Die Arbeit nieder!
Über den Fetischismus des Schaffens, produktiven Müßiggang und antisemitische Ressentiments
https://conne-island.de/nf/249/15.html
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Die Arbeit nieder!
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Fetische
Lasst uns über #fetische, #kapitalismus und #globalisierung reden! Aber bitte nicht über #sex. ;)
Lasst uns über Fetische reden, ohne über Sex zu sprechen. Sind diese Objektfixierungen zentral für eine Gesellschaft? Sind sie nicht böse? Die kurze Antwort zuerst: Fetische sind lebensnotwendig für unsere Gesellschaft und nicht an sexuelle Praktiken gebunden. Obwohl Gesellschaft prinzipiell ohne Fetische als Massenphänomen auskommen können, kann unsere moderne Gesellschaft nicht ohne Fetische…
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Marx hat uns darauf hingewiesen, dass der Kapitalismus voller Mythen steckt. Und das obwohl wir uns gerne für modern und aufgeklärt halten. Wir gehen hier knapp auf den Warenfetischismus, den Geldfetischismus und den Kapitalfetischismus ein.
Weiterlesen: Marx/Engels: Manifest der kommunistischen Partei. Marx: Das Kapital. Heinrich: Kritik der politischen Ökonomie. Krämer: Kapitalismus verstehen.
Verlassen wir jetzt gedanklich den Raum der Produktion von Waren und schauen uns den Markt an. Nehmen wir an, wir gehen in einen Supermarkt, um uns etwas Obst zu kaufen. Um das Obst mitnehmen zu können, müssen wir eine bestimmte Menge an Geld zahlen, damit wir das Obst erwerben. Das sachliche Verhältnis zwischen dem Obst und dem Geld drückt allerdings ein gesellschaftliches Verhältnis aus, denn der Preis ist gesellschaftlich bestimmt und ist der Geldausdruck des Werts.Hinter diesem Austausch, den wir vornehmen, versteckt sich eine Beziehung zwischen uns, die das Obst konsumieren möchten, und den ProduzentInnen, die mit ihrer Arbeit das Obst produziert haben. Beim Einkaufen müssen wir allerdings von diesen ganzen ArbeiterInnen nicht das Geringste wissen und mit der heutigen globalisierten Welt und den hochkomplexen Austauschsystemen ist es sogar praktisch unmöglich, etwas von diesen ArbeiterInnen zu wissen. Beim Kaufen erscheint uns diese ganze soziale Welt der Beziehungen zwischen Millionen Menschen als ein einfaches Verhältnis zwischen Dingen. Diese Verschleierung gesellschaftlicher Verhältnisse bezeichnet Marx als Fetischismus.
Quellen:Marx, K.: Das Kapital; Harvey, D.: Marx‘ »Kapital« lesen; Cafiero, C.: Einführung in das »Kapital« von Marx
Auszüge aus Dimitri Dimoulis und Jannis Milios, “Werttheorie, Ideologie und Fetischismus”, Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. Neue Folge, 1999, s. 12-56
“In bezug auf dem Fetischismus ist eine doppelte Antwort möglich. Erstens kann gesagt werden, daß dank seines Ursprungs der Fetischismusbegriff externe Bezüge enthält, auch wenn er intern benutzt wird. Durch die Übertragung des Begriffs von der Studie der primitiven Gesellschaft auf die “interne” Analyse der Gesellschaft des Beobachters wird die externe Referenz beibehalten, was dem internen Beobachter erlaubt, die “Illusionen”, die die Mitglieder einer Gesellschaft notwendigerweise in ihren gesellschaftlichen Beziehungen erleben, distanziert, d. h. mit dem Blick des Ethnologen zu betrachten. Die zweite Antwort ist, daß Marx die rein interne Beobachtung durch die Anwendung einer komparativen Methode überwindet. Er vergleicht den Kapitalismus mit anderen Gesellschaftstypen, in denen anstelle des Warenfetischismus eine “Transparenz” der gesellschaftlichen Beziehungen gibt; dieser Vergleich gibt Marx “externe” Anhaltspunkte für ein besseres Verständnis des Fetischismus.
