Demon Slayer - Zwischen Schuld und Sehnsucht
Der Mond stand hoch am Himmel, silbern und klar, als das Anwesen von Tengen Uzui in warmem Licht erstrahlte. Die Nacht war erfüllt vom leisen Klirren von Sake-Schalen, Gelächter und dem rhythmischen Trommeln aus dem Innenhof. Es war selten, dass die Säulen Gelegenheit zum Feiern fanden – zu viel Blut, zu viel Verlust. Doch heute sollte es anders sein. Schließlich waren zwei weitere zunehmende Monde erledigt. Wenn das kein Grund zum Feiern war, was dann?
Tengen, wie immer extravagant, hatte keine Mühen gescheut: Laternen in leuchtenden Farben hingen zwischen den Bäumen, der Duft von gebratenem Fleisch und süßem Reis lag in der Luft. Musik spielte, begleitet von Makio auf der Shamisen.
Mitsuri lachte hell über einen sarkastischen Kommentar von Sanemi, während Gyomei schweigend seinen Tee trank. Muichiro war schon vor einiger Zeit eingeschlafen, während Giyuu so teilnahmslos wie möglich in einer Ecke stand und versuchte, nicht aufzufallen. Shinobu hatte sich mit ihrem gewohnten Lächeln neben Mitsuri gesetzt und nippte hin und wieder an ihrem Becher Sake. Mehr als ein paar Schlucke dürfte sie auch noch nicht intus haben. Und Obanai? Er stand mit verschränkten Armen am Rand des Geschehens – das Gesicht wie immer unter dem Verband versteckt, seine Augen nur auf eine Person gerichtet.
Er hatte den Trubel lange genug beobachtet. Jeder schien in seiner eigenen kleinen Welt zu versinken, eingelullt vom Sake und der seltenen Leichtigkeit des Abends. Er selbst hatte nur einen winzigen Schluck getrunken, mehr aus Höflichkeit als aus Bedürfnis und auch nur in einem Moment in dem er sich unbeobachtet gefühlt hatte.
Sein Blick wanderte wieder zu Mitsuri. Sie hatte ihre Schuhe ausgezogen, saß im Schneidersitz auf einem der Kissen und kicherte über etwas, das Shinobu ihr ins Ohr flüsterte. Ihre Wangen waren gerötet, ob vom Alkohol oder vom Lachen, konnte er nicht sagen. Vielleicht beides. Sie sah unbeschwert, zufrieden und richtig glücklich aus. Ein Lächeln schlich sich auf Obanais Lippen, das wie immer niemand sehen konnte. Mitsuri hatte ihm öfter ihr Leid geklagt, sie habe das Gefühl einige der anderen Säulen wurden sie nicht ganz für voll nehmen. Davon war zumindest in diesem Moment nichts mehr übrig. Suma und Hinatsuru hatten sich zu den beiden weiblichen Säulen gesellt und lachten nun auch aus vollem Hals mit.
Als Mitsuri sich kurz umsah und ihn entdeckte, hob sie die Hand und winkte ihm fröhlich zu. Obanai spürte, wie sich etwas in seiner Brust zusammenzog. So leicht war es für sie – immer schon. Für ihn bedeutete jede Geste, jedes Lächeln, ein kleiner Kampf mit sich selbst. Er quittierte ihre Geste mit einem leichten Nicken, damit sie sich nicht ignoriert fühlte, ehe sie sich wieder an die Insektensäule wandte.
Die Feier lief weiter, doch als sich die Reihen lichteten und die Gespräche leiser wurden, erhob sich Mitsuri schließlich und tappte leicht schwankend zu ihm.
„Obi~“, säuselte sie mit einem Lächeln, „bringst du mich nach Hause?“
Er nickte, als ob er zu ihr jemals nein sagen könnte! Und dann auch noch in diesem Zustand...
Der Weg zu Mitsuris Haus war kurz, aber still. Der Nachthimmel spannte sich in samtigem Dunkel über die Straßen, nur gelegentlich durchbrochen vom warmen Licht einer Laterne. Mitsuri war an seiner Seite ganz ruhig geworden, ihre Schritte leicht und vertrauensvoll, als würde sie sich ganz auf ihn verlassen. Sie hatte sich sofort bei ihm eingehakt als sie Tengens Anwesen verlassen hatten. Das war nicht das erste Mal, dass sie das tat und dennoch fühlte es sich intimer an als sonst. Vielleicht weil sie es sonst bewusst und immer mit einer gewissen Distanz getan hatte, aber dieses Mal kuschelte sie sich regelrecht an seinen Arm.
