Thomas Müller/Holger Badstuber: Schrittzähler (15.07.2013)
~*~*~*~*~ Sich – sowohl stolz als auch erschöpft – den Schweiß von der Stirn wischend, blickte Thomas sich um. Kurze Verschnaufpause, ehe die nächste Einheit anstand. Selbst nach verhältnismäßig kurzem Urlaub freute er sich auf die nächsten Aufgaben, wohlwissend, dass nun einiges anders werden würde. Triple-Saison war gestern – und schon seine ersten, unerwartet wortgewandten Gespräche mit Pep hatten darauf schließen lassen, dass nicht nur System und Aufstellung umgemodelt werden würden. Woran er sich erst noch würde gewöhnen müssen, war die Tatsache, dass ihre Nummer dreiunddreißig vorerst nicht besetzt sein würde – auch wenn eine derzeit noch auf der Bank hockende Person anderes vermuten ließ. Thomas seufzte; Holger dort sitzen zu sehen, neben Mario Götze, ein Gómez-Trikot tragend, das rechte Bein samt Schiene höher gebettet, hatte etwas Surreales an sich. Wie ein künstlicher Mensch wirkte er, ruhiggestellt, relativ unbeweglich, zur langsamen Reha verurteilt; noch so ein Bild, an das er sich nicht gewöhnen konnte. Es im Grunde auch gar nicht wollte. "Bist die Ruhe selbst, mh?", hatte Thomas Holger gestern noch gefragt, woraufhin dieser nur mit den Schultern gezuckt hatte. "Wenn ich wieder fit bin, werd' ich besser sein. Also, mental auf jeden Fall. Schritt für Schritt, da mach' ich mir gar keine Sorgen, sonst wär‘ die ganze Mühe doch umsonst gewesen." Er liebte Holger für seine Zuversicht, die alles andere als selbstverständlich war; Marios 'Verlust' war immerhin ein weiterer Rückschlag gewesen. Thomas hingegen musste Tag für Tag die leise Angst ignorieren, eventuell nie wieder mit ihm gemeinsam auflaufen zu können. Es war unsinnig und absolut nicht seine Art, den Teufel an die Wand zu malen. Doch hier ging es um Holger. Seinen Holger. "Ich zähl' dann die Schritte bis zu deinem Comeback!", hatte Thomas gelacht, sich zu ihm gekniet – und einen sanften Kuss auf sein Bein gesetzt. Warten war alles, was er tun konnte.