[...] Diese Auffassung wird mehrmals von Marx im Kapital und in der Kritik des Gothaer Programms wiederholt, wo die juristischen Begriffe der Freiheit und der Gleichheit “als innere Wiederspiegelung der Warenproduktion und des Warenverkehrs” (Balibar 1997, 194) betrachtet werden23. So werden die Prinzipien des Rechtssystems als Ideologie betrachtet, die im Kapitalismus genauso notwendig ist, wie die religiösen Anschauungen im Feudalismus.
Diese Widerspiegelungsthesen können zu einer ökonomistischen Lektüre führen, wenn wir annehmen, daß jede Basis den ihr zugehörigen “Überbau” erzeugt, d. h. wenn wir den Bildungsprozeß des Überbaus ahistorisch betrachten (automatische Anpassung des Überbaus zu einer Basis). Das impliziere nämlich, daß die “Basis” in einem ideologisch-politischen Vakuum bzw. im Rahmen eines ihr feindlichen Überbaus entsteht24. Wenn wir dagegen die Bildung der kapitalistischen Gesellschaften als Produktion von Recht und Ideologie verstehen, die synchronisch zur gewalttätigen Durchsetzung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse erfolgt, dann zeigt die These von Marx und Paschukanis, warum die Bildung eines Rechtsystems mit flächedeckender Anwendung und auf der Basis der “freien” Austauschverhältnissen zwischen gleichen Rechtssubjekte theoretisch (und geschichtlich) untrennbar mit Kapitalismus als ökonomisches System verbunden ist. Und dadurch können die apologetischen Auffassungen zum Charakter des bürgerlichen Rechts (Fortschritt der Menschheit, Zivilisierung, Rationalisierung der Staatsapparate zwecks der Garantie eines allgemeinen Interesses usw.) überwindet werden.
[...] Die Analyse von Marx und Paschukanis bildet eine begriffliche Abstraktion und stellt keine geschichtlich-genetische Ableitung des Überbaus dar. Sie beschränkt sich darauf, der Basis (“materielle Grundlage”) ein logisch-funktionelles Primat einzuräumen, das jedoch geschichtlich niemals existierte.
Neben der Verselbständigung des Wertbegriffs von der KPW und seiner Verbindung mit allen “warenproduzierenden” Produktionsweisen und -formen33, hat die Behandlung des Wertes “an sich” eine weitere Konsequenz für die marxistische Theorie. Sie verleitet zum Glauben, daß die ersten drei Kapiteln des 1. Bandes des Kapitals eine abgeschlossene Darstellung der dort eingeführten Begriffe anbieten. Dies betrifft insbesondere das Geld, das in diesen Kapiteln als “adäquate Erscheinungsform von Werth oder Materiatur abstrakter und dahergleicher menschlicher Arbeit (…), deren sämtliche Exemplare dieselbe gleichförmige Qualität besitzen” (MEGA II/5, 56-15, MEW 23, 104) definiert wird. Somit bleiben jedoch die Marxschen Analysen im 3. Band des Kapitals(Geld als Kapital, Erklärung des Zinses usw.) unberücksichtigt34. Es wird nämlich nicht eingesehen, daß das Geld auch (und vor allem) die allgemeinere Erscheinungsform des Kapitals ist. Das Geld bildet die allgemeinere “Materialisierung” der abstrakten und deswegen homogenen menschlichen Arbeit, die im Rahmen der ausbeuterischen Kapitalbeziehung akkumuliert wird, als “sich selbst verwertender Wert” funktioniert und vom Kapitalisten aneignet wird. “Das Capital producirt wesentlich Capital” (MEGA II/4.2, 898; MEW 25, 887). Der 5. Teil des 3. Bandes und insbesondere die Kapitel 21-24 analysieren das Geld als eine solche Erscheinungsform des Kapitals.
