Alles bleibt (hoffentlich), wie es ist, nur das Datum ändert sich: 1.-3.10.2021. Weitere Infos folgen bald. #corona
Internationale öffentliche Fachtagung zu Fragen rund um die Ästhetik des Kriminalromans, kuratiert von Thomas Wörtche und Oliver Bottini, organisiert und veranstaltet von "Mord am Hellweg" (Herbert Knorr, Sigrun Krauß), eingebettet in Lesungen namhafter Autoren.
Fünf Panels mit Autor*innen, Literaturwissenschaftler*innen, Kritiker*innen und anderen Expert*innen. Zugesagt haben bereits:
BERNHARD AICHNER (u.a. "Der Fund", "Totenfrau")
FRIEDRICH ANI (u.a. Tabor-Süden-Reihe, "All die unbewohnten Zimmer")
GIANRICO CAROFIGLIO (u.a. "Kalter Sommer", "Trügerische Gewissheit")
GARRY DISHER (u.a. "Hitze", "Kaltes Licht")
SARA GRAN (u.a. "Das Ende der Lügen", "Das Ende der Welt")
ELISABETH HERRMANN (u.a. "Schatten der Toten", "Das Dorf der Mörder")
MERLE KRÖGER (u.a. "Havarie", "Grenzfall")
DENISE MINA (”Klare Sache”, “Blut Salz Wasser”)
PROF. DR. URSZULA BONTER (Germanistisches Institut der Universität Breslau, u.a. "Stadt - Land - Mord. Einige Bemerkungen zu den aktuellen deutschen Regionalkrimis", in: Eva Parra-Membrives/Wolfgang Brylla (Hrsg.): "Facetten des Kriminalromans")
DR. WOLFGANG BRYLLA (Institut für Germanistik der Universität Zielona Góra, Polen; als Hg. u.a. [mit Eva Parra-Membrives] "Facetten des Kriminalromans")
THEKLA DANNENBERG (u.a. Perlentaucher, DIE ZEIT, Jury Krimibestenliste)
JOACHIM FELDMANN (CulturMag; Mord & Totschlag; Freitag; Jury Deutscher Krimi Preis)
TOBIAS GOHLIS (DIE ZEIT, Jurys Krimibestenliste, Deutscher Krimi Preis)
PROF. CHRISTOF HAMANN (Uni Köln, als Hg. u.a. "Kindler Kompakt Kriminalliteratur" und "Handbuch Kriminalliteratur")
DR. NELE HOFFMANN (Uni Göttingen; u.a. "A Taste for Crime: Zur Wertung von Kriminalliteratur in Literaturkritik und Wissenschaft", Jury Deutscher Krimi Preis)
PROF. THOMAS KNIESCHE (Associate Professor of German Studies an der Brown University in Providence/Rhode Island, USA; u.a. "Büchermorde, Mordsbücher", "Einführung in den Kriminalroman")
ELMAR KREKELER (DIE WELT, bis 2018 "Krekeler killt", ebenfalls bis 2018 Jury Krimibestenliste; Jury swr-Bestenliste)
DR. TATJANA MICHAELIS (Lektorin, Hanser Verlag)
DROR MISHANI (Literaturdozent an der Uni Tel Aviv, Autor, Übersetzer)
PROF. DORIS WIESER (Literaturdozentin an der Uni Coimbra)
ANTJE DEISTLER (Leiterin Literaturbüro Ruhr e.V., Jury Crime Cologne Award)
ANDREA GERK (Redakteurin, u.a. Deutschlandfunk)
SONJA HARTL (freie Journalistin, Jury Krimibestenliste, Polar Noir)
REBECCA LINK (Moderatorin, u.a. WDR)
ULRICH NOLLER (Moderator, u.a. WDR, "Wie war der Tatort, Herr Noller?",Jurys Krimibestenliste und Deutscher Krimi Preis)
Weitere Anfragen laufen.
Anmeldung über “Mord am Hellweg”.
