23.09.2017
Die Haltbarkeit von Arcade-Automaten
Im Computerspielemuseum Berlin unterhalte ich mich mit @motropie, der dort für technische Belange zuständig ist, über den Zustand alter Technik heute und deren Instandhaltung. Weil ich mir erst danach Notizen mache und noch Informationen aus vorherigen Gesprächen einfließen lasse, ist dieser Text nicht in Interview-Form.
Im Museum gibt es einige Arcade-Automaten und für die Sonderausstellung «20 Meilensteine aus Deutschland» wurde ein Nürburgring Power-Slide instand gesetzt. Der Nürburgring-Automat war beim Ankauf betriebsbereit, aber man konnte nicht schneller als 80 km/h fahren. Trotz Kontakt zum Sohn des Herstellers (die Firma stellt heute Fahrsimulatoren her) gab es keine Schaltpläne mehr. Nach etwas Fehlersuche stellte sich heraus, dass ein Kondensator defekt war und nach dem Austausch funktionierte wieder alles.
Wenig aussagekräftiges, aber sehr technisches Bild des Innenlebens des Nürburgring-Automaten
Generell sind bei alter Elektronik-Hardware – zumindest ohne bewegliche Teile, also auf das Innenleben der Automaten beschränkt – die Kondensatoren die häufigste Fehlerquelle, weil sie eine beschränkte Lebensdauer haben. (Wie lange genau, ist etwas komplizierter). Kondensatoren können aber gut ausgetauscht werden. Widerstände, Logikbausteine und Prozessoren machen für gewöhnlich keine Probleme.
Ein großes Thema beim Versuch, originale Hardware zugänglich und spielbar zu halten, sind Bildröhren. In allen Arcade-Automaten sind ursprünglich Bildröhren verbaut. Obwohl Bildröhren tendenziell repariert werden können, ist es zunehmend schwierig, jemanden zu finden, der das noch kann. Um Röhren zu warten, muss man sich mit analoger Technik und Hochspannung auskennen, selbst studierte Elektrotechniker wollen damit oft nichts zu tun haben. Und die Ersatzteilversorgung wird zunehmend schlechter, weil fast keine Röhren mehr hergestellt werden.
Das führt dazu, dass manche Automaten auf Flachbildschirme umgerüstet werden, damit man sie weiterhin ausstellen kann, teilweise auch mit neuer Technik und einem Emulator im alten Gehäuse. Das führt zu neuen Problemen, weil die Spiele ursprünglich für die nicht perfekte Darstellung konzipiert wurden und teilweise auf besserer Hardware optisch sogar schlechter aussehen. Der Arcade-Emulator MAME bietet aber die Möglichkeit, die Unschärfe, Zeilenoptik und Wölbung von CRT-Monitoren zu simulieren. Das wird im Museum aber noch nicht genutzt.
Das Umrüsten der Automaten auf neuere Hardware führt dann wiederum dazu, dass Fans der Spiele die Mitarbeiter beschimpfen. Da das Ziel des Museums aber Bewahrung und Zugang ist, kann man darauf keine Rücksicht nehmen.
(Franz Scherer)










