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13. September 2021
Die Elektrizität kommt aufs Land
Ich sehe zum ersten Mal das neue elektrische Lieferfahrzeug der schottischen Dorfapotheke, einen Renault Zoe:
Die rechts vom Auto gelegene Dorfapotheke hätte ich hier gern als Kontrast mit abgebildet, sie sieht nämlich sehr altmodisch aus, das scheiterte aber am Gegenlicht.
Es ist nicht das allererste Mal, dass mir Elektromobilität hier auf dem Land begegnet, im Sommer 2016 fiel mir diese private Ladestation im gleichen Dorf auf:
Hier noch mal aus der Nähe:
Es stand “British Gas” drauf, aber aus dem Kabel kam Strom. Vergangenheitsform, weil dieser Anschluss 2021 nicht mehr existiert:
Aber das ist wohl Zufall, kein Trend, ich sehe hier immer wieder Autoladeanschlüsse an Privathäusern, an öffentlichen Parkplätzen sowieso:
Feldsteinhaus mit zwei Auto-Ladestationen, kein seltener Anblick.
Auch in noch viel entlegeneren Ecken Schottlands habe ich in den letzten Jahren öffentliche Ladestationen gesehen, zuletzt vor wenigen Wochen in Kinloch Rannoch, wo es fast gar nichts gibt, aber mehrere Ladesäulen (unter anderem auf dem Gelände einer ehemaligen Tankstelle).
Trotzdem scheint mir das Apothekenlieferfahrzeug eine neue Phase der elektrischen Auf- und Umrüstung zu markieren. Am selben Tag sehe ich noch zwei Frauen auf E-Trottinetten durchs Dorf rollen, vielleicht war es auch zweimal dieselbe Frau. Das habe ich hier überhaupt noch nie gesehen, auch nicht in größeren Orten. Diese Fahrzeuge sind in Großbritannien auf öffentlichen Straßen bisher nicht legal, nur im Rahmen staatlich unterstützter Pilotprojekte.
Ein E-Bike habe ich hier bisher noch nicht gesehen. Fahrräder kommen insgesamt selten vor, was sicher damit zusammenhängt, dass es keine nennenswerte Fahrradinfrastruktur gibt. Ich bin gespannt, ob sich das in den nächsten Jahren ändert.
(Kathrin Passig)
13. März 2020
Dem MyTier die Flötentöne abgewöhnen
Seit kurzer Zeit haben wir ein Tier MyTier-Trottinett. Beim Entsperren und Sperren gibt der Roller ein Geräusch von sich. Das ist ok. Aber auch wenn er einfach in der Ecke steht, piepst und gluckst er immer mal. Wie so ein Tier.
Das nervt.
Also wollen wir ihm seine Stimme entziehen. Vorne an dem Roller ist eine Box eingebaut, in der sich eine kleine Leuchte, die langsam hell und dunkler wird, und ein Lautsprechergitter verbirgt. Dahinter scheint es interessant zu werden.
Mit dem richtigen Werkzeug (gelochter Torx15-Schraubenzieher) lässt sich die Box schnell ausbauen.
Dann sind noch 6 Schrauben zu lösen, und das Innenleben liegt vor einem. Die Angabe “8 Ohm 2W” ist ein eindeutiger Hinweis auf den Lautsprecher. Der ist samt Kabel vergossen eingebaut.
Aber ein Kabel mit Stecker führt dorthin. Wenn man diesen Stecker abzieht, ist Ruhe, wie wir durch einen schnellen Test herausfinden.
Damit funktioniert zwar auch die Alarmanlage nicht mehr, aber die interessiert doch sowieso keinen.
(Markus Winninghoff)
7. November 2019
Neues vom Fahrradfahren und eine erste Fahrt mit dem E-Scooter
Ich bringe mein Fahrrad zur Generalüberholung und fühle mich dabei schlau und antizyklisch. Im Frühjahr, wenn das alle wollen, seufzt das Werkstattpersonal und man muss lange warten. Aber jetzt haben sie in der Werkstatt sicher nichts zu tun und warten nur auf mich.
Das ist nicht so, erklärt mir der Fahrradladenmitarbeiter. Ich brauche einen Termin. Ich frage, zu welcher Jahreszeit ich denn ohne Termin wiederkommen kann. “Gar nicht”, sagt er, “vielleicht im Februar, wenn es minus zehn Grad hat. Aber ich glaube, das gibt es einfach nicht mehr.” Offenbar fahren entweder viel mehr Leute Rad als früher, oder dieselben Leute wie früher fahren jetzt ganzjährig und nicht mehr nur im Sommer. “Schön für euch”, sage ich.
