Seit Mitte 2019 und ernsthaft ab 2020
Mein Rad ist alt, mein Helm ist smart
Neuerdings fahre ich viel Rad. Das Rad selbst ist alt, fast 20 Jahre, aber tut es noch. Das einzige, was an so einem Rad wirklich untragbar ist: Der schwergängige Dynamo und die von ihm betriebenen funzligen Lichter mit Glühbirnen. Beim Fahrradhändler lasse ich mir aktuelles Material einbauen: Der neue Dynamo ist immer noch ein Seitenläufer (zeitgemäßer wäre ein Nabendynamo oder gleich Akkuleuchten, das scheint mir aber zuviel Geld für ein Rad, mit dessen Ableben ich bald rechne). Trotz Seitenlauf läuft er deutlich leichter. Die neue Fahrradbeleuchtung basiert auf LEDs und ist wirklich sehr viel heller; das Rücklicht glüht noch eine Weile nach, auch wenn der Dynamo sich nicht mehr dreht. Außerdem neu: Statt Katzenaugen in den Speichen scheint mittlerweile ein reflektierender Streifen direkt am Mantel üblich zu sein, um die Anforderungen der Straßenverkehrsordnung nach Reflektoren zur Seite zu erfüllen.
Am Rad ist das die übliche Ausstattung, stelle ich beim täglichen Pendeln zur Arbeit fest, wenn auch die meisten dann doch etwas neuere Modelle fahren als ich. Auf dem Radweg ins Bonner Regierungsviertel sind zu Pendlerzeiten die E-Bikes noch in der Unterzahl; wochenends sehe ich deutlich mehr davon. Fast alle tragen diverses reflektierendes Material: vor allem neongelbe Westen und Helmüberzüge, gelegentlich sieht man auch wilde LED-Applikationen auf Jacken oder Rucksäcken; ich habe nur einen neongelben Überzug für den Korb, den ich aber primär als Regenschutz angeschafft habe.
Die meiste Radtechnik trage ich auf dem Kopf: Mein Fahrradhelm ist smart. Per Bluetooth ist er mit dem Handy und einer Bedieneinheit am Lenker verbunden. Über den Lenker kann ich LED-Blinker am Helm auslösen, die Musikwiedergabe am Handy steuern (an/aus, nächster Titel und lauter/leiser). Außerdem gibt es eine Fototaste. Mein Telefon ist in der Regel in der Tasche und nicht an meiner Lenkerhalterung, daher nutze ich die Fotofunktion nie. Gekauft habe ich den Helm nicht wegen der Blinkenlights (ein Helligkeitssensor schaltet sie bei Dunkelheit an), sondern wegen der per Bluetooth verbundenen Lautsprecher, um während des Radfahrens Podcasts hören zu können. Die Lautsprecher sitzen über den Ohren, decken sie aber nicht ab. So sind Umgebungsgeräusche immer noch zu hören. Das funktioniert erstaunlich gut: Wenn man nicht gerade an Hauptverkehrsstraßen entlangfährt, kann man Podcasts sehr gut folgen, und ohne Autos ist sogar die Freisprecheinrichtung so gut, daß es sich problemlos telefonieren läßt. Angenehm ist auch, bei unbekannten Strecken über die Sprachausgabe navigieren zu lassen.
Die Blinkerfunktion dagegen ist weniger relevant: Mir fällt es schwer, in die seit Jahrzehnten gelernten Bewegungsabläufe zum Abbiegen durch ausgestreckte Hand einen Knopfdruck zu integrieren. Außerdem frage ich mich, ob das Blinken am Helm von anderen Verkehrsteilnehmenden überhaupt als Richtungswechselanzeige wahrgenommen wird – außer mir habe ich noch nie blinkende abbiegewillige Radfahrer*innen gesehen, nur einmal hatte ich einen LED-Rucksack vor mir, der wohl hätte blinken können.
(fxn)


















