The Toxic White Beaches of Rosignano Solvay

Kiana Khansmith
Game of Thrones Daily
Sade Olutola
Today's Document
taylor price
art blog(derogatory)

oozey mess
h
No title available

Origami Around
Misplaced Lens Cap
Xuebing Du
let's talk about Bridgerton tea, my ask is open
One Nice Bug Per Day
Keni
"I'm Dorothy Gale from Kansas"
NASA
wallacepolsom
PUT YOUR BEARD IN MY MOUTH
noise dept.
seen from Pakistan
seen from United States
seen from United States
seen from United States
seen from United States
seen from United States

seen from United States

seen from United States
seen from United States

seen from United States

seen from United States
seen from United States
seen from United States

seen from Germany

seen from United States

seen from United States

seen from United States
seen from Türkiye
seen from Austria
seen from Malaysia
@parovstelarus
The Toxic White Beaches of Rosignano Solvay
9. November 2017 | Hamburg
Aus der Bahn geworfen
U-Bahn, 6. November 2017
Er positioniert sich im Türbereich, den Blick gen Boden gerichtet. Dann, als der Zug losfährt, erhebt er die Stimme, sein Kopf wandert unruhig nach links und rechts, ohne dass sein Blick irgendwo hängenbleibt. In seiner Hand ein kleines, in Alufolie verpacktes Paket, darauf eine Banane.
„Einen schönen guten Tag, mein Name ist Oliver. Ich möchte Sie auch gar nicht lange stören, aber ich bin leider seit genau vier Wochen obdachlos. Ich würde mich sehr über ein bisschen Kleingeld oder auch gerne über etwas zu essen oder zu trinken freuen. Sie würden mir damit sehr weiterhelfen. Tut mir wirklich leid für die Störung und ich wünsche Ihnen allen noch einen schönen Tag.“
Die brüchige Stimme durchdringt nur mühsam das Rattern des Zuges und die Nervosität des Besitzers überträgt sich auf den Waggon. Angestrengt richten sich die Blicke durch die Fenster nach draußen. Auch meine. Hinter mir vernehme ich ein Murmeln, das lauter wird und den Charakter von empörten Zwischenrufen annimmt. Jedoch verstehe ich kein Wort und vermute sicherheitshalber, dass die Geräusche von einem Telefonat stammen und nichts mit Oliver zu tun haben, der sich jetzt von hinten nach vorne durch den Waggon arbeitet.
Als Oliver näherkommt, vernehme ich wieder die bekannte Stimme hinter mir, diesmal klar und verständlich.
„Hast du ein Problem?“
Oliver bleibt stehen. Zögernd.
„Ein Problem? Ja, ich hab tatsächlich ein Problem. Ich bin leider ohne Obdach. Hast du ein Problem?“
„Nein.“
Eine unangenehme Stille breitet sich aus. Ich traue mich nicht, einen Blick über meine Schulter zu werfen, um herauszufinden, wer dort sitzt, vor wem sich Oliver jetzt positioniert hat.
„Nicht anfassen“, sagt Oliver plötzlich. Das Rascheln von Jackenstoff.
Der Zug fährt in eine Kurve. Ich höre einen Knall. Spüre die Vibration der Rückenlehne, als hinter mir ein schwerer Körper in den Sitz geworfen wird. Das Rumpeln hat auch die übrigen Fahrgäste im Waggon geweckt. Die Frau mir gegenüber wirft einen skeptischen Blick über ihr Handy. Irgendetwas liegt in der Luft. Irgendetwas ist faul.
„He!“, ruft da die Frau mir gegenüber, tippt dabei aber immer noch gelassen auf ihrem Handy herum. „Lassen Sie ihn, er hat gar nichts gemacht. Das war doch nur der Zug. Alles gut.“
Und auch die anderen Fahrgäste beginnen zu murmeln. „Alles gut, alles gut“, dringt es wie ein Mantra durch den Waggon.
„Ich mach dich fertig!“, zischt die mir bekannte Stimme, auf die die Frau mir gegenüber sofort reagiert.
