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April 2023
E-Roller sind verboten und außerdem gar nicht erlaubt
Im Bahnhof von Newcastle sind neue Schilder aufgetaucht, seit ich im Februar zum letzten Mal hier war: Elektro-Tretroller dürfen nicht mit aufs Bahnhofsgelände oder in den Zug genommen werden. Jedes Bahnunternehmen weist darauf mit einem eigenen Plakat hin (im Bild: London North Eastern Railway, Northern und Crosscountry)
Gleichzeitig fallen mir zum ersten Mal ausleihbare E-Roller in den Straßen der Stadt auf:
Ich habe noch nie darüber nachgedacht, wie die E-Roller-Gesetzeslage in diesem Land ist und lese nach: Man darf E-Roller kaufen, aber nur auf Privatgrund benutzen, nicht auf öffentlichen Straßen (so wie es lange Zeit mit Segways in Deutschland war). Die einzigen E-Roller, mit denen man auf öffentlichen Straßen herumfahren darf, sind Leih-Roller aus staatlich genehmigten Testprojekten, die es seit Juni 2020 gibt (aber nicht in Schottland, weshalb ich sie dort bisher auch nur ein einziges Mal gesehen habe, im September 2021). Man muss 18 sein, einen Führerschein haben und versichert sein. An einem Gesetz zur Legalisierung wird gearbeitet, das wird aber wohl noch ein paar Jahre dauern.
Der Grund für das Bahnhofs- und Zugverbot sind offenbar einige Fälle, in denen die Lithiumbatterien der Roller in Brand geraten sind, allerdings nicht in Zügen, sondern in Privathaushalten. E-Bikes sind in Zügen erlaubt (mit Ausnahme des Caledonian Sleeper). Die Bahnunternehmen begründen das mit der Entwicklung von giftigen Gasen beim Brand von Lithiumbatterien. E-Bikes sind erlaubt, weil sie nicht so schlampig gebaut seien. Ich vermute aber, wenn E-Bikes auch erst jetzt auf den Markt kämen, wären sie von den Bahnunternehmen gleich mitverboten worden. Wahrscheinlich profitieren sie nur davon, dass sie etwas älter sind als die Berichte über brennende Batterien.
Warum das Verbot der Rollermitnahme in den Zügen so großflächig plakatiert werden muss, wenn es gar keinen Grund für Privatleute gibt, Elektroroller zu besitzen, bleibt unklar.
(Kathrin Passig)
Battonnstraße, Innenstadt, 2021
Elektroroller oder E-Scooter mit Straßenzulassung: auch E-Tretroller oder E-Kickscooter genannt erobern die Straßen, alle mit Akku-Betrieb
25. Juli 2021
Die Leihfahrzeuge heißen anders, sind aber noch da
Ich bin zum ersten Mal seit knapp anderthalb Jahren wieder in Berlin. Genau genommen zum zweiten Mal, aber beim letzten Aufenthalt war ich zehn Tage in Einreisequarantäne und habe nichts von Berlin gesehen. Obwohl ich aus der Ferne viel von neuen Fahrradwegen gelesen habe, sehe ich keinen davon, sie sind wohl woanders, meine Nachbarschaft ist unverändert. Nur die Elektrofahrzeuge und Leihräder sind nicht mehr ganz dieselben.
Die roten Uber-Jump-Räder, die ich 2019 ein einziges Mal ausprobiert habe, gehören jetzt Lime und ich brauche sie nicht mehr zu boykottieren. Die neue Farbe wirkt ein bisschen halbherzig, aber es ist halt nicht so einfach, wenn die CI von signalrot zu limettengrün wechselt und man sparen muss und nicht das Fahrrad umlackieren kann:
Die 2018 in der Schweiz erstmals gesichteten Lime-Tretroller gibt es auch noch, aber es sind viel weniger geworden und sie sehen sehr abgenutzt aus. Das hat vermutlich auch damit zu tun, dass man zum Laden immer den ganzen Roller abtransportieren muss.
Auch voi-Elektrotretroller haben überlebt:
Neu hinzugekommen sind mintgrüne Elektrotretroller von bolt, in Berlin verfügbar seit Mai 2021.
Die mintgrünen Roller vorne sind von bolt, der Roller weiter hinten ist zwar auch mintgrün, aber von Tier. Die Post stand viele Jahre leer und ist jetzt ein Coworkingspace.
