Es gewittert
Ganz förmlich – mit Blitz, Donner, grauem Himmel.
Und ich? Ich stehe da. Nicht ängstlich. Nicht froh. Einfach da.
Als Kind hatte ich Angst. Die Welt bebte, und ich bebte mit ihr. Ich habe gelernt, standzuhalten.
Mit der Zeit habe ich begonnen, das Gewitter zu lieben. Seine Kraft, seine Ehrlichkeit, seinen Aufruhr – als wäre draußen endlich jemand genauso unruhig wie ich.
Jetzt bin ich hier, allein. Es gewittert… und ich fühle nichts. Keine Angst. Keine Freude. Kein Echo in mir.
Nur Stille. Nur Beobachtung.
Und das bringt mich ins Wanken. Denn wenn selbst das Gewitter mich nicht mehr erreicht – wo bin ich dann? Wer bin ich?
Bin ich ruhig geworden oder einfach leer? Habe ich mich entwickelt oder mich verloren? Es gewittert – und plötzlich ist das nicht mehr nur Wetter.
Es ist eine Frage. Eine Prüfung. Ein Spiegel.
Und ich erkenne mich nicht ganz.