Einer ähnlichen Illusion unterliegen diejenigen, die behaupten, daß der Marxsche Begriff des Fetischismus hauptsächlich im ersten Kapitel des 1. Bandes analysiert wird, dessen vierter Teil den Titel “der Fetischcharakter der Ware und sein Geheimnis” trägt. Die ersten Schlußfolgerungen von Marx, die sich aus der Darstellung der verallgemeinerten “Warenproduktion” hervorgehen, werden somit als letztes Wort der Fetischismustheorie betrachtet. Somit bleiben unberücksichtigt der Begriff der KPW, die in ihr entstehenden Ideologieformen und die Analysen des 3. Bandes zum Kapitalfetischismus (z. B. zum zinstragenden Kapital und zum Zins), die eine “Entzifferung” der Ausführungen zum Warenfetischismus erlauben.
[...] 3.1.1. Exkurs zur Marschen Methode
Das Problem der Einführung des Wertbegriffs im Kapital ist in Zusammenhang mit der wissenschaftlichen Methode des Kapitals zu behandeln. Es ist bekannt, daß Marx nicht von Begriffen ausgeht, sondern von den Formen unter denen die ökonomischen Beziehungen in einer kapitalistischen Gesellschaft erscheinen35. Als Ausgangspunkt nimmt er dabei die Ware.
Marx benennt dialektisch die Methode der Bildung von Begriffen, die eine theoretische Aneignung der Wirklichkeit erlauben, d. h. den internen kausalen Zusammenhang und die “Normalität” der Phänomene ausdrücken. Diese Methode besteht darauf, von konkret-empirischen Tatsachen auszugehen und dann Abstraktionsoperationen durchzuführen. Vom Konkreten auszugehen, erlaubt den Idealismus einer von der herrschenden theoretischen Ideologie abhängigen Kategoriebildung zu vermeiden. Die Abstraktion erlaubt ihrerseits, die bloße Reproduktion der Erscheinungsformen des Konkreten zu vermeiden, d. h. den Empirismus des Konkreten zu überwinden. Dieser Empirismus ist eine praktische herrschende Ideologie des “Alltagswissens”, wonach die Wirklichkeit “transparent”, unmittelbar beobachtbar und erklärbar sei.
Marx versteht aber auch, daß die Abstraktionen an sich keine Begriffe der empirisch wahrnehmbaren Tatsachen bilden. Der Prozeß der wissenschaftlichen Aneignung der Wirklichkeit erfordert einen weiteren Schritt: Die Rückkehr auf die konkreten Tatsachen. Somit entsteht ein Forschungsverfahren, das den wissenschaftlichen Begriff des Konkreten erzeugt. Dieser Begriff beinhaltet die kausalen Beziehungen, die die Wirklichkeit regeln ohne “an sich” im Bereich der Wirklichkeit aufzutreten, da sie der Welt der empirischen Wesen und Phänomene nicht gehören. Der Übergang vom abstrakten zum konkreten Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung unterscheidet sich somit radikal von der rationalistischen Methode wie auch von der Verwendung der Abstraktion bei Hegel. Der Übergang zum Konkreten ist hier nur der zweite Schritt eines Verfahrens der begrifflichen Entzifferung des Konkreten, die durch die Abstraktion erfolgt.
[...] 3.2. Kapitalistische Produktionsweise, ideologische Formen, “Fetischismus”: vom Warenfetischismus zum Kapitalfetischismus
[...] Die Funktion der Verdeckung der Ausbeutungs- und Beherrschungsverhältnissen, die im Kapitalismus immanent ist, hat Marx “Fetischismus” genannt. So bezeichnete er alle Situationen, wo die Klassenverhältnisse im Rahmen der herrschenden Ideologie eine “dingliche” Form annehmen: Wenn die Gesellschaftsverhältnisse (Geld, Kapital40) oder die aus ihnen hervorgehenden Funktionen (Profit, Zins) als Sachen (Gold, Produktionsmittel) oder als Eigenschaften von Sachen (die Produktionsmittel erzeugen Profit, das Geld Zinsen usw.) erscheinen, wenn “die Formen, welche Arbeitsprodukte zu Waren stempeln”, als “unwandelbare” “Naturformen” (MEW 23, 89 f.) erscheinen, dann haben wir den Fetischismus (s. auch Rubin 1972).