Weil ich das Fahrrad am Ende doch dort lassen darf (nur für die allerdringendste Reparatur, ohne Inspektion), nehme ich für den Rückweg zum ersten Mal einen Lime-Elektrotretroller. Vor der Fahrt muss ich Dinge bestätigen: Ich werde einen Helm tragen, nicht auf dem Gehweg fahren und noch so einiges. Mit Helm habe ich auf so einem Roller noch nie jemanden gesehen, der Punkt kann also nicht so ernst gemeint sein. Dann folgt eine kurze Anleitung, für die ich dankbar bin, weil ich bisher durch Zuschauen noch nichts über die Funktionsweise der Roller herausgefunden habe. Es gibt aber eigentlich wenig zu wissen. Die Bremse funktioniert wie die Handbremse am Fahrrad, und zum Beschleunigen betätigt man mit dem rechten Daumen einen kleinen Hebel.
Die Fahrt ist überraschend ruckelig, was zum einen an den Vollgummireifen liegt und zum anderen, wie ich nach einer Weile merke, daran, dass man einfach immer Vollgas geben muss. Alle langsameren Geschwindigkeiten führen zu ruckartigem Abbremsen und Beschleunigen, weil der Hebel schnell und sensibel reagiert. Vielleicht ist das aber auch nur bei diesem einen Roller so. Die Höchstgeschwindigkeit ist sowieso nicht besonders beängstigend. Sie führt dazu, dass ich ein paar Radfahrer überholen muss, aber nur sehr langsame Radfahrer.
Wegen der schlechten Presse aller neuen Elektrofahrzeuge bin ich währenddessen ein bisschen besorgt, jetzt gehasst zu werden, vor allem von den überholten Radfahrern. “Ich bin nur auf dem Rückweg von der Fahrradwerkstatt!”, möchte ich der Welt mitteilen.
Am Ziel angekommen muss ich ein Foto vom abgestellten Roller machen und erfahre, dass die Strecke drei Euro gekostet hat. Ich bin genau von einer U-Bahn-Haltestelle zu einer anderen derselben Linie gefahren, neun Minuten lang, insgesamt drei Stationen. Ein Kurzstreckenticket der BVG hätte 2,20 € gekostet. Wenn ich das öfter machen wollte, sollte ich wahrscheinlich doch noch in den Lime-Juicer-Beruf einsteigen. Das wäre jetzt einfacher als im August, weil es inzwischen auch in meiner Nachbarschaft Abstellstationen für die geladenen Roller gibt.
(Kathrin Passig)
09.11.2019
Neue E-Scooter
Vor einigen Tagen schon habe ich aus dem Augenwinkel gesehen, dass eine neue Generation E-Scooter (also Tretroller mit Elektroantrieb) in meinem gepflegt provinziellen Heimatort herumsteht. (Es gibt hier, einer so-gerade-eben-Großstadt in Norddeutschland, nur einen Anbieter für derlei Gefährte - nicht so wie in Hamburg oder Berlin, wo es grüne, rote, gelbe und lachsfarbene Scooter gibt, und zudem gibt es hier auch nur Scooter und keine Fahrräder, E-Bikes oder Autos zum Ausleihen und Am-Zielort-aus-der-Hand-fallen-lassen).
Die Unterschiede zur ersten Generation der hier verfügbaren Scooter sind durchaus signifikant:
die Räder haben einen etwas größeren Durchmesser und sind nun luftgefüllt;
statt nur eines Bremshebels plus des gleichzeitig als Tret-Mantelbremse fungierenden Hinterreifenschutzblechs gibt es nun zwei Bremshebel (rechts => Vorderrad, links => Hinterrad, wer kommt denn auf sowas? Wurde der Scooter von einem Linkshänder entworfen?);
die Klingel ist, nicht intuitiv erkennbar, als Ring in den linken Lenkergriff integriert;
und statt einer simplen LED-Punkt-Anzeige, die nur die Akkuladung und sonst gar nichts zeigt, haben die neuen Scooter nun einen in die Lenksäule integrierten Tacho, der die aktuelle Geschwindigkeit auf einem 7-Segment-Display anzeigt und die Akkuladung mit einer stilisierten Batterie (so ähnlich wie auf smartphone-Displays, aber liegend).
Geblieben ist der mit dem Daumen zu bedienende Gashebel auf der rechten Seite, mit dem der Scooter auf bis zu 20 km/h beschleunigt werden kann.