Von Tier gibt es jetzt auch die andere Sorte Roller. Es sind umlackierte ehemalige coup-Fahrzeuge:
Aus dem unelektrischen “Deezer nextbike” ist “Edeka nextbike” geworden:
Im Vordergrund ein “Donkey Republic”-Leihfahrrad (unelektrisch), im Hintergrund ein ebenfalls unelektrisches DB Callabike, das zwischendrin mal Lidl Bike hieß und im April 2020 nach dem Ende der Lidl-Kooperation wieder zurückbenannt wurde.
Im Vergleich zu den Leihfahrzeugen, die ich im Juli 2019 auf der Lohmühlenbrücke gezählt habe, fehlen:
“Mobike”-Leihräder (insolvent seit Frühjahr 2020)
“Emmy” Elektroroller (es geht ihnen gut, ich habe nur zufällig keinen gesehen)
“circ” Elektrotretroller (wurden Anfang 2020 von Bird übernommen)
Das sind mehr Überlebende, als ich dachte. Nur die Gesamtzahl scheint mir abgenommen zu haben. Vielleicht war ich aber auch in einer Gegend unterwegs, in der es noch nie so viele gab, und zwischen Dom und Alexanderplatz ist alles wie im Sommer 2019.
(Kathrin Passig)
27.02.2020
Scooter fahren wollen wie so ein Tier
Wir haben vom Büro einen Elektrotretroller (”Trottinett”) angeschafft, weil wir wissen wollen, wie diese recht neue Fahrzeuggattung sich fahrdynamisch so verhält. Es ist ein Roller der Marke TIER, die aufgearbeitete Roller aus dem Verleih verkaufen. Es ist uns wichtig, dass es nicht einer der leichteren Klapproller mit E-Motor ist, wie es sie in Supermärkten gibt. Die scheinen zumindest in Berlin keine große Verbreitung zu haben. Viel mehr sieht man die Sharing-Scooter. Und mit den Dingern passieren auch viele Unfälle. Die Verleihbedingungen der Anbieter untersagen Fahrversuche etc., weswegen wir eben einen eigenen anschaffen.
Der Roller kommt an in einem Karton, den andere als Tiny House bezeichnen würden. In dem Tiny House Karton wohnt der Roller, dem man seinen Großstadtkampf noch an einigen Stellen ansehen kann. Bei uns wird er es besser haben (vorerst jedenfalls, solange wir ihn nicht absichtlich crashen). Ein Karton ist noch dabei mit einem Helm sowie eine Mappe mit Sicherheitshinweisen, aber keine Anleitung.
Der Roller sagt keinen Pieps.
Wir suchen nach einem Schalter oder Ähnlichem. Nichts. Immerhin finden wir eine Ladebuchse. Nach dem Einstöpseln erwacht der Roller zum Leben. Der Akku war volllkommen leer. (Ich hoffe, dass er elektronisch abgeschaltet wird, bevor er sich tiefentlädt.)
Als der erste von fünf Balken in der Ladeanzeige erscheint, macht der Roller dann auch “Piep”, wie es sich für einen Roller gehört. Es piept noch vier weitere Male, bis der Akku voll ist. Im übrigen piept der Roller jetzt auch einfach mal, wenn er ungenutzt herumsteht. Ich hoffe, er verlangt keine Aufmerksamkeit wie so ein Tamagotchi.
Jetzt stehen wir mit drei Ingenieuren um den Roller herum. Was tun? Mal anschieben und den Fahrhebel drücken. Nichts passiert. Lange drücken, schneller drücken, doppelt und dreifach drücken: Immer noch nichts.
Bevor wir uns komplett zum Horst machen, komme ich auf die Idee, die App des Anbieters zu öffnen, die ich mir zu Beginn des Scooter-Booms aufs Handy geladen, aber nie genutzt habe.
Dort gibt es tatsächlich auch einen Menüpunkt “myTier”, wie die Privat-Rollersparte genannt wird. Dort muss ich den Roller noch über Bluetooth verbinden (wofür mir aber das Passwort fehlt. Wie ich es bekomme, ist eine andere Geschichte). Danach kann ich den Roller entsperren. Bis dann auch das Versicherungskennzeichen da ist, brettern wir erst mal den Flur im Büro rauf und runter.
