13. Juli 2019
Samstag der Dreizehnte oder vermutlich wird man mich demnächst öfter Pakete in die Packstation einlegen sehen und diese E-Tretroller sind auch überbewertet
Die Kinder sind im Bett und ich möchte noch schnell eben zwei Pakete wegbringen und mir auf dem Rückweg einen Burger samt Pommes kaufen. Am Samstagabend Pakete wegbringen geht deswegen, weil einer der DHL Paketshops in unserer Umgebung ein Spätkauf ist, der länger auf hat, als ich dieser Tage wach bin. Vom Sofa flachst die Gattin "dann kannst Du ja auf dem Rückweg einen der lustigen E-Scooter ausprobieren."
Eigentlich keine schlechte Idee. Während ich für das eine Paket – eine Büchersendung an Momox – noch das Etikett ausdrucke, google ich mal eben, was der Rollerspaß bei den verschiedenen Anbietern so kostet. Es gibt aktuell vier in Berlin – Lime, circ, VOI und TIER. Die Preise sind offenbar gleich: € 1 Grundgebühr pro Ausleihe und dann 15 Cent pro Minute.
Lime und VOI haben in Berlin je ca. 1.000 Roller, die anderen etwas weniger. Meine Entscheidung fällt daher zwischen den beiden. Die Lime-App lässt sich gleich erstmal bestätigen, dass ich keinesfalls ohne Helm fahren werde. Das macht mich insofern stutzig, dass ich noch niemanden diese Roller mit Helm habe nutzen sehen. Das Servicegebiet von VOI schließt zwar Spätkauf und Burgerladen ein, nicht aber unsere Wohnung. Klarer Punkt für Lime. Weiterer Pluspunkt ist, dass ich per Apple Pay ein Guthaben anlegen kann, sprich mit einem Tippen auf den Fingerabdrucksensor sind € 5 transferiert, was für die paar Hundert Meter mehr als genug sein sollte.
Lime-App: Aufwendiges Regelwerk aber einfaches Bezahlen
Ich schultere also die Tasche mit den zwei Paketen (mit der ich ungern Roller fahren möchte) und trabe los. Beim Betreten des Spätkaufs fällt mir gleich auf, dass sich an der Einrichtung etwas geändert hat – der Paketschalter ist verschwunden. "Nee, DHL machen wir nicht mehr." "Das ist aber schade." "Für Euch schon.” *grins*.
Hrm, dann also vielleicht doch mit der Tasche auf der Schulter einen Roller chartern und damit bis zum nächsten Paketspäti in ca. 1 km Entfernung fahren? An der nächsten Ecke stehen – wie von der App angekündigt – zwei Lime-Scooter. Und davor ein asiatisch aussehender Mann, der sie interessiert betrachtet, aber gleich beiseite tritt, als ich mich mit gezücktem Smartphone nähere.
Rasch mit der Lime-App den QR-Code am Lenker gescannt, und die App schaltet auch sofort auf den "Wie fahre ich los?"-Screen um. Ich rolle das Gerät vom Bürgersteig auf die Straße, überlege noch kurz – Standbein, Spielbein – und hole Schwung. Nichts passiert. Oder vielmehr: Der Roller rollt sehr träge, Gasgeben ergibt null Beschleunigung, stattdessen ertönt ein empörtes Pingen in ansteigender Lautstärke, das unschwer als "hallo, ich werde hier gerade geklaut!" zu verstehen ist. Das erregt am Samstagabend in Berlin natürlich keine große Aufmerksamkeit, aber etwas Beschleunigung hätte ich für meinen Euro dann doch gern gehabt.
Auch das Display am Lenker zeigt nach dem Ausleihversuch weiterhin den die Anweisung "Scan to unlock." Ich scanne den Barcode des Rollers erneut, dann den des zweiten Zweirads, stets mit demselben Ergebnis. Ich erhalte keinerlei Hinweis, aber Lime wäre nicht die erste App, deren Entwickler dem Diktum unbedingter Einfachheit auch gleich alle Fehlermeldungen geopfert hätten. Unter "Fahrtverlauf" findet sich in der App auch kein Eintrag, was mir immerhin Zuversicht gibt, das für meine Fehlversuche jetzt nicht auch noch Mietkosten anfallen.
Weiterhin die Tasche mit den Paketen auf der Schulter trotte ich zurück. Immerhin hat sich die Schlange im Burgerladen aufgelöst, die ich auf dem Hinweg sah, und ich kann für den Rest des Rückwegs ein Mobike chartern und damit nach Hause radeln. Das Rad hat den bei Mobikes häufig auftretenden Defekt, dass der höhenverstellbare Sattel unter der Belastung durch den Fahrer – ich habe ein durchschnittliches Gewicht – stückweise hinabsinkt. Das ist mir aber jetzt egal – ich will nur noch meine Burgerbeute vor dem nahenden Sommerregen nach Hause schaffen.
(Virtualista)
Nachtrag: Etwas später lerne ich, dass man für eine erfolgreiche Ausleihe bei Lime alle Screens der Anleitung durchscrollen und am Ende noch einmal bestätigen muss, dass man sich an die Regeln halten wird.








