Ein schöner Abend
Zu manchen Zeiten im Leben lĂ€sst man sich auf MĂ€nner ein, die ansonsten nur davon trĂ€umen könnten, eine Frau wie mich in ihrer NĂ€he zu haben. Es war ein wunderschöner lauer Herbstabend. Wir wollten ins Kino, ganz spontan, an einem Donnerstag Abend nach der Arbeit. Er mochte Kino. Er kannte alle Filme, Schauspieler und Regisseure. Aber unter der Woche ins Kino zu gehen, war schon sehr gewagt fĂŒr ihn. Dazu war das Unternehmen auch noch ungeplant. Aber das Abenteuer schien ihn doch zu reizen.
Weil ich selber ein ziemlich trĂ€ges StĂŒck bin, machte ich mir nach der Arbeit nur einen Salat und Datteln im Speckmantel, von denen er mir zwei Drittel wegfrass, anschlieĂend machten wir uns sofort zu FuĂ auf in die Stadt, damit ich nicht in einer ausgeruhten Minute auf dem Sofa innerlich den Feierabend einlĂ€ute. Der Spaziergang war kurzweilig und nett. Wir machten Station in der Bahnhofsbuchhandlung, wo er in Musikzeitschriften blĂ€tterte wĂ€hrend ich Desiree Nick im Playboy bewunderte. Dann liefen wir zum Kino, kauften die Tickets und warteten in der retro Sitzgruppe darauf, dass die Zeit verging. Halbe Stunde bis zu Film. Wir plauderten ĂŒber die Arbeit. Wir kaufen Nachos und Popcorn. Bier und Cola. Und nahmen schlieĂlich unsere PlĂ€tze ein. Auf seine unnachahmliche Art fragte er wĂ€hrend der Films ungefĂ€hr fĂŒnf mal, ob alles in Ordnung wĂ€re, was ich jedes mal mit âja, ich schaue nur gerade konzentriert einen Filmâ quittierte. Der Film war Ă€hnlich spektakulĂ€r wie der Mann: ein durchschnittlicher Hollywood-Streifen, etwas absehbar, ganz solide, nicht schlecht, aber leidenschaftslos.
Er streichelte zweimal meinen Arm und ich war glĂŒcklich und verliebt. Ein schöner Abend.
Als wir das Kino verlieĂen, fing es an zu regnen. Die Lichter der Stadt spiegelten sich in der NĂ€sse der StraĂen, es war so mild und leicht windig. Er fragte, ob wir laufen oder die StraĂenbahn nehmen wollten. Der Regen setzte in diesem Moment richtig ein und wir rannten ĂŒber den groĂen Bahnhofsplatz zur Haltestelle, um uns unterzustellen. Was fĂŒr eine traumhafte Nacht. Ich schaute ihn verliebt an und wollte ihn in den Arm nehmen und kĂŒssen. Er murmelte, dass die Bahn noch fĂŒnf Minuten brauche bis sie kĂ€me. Und dass er nass geworden sei. Und ich sagte: ist das nicht ein wunderschöner Abend?
WĂ€hrend der Heimfahrt kuschelte ich mich nass an ihn und himmelte ihn an. Er wischte seine Jacke trocken und starrte aus dem Fenster. Er brachte mich nach hause, der Regen hatte aufgehört, und verabschiedete sich mit einem Kuss und einem âgute Nacht Maus, ich muss morgen frĂŒh raus. Danke fĂŒr den schönen Abendâ.









