January reads - Blutbuch Kim De l'Horizon (2022)
... wenn dir dieses Buch gefallen hat, kann ich dir Rot (Hunger) von Senthuran Varatharajah (2022) sehr, sehr, sehr, seeehr empfehlen!!
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January reads - Blutbuch Kim De l'Horizon (2022)
... wenn dir dieses Buch gefallen hat, kann ich dir Rot (Hunger) von Senthuran Varatharajah (2022) sehr, sehr, sehr, seeehr empfehlen!!
Kim de l'Horizon: Blutbuch
(2022)
Queer, feucht, weird und das wars? Und dafür erhält jemensch den deutschen und den Schweizer Literaturpreis? Das kann nicht sein. Da muss mehr dahinter stecken. Finden wirs heraus...
Das Buch ist enorm vielschichtig. Wer es auf Queerness reduziert, tut ihm Unrecht. Vordergründig geht es um die Suche nach sich selbst, nach einem Platz in der Gesellschaft. Aber es ist auch eine wunderbare Hommage an die Grossmutter - "Grossmeer" - und all die "Meers" und "Grossmeers" und "Urgrossmeers" vor ihr, die nicht sein konnten und durften, wer sie waren.
"You are a carrier. You know that, and not only you. But you alone cannot heal everybody, you need to decide what to carry and how. And you need to find better ways to get rid of the rest." (S. 288)
Auf der Suche nach der passenden Form tastet sich der Text durch verschiedene Textsorten vor. Märchen, die die Welt des Kindes Kim beschreiben: Das Märchen von der Eishexe Mutter, für die das Kind seine ganze Kraft und Liebe gibt, um sie aufzutauen. Das Märchen, in dem die Blutbuche sprechen kann und dem Kind erklärt, wie es so stark und beständig werden kann. Dann auch Selbstreflexionen (m.E. die am wenigsten gelungenen Passagen), Nachdenken übers Schreiben, Bericht über den Alltag, Telefongespräche und schliesslich die Briefe an "Grandma" auf Englisch, "the language that you don't really understand".
Die Sprache ist mindestens so wichtig wie der Inhalt. Die "Meersprache" (mothertongue), die "Grossmeersprache", die sich anfühlt wie ein Meer, dass mensch umgibt, aber auch das Hochdeutsche, das beinahe schon ein Verrat ist: Johannisbeere statt Meertrübeli...
Es ist die Suche nach einer Sprache, in der mensch Mensch sein kann. Ich sein kann. Eine Sprache, die nicht unterscheidet zwischen Mann und Frau, die die Freiheit lässt, das Ich ausserhalb von Geschlechterrollen zu finden.
Es ist ein beeindruckendes, sprachgewaltiges, fantasievolles Buch. Es braucht aber auch Mut, sich darauf einzulassen, seine eigenen Rollenbilder zu hinterfragen und zu überlesen, was mensch vielleicht nicht ganz so detailliert wissen möchte.
Kurzer Überblick über den Stand der Kriegspropaganda der Westmedien.
Das Hamburger Bulletin für Frontberichterstattung und Russenkunde verknüpft geschickt die kulturelle und die echte Front: nachdem schon irgendeinem identitätsgestörten Privatporno-Autoren der „Deutsche Buchpreis 2022“ verliehen wurde, KONNTE der „Friedenspreis des Deutschen Buchhandels“ natürlich nur an einen tapferen Verkünder unserer westlichen Werte gehen, der in der Ukraine unsere dortigen Freiheits- und Demokratieverteidiger unterstützt, indem er Geld für sie sammelt.
Ganz wie ein früherer deutscher Kanzler glaubt auch der so geehrte Friedenspreisträger ganz fest an den Endsieg über den Russen, und ganz wie der ideelle „Spiegel“-Vorgänger mit dem sportlichen Namen räumt die Hamburger Ostfrontgazette solchen Fantasien gerne Platz im Blatt bzw. im Online-Auftritt ein.
Damit der Zusammenhang klar ist, platzieren die journalistischen Sturmabteilungen des „Spiegels“ die allerbeste Nachricht gleich direkt daneben: der ukrainische Soldat, zuletzt doch arg gebeutelt vom Russen (der einfach Menschen und Material mobilisiert, um frecherweise diesen Krieg zu gewinnen), kann kaum an sich halten vor lauter Begeisterung über deutsche Waffen! Diese Waffen sind so gut, dass sie vom „Spiegel“ quasi ein Eigenleben zugesprochen bekommen, eine Persönlichkeit, die man mit einem Besuch „an der Front“ ehrt. Das macht Sinn, denn wer hätte gedacht, dass die Gelegenheit, mit dem Feind im Osten die alten Rechnungen zu begleichen und endlich wieder DEUTSCHE WAFFEN sprechen zu lassen (die einzige Sprache, die der Russe versteht!), so schnell wieder da ist, keine achtzig Jahre nach dem letzten, leider gescheiterten, Versuch, dem Iwan unsere Werte beizubiegen.
Damit ist das höchst um seinen Wohlstand besorgte bildungsbürgerlicher Publikum bestens auf den Sonntag eingestimmt, kann mit wohligem Schauer sein Croissant in den Frühstückskaffee eintunken und sich damit trösten, dass trotz des schlimmen, ja sogar brutalen und völkerrechtswidrigen Angriffskrieges, den der Russe - genau wie damals!! - auf unsere gesamte Zivilisation führt, nicht nur unsere kulturelle Überlegenheit per Buchpreisen klar zutage tritt, sondern dass vor allem auch die großartige deutsche Waffentechnik wieder einmal dazu beiträgt, den Endsieg zu erringen.
Dieses peinliche verbale Erbrechen mit einem Buchpreis auszuzeichnen hat in etwa die Güte und den Wert des Endsieges der ukrainischen Asow-Nazi-Sympathisantenkapelle beim Eurovision Song Contest.
Passt aber ins zeitgeistige Bild kompletter kultureller Umnachtung und Degeneration im Namen von Diversität und des medialen Abfeierns sexueller Minoritäten und Identitätsstörungen.
Worauf es ankommt in diesem Abziehbild von Kultur, das der Imperialismus seinen Untertanen anbietet, ist die konsequent individuelle Gefühligkeit, die Identifikation mit und Absolutsetzung von jedweder Emotion oder Macke, die dem sozial, kulturell und emotional vom Imperialismus beschädigten Individuum gerade durch den Kopf geht.
Warum? Um daraus ein „Statement“ zu machen.
Für was? Für die alternativlose, unabänderliche, erbärmliche Reduzierung des Einzelnen auf ein isoliertes, jedem sozialen Kontext enthobenes Wesen. Die Sorte Lebewesen, die der degenerierte Imperialismus braucht, um seine Herrschaft über die Gesellschaft noch ein wenig zu verlängern (und die wohl auch viele Individuen brauchen, um das Leben unter solchen Verhältnissen überhaupt noch auszuhalten).
Buchpreis (2)
Kaputte Politik, kaputte „Kultur“Anmerkungen zur Verleihung des Deutschen Buchpreises von Wolfgang Hübner. (more…)
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Buchpreis zum Davonlaufen
Gleich vorweg: Niemand soll glauben, ich schriebe das aus Neid oder sowas. Der Gedanken kann natürlich aufkommen. (more…)
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