Als sie schließlich vor ihrer Tür standen, war es Obanai, der die Stille brach. „Ruh dich aus.“
Er wollte sich gerade abwenden, als sie ihn sanft am Ärmel seines gestreiften Haoris festhielt.
„Willst du… noch reinkommen?“
Er stockte. Ihre Stimme war weich, fast flüsternd – nicht betrunken, sondern ehrlich, hoffnungsvoll.
Er zögerte, wog ab. Dann verließ ihn der Mut.
„Gute Nacht“, erwiderte er leise, ohne auf ihre Frage einzugehen. Er wandte sich ab, ging die wenigen Stufen von der Veranda und machte sich auf den Weg den Hof zu verlassen. Seine Augen suchten den Boden, doch als er den Fehler beging und sich noch einmal zu ihr umdrehte, blieb sein Blick an ihrem Gesicht hängen.
Sie hatte sich keinen Zentimeter fort bewegt, stand noch immer still im Rahmen der Türe und sah ihn an wie jemand, der gerade einen Traum verlor. War sie etwa… enttäuscht? Und bevor sein Verstand ihn hätte warnen können, seufzte er, leise, fast unhörbar und trat zurück zur Tür.
„Nur kurz“, sagte er bestimmt, mehr zu sich selbst als zu ihr.
Sie standen im Flur, eingehüllt in Halbdunkel und das leise Knarren des alten Bodens unter ihren Füßen. Obanai wollte gerade etwas sagen, vielleicht einen Abschied, vielleicht eine Entschuldigung – da war Mitsuri schon bei ihm.
Sie musterte ihn mit ihrem leicht glasigen Blick, neugierig oder vielleicht sogar verliebt?
Ihre Finger fanden den Kragen seines Haoris und nestelten ein wenig daran herum. Für gewöhnlich trug er Kaburamaru auf seinen Schultern, aber an diesem Abend hatte er seine Schlange in seinem Anwesen zurückgelassen.
„Das ist so ungewohnt…“, murmelte sie und plötzlich wanderten ihre Finger von seinem Kragen zu seiner Wange, fuhren sanft über den Verband über seinem Mund.
Er merkte, wie sein Herz einen Schlag aussetzte. Mitsuri war so nah, näher als je zuvor und das obwohl sie eine wirklich innige Freundschaft verband. Er roch ihren blumigen Duft, etwas das an Kirschblüte erinnerte. Irgendetwas war anders und er konnte es selbst noch nicht ganz in Worte fassen, da warf sie ihm einen fragenden Blick zu.
Er wusste genau was sie wollte, und so unfassbar es sich in seinem Verstand auch anhörte, sie wollte ihn.
Bisher hatte er sich immer zurück gehalten, sich selbst ermahnt, der Liebessäule nicht zu nahe zu kommen. Aber irgendwann bröckelte eben auch sein Widerstand. Und obwohl er so bemüht war, sie auf Abstand zu halten, gab er auf.
Mitsuri interpretierte sein Schweigen als ja, zog ihn zu sich, und bevor er auch nur Luft holen konnte, hatte sie den Verband nach unten geschoben und ihre Lippen auf seine gelegt.
Es war kein vorsichtiger Kuss. Es war einer, der sich aufgestaut hatte über Monate des Verlangens. Sie wusste was sie wollte und Obanai hörte auf, es ihr zu verwehren.
Er zog sie fest an sich, hielt sie an ihrer Taille, als wolle er nie wieder loslassen. Mitsuri küsste ihn atemlos, voller Wärme und Hunger zugleich. Ihre Hände wanderten über seinen Nacken in sein schwarzes Haar, dann tiefer an seinen Rücken. Vollkommen überrumpelt von diesem neuen, aufregenden Gefühl taumelten sie rückwärts, bis Mitsuri an eine Anrichte stieß. Obanai knurrte frustriert, hob sie an, setzte sie auf das Möbelstück und platzierte sich selbst zwischen ihren Beinen ohne je den Kuss zu unterbrechen.
Mitsuri keuchte, als sie sich nur wenige Zentimeter von ihm löste. Erst jetzt bemerkte er den roten Schimmer auf ihren Wangen, das nervöse, aber aufgeregte Funkeln in ihren Augen.
Ihr Blick wanderte ein wenig nach unten, ihre Finger folgten, fuhren vorsichtig über seine Narben. Ihre Haut fühlte sich seltsam warm an und es war zuerst fremd an dieser Stelle berührt zu werden, aber kurz darauf, gefiel es ihm.
Mitsuri war einerseits fasziniert, andererseits entsetzt über diesen Anblick. Sie hatte Obanai noch nie ohne seinen Verband gesehen und bisher nur Gerüchte über das gehört, was er darunter versteckt hatte. Kyojuro hatte damals gesagt, dass in fast jeder dieser Geschichten ein kleines Fünkchen Wahrheit steckte, die grausame Realität war jedoch nie ans Licht gekommen. Und so sehr Mitsuri es auch hatte wissen wollen, Kyojuro hatte viel zu viel Respekt vor seinem Freund, als dass er ihr dieses Detail einfach so verraten hätte. Er hatte ihr geraten einfach abzuwarten, Obanai würde sich ihr öffnen, wenn er dazu bereit wäre.
„Tut es weh?“, fragte sie leise, beinahe unbewusst. Sie hatte schon eine Menge Narben gesehen, Shinazugawa war übersät davon und genierte sich auch überhaupt nicht diese zu zeigen. Aber Obanais Narben waren… schlecht verheilt. Wirkten, als hätte man ihm gewaltsam die Wangen aufgeschlitzt. Sie biss sich auf die Unterlippe, wollte sich gar nicht ausmalen, wie sehr das geschmerzt haben musste.
„Manchmal“, erwiderte er leise, seine Stimme unerwartet ruhig.
Ehe Mitsuri auch nur einen weiteren Gedanken über die Konsequenzen verschwenden konnte, fragte sie: „Was ist passiert?“
Sofort bereute sie ihre Frage, sein Blick sprach Bände.
Viel zu schnell wich er einen Schritt zurück, brachte eine entsetzliche Kälte zwischen sie. Verwirrt verfolgte sie den distanzierten Ausdruck in seinen Augen.
Sie versuchte ihn zu besänftigen, sagte, dass er nicht mit ihr darüber reden musste, wenn er das nicht wollte, aber es schien, als würde sie gar nicht mehr zu ihm durchdringen. Er machte einen weiteren Schritt zurück, warf einen kurzen Blick in den Spiegel an der Wand und sie verfluchte sich insgeheim, überhaupt diesen verdammten Spiegel im Flur angebracht zu haben.
Seine Augen weiteten sich, vor Entsetzen oder Schock, so genau wusste sie das nicht, jedoch schien ihn dieser Anblick zurück in die Realität zu befördern denn, er murmelte nur eine Entschuldigung und machte dann auf dem Absatz kehrt. Es wirkte wie eine Flucht, als hätte ihre einfache Frage einen Schalter in ihm umgelegt.
Dabei konnte Mitsuri gar nicht wissen, was in der Schlangensäule just in diesem Moment vorging. Sein Anblick hätte ihn gar nicht so geschockt, es waren viel mehr diese hässlichen Gestalten seiner Verwandten, die er wiedergesehen hatte, ihre knochigen, gierigen Hände, die ihn versuchten direkt in die Hölle zu ziehen. Das Gewicht auf seinen Schultern fehlte, Kabuaramaru war nicht hier und sofort war die Panik heimgekehrt wie ein alter Nachbar, den man einfach nicht los wird.
Ein jahrelang antrainierter Automatismus hatte die Kontrolle übernommen, ihn ein paar wenige Worte sagen lassen, ehe er das Anwesen verlassen und sich sofort auf den Heimweg gemacht hatte.
Obanai hatte zwar registriert, dass Mitsuri ihm zumindest bis zur Haustür noch nachgelaufen war, hatte aber keines ihrer Worte wahrnehmen können.
Mitsuri folgte ihm nicht weiter, immer im Bewusstsein, dass sie es dadurch vielleicht nur noch schlimmer machen würde. Schließlich blieb sie frustriert zurück, selbst nachdem seine Silhouette längst im Dunkel der Nacht verschwunden war und machte sich gedanklich Vorwürfe, wie sie ihn hatte nur so schnell verjagen können. Da waren sie sich nach so langer Zeit endlich näher gekommen und sie hatte mit ihrer dummen Neugier alles zu Nichte gemacht. Mitsuri fluchte, nahm sich vor ihn nicht so einfach gehen zu lassen und beschloss, ihn morgen früh direkt einen Besuch abzustatten um sich bei ihm zu entschuldigen.
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Nach jahrelanger Abwesenheit mal wieder ein Versuch einer Fanfiktion. Dieses Mal allerdings im Demon Slayer Universum. Auch wenn ich keine Ahnung hab ob das hier überhaupt jemanden erreicht :D