(Markus Winninghoff)
20. November 2019
Blinkerersatz für Elektro-Tretroller
Ich radle am frühen Morgen in die Arbeit. Vor mir an einer roten Ampel an der Münchner Theresienwiese steht ein Elektro-Tretroller-Fahrer mit Helm – und einem auffälligen Rückenlicht: Schulterträger halten an seinem oberen Rücken ein etwas unter A4-großes Bildschirm-Trapez, auf dem ein grüner Pfeil leuchtet. Als die Ampel auf Grün umschaltet, fährt er los, kurz darauf zeigt der grüne Pfeil auf seinem Rückenbildschirm nach rechts – und er biegt rechts ab. Danach zeigt der Pfeil wieder nach oben. Ganz offensichtlich gibt der Pfeil die Richtung an, in die der E-Roller fährt.
Dass fehlende Blinker an Elektro-Tretrollern (sie gehören nicht zur Pflichtausstattung) im Straßenverkehr ein Risiko darstellen, hatte ich bereits gelesen – aber auch, dass die Ausstattung damit nicht so einfach ist. Der tragbare Blinker scheint mir eine hervorragende Lösung (zu der sich vielleicht auch Radlerinnen und Radler überreden lassen, die in München traditionell nie per Handzeichen verraten, wohin sie zu fahren gedenken).
(die Kaltmamsell)
18.12.2019
Der Leihroller wird teurer, aber das Leihrad wird besser
Als ich morgens zur Straßenbahnhaltestelle komme, steht die nächste Bahn mit 11 Minuten angeschlagen. Das reicht nicht, um meinen Zug zu bekommen. Da es nicht regnet und auch nicht besonders kalt ist, beschließe ich, mit einem Leihroller zum Bahnhof zu fahren. Der nächste steht gleich um die Ecke. Ich zücke mein Handy und scanne den Code am Roller. Der Scanvorgang bricht ab, weil ich noch mit einem winzigen Rest in unserem WLAN hänge, also so, dass das Smartphone das WLAN noch erkennt, aber das Internet quasi nicht existent ist. Ich schalte das WLAN an meinem Smartphone aus und möchte gerade noch mal scannen, als mir unten auf dem Bildschirm der aktuelle Preis fürs E-Roller-Fahren angezeigt wird. Statt 20 Cent pro Minute kostet es jetzt 25 Cent. Ich fand 20 Cent schon zu viel, 25 Cent übersteigt dann doch den Maximalwert für meine Zahlungsbereitschaft und ich wende mich enttäuscht von dem Leihroller ab.
Statt dessen laufe ich 50 Meter bis zur Leihradstation. Dort stehen auch viele Leihräder bereit, ich nehme einfach das erste, ohne näher hinzugucken, das einzige, was mich interessiert ist, dass es ein Rad mit tiefem Einstieg ist. Ich scanne den QR-Code auf dem hinteren Schutzblech und mit einem Klick wird das Schloss geöffnet. Das ist neu für Essener Leihräder. Bisher bekam ich nach dem Scannen immer einen vierstelligen Zahlencode angezeigt, mit dem ich dann das Zahlenschloss öffnen konnte.
Ich bin sehr erfreut über diese zusätzliche Erleichterung und fahre zum Bahnhof. Am Bahnhof drücke ich in der App auf “Abgeben” und bekomme den Hinweis, dass ich einfach das Schloss wieder runterdrücken soll und dann die App aktualisieren. Das mache ich so und aktualisiere mehrmals – nichts tut sich. Dann fällt mir auf, dass das WLAN wieder aktiviert ist (warum auch immer) und sich vermutlich in einen Telekom-Hotspot eingewählt hat, was aber sehr verlässlich nicht funktioniert. Ich deaktiviere das WLAN und aktualisiere noch mal. Jetzt ist das Fahrrad offiziell abgegeben und ich kann meinen Zug noch ohne Stress erreichen.
Etwas traurig finde ich, dass die schöne E-Roller-Zeit jetzt möglicherweise schon vorbei ist. Seit einigen Wochen sind aber auch andere Anbieter in Essen präsent, vielleicht werde ich da mal die aktuellen Preise prüfen.
(Anne Schüßler)