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Momentan lassen mich die Zweifel nicht los. Wie oft habe ich mir in letzter Zeit wieder die Frage gestellt, warum ich nicht einfach „normal“ sein kann? Warum mich Dinge überfordern, die für andere nur Nebensächlichkeiten sind? Schon der heutige Tag hat mir wieder bewiesen, dass ich sozial völlig inkompetent bin. Andere sind auch dünner, hübscher und klüger als ich. Ständig messe ich mich an ihnen - verliere immer wieder – und doch kann ich nicht aufhören, mich zu vergleichen. Diese ständigen Spiegel, die mir vorgehalten werden, zeigen mir nicht, wer ich bin, sondern nur all das, was ich nicht bin. Meine Fehler definieren mich. Meine Fehler sind alles, was von mir bleibt.
Jemanden, der sich selbst hasst, kann man nicht einfach mit oberflächlichen Floskeln aufbauen. Aber eines ist sicher: Man selbst ist die einzige Person, mit der man garantiert ein Leben lang auskommen muss. Und wenn man mit sich selbst nicht klar kommt, kann sich die Zeit ziehen wie Kaugummi. Deshalb: Verbring' Zeit alleine - lerne deine Stärken und Schwächen kennen - vor allem aber auch, diese zu schätzen. Niemand ist fehlerfrei, geschweige denn perfekt. Und sind es nicht gerade unsere Macken und Kanten, die uns liebenswert und einzigartig machen? Es geht nicht darum, sich blind zu lieben, sondern sich selbst anzunehmen - mit allem, was dazu gehört.
Manchmal habe ich das Gefühl, als sei ich ein herzloses Stück Schei** und unfähig zu lieben. Doch ich will mich nie wieder so sehr von jemandem abhängig machen, dass ich dabei völlig mich selbst verliere.
Und nun bin ich 27... Aber eben war ich doch noch ein Kind? Und auf einmal beunruhigt es mich, weil ich merke, wie vergänglich das Leben eigentlich ist. Mein eigener Gesundheitszustand hat sich über die Jahre stark verschlechtert. Aber auch die Menschen um mich herum – Menschen, die ich liebe – werden älter – krank – lassen allmählich nach... Und auf einmal realisiere ich: Nichts ist für die Ewigkeit. Vielleicht liegt es auch einfach an den Ereignissen der vergangenen Monate – aber ich glaube, ich habe mich noch nie so sehr mit dem Thema Tod auseinandergesetzt. Und es macht mir Angst. Enorme Angst. Dabei geht es in erster Linie weniger um mich selbst, sondern vielmehr um die Welt um mich herum. Nichtsdestotrotz stelle ich mir häufig die Frage: "Wenn ich morgen sterben würde, wäre ich glücklich? Wäre ich glücklich gewesen mit dem Leben, das ich gelebt hatte? Gibt es Dinge oder Entscheidungen, die ich bereue? Hätte ich irgendetwas anders gemacht?" Unsere Zeit hier auf dieser Welt ist begrenzt, und unterm Strich kann uns niemand sagen, wie viel davon uns noch bleibt. Zeit mit unseren Liebsten – Zeit, Dinge geradezubiegen – Zeit, Träume zu verfolgen und Chancen zu ergreifen – Zeit, den Moment zu genießen und das Leben zu leben. Es ist und bleibt eine Ungewissheit, der wir uns alle stellen müssen.
Kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie das ist, geliebt zu werden.
Liebe Godi...
Es ist einfach schon einen Tag her… Vor über 24 Stunden hat dein Herz aufgehört zu schlagen und ich hab's bisher immer noch nicht wirklich realisiert. Keine Frage - uns war allen bewusst, dass dieser Tag kommen würde… Doch, dass es dann letzten Endes doch so schnell gehen würde, damit hat niemand gerechnet… Mit dir geht auch ein Stück meines Herzens, denn unsere Familie war schon immer sehr klein gewesen. Du warst meine einzige Tante. Und jetzt hat dich das Leben mir weggenommen. So wie mir das Leben alle Personen viel zu früh genommen hat. Es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen, als du und Mama an meinem Bett gesessen habt. Schonungsvoll wolltet ihr mir beibringen, dass Oma nicht mehr bei uns ist - Dass sie an den Folgen ihrer COPD-Erkrankung erlegen ist… So, wie diese grausame Krankheit dich jetzt in die Knie gezwungen hat. Damals war ich viel zu jung, um das alles zu begreifen. Wenn wir mal ehrlich sind, war ich mit dem Tod noch nie so wirklich konfrontiert. Um so schlimmer ist es für mich jetzt… Aber es ist zumindest ein kleiner Trost für mich, zu wissen, dass du von deinem Leiden erlöst worden bist. Du hast keine Schmerzen mehr und kannst endlich wieder frei atmen. Ich hoffe sehr, dass du jetzt wieder bei deinem geliebten Carsten bist. Und wo auch immer du bist, hoffe ich, dass du dort mehr Glück hast, als auf dieser Welt. Ich vertraue darauf, dass es dir nun besser geht. Nichtsdestotrotz wünschte ich mir, ich hätte mehr Zeit mit dir gehabt - letzten Endes war's einfach nicht genug. Weißt du, die Leute haben mich immer so oft mit dir verglichen. Oftmals sogar noch vor Mama und Papa. Ganz egal ob vom Aussehen oder Charakter her. Wir waren uns so ähnlich. Ich bin so unglaublich dankbar für die letzten Jahre und dass ich dich am Sonntag noch ein allerletztes Mal sehen konnte. Trotz all dem Morphium warst du in verhältnismäßig "guter" Verfassung. Du hattest ein Lächeln im Gesicht und deine Augen haben unfassbar gestrahlt - Auch, wenn du dich vielleicht im Endeffekt noch nicht einmal mehr dran erinnert hast, so hat es den Anschein gemacht, als hätte dich unser Besuch sehr gefreut. Wir haben unter anderem noch über Weihachtswünsche geredet. Und Mama hat tatsächlich gerade die Tage noch Unmengen an Klamotten für dich bestellt - es macht macht mich unfassbar traurig, zu wissen, dass du diese nun niemals mehr tragen wirst. Ich habe mein Handy übrigens auch nach alten Fotos durchstöbert. Habe einige von dir und Papa gefunden. Auch wenn es deine physische Anwesenheit keineswegs ersetzt, so werde ich morgenfrüh vor der Arbeit in den dm fahren und diese für eine Foto-Weihnachtskugel ausdrucken. Ich hätte so gerne noch ein letztes Weihnachten mit dir verbracht. Aber ich weiß, du wirst mich ohnehin immer begleiten - ganz egal wohin ich gehe - oder auch fahre. Plötzlich fühlt sich das Autofahren so anders an. Immerhin warst du Diejenige, die dieses Auto mehr oder weniger mitfinanziert hat. Ich werde daran denken, wann immer ich damit unterwegs bin und hoffe, du passt auf mich auf, wenn ich mal wieder die Straßen unsicher mache. In dem Sinne: Mach's gut, Godi. Pass' auf dich auf und glaube mir, ich denk' immer an dich und ich werde dich nie, wirklich niemals vergessen! Du warst lange Zeit unglaublich stark und es ist okay, dass du jetzt losgelassen hast! Ich hab' dich lieb.
"Sei nicht immer so freundlich."
- Mein Vater, 25.09.2023
Ich fühl' mich überall einfach nur noch so unerwünscht und Fehl am Platz...
Seit über einem Jahr habe ich dem Druck stand gehalten. Und trotzdem habe ich heute wieder nach einer Zigarette gegriffen. Ich habe zu viel getrunken... Ich habe nicht ohne Grund aufgehört zu rauchen. Ich merke sofort, wie die Zigarette auf meinen Kreislauf schlägt... Und trotzdem braucht jeder Mensch etwas, um seinen Druck zu kompensieren. Ich weiß einfach nicht, wie ich all dem Stress und Kummer noch länger Stand halten soll... Vielleicht ist es an der Zeit, mir selbst einzugestehen, dass ich psychisch gesehen wieder absolut am Ende bin...
Und wie so oft quält mich die Frage: "Was wäre, wenn...?" Aber es ist egal. Es hat halt eben keinerlei Bedeutung mehr. Für manche Dinge im Leben gibt es keine zweite Chance.
18. März 2023
Heute vor 6 Jahren hatte ich meinen letzten Rückfall und irgendwie ist es verrückt. Der Drang sich selbst zu verletzen - manchmal ist er immer noch da.
In der heutigen Generation ein gutes Herz zu haben ist ein größerer Fluch als ein Segen.
Und daran merke ich, dass die Narben nach all den Jahren immer noch nicht komplett verheilt sind. Ich bin ehrlich, wenn ich sage, dass ich dir dein Glück absolut nicht gönne. Vermutlich klingt es absurd und dumm, aber ich gönne es dir einfach nicht, dass du allem Anschein nach wieder jemanden gefunden hast, der in der Lage ist, dich zu lieben. Jemanden, der dich glücklich macht. Auf der einen Seite ist es mir so etwas von egal, ich bin froh und dankbar drum, dass du nicht mehr mein Problem bist. Und auf der anderen Seite wünschte ich mir nichtsdestotrotz, du wärst jemandem über den Weg gelaufen, der dich zerstört. Jemandem, der dich zerstört - so, wie du mich damals zerstört hast.
Lieber alleine, als von den falschen Menschen umgeben.
Und als ich dich verloren habe, habe ich endlich mich selbst wiedergefunden.
Nimm' dir Zeit für die wichtigen Menschen in deinem Leben, bevor die Zeit sie dir wegnimmt.