„Lassen Sie ihn, er hat doch gar nichts gemacht. Das versaut doch nur den Tag.“
Und auch auf Oliver wird eingeredet – so interpretiere ich das Ganze zumindest, denn ich habe es immer noch nicht gewagt, einen Blick hinter mich zu werfen -, er solle doch einfach weitergehen.
„Er provoziert das halt auch“, flüstert eine Frau nebenan.
„Jetzt haltet ihn doch auf!“, ruft eine junge Dame plötzlich aufgeregt. Die Frau mir gegenüber senkt den Arm mit dem Handy.
„Alles gut, alles gut“, wiederholt sie das Mantra, laut und eindringlich.
Der Zug hält an der nächsten Station.
„Ich wünsche Ihnen trotzdem noch einen schönen Tag“, höre ich noch leise Olivers Stimme.
S-Bahn, 9. November 2017
Er positioniert sich im Türbereich, den Blick gen Boden gerichtet. Dann, als der Zug losfährt, erhebt er die Stimme, sein Kopf wandert unruhig nach links und rechts, ohne dass sein Blick irgendwo hängenbleibt.
„Guten Abend, ich möchte Sie gar nicht lange stören, ich bin selbst auch total aufgeregt und weiß gar nicht… Also, ich wurde vor ein paar Tagen aus der Haftanstalt entlassen. Ich musste eine Geldstrafe zahlen und…“
Der Mann neben mir, der bis dahin in sein Smartphone vertieft war, erhebt sich, geht auf den Redenden im Türbereich zu, beugt sich zu ihm und flüstert ihm etwas zu. Dann setzt er sich zurück auf seinen Platz, die Nase wieder am Handydisplay klebend.
Der diesmal namenlose Redner ist verstummt, sichtlich verwirrt und aus dem Konzept gebracht. Er wippt von einem Bein auf das andere. Es dauert ein paar Sekunden, bis er sich wieder gesammelt hat. Er kommt auf uns zu, beugt sich zu dem Mann neben mir.
„Ich finde es sehr stark von Ihnen, dass Sie für alle sprechen“, sagt er und zieht sich wieder zurück. Der Mann neben mir zeigt keine Regung, löst nicht einmal den Blick von seinem Handy.
„Ich wünsche Ihnen allen noch einen schönen Abend“, klingt der vertraute Abschiedsgruß durch den Waggon, als der Zug an der nächsten Haltestelle zum Stehen kommt. Und lässt uns zurück. Ein bisschen aus dem Takt geworfen, vielleicht geht es auch nur mir so, der Zug bleibt auf dem Gleisbett, die Fahrgäste auf ihren Sitzen. Und so richte ich meinen Blick wieder aus dem Fenster, um mich an der Dunkelheit des Zugtunnels festzuhalten, um dort in der Fensterspiegelung zu beobachten, wie der Mann neben mir sich an seinem Smartphone festhält.
Weil am Ende des Tages jeder etwas braucht, woran er sich festhalten kann. Besonders dann, wenn das Leben in den Schleudergang wechselt. Doch das ist nur ein sehr unbefriedigender Gedanke zu den Begegnungen der letzten Tage. Und so bleibt diese Geschichte dann doch ohne Moral.
@ all of my followers who use the mobile tumblr app!!!
please go to “General Settings” then to “Dashboard Preferences” and turn off “Best Stuff First”. This is killing artist exposure! Please, please, PLEASE, turn it off if you really do love the artists you follow! You’d be helping us so much! Please reblog this so that more people may know!
#FördererFriday: One of Förderer’s best preserved and most spectacular Swiss churches. Walter Maria Förderer: St. Nicolas, Hérémence, Switzerland, 1962–1971 Photos: © Alan Aubry 2011 / Trevor.patt 2014 (CC BY-NC-SA 2.0)
11. Januar 2017 | Hamburg Underground
Umwege