I. "Der Kriminalroman – das Stiefkind der Literaturwissenschaft?"
Biedere Magisterarbeiten und Promotionen über "Krimis" sind inzwischen normal, auch wenn sie meistens außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung laufen. Habilitationen findet man dagegen selten. Kriminalliteratur ist forschungsstrategisch an Universitäten immer noch "exzentrisch". Mit diesem Panel soll der Status quo der (fehlenden?) Auseinandersetzung der deutschsprachigen Literaturwissenschaft mit dem Kriminalroman diskutiert werden. Es geht darum, methodische Ansätze und Analyseinstrumentarien aufzuzeigen, um den künftigen Dialog und Diskurs von Kritikern, Wissenschaftlern und Externen über Inhalte, Form und insbesondere die Ästhetik (des aktuellen) Kriminalromans anzuregen. Dabei könnte gerade die Narratologie, die sich selten mit Kriminalliteratur auseinandersetzt, eine besondere Rolle einnehmen.
II. "Immer das Gleiche (!) – oder geht’s auch anders?"
"Kennste einen, kennste alle" – so heißt ein alter Spruch über Krimis. Die Unterstellung, der Kriminalroman sei die "Wiederkehr des Immergleichen", übersieht die ästhetischen Unterschiede, die verschiedenen Phasen der Innovation, die unterschiedlichen theoretischen Ansätze, die Auseinandersetzung mit Traditionen, die Rolle, die allgemeine Phänomene wie Moderne und Post-Moderne auf die Kriminalliteratur haben, obwohl es – anscheinend? – keine konsensfähige "Theorie" des Kriminalromans gibt. Was also rufen die Autor*innen von zeitgenössischer Kriminalliteratur ab, und inwieweit braucht sie eine theoretische Fundierung?
III. "Kann Unterhaltung gut sein – und tötet Anspruch den Erfolg?"
Autor*innen von Bestsellerware betonen oft, sie wollten ja "nur unterhalten“. Aber gibt es so etwas wie "reine Unterhaltung" überhaupt? Ist Erfolg schon ein Qualitätskriterium? Publikumsgeschmack und kritische Einschätzung liegen oft Welten auseinander. Wem obliegt so etwas wie "Qualitätskontrolle"? Oder gibt es objektivierbare Kriterien? Ist alles nur "Meinung", bei der Kompetenz und Expertise keine Rolle mehr spielen? So gesehen droht die Gefahr, dass sich im Genre eine neue E/U-Schere öffnet, die die Kriminalliteratur in ihrem Verhältnis zur Literatur im Allgemeinen einmal aufheben wolllte.
IV. "Themen und Trends – funktionieren Krimis über Inhalte?"
Die meisten Kriminalromane werden als "Krimis über ..." charakterisiert. Besonders beliebt ist dabei der Hinweis auf "heiße Eisen", also Themen, die die Gesellschaft gerade beschäftigen: Gewalt gegen Frauen, innerfamiliäre Gewalt, Kindesmissbrauch etc. Solche Romane könnte man auch rein soziologisch betrachten. Sie fügen sich in größere Zusammenhänge ein, werden Teil der allgemeinen "Gegenwartsliteratur". Wie aber hängen Themen mit bestimmten Schreibweisen zusammen? Entstehen so Genre-Hybride? Welche Dominanten definieren dann die Zugehörigkeit eines Romans zum Genre "Kriminalroman"?
V. "Global Crime – Krimi überall gleich Krimi?"
Kriminalliteratur von hoher Qualität gibt es auf allen Kontinenten. Das bedeutet aber nicht, dass ihre Position im literarischen Feld überall die gleiche ist. Kriminalliteratur kann also verschiedene Funktionen in verschiedenen Gesellschaften haben – in patriarchalisch strukturierten, in autoritären und vor allem in Umbruchgesellschaften. Außerdem befindet sie sich immer im interkulturellen Dialog mit ihren "westlichen" Traditionen. Können Einzelphilologien mit dieser Extension umgehen? Kulturwissenschaftliche Ansätze und auch solche, die sich auf "serielles Erzählen" spezialisieren, kommen um die Frage nicht herum, ob es tatsächlich einen gemeinsamen "Global Code" für Kriminalliteratur gibt.