Den Begriff des Fetischismus hat Marx im 1. Kapitel des 1. Bandes anläßlich der Warenanalyse eingeführt, indem er zeigte, daß der Warenwert nicht als gesellschaftliche Beziehung zwischen Produzenten, sondern als eine natürliche Eigenschaft der Ware, wie etwa seine Farbe oder sein Gewicht erscheint41. Im Laufe der Darstellung hat er allerdings klargemacht, daß der Fetischismus sich auf sämtliche Formen des Kapitals (Geld, Produktionsmittel) erstreckt. Somit entwickelte Marx eine Theorie des Kapitalfetischismus.
3.3. Stellenwert und Begriff des Fetischismus im “Kapital”
3.3.1. Der Fetischismus des Kapitalverhältnisses
Der Warenfetischismus des 1. Kapitels ist nur eine erste Annäherung des Kapitalfetischismus, der im Gegensatz zur Auffassung vielen Marxisten42 in vielen Teilen des Kapitals, insbesondere im 3. Band analysiert wird43. Dies hängt mit der Tatsache zusammen, daß im 3. Band die wichtigsten Erscheinungsformen des Kapitalverhältnisses behandelt werden:
– Die Unterwerfung der Arbeit unter dem Kapital, die den Kapitalisten als Warenproduzenten erscheinen läßt und die Austauschverhältnisse nach Produktionspreisen und nicht nach Werten bestimmt. Der Profit erscheint als Produkt des vorgeschossenen Kapitals, sodaß “der Mehrwerth selbst als aus dem Gesammtcapital und allen seinen Theilen gleichmässig entsprungen erscheint” (MEGA II/4.2, 244; MEW 25, 77). Das “versteckt nun völlig die wahre Natur und den Ursprung des Profits, nicht nur für den Capitalisten, der hier ein besondres Interesse hat, sich zu täuschen, sondern auch für den Arbeiter. Mit der Verwandlung der Werthe in Productionspreise wird die Grundlage der Werthbestimmung selbst dem Auge entrückt” (MEGA II/4.2, 244; MEW 25, 177).
– Die Entwicklung des Kreditwesens und die Aufteilung des Profits in Unternehmensprofit und Zins, die zum folgenden Ergebnis führen: “Indem ein Theil des Profits sich, im Gegensatz zu dem andren, ganz von dem Kapitalverhältnis als solchem loslöst, und sich darstellt nicht aus der Funktion der Exploitation der Lohnarbeit sondern aus der Lohnarbeit des Capitalisten selbst zu entspringen, und im Gegensatz dazu der Zins als unabhängig sei es von der Lohnarbeit, sei es von der eignen Arbeit des Capitalisten, aus dem Capital als seiner eignen, unabhängigen Quelle zu entspringen scheint. Wenn das Capital ursprünglich auf der Oberfläche der Cirkulation, erscheint, als Capitalfetisch, Werth erzeugender Werth, so stellt es sich jetzt wieder in der Gestalt des zinstragenden Capitals als in seiner entfremdetsten und eigenthümlichsten Form dar” (MEGA II/4.2, 851,17; MEW 25, 837)44.
[...] – Dasselbe geschieht in bezug auf die Einkommensformen, die zwar nur die Verteilungsverhältnisse des erzeugten Werts widerspiegeln, im Rahmen aber der kapitalistischen Eigentums- und Ideologieverhältnisse als Quellen des Werts erscheinen: Die Arbeit erzeuge Lohn, die Produktionsmittel Profit und die natürlichen Ressourcen (oder die Erde) Rente:
“Erstens, weil die Werthbestandteile der Waaren als selbständige Revenuen einander gegenübertreten, die als solche bezogen sind, und daher zu entspringen scheinen, auf 3 verschiedne und ganz voneinander verschiedne Productionsagentien, die Arbeit, das Capital und die Erde, Das Eigentum an der Arbeitskraft, am Capital, an der Erde ist die Quelle (die Ursache), die diese verschiednen Werthbestandteile der Waaren, diesen respectiven Eigenthümern zufallen macht und sie daher in Revenuen für sie verwandelt. Aber der Werth entspringt nicht aus seiner Verwandlung in Revenue, sondern er muß da sein, um in Revenue verwandelt [zu] werden, um diese Gestalt annehmen zu können” (MEGA II/4.2, 885 f.; MEW 23, 875).
[...] 3.3.2. Abschließende Bemerