„Begabt“ erzählt die außergewöhnliche Geschichte eines außergewöhnlichen Talentes. Mary ist die Tochter einer brillanten Mathematikerin, die sich jedoch das Leben genommen hat, so dass sie bei ihrem Onkel aufwächst. Sie entwickelt sich zu einem Wunderkind, dass sich bereits als Siebenjährige mit höherer Mathematik beschäftigt. Der daraus resultierende Rechtsstreit zwischen ihrem Onkel und ihrer Großmutter, die das Mädchen einer Eliteausbildung unterziehen will, inszeniert Marc Webb als bewegendes und zutiefst menschliches Drama.
Chris Evans als Maries Onkel kann hier sein ganz großes Schauspieltalent zeigen. Die Szenen zwischen ihm und der jungen Schauspielerin Mckenna Grace sind voller magischer Momente und beweisen einmal mehr Webbs Talent für die leisen zwischenmenschlichen Töne. Er schafft es insgesamt sehr gut, seinen Charakteren Leben zu verleihen und sie nicht zu eindimensional zu gestalten. So weiß „Begabt“ an vielen Stellen zu bewegen und ist mitreißend inszeniert. Das kann jedoch nicht immer darüber hinweg täuschen, wie konstruiert der Plot eigentlich ist. Mal davon abgesehen, dass Marie als hochbegabtes Kind dermaßen perfekt ist, das es schon fast unnatürlich wirkt, sind die Streitpositionen der Großmutter und des Onkels dermaßen extrem, dass es eigentlich von vornherein klar ist, dass nur ein Kompromiss tragbar sein wird, zu dem es dann schließlich auch kommt, wie man ohne zu spoilern hier preisgeben kann. Insofern handelt es sich bei dem Grundkonflikt des Plots nur um einen Sturm im Wasserglas. Wenn man jedoch über diesen etwas künstlichen Rahmen hinweg sehen kann, ist Marc Webb ein einfühlsamer, zutiefst menschlicher und bewegender Film gelungen, dessen Langzeitwirkung es allerdings mit seinem herausragendem „500 Days of Summer“ nicht wird aufnehmen können.