnung auch gleich wieder verlieren. Ich registriere: Eine Netzfeministin und Germanistik-Abbrecherin, die als Medienberaterin tätig ist, zwei Politiker - einer studierter Volkswirt und Jurist, der andere Biologe; eine Schauspielerin und eine Publizistin (u.a. Die Welt, kath.net, Freie Welt, Junge Freiheit). Die Abwesenheit von Genderforschern, die über ihre Forschung berichten und Sozial- bzw. Gesellschaftswissenschaftlern, die diese Informationen einordnen könnten, also überhaupt irgendwelchen Personen, die zum Thema außer einer Meinung auch so etwas wie Fachwissen oder Sachkompetenz hätten, lässt darauf schließen, dass die kommenden 70 Minuten vielleicht unterhaltsam aber wahrscheinlich weder informativ noch thematisch hilfreich werden. Ich schlage zur Sicherheit kurz nochmal nach: Ja, die Öffentlich-Rechtlichen haben immer noch einen Bildungsauftrag.
Die Eingangsfrage wird zu einer grundlegenden Theorie der Genderforschung gestellt: Man wird erst durch Konventionen, Gesellschaft und Erziehung zu "Mann" oder "Frau" im klassischen Sinne. Das behauptet die Genderforschung zwar so nicht, aber die Unterscheidung von biologischem Geschlecht und Gender überfordert den Zuschauer vielleicht an dieser Stelle, und sowas lässt sich ja in der Diskussion anbringen. Leider überfordert die Unterscheidung auch einige der Diskutanten, wie sich herausstellen wird.
Kubicki soll als erster was sagen und braucht keine 90 Sekunden, um:
zu zeigen, dass er von jeglicher thematischer Kompetenz komplett unbeleckt ist
Sophia Thomalla anzugraben und
gegenüber Hofreiter ad personam zu gehen.
Kurz nachgeschlagen in der Eristischen Dialektik: Ja, das ist der letzte Kunstgriff, wird üblicherweise verwendet wenn man merkt, "dass der Gegner überlegen ist und man Unrecht behalten wird." Hofreiter hatte aber noch gar nichts gesagt. Seltsamer Move von Kubicki, er will also nicht mal den Anschein von Kompetenz erwecken. Und er tut das auch noch mit dem nichtssagenden Satz "Er sieht ja auch schon gendermäßig aus." Äh ja. Die anderen sehen hingegen sehr ungendermäßig aus? Wenn man mit einer gewissen Redekompetenz persönlich wird, gibt es laut Schopenhauer wenig Möglichkeit zur Verteidigung. Am besten, so schreibt er, diskutiert man erst gar nicht mit solchen Leuten. In diesem Fall ist der verbale Angriff aber so eine Nullnummer, dass sogar dem nicht eben charismatischen Hofreiter nichts anderes übrig bleibt, als selbst mit einer Standardverteidigung ("...wenn Leute andere auf ihr Aussehen reduzieren...") einen vollen Erfolg zu verbuchen. Von Kubicki hatte ich eigentlich mehr erwartet als gleich mit den ersten Worten so einen rhetorischen Anfängerfehler zu machen. Vielleicht hat er aber auch keinen Bock auf eine Diskussion und möchte lieber weiter die Thomalla angraben. Da hat er auch deutlich bessere Aussichten, noch irgendwas zu reißen.
Hofreiter ist sich seiner nicht vorhandenen Ausstrahlung bewusst und tut das einzig Richtige: Er argumentiert mit Fakten. Als Biologe kann er noch am ehesten einen Teil der nötigen Themenkompetenz beitragen.
Plasberg stellt korrekt fest, dass die Eingangsfrage für Kubicki zu schwer war und wählt als nächste mit traumwandlerischer Sicherheit die einzige der anderen vier Personen, die garantiert noch schwachsinniger agieren wird. Das Ergebnis überzeugt einen dann auch vollständig, dass aus dieser Richtung keinerlei tiefere Einsichten mehr zu erwarten sind. Statt zu antworten gräbt Thomalla erst zurück, erklärt dass sie gern Komplimente entgegennimmt und behauptet, dass sie bisher nur von Frauen auf ihr Äußeres reduziert wurde, nie von Männern. Aha. Platz 3 der FHM Sexiest Women 2010 und eine Fotostrecke im Playboy, beides bekannte und beliebte Frauenmagazine. Hat mit Ihrem Äußeren aber nichts zu tun? Sie hat es außerdem "ganz selten erlebt, dass ein Mann sie wegen ihres Aussehens diskriminiert hat." Warum sollte ein Mann das auch tun? Sie sieht ja ziemlich gut aus. Der Punkt am Sexismus, liebe Frau Thomalla, ist ja eher, dass man als Frau von Männern diskriminiert wird, weil man eine Frau ist, und nicht weil man irgendwie aussieht (das wäre dann wohl Lookism, aber das ist ein anderes Thema). Andere Frauen hingegen neiden ihr ihr Aussehen und diskriminieren sie ("Ach, die ist ja nur hübsch auszusehen und hat nichts in der Birne")? Ob sie wohl auch schon viele Komplimente von Männern für überragende geistige Leistungen entgegengenommen hat?