Der Fahrkomfort ist, dank der geänderten Bereifung, durchaus höher, und die Baumwurzel- und Kantsteintoleranz hat sich deutlich gebessert. Die Bremse bzw. Belegung der rechten und linken Bremshebel jedoch ist gemeingefährlich, vermutlich prangt deshalb die Empfehlung, einen Helm zu tragen, deutlich sichtbar am Scooter (neben dem auch nicht in den Wind zu schlagenden Hinweis, das Gefährt nicht im trunkenen Zustand zu verwenden).
Wirklich Gelegenheit, während der Fahrt auf das Display zu schauen, hat man allerdings eigentlich auch nicht, und auf Kopfsteinpflasterstraßen, die im Zentrum ( == Altstadt) meines Heimatortes recht verbreitet sind, macht das Fahren immer noch sehr, sehr wenig Spaß.
Immerhin ist der Aktionsradius der Scooter ausgeweitet worden. Konnten diese anfangs nur innerhalb des unmittelbaren Zentrums und ein paar hundert Metern drumherum abgestellt werden, so erstreckt sich inzwischen das Gebiet bis in die ans Zentrum angrenzenden Stadtviertel (wie gesagt, Provinz, also beileibe nicht mit Stadtteilen/Bezirken gleichzusetzen).
Unverändert ist der Preis. Ich war heute 11 Minuten unterwegs, der Preis dafür beträgt 2,65 € – mehr als eine Busfahrkarte.
Somit bleibt es also ein recht teurer Spaß, und auch das Umweltgewissen regt sich, denn ich habe beobachtet, dass die Scooter in den Abendstunden mit schrottigen dieselbetriebenen uralten Transportern der Sprinter-Kategorie aufgelesen werden (und dann vermutlich mit dem billigsten Kohle- und Atomstrom aufgeladen werden).
Nein, ich fürchte, die Zukunft der innerstädtischen Mobilität ist das noch nicht.
(schilderburger)
29. September 2019
Die Bahnhofsmission verschafft mir Erkenntnisse über Elektrotretroller
Vor einigen Monaten habe ich unvorsichtig einen Mitarbeiter der Bahnhofsmission gefragt, ob Obdachlose Handys besitzen oder nicht, und die vorhersehbare Antwort erhalten: “Das kannst du dir selber anschauen, komm einfach mal mit.” Deshalb verbringe ich heute Nacht einige Stunden bei der Bahnhofsmission, wo ich zwar nichts über diese Frage herausfinde, aber dafür etwas anderes lerne.
Vor der Tür der Bahnhofsmission (die, wie der Name bereits andeutet, direkt am Bahnhof liegt) stehen so viele Elektrotretroller, dass auch die Mitarbeitenden überrascht sind und das Thema diskutieren. J., der hier wegen eines nicht näher erörterten Vergehens seine Sozialstunden ableistet, klärt uns alle auf: Man kann mit den Rollern aller Marken umsonst fahren, mit ganz einfachen Tricks. Er beschreibt mehrere Verfahren und verweist für die Details auf YouTube.
Es scheint nicht die Bahnhofsmissions-Klientel zu sein, die sich solcherart bei YouTube fortbildet. Die Roller vor der Tür werden im Laufe des Abends, soweit ich sehen kann, nur von wohlhabend aussehenden Menschen benutzt. Aber das Geschehen vor meiner eigenen Haustür sehe ich jetzt in einem neuen Licht. Eventuell sind die Roller bei der Jugend gar nicht beliebt, weil Elektromobilität plötzlich cool geworden ist, sondern vor allem, weil sie gratis sind.
(Kathrin Passig)
13. Juli 2019
Samstag der Dreizehnte oder vermutlich wird man mich demnächst öfter Pakete in die Packstation einlegen sehen und diese E-Tretroller sind auch überbewertet
Die Kinder sind im Bett und ich möchte noch schnell eben zwei Pakete wegbringen und mir auf dem Rückweg einen Burger samt Pommes kaufen. Am Samstagabend Pakete wegbringen geht deswegen, weil einer der DHL Paketshops in unserer Umgebung ein Spätkauf ist, der länger auf hat, als ich dieser Tage wach bin. Vom Sofa flachst die Gattin "dann kannst Du ja auf dem Rückweg einen der lustigen E-Scooter ausprobieren."
Eigentlich keine schlechte Idee. Während ich für das eine Paket – eine Büchersendung an Momox – noch das Etikett ausdrucke, google ich mal eben, was der Rollerspaß bei den verschiedenen Anbietern so kostet. Es gibt aktuell vier in Berlin – Lime, circ, VOI und TIER. Die Preise sind offenbar gleich: € 1 Grundgebühr pro Ausleihe und dann 15 Cent pro Minute.