Es gibt diese Menschen, die lieber den halben Bahnsteig entlang hetzen und sich in letzter Sekunde zwischen die sich schließenden Türen in den auserwählten Waggon quetschen, als an der Zielhaltestelle am falschen Ende auszusteigen und zurückgehen zu müssen. Es gibt Leute, die an jeder Station ein paar Waggons nach vorne wandern, ich nenne sie Waggonhopper, bis sie an dem richtigen Ende des Zuges angekommen sind. Und dann gibt es diejenigen, die einfach irgendwo einsteigen. Denen mitten unter der Fahrt auffällt, dass sie ihren Weg besser hätten planen können. Oder jene armen Seelen, denen ihr Unglück erst bei Verlassen des Zuges auffällt.
Eine Mutter und ihr im besten Teeniealter steckende Sohn verlassen die Bahn am hintersten Ende, dort, wo der Bahnsteig eine Sackgasse ist. Mit dem ersten Schritt fällt ihnen ihr Fehler auf, ihre Blicke wandern den schier endlosen Bahnsteig entlang bis ans andere Ende. Die Schultern des Jungen fallen in sich zusammen, seine jugendliche Seele, die sowieso schon alles scheiße findet, suhlt sich in ihrem ewigen Unglück, setzt sich als genervte Fratze auf das Gesicht, die Lippen formen unerhörte Worte, entlassen ein den Schmerz der Welt in sich tragendes Grummeln. Seine Schritte sind die eines, der aufgegeben hat, der akzeptiert hat, dass sich die ganze Welt gegen ihn gerichtet hat. Selbstmitleid ist die einzige Nahrung, die ihm bleibt.
Und seine Mutter lacht. Sie lacht das Lachen einer Mutter, die nichts mehr schockieren kann, einer Frau, die in ihrem Leben schon so viele Umwege gegangen ist, dass sie am Ende einer jeden Sackgasse einfach nur ihre Haare zurückwirft, die Schuhe enger schnürt und dann einen neuen Weg einschlägt. Mit einem selbstironischen Lächeln den Fehler von der Schulter wirft.
Und so beginnen die beiden ihre Reise ans andere Ende des Bahnsteigs, eine aufrechte Frau, verfolgt von einem schleifenden Schatten.
Auch meine Mutter hat dieses Lächeln. Wie sehr ich es als Teenager hasste. Wie sehr ich es heute liebe.
Das Geschenk
Kinder machen nicht glücklich, sagen Studien. Eltern sind unzufriedener mit ihrer Beziehung als Paare ohne Kinder. Sie haben weniger Sex. Und sie sind ärmer. Weil Kinder teuer sind. Rational betrachtet spricht wenig für Kinder. Wenn man eine Kosten- und Nutzenliste erstellen würde, müsste man bei der einen Seite der Tabelle ganz schön lange nachdenken.
Trotzdem sagen so gut wie alle Eltern, dass sie ein Leben ohne Kinder nicht mehr wollen. Vor ein paar Tagen sagte mir ein Mann, der gerade zum dritten Mal Vater wurde, dass sein Leben durch die Kinder viel reicher geworden sei. Er erlebt wesentlich intensivere Momente und seine Kinder hätten ihm die wichtigste Lektionen des Lebens vermittelt, nämlich Gelassenheit, den Blick dafür, was wirklich zählt und sich selbst nicht mehr so ernst zu nehmen. Wenn er mit Menschen spricht, die keine Kinder haben, ist er jedes Mal erstaunt darüber, dass all ihre Gedanken um die eigene Person kreisen und wie unglaublich banal ihm diese Sorgen heute vorkommen, die er vor ein paar Jahren noch selbst hatte.
Es ist nicht so, dass es nichts gäbe, was man auf die Nutzenseite schreiben könnte. Es ist nur so, dass der Nutzen von Kindern schwer zu fassen und zu formulieren ist. Man müsste Dinge schreiben wie: wenn dein Kind dir ein Geheimnis anvertraut, wenn deine Nähe ausreicht, um deinem Kind den Schmerz und die Angst zu nehmen, wenn dein Kind dich auf deinen Wegen zur Langsamkeit und Aufmerksamkeit zwingt, wenn dein Kind die Wand bemalt und dir stolz das Bild zeigt usw. Außerdem scheint Nutzen auch das falsche Wort zu sein. Aber wer ein Kind hat, der spürt es ziemlich schnell. Dass es nämlich eines der größten Geschenke ist, die das Leben einem machen kann, ein Kind beim Aufwachsen zu begleiten.