Fuchs
Ich hab das Füchschen bei einer Party kennen gelernt. Oder bei etwas, was man Party nennt, aber einfach ein nettes Beisammen-Sein ist. Mit freundlichen Menschen, die sich untereinander kennen oder auch nicht, sich bei Cocktails über alte Zeiten und neue Begebenheiten unterhalten oder, wenn sie sich nicht kennen, wo sie herkommen, was sie beruflich machen, wo sie schon im Ausland waren oder sogar, welche Musik sie hören.
Mit Füchschen hab ich nichts von all dem besprochen. Drei Sätze haben wir vielleicht gewechselt an dem Abend. Mein Lieblings-Freund Reza (er war bestrebt, mich bald unter die Haube zu bringen – ich im Übrigen auch) hatte mir im Vorfeld bereits die Anwesenheit dreier mir nicht bekannter Männer angekündigt, von denen keiner für mich im Vorfeld in Frage kam. Als Füchschen mir als erster Gast der Party vorgestellt wurde, hab ich auf meine Art höflich unsicher albern „hallo“ gesagt und, sobald er um die Ecke war, meinen Lieblings-Freund Reza gefragt, warum doch gleich wir dieses Füchschen, eine Augenweide mit Stil und Charisma, im Vorfeld als unzureichend aussortiert hatten: Offenbar litt Füchschen so sehr an seinen roten Haaren, dass es darüber in Schwermut verfallen ist. Füchschen ist ein schwieriger Charakter. Einmal an diesem Abend waren wir ein Liebespaar. Mein Lieblings-Freund Reza hat Amor gespielt, seine Parade-Rolle, außerdem gab es Wehrwölfe und eine Seherin. Amor hat entschieden, welche Mitspieler das Liebespaar darstellen. Die Wahl fiel für Reza schicksalsschwanger auf die beiden schönsten Menschen im Raum. Zum ersten Mal in meinem Leben nahm ich mir nach dieser sog. Party ein Herz und kontaktierte, obwohl mir völlig fremd, mithilfe Rezas psychischer Krücken das ferne Füchschen. „Nicht hadern“, schrieb dieser. „Ich bin ein ganz Netter.“ So nahm das Elend seinen Lauf. Ich ging mit dem Füchschen essen und in die Sauna. Zur Arbeit und ins Bett. Immer war er dabei, in meinem Hirn immer an meiner Seite. Immer wieder betrachtete ich das gottgleiche Antlitz in meinem Telefon. Ich ließ es ihn wissen. Er ließ mich hoffen. Bis er mir eines Tages ankündigte, er beliebe für immer in der Ferne zu leben. Mit einer neuen Frau, die sicherlich nicht so toll war wie ich, jedoch verfügbar vor Ort. Ich sei jedoch sehr sexy. Ich ließ mich damit abspeisen und verdrehte diesen bitteren Tritt in die Magengrube vor sämtlichen Bekannten zu dem „charmantesten Korb aller Zeiten“. Ich Gans. Einen Tag hat es gedauert. Dann lief ich durch die Stadt, die Reset-Taste war gedrückt, ich fühlte mich an einem nebligen duftenden trüben Wintertag wie im Sommer in freier Natur in Süditalien, neu geboren und so klar in der Birne dass ich wusste: nie wieder will ich dieses Auf und Ab, dieses Hoffen und Bangen. Ich komme nicht mehr unter die Haube. Ich entsage der Männerwelt.