Lime und VOI haben in Berlin je ca. 1.000 Roller, die anderen etwas weniger. Meine Entscheidung fällt daher zwischen den beiden. Die Lime-App lässt sich gleich erstmal bestätigen, dass ich keinesfalls ohne Helm fahren werde. Das macht mich insofern stutzig, dass ich noch niemanden diese Roller mit Helm habe nutzen sehen. Das Servicegebiet von VOI schließt zwar Spätkauf und Burgerladen ein, nicht aber unsere Wohnung. Klarer Punkt für Lime. Weiterer Pluspunkt ist, dass ich per Apple Pay ein Guthaben anlegen kann, sprich mit einem Tippen auf den Fingerabdrucksensor sind € 5 transferiert, was für die paar Hundert Meter mehr als genug sein sollte.
Lime-App: Aufwendiges Regelwerk aber einfaches Bezahlen
Ich schultere also die Tasche mit den zwei Paketen (mit der ich ungern Roller fahren möchte) und trabe los. Beim Betreten des Spätkaufs fällt mir gleich auf, dass sich an der Einrichtung etwas geändert hat – der Paketschalter ist verschwunden. "Nee, DHL machen wir nicht mehr." "Das ist aber schade." "Für Euch schon.” *grins*.
Hrm, dann also vielleicht doch mit der Tasche auf der Schulter einen Roller chartern und damit bis zum nächsten Paketspäti in ca. 1 km Entfernung fahren? An der nächsten Ecke stehen – wie von der App angekündigt – zwei Lime-Scooter. Und davor ein asiatisch aussehender Mann, der sie interessiert betrachtet, aber gleich beiseite tritt, als ich mich mit gezücktem Smartphone nähere.
Rasch mit der Lime-App den QR-Code am Lenker gescannt, und die App schaltet auch sofort auf den "Wie fahre ich los?"-Screen um. Ich rolle das Gerät vom Bürgersteig auf die Straße, überlege noch kurz – Standbein, Spielbein – und hole Schwung. Nichts passiert. Oder vielmehr: Der Roller rollt sehr träge, Gasgeben ergibt null Beschleunigung, stattdessen ertönt ein empörtes Pingen in ansteigender Lautstärke, das unschwer als "hallo, ich werde hier gerade geklaut!" zu verstehen ist. Das erregt am Samstagabend in Berlin natürlich keine große Aufmerksamkeit, aber etwas Beschleunigung hätte ich für meinen Euro dann doch gern gehabt.
Auch das Display am Lenker zeigt nach dem Ausleihversuch weiterhin den die Anweisung "Scan to unlock." Ich scanne den Barcode des Rollers erneut, dann den des zweiten Zweirads, stets mit demselben Ergebnis. Ich erhalte keinerlei Hinweis, aber Lime wäre nicht die erste App, deren Entwickler dem Diktum unbedingter Einfachheit auch gleich alle Fehlermeldungen geopfert hätten. Unter "Fahrtverlauf" findet sich in der App auch kein Eintrag, was mir immerhin Zuversicht gibt, das für meine Fehlversuche jetzt nicht auch noch Mietkosten anfallen.
Weiterhin die Tasche mit den Paketen auf der Schulter trotte ich zurück. Immerhin hat sich die Schlange im Burgerladen aufgelöst, die ich auf dem Hinweg sah, und ich kann für den Rest des Rückwegs ein Mobike chartern und damit nach Hause radeln. Das Rad hat den bei Mobikes häufig auftretenden Defekt, dass der höhenverstellbare Sattel unter der Belastung durch den Fahrer – ich habe ein durchschnittliches Gewicht – stückweise hinabsinkt. Das ist mir aber jetzt egal – ich will nur noch meine Burgerbeute vor dem nahenden Sommerregen nach Hause schaffen.
(Virtualista)
Nachtrag: Etwas später lerne ich, dass man für eine erfolgreiche Ausleihe bei Lime alle Screens der Anleitung durchscrollen und am Ende noch einmal bestätigen muss, dass man sich an die Regeln halten wird.
23. August 2019
Fahrradabschlepper?
Die neuen E-Roller sind in den Straßen an jeder Ecke zu sehen. Heute ist mir ein besonders kreativer Nutzer im Straßenverkehr begegnet: Auf dem Roller stehend, zwischen den Beinen den Vorderreifen seines Fahrrades eingeklemmt, so daß der Hinterreifen des Rades wie ein Hänger hinter dem Roller herläuft, schleppt er sein Rad – quasi – ab. Ob das Rad eine Panne hat oder erst eingesetzt wird, wenn der Akku des Rollers leer ist, bleibt sein Geheimnis. Kreativ, aber garantiert so nicht erlaubt.
(abeins)