Immer da
Jahre vor unserer Zeit lebte ein kleines Mädchen namens Julia.
Julia war ein Mädchen, wie man es sich nur vorstellen konnte. Sie hatte seidige Haare, die fast immer zu zwei Zöpfen gebunden waren, trug bunte Kleider und eine Schleife im Haar.
Julia war ein sehr talentiertes Mädchen, sie spielt schon Klavier und Gitarre, sang und tanzte regelmäßig und schrieb immer gute Noten in der Schule. Sie war sowohl bei den Lehrern, ihren Mitschülern als auch in ihrer Nachbarschaft beliebt und jeder freute sich sie zu sehen. Nichts desto trotz war Julia nie arrogant, gab jedem eine Chance und half anderen Menschen sobald sich ihr die auch noch so kleinste Gelegenheit bot. Viele Menschen. Vor allem Erwachsene, waren erstaunt darüber und so kam es, dass ein älteres Paar das kleine Mädchen auf ihr Verhalten ansprach. „Ich bin so, weil Mama mir das beigebracht hat. Mama hat immer gesagt, dass egal wie toll ich in etwas bin, ich andere Leute nicht auslachen soll, nur weil sie schlechter sind. Sie hat immer gesagt, dass ich es den Leuten dann lieber beibringen soll, damit sie genauso toll darin werden wie ich.“ Das Paar warf sich zwei bedeutende Blicke zu. Der eine sagte: „Sie ist sehr erwachsen und schlau.“ der andere sagte „Warum spricht das Mädchen in der Vergangenheit?“ Doch schon bevor die beiden weiter nachhaken konnten, sprach das Mädchen vergnügt weiter. „Wissen Sie, meine Mama, die ist nicht mehr bei uns. Sie ist schon seit drei Jahren nicht mehr da. Das letzte Mal als ich sie gesehen habe, war als sie in ein großes, weißes Gebäude ging. Danach kam sie nie wieder. Papa sagt immer, dass Mama an einem sehr schönen Ort ist und von da auf mich aufpasst. Manchmal kann ich sogar spüren, wenn sie in meiner Nähe ist. Ich kann sie auch in schönen Dingen spüren, in Blumen, in Eis, in unserem Hund Maja. Ich frage mich, ob Papa sie auch spüren kann. Ich weiß, dass er traurig ist, dass Mama nicht mehr bei uns ist, deswegen tröste ich ihn immer. Ich sage dann immer, dass Mama ihn ganz viel lieb hat und dass wir sie vielleicht mal besuchen gehen können.“ Das Paar wusste nicht was es antworten sollte, sagte dem Mädchen, dass es noch einkaufen gehen müsse und verabschiedete sich von ihr. Julia dachte sich nichts dabei und ging nach Hause.
Dort angekommen begrüßte sie ihren Vater und erzählte ihm von dem Gespräch. Er hörte ihr zu und lächelte am Ende leicht. „Weißt du, erwachsene Menschen sehen Dinge sehr oft anders als Kinder. Die zwei wollte wahrscheinlich nur nichts Falsches sagen und haben deswegen nicht geantwortet. Aber wenn du älter bist, dann wirst du verstehen was ich damit meine. Jetzt komm, wir wollten doch noch zur Oma fahren.“ Julia nickte und zog ihre Schuhe an. Dabei dachte sie nach. Würden andere Leute, vor allem Erwachsene und ihr Vater jemals herausfinden, dass Julia wusste, dass sie ihre Mutter nie wieder sehen würde. Julia wusste ganz genau wo sich ihre Mutter befand und was das bedeutete, sie erhielt lediglich für ihren Vater die Fassade des jungen unwissenden Mädchens aufrecht, damit er sich keine Sorgen um sie machte. Denn egal wie traurig es Julia machte, dass sie ihre Mutter nie wieder persönlich sehen würde, so konnte sie sie dennoch in all den schönen Dingen ihres Lebens wiederfinden und manchmal, wenn Julias Tag besonders schön war, konnte sie ihre Mutter sogar lachen hören und konnte spüren, wie die Wärme einer mütterlichen Umarmung sie umgab und ihr zeigte, dass sie niemals allein sein würde.














