Blick ins Atelier von Isabelle Weber in Luzern
Virtuell besuchen wir Kunstschaffende, die mit dem Museum verbunden sind, in ihren Ateliers. Es interessiert uns, woran sie gerade arbeiten, was sie beschäftigt und wie sie ihre Arbeit strukturieren.
Isabelle Weber (*1994) bespielt aktuell den «Dienstraum», unsere Dependance auf Gleis 7 im Bahnhof Olten mit seiner Arbeit «Ocean Currents». Sie wurde von uns 2020 im Rahmen der jährlich im Sommer in Olten stattfindenden JKON (Junge Kunst Olten) mit dem JKON-Ausstellungspreis ausgezeichnet, der die Möglichkeit einer Präsentation im Dienstraum beinhaltet. Katja Herlach hat der Luzerner Künstlerin und Kuratorin ein paar Fragen gestellt und sie gebeten, uns Einblick in ihre Arbeitsstätte und die Entstehung ihrer neusten Arbeiten zu geben:
Antworten der Künstlerin
1 Liebe Isabelle, wie geht es Dir heute?
Ich bin voll im Schuss, gerührt und bestärkt vom gestrigen feministischen Kampftag.
2 Wie kommst Du mit dem neuerlichen Lockdown zurecht? Hat sich Deine Situation/Arbeitsweise durch die Corona-Krise verändert?
Meine Mobilität und auch meine Arbeitsweise haben sich schon ziemlich verändert. Eigentlich würde ich jeden Monat für eine Woche irgendwo mit meinen Mitstudierenden vom Dutch Art Institute zusammenkommen, das fehlt sehr und online geht vieles verloren.
3 Wie sieht Dein Arbeitsort aus?
4 Woran arbeitest Du gerade?
Die Arbeit um «Ocean Currents» ist für mich noch nicht beendet, die Themen interessieren mich noch immer sehr und bin gerade wieder vermehrt am Recherchieren. Die Ausstellung im Dienstraum war sozusagen eine erste Setzung dieser Arbeit, die sich auch weiterentwickeln darf.
Isabelle Weber: Ocean Currents, 2020 Ausstellungsansicht, Dienstraum, Bahnhof Olten, 2021
Ich möchte vor allem wieder an einem analogen, skulpturalen Output arbeiten, für den im Januar nicht mehr genug Zeit da war. Mich interessiert diese Balance zwischen digitalen Räumen und Materialien und diese zweite Komponente ist im Dienstraum etwas zu kurz gekommen.
Mein Studium nimmt momentan auch gerade viel Zeit in Anspruch. Dafür produziere ich gerade zwei Audioarbeiten «Listening Sessions» mit Mitstudierenden. Da sind wir jetzt am Schreiben und Aufnehmen, ansonsten ist es viel lesen und diskutieren. Als Ausgleich zum den vielen theoretischen Texten des Studiums habe ich mit den «photoshop diaries» angefangen und in «Lieber Geliebter» sammle ich Liebesbriefe (vorwiegend Phishing-Mails).
Aufnahmen für Audioarbeiten
Photoshop Diaries
5 Was interessiert Dich am Dienstraum? Wo knüpfst Du für Deine Intervention an?
Ein Durchgangsort, ein Ort der Mobilität, der Bewegung; mit einem Publikum, das nicht die Intention hatte, Kunst anschauen zu gehen. Mir gefällt daran, dass sich dort wohl die wenigsten Menschen länger aufhalten wollen – aber es wohl oder übel vielleicht doch mal müssen. Ich finde es spannend, der kurzen Zeitspanne der Betrachtenden eine längere Videoarbeit entgegen zu setzen. Deshalb (und wegen der schwierigeren Audiosituation am Bahnhof) gibt es die Onlineversion. Die Arbeit kann so in den Zug mitgenommen werden, und verlässt den Bahnhof Olten, wie die meisten Besucher*innen auch…
6 So wie jetzt im Dienstraum, hast Du auch an der JKON 2020 schon eine Videoarbeit präsentiert (A Granular Idea, 2019). Uns hat damals u. a. auch die sorgfältige Präsentation überzeugt. – Welchen Wert misst Du der «Inszenierung» von Videoarbeiten bei und wie gehst Du mit den besonderen Rezeptionsbedingungen von Videokunst um (Betrachter*innen müssen sich Zeit nehmen…).
Ich gehe Videoarbeiten von einer skulpturalen Denkweise an, eine räumliche Setzung ist mir sehr wichtig. Deswegen arbeite ich auch lieber mit Screens als mit Projektionen für die körperliche Präsenz der Videos. Zur Zeitlichkeit: Einerseits waren die Videoarbeiten immer in einem Ausstellungskontext angedacht (v. a. A granular idea, 50 Minuten) in dem die Betrachtenden rein und rauslaufen und auch von 10 Minuten einen Eindruck kriegen. Und andererseits kann man sich auch für nicht «temporale Arbeiten» (mehr) Zeit zur Rezeption nehmen. Auch bei einer fotografischen Arbeit genügt ein kurzer Blick allein ja auch nicht.
7 «The ocean as an example» – so beginnt der Text Deiner Videoarbeit «Ocean Currents». Der Ozean, das Meer als Beispiel – wofür?
Der Ozean als Beispiel, um über sich verändernde Ökologien, (nicht-)menschliches Zusammenleben und vergangene und zukünftige Formen des Alterns nachzudenken. Ein Gefäss mit einer affektiven Fluidität und einer scheinbar anderen Zeitlichkeit.
Schleckmuschelproduktion aus Austern 8 Magst Du Bahnhöfe? Bist Du gern auf Reisen?
Ich mag, dass mich Bahnhöfe in die Ferne ziehen.
9 Wo kann man sonst aktuell Kunst von Dir sehen und was sind Deine nächsten Projekte?
Ich kuratiere seit Februar mit zwei Freundinnen einen kleinen Kunstraum in Luzern, den KEINRAUM. Kommt vorbei!
Isabelle Weber, 9.3.3021 Alle Fotos: © Isabelle Weber
Isabelle Weber
ist in Luzern aufgewachsen und studierte Vermittlung in Kunst und Design an der Hochschule der Künste Bern, Kunstgeschichte (Moderne und Gegenwart) an der Universität Bern und freie Kunst an der Kunsthochschule in Utrecht (NL). Seit 2020 ist sie Studentin im Masterprogramm des Dutch Art Institute. Die Künstlerin arbeitet multimedial – hauptsächlich skulptural, installativ und mit Video. Mehr zu Isabelle Webers Ausstellung im Dienstraum gibt’s > hier
JKON – Junge Kunst Olten
Die JKON fördert junge Künstler*innen im Alter von 18 bis 35 Jahren. Im Rahmen einer dreitägigen Ausstellung bietet sie ihnen eine Plattform, um ihre Kunstwerke einem breiten Publikum zu präsentieren. Rund 15 bis 20 Kunstschaffende stellen jährlich an der JKON aus. Die Vergabe der Plätze erfolgt durch einen öffentlichen Aufruf und eine anschliessende Selektion mit Fachpersonen aus dem Kunstbereich. Die Förderpreise, u. a. der Ausstellungspreis des Kunstmuseums, werden an der Finissage vergeben. veröffentlicht am 9.3.2021