Die Eingangsfrage wird als nächstes an Anne Wizorek gestellt, die sich redlich bemüht, mal was zum Thema zu sagen. Sie hat zwar auch keine große Sachkompetenz, hat sich aber zumindest schonmal mit dem Thema beschäftigt und gibt das typische Beispiel von gegendertem Kinderspielzeug. Das versteht der Zuschauer zumindest. Unverständlich ist, warum die Kamera, während Wizorek spricht, mehrfach Thomalla zeigt, wie sie verständnislos lächelt, die Stirn runzelt und den Kopf zurückwirft. Das passiert im Laufe der Sendung immer wieder. Thomalla redet nicht viel, ist aber ständig im Bild.
Dann muss auch Frau Kelle noch was dazu sagen und widerspricht sich in ihrem ersten Beispiel gleich selbst: Ihre Tochter hat bis zum dritten Lebensjahr kein gegendertes Spielzeug von ihr bekommen, nach kurzer Zeit im Kindergarten waren der Tochter Lieblingsfarben dann aber "Pink, Rosa und Glitzer." Das hat aber nichts mit Konventionen, Gesellschaft oder Erziehung zu tun. Frau Kelle weiß bestens Bescheid, schließlich hat sie vier Kinder und alle ihr bekannten Geschlechter sind gleichverteilt vertreten -- da lässt sie sich auch nicht reinreden. Vom Unterschied zwischen biologischem Geschlecht und Geschlechterrolle scheint sie leider weniger zu wissen. Hofreiter sieht sich genötigt, die Sache zu erläutern.
Plasberg hat einen Einspieler vorbereitet, der die gleiche Information, die Hofreiter gerade gebracht hat, nochmal vermittelt. Leider haben die Macher des Einspielers am Ende keinen Bock mehr auf objektive Information und drücken dem Zuschauer noch eine Wertung rein (Sprache gendern wird teuer. Teuer ist doof.)
Wizorek muss dann Gender Mainstreaming in der Sprache verteidigen und macht das auch ganz gut. Um davon abzulenken zeigt die Kamera wieder die Mimik Thomallas. Kelle und Thomalla haben sich übrigens noch nie durch die deutsche Sprache diskriminiert gefühlt. Das ist nicht verwunderlich, denn Diskriminierung durch Sprache funktioniert sehr subtil.
Wizorek und Kelle diskutieren über Sprache. Kelle sieht nicht ein, dass ihr wer was vorschreibt. Ich sehe auch einiges nicht ein, aber es hat sich allgemein schon manchmal als sinnvoll erwiesen, gewisse Vorschriften einzuführen.
Plasberg versucht sich dann an einem Argument (ist der nicht eigentlich der Moderator?) und möchte sprachwissenschaftlich "klugschscheißen", verkackt aber stattdessen.
Wizorek und Kelle diskutieren weiter über Sprache. Ich bin ja auch kein Fan von gegenderter Sprache und Schrift, weil das halt eine Umgewöhnung ist, mit Aufwand verbunden und ich bin eben faul. Kelles Argument, man sollte beim "grammatikalisch richtigen Deutsch" bleiben kann ich aber auch nicht ganz unterstreichen, denn das ändert sich meiner Erfahrung nach alle paar Jahre, ebenso wenig sehe ich, warum ein generisches Femininum grammatikalisch falsch sein muss -- eine Lösung die ebenso radikal wie elegant ist und die ich lieber ausprobieren würde als Binnen-I, Unterstriche, X-e, Sternchen oder Wortneuschöpfungen. Aber Frau Kelle sagt, dass das "falsch ist, weil es falsch ist" (Wizorek: "Q.E.D.").
Plasberg versucht, von diesem komplizierten Sprachthema wegzukommen und Kubicki springt ihm hilfreich mit dem Geldargument zur Seite (Sprache gendern wird teuer. Teuer ist doof!). Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk ist auch teuer und man versucht uns ständig zu erzählen, dass er deswegen teuer ist, damit er eben nicht doof sein muss. Das hier ist leider keine gute Werbung dafür.
Hofreiter stellt dann klar, dass Sprache unser Denken formt. Damit hat er recht, aber kommt das auch bei den Diskutantinnen an?
Plasberg wiederholt eine Aussage aus seiner Anmoderation, dass sich in Deutschland 190 Professorinnen mit dem Genderthema beschäftigen, "... exklusiv ... ist der kleinere Teil..." (exklusiv sind es wohl etwa 35, der Rest ist angeschlossen an verschiedene andere Wissenschaftsbereiche). Unter rund 45.000 Professorinnen machen die 190 den Braten meines Erachtens jetzt auch nicht fett -- Hofreiter sieht das später ebenso -- wissenschaftlich problematisch mag allenfalls die starke Überrepräsentation weiblicher Professorinnen in diesem Bereich sein, aber darüber redet keine. Immerhin handelt es sich um ein Thema mit gesellschaftlicher Relevanz, das zudem viel zu unbekannt ist, wie Thomalla gleich eindrucksvoll demonstriert ("...das mit der Sprache hör ich das erste Mal..."). Trotzdem hält sie es für "totalen Schwachsinn." Bis vor einigen Wochen habe ich übrigens auch noch nie was von Sophia Thomalla gehört. Kelle ruft nach einer Volksabstimmung, Wizorek kontert dass eine Volksabstimmung zum Frauenwahlrecht um 1900 ein ähnliches erwartbares Bild abgegeben hätte.
Dann stellt Wizorek die eine richtige Frage: Warum sitzt da eigentlich nicht eine einzige Genderforscherin in der Runde? Plasberg wieselt sich mit einem Kompliment an die Kompetenz Wizoreks und Hofreiters raus, erklärt aber nicht, warum dieses Kompetenzfünkchen mit der Auswahl der anderen Kandidatinnen komplett nullifiziert wird.
Hofreiter versucht es dann mit weiteren Fakten, wird aber von Kubicki unqualifiziert unterbrochen. Letzterer legt fest, dass dieser Genderquatsch ja gar keine Wissenschaft ist und geht dann wieder auf Tuchfühlung mit Thomalla.
Plasberg hat nun wieder einen Einspieler mit Beispielen parat. Sowas wie dieser Einspieler nennt sich "Cherry picking" -- er hat nur saure Kirschen, keine süßen. Für die Positivbeispiele sind ja auch Wizorek und Hofreiter da, die sich aber erstmal wieder verteidigen müssen. Hofreiter versucht das Gespräch auf relevante Themen zurückzuführen, Plasberg will aber erstmal "erklären, abräumen, einordnen" -- und zwar die Beispiele, die er gerade selbst ins Spiel gebracht hat. Ich schaue nochmal nach, ja, der ist immer noch der Moderator. Wäre das Vorbringen von Fallbeispielen als Gegenargument (so schwachsinnig ausgewählt sie auch sein mögen) nicht zumindest Aufgabe der Diskussionsgegnerinnen? Und wenn die Sendung schon so konstruiert ist, daß das gesamte Thema kritisch hinterfragt wird, warum sitzen dann auch noch überproportional viele Vertreter aus dem Kontra-Lager am Tisch? Wozu sind die denn da? Weil nun niemand eingeladen wurde, der tatsächlich Sachkompetenz zum erklären, abräumen und einordnen hätte, darf Wizorek einen Teil ihrer Redezeit aufwenden um Unisextoiletten zu rechtfertigen, und sie hat durchaus ein paar Punkte, die mir einleuchten.
Kubicki darf dann Witzchen machen, er muss sich ja auch nicht verteidigen (oder überhaupt irgendwie an der Debatte beteiligen). Dazu bekommt er von Plasberg erfrischend unsubtil das Thema "Brünftige Hirsche" zugeschustert. Der Unterhaltungsfaktor stimmt immerhin! Der Bildungsfaktor stimmt leider nicht, denn jetzt ist Frau Kelle wieder dran und die hat ein ganzes Buch voller Beispiele für seltsame Genderforschung geschrieben. Solche Beispiele gibt's übrigens auch zu so ziemlich jeder anderen Wissenschaft, es ist also nicht so als würde hier exklusiv Geld für sinnlose Grundlagenforschung verbraten -- ihre Ausführungen machen aber diesen Eindruck. Sie zitiert dann auch so ein Forschungsergebnis: "...die Uni Wien hat herausgefunden, dass es Pferden völlig egal ist, ob sie von Mann oder Frau geritten werden..." Die besagte Studie scheint mir was mit Veterinärmedizin zu tun zu haben als mit Genderforschung aber sei's drum. Wenn man's billig und schnell haben will, hätte man natürlich auch gleich den Kubicki fragen können. Der hat mal knallharte Wissenschaften studiert (VWL und Jura) und kann daher genau sagen, was ein sinnvolles wissenschaftliches Ergebnis ist und was nicht.
Dann kommt ein Beispiel, das nicht direkt wertend ist -- ein Kinderbuch mit der Darstellung einer Autowerkstatt in der überwiegend Frauen arbeiten -- das vom Moderator aber gleich als wirklichkeitsfremd identifiziert wird. Ist es auch. Müsste es aber nicht sein, wie Wizorek, die das wieder verteidigen muss, anmerkt. Finde ich auch, denn Autos zu reparieren erfordert keinerlei körperliche oder geistige Fähigkeiten, über die Frauen nicht verfügen. Der Grund, warum das gerade unrealistisch aussieht, scheint also kein biologischer zu sein. Vielleicht hat das ja was mit gesellschaftlichen Konventionen zu tun? Fehlende Vorbilder?
Kelle behauptet "...der Mythos mehr Frauen als Vorbild ziehen auch mehr Frauen nach ... funktioniert schon allein statistisch überhaupt nicht." Warum das statistisch nicht funktioniert, erklärt sie aber nicht, wahrscheinlich steht es in ihrem Buch. Als Publizistin hat sie sicher auch mehr Ahnung von Statistik als ich und ich blicke es einfach nur nicht. In Norwegen hat es jedenfalls nicht funktioniert, sagt sie, und da gendermainstreamt man ja schon seit 20 Jahren. Gesellschaftliche Veränderungen brauchen vielleicht etwas Zeit, gerade wenn es um jahrhundertealte Strukturen geht, denke ich mir, und kaum denke ich das, spricht's der Hofreiter auch aus.
Nun kommt ein Einspieler der erklärt, dass Frauen im Schnitt weniger verdienen. Das wird nun aber sicher der Kubicki rechtfertigen, oder? Nein, erstmal muss wieder Wizorek ran, die auch bekannte Theorien darlegt (z.B. Frauen werden weniger zu starkem Durchsetzungsvermögen erzogen, was sich dann in Gehaltsverhandlungen negativ auswirken kann). Danach geht das Wort an ... Thomalla? Die hat natürlich "das Glück, dass Sie sich seit einem Jahrzehnt ihre Jobs selber aussuchen kann." WTF? Sie ist 25, was hat sie denn als Schauspielerin schon geleistet, dass sie das kann? Aber dass Frauen eher zur Fügsamkeit erzogen werden, das ist natürlich "Blödsinn", das "hat sie ja noch nie gehört" und außerdem: Ihre Mutter hat sie ja ganz anders erzogen! Vielleicht hat die Mutter auch einfach ein untypisches Vorbild abgegeben, aber darüber redet wieder keine, denn dass das mit den Vorbildern nicht funktioniert, hat Kelle ja schon klargestellt.
Kubicki stellt dann fest dass seine Töchter beide erfolgreich sind und außerdem hat er die erfrischende Tautologie "die Frauen, die erfolgreich sind, setzen sich im Zweifel auch durch" parat. Und natürlich sind seine Kinder ausschlaggebend und nicht irgendeine Statistik. Außerdem ist das auch eine totale Benachteiligung wenn man Kubicki heißt. Kann der Kubicki behaupten, ohne dass das jemand hinterfragt. Wenn Wizorek dann sagt, der Name könnte vielleicht auch helfen, gibt's dagegen ein Riesengezeter und Thomalla findet es scheiße, dass sie sich damit "rumschlagen muss," dass ihr nachgesagt wird, dass sie aufgrund ihres Namens bessere Jobs verdient. Das ist nämlich "totaler Schwachsinn." Das hat jetzt gerade natürlich keiner über sie behauptet, es ging ja um Kubicki. Thomalla stellt damit eigentlich auch fest, wie es ist, wenn einem Eigenleistung abgesprochen und Erfolg durch irgendwelche Attribute nachgesagt wird. Solche Vorwürfe kennen andere erfolgreiche Frauen auch und empfinden das durchaus auch als Diskriminierung oder Sexismus. Thomalla nicht.
Hofreiter wird dann laut und das ist prinzipiell auch gut so, weil Kubicki die Fakten mit unsinnigen Argumenten wegdiskutieren möchte. Ersterer braucht aber dringend eine Rhetoriktrainerin, damit er mit seinen richtigen Aussagen auch für die Zuschauerin überzeugender rüberkommt. Kubicki weiß als Jurist natürlich, dass ungleiche Bezahlung aufgrund des Geschlechts durchs Antidiskriminierungsgesetz schon verboten ist, zieht daraus aber dann den Fehlschluss, dass die Zahlen des Statistischen Bundesamtes nicht stimmen. Das Statistische Bundesamt hat's aber auch nicht so mit Zahlen. Thomalla lacht sich währenddessen kaputt, worüber, das wird nicht so recht ersichtlich.
Plasberg bringt einen Vorschlag von Bundesfamilienministerin Schwesig ein, dass jede ein Auskunftsrecht haben sollte, was ihre Kolleginnen verdienen. Kubicki und Kelle interpretieren das als Abschaffung des Leistungsprinzips (und tun so als wäre das gleichbedeutend mit dem Untergang des Abendlandes). Davon war aber zumindest nach meinem Verständnis nicht die Rede. Dass sich damit die Löhne angleichen sieht Schwesig eher als Hoffnung. Nur weil man weiß, was die Kollegin verdient, verdient man ja nicht automatisch das gleiche, oder steht sowas irgendwo in Schwesigs Vorschlag? Und wenn man bei der Nachfrage die Antwort bekommt, dass die Kollegin eben mehr leistet, dann kann man das ja wieder hinterfragen. Trotzdem werden wohl nicht schlagartig alle das Gleiche verdienen nur weil die Löhne offenliegen. Und ob sich bei einer tatsächlichen Lohnangleichung jemand degradiert vorkommen, weil ihm damit unter die Arme gegriffen und suggeriert wird, "alleine schaffst du es ja nicht," wie Kelle behauptet, das müsste man erstmal zeigen. Bis dahin ist es nur eine Theorie.
Kelle bringt dann zumindest einen weiteren wichtigen Grund für die geringere Bezahlung von Frauen, die Mutterschaft. Wizorek weißt darauf hin, dass Leistung mit Präsenz gleichgesetzt wird und alternative Arbeitskonzepte fehlen. Darauf geht keiner ein, warum auch? Kelle möchte jedenfalls nicht die Details eines möglicherweise für sie vorteilhaften Arbeitsvertrages offenlegen müssen. Aus der Sicht einer Privilegierten ist das vollkommen nachvollziehbar. Sie führt dann auch an, dass Frauen Gehälter schlechter verhandeln, aber das wurde ja vor 15 Minuten schon dementiert, und das fällt auch dem Plasberg auf. Grund ist natürlich nicht die Erziehung oder die Gesellschaft, sondern weil Frauen ohne konkrete Vorstellungen in die Verhandlungen gehen und schon zufrieden sind, wenn sie den Job überhaupt bekommen. Frauen sind also zu blöd um sich auf Vorstellungsgespräche vorzubereiten und dann eben doch genügsam, ja? Frau Kelle? Und Männer bekommen mehr, weil sie es einfordern. Gut. Nun gibt es da ein paar Frauen, die auch etwas einfordern, allerdings nicht Geld sondern so etwas Abstraktes wie Gleichberechtigung. Und die sollen das nicht fordern dürfen? Kelles Argumentationslinie ist für mich nicht überzeugend. Gleichberechtigung ist allerdings auch viel schwerer messbar als Gehalt, deswegen kann man auch einfach so tun als gäbe es die schon und nervige Fakten einfach ignorieren, weil man ja selbst erfolgreich genug ist.
Und natürlich fordern Frauen im allgemeinen weniger weil sie "ganz anders veranlagt sind." Das ist alles Biologie und bricht sich einfach irgendwann Bahn, egal wie man erzieht. Bei Mädchen kann man machen was man will, irgendwann wollen sie alle Pink und Glitzer und Prinzessin werden, außerdem werden sie einfühlsam und sanftmütig. Männer dagegen "haben eine angeborene Aggressivität, jahaa!" Das ist tatsächlich das Weltbild, das Kelle gerade propagiert. Hofreiter bekommt starke Zuckungen, ich bekomme Kopfschmerzen vom allzu starken Fazialpalmieren. Wizorek stellt dazu eine Theorie dar: Aggressives Verhalten ist bei Männern positiv, bei Frauen negativ konnotiert. Kubicki kann das nicht bestätigen.
Kelle macht sich Sorgen um ihre Jungs, weil unser ganzes Fördersystem nur auf Mädchen und Frauen ausgelegt ist. Das ist berechtigt. Genderforschung kümmert sich allerdings um alle Geschlechter, vielleicht sollte man ja doch etwas mehr davon machen, das käme nämlich auch den Jungs zu Gute. Das bekommt man aber nur mit, wenn man im richtigen Moment zuhört was Hofreiter sagt.
Nun kommen ein paar Zuschauerinnenmeinungen dran, etwas Rumgetrolle und Einzelschicksale, das übliche.
Themenschwenk zur FDP-Spitzenkandidatin für Hamburg, Katja Suding, außerhalb Hamburgs vor allem durch eine fünfsekündige Kamerafahrt der Tagsschau bekannt, die etwas zu lange auf den Beinen verweilte. Wizorek kritisiert, dass sich Suding in ihrem Wahlkampf ("Unser Mann für Hamburg") männliche Eigenschaften zuschrieb, um Erfolg zu haben. Kelle sieht das ganz anders und fand die Kampagne "einfach nur witzig," die Frau Suding macht das einfach, weil sie es so machen will. Ganz locker und leicht, wie ein Wahlkampf eben so funktioniert. Da wird ja nicht etwa bis zum Erbrechen am Image herumgedoktort, das macht man einfach so wie man Lust hat. Ganz besonders, wenn man, wie Frau Suding, PR-Spezialistin ist. Meine Annahmne hier wäre ja, dass Wahlkampf und Imagekampagne von Frau Suding minutiös geplant und durchorchestriert waren. Und etwas Besseres, als ein paar Tage landesweit Titelthema zu sein, weil die Tagesschau zu viel Bein gefilmt hat, kann einem da eigentlich nicht passieren. Aber das ist natürlich auch nur eine Theorie, genau wie die von Frau Kelle.
Dann kommt noch das Thema sexuelle Belästigung. Also nicht sofort, erstmal gibt Thomalla zu Protokoll, dass sie ja keine Probleme hat, ihre Brüste zu zeigen, und beim Flirten hat sie die volle Kontrolle. Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz gibt's auch nur in Einzelfällen. Der versuchte Einwand Wizoreks, dass um die 30% aller Frauen kaum als Einzelfälle durchgehen, wird mit einer lässigen Handbewegung und einem "Psst" weggewischt. Klar, wenn man keine Argumente hat. Außerdem gab's da wohl schon mal einen Fall in dem auch ein Mann zu Unrecht einer sexuellen Belästigung beschuldigt wurde. Ja, gab es, öffentlich und aktenkundig in Deutschland, deswegen muss man hier eigentlich nicht unbedingt irgendwelche unbelegbaren Stories aus L.A. erzählen. Und die Frauen müssen sich einfach nur wehren, das kann ja nicht so schwer sein (wenn man erfolgreiche Schauspielerin oder Autorin ist). Hofreiter versucht (zum wiederholten Male übrigens) die Statistik anzubringen, nach der sich 60% aller Frauen mindestens einmal in ihrem Leben sexuell belästigt fühlen. Nun könnte man natürlich darüber diskutieren was als sexuelle Belästigung zählt, wie verschiedene Frauen das wahrnehmen und was die Rechtslage dazu sagt, denn zumindest hierzu sitzen genug Kompetente Personen am Tisch -- mehrere sehr verschiedene Frauen und ein Jurist. Stattdessen ist das Thema aber schon wieder vorbei. WTF?
Statt dann die #Aufschrei-Geschichte anzusprechen (schließlich sitzt auch dazu eine zentrale Person mit am Tisch) wird lieber noch die extrem wichtige Umfrage gezeigt, bei der ein paar Passantinnenpärchen gefragt werden, wie hoch der Anteil des Mannes an der Hausarbeit ist -- mit eingespielten Lachern und dem erwartbaren Informationsgewinn (Nil, Zero, Nada, Zilch). Es drängt sich der Eindruck auf, man möchte die schwierige Sendung mit einem lockeren Rausschmeißer beenden, damit das Publikum nicht doch vielleicht das Denken anfängt.
Plasberg bedankt sich dann noch für die "engagierte Diskussion" und das war's. Rly? ARD?