Eine kleine Erinnerung an den 15.07.2013, dem Tag an dem sich beide Gruppen in Kraków trafen
Wir standen nach unserem Mittagessen in einem amerikanischen Schnellrestaurant noch vor selbigem und warteten auf einen Mitschüler. Unser, aus den beiden Gruppen gemischtes Grüppchen, unterhielt sich deshalb angeregt über das Erlebte, da jeder dem anderen einen guten Einblick über das Bevorstehende geben wollte. Unsere Unterhaltung war verständlicherweise auf Deutsch.
Plötzlich platze ein etwa drei Meter entfernt stehender junger Mann, vielleicht zwanzig Jahre alt, in unser Gespräch: „Ich...ich habe nicht!“ rief er uns zu. Die meisten unserer Gruppe drehten sich nur kurz um, blieben aber weiter in ihrem Gespräch vertieft, da sie sich nicht weiter angesprochen fühlten. Als der junge Mann merkte das wir nicht reagierten, wiederholte er lauter „Ich habe nicht!“ Darauf hin fragte ein Schüler: „Was hast du nicht?“ Der junge Mann schien verwirrt zu sein. Nach einem kurzen Moment antwortete er dann wieder mit „Ich habe nicht!“ Auch unsere Frage „Do you speak German?“ Brachte ihn nur wieder zum Schweigen. „My English...not good“ stammelte er schließlich.
Als wir ihn dann auf Deutsch fragten: „Sprichst Du Deutsch?“ antwortete er wieder mit „Ich habe nicht!“. Schließlich wurde der junge Mann, der offensichtlich Pole war von einem anderen Polen angesprochen und verabschiedete sich noch mit „Hi!“ von uns, bevor er weiter ging.
Das, was man im ersten Moment vielleicht als Pöbelei hätte abtun können oder der kurze Gedanke, der junge Mann könne etwas zurückgeblieben sein, gestaltete sich nun ganz anders. Er hatte uns gesehen, festgestellt, dass wir uns auf Deutsch unterhielten und hatte uns darauf hin stolz seine Deutschkenntnisse präsentieren wollen. Er hatte freundlich sein wollen - hatte den Kontakt gesucht.
Das er dabei etwas scheiterte ist mir im Nachhinein ziemlich egal, er hatte es versucht und nicht mit einem typischen Vorurteil reagiert, wie man vielleicht hätte denken können.
Ich finde es ist eine wundersame, wunderschöne Erinnerung in dieser doch eher traurigeren Fahrt.
-Ein Text von Verena (damals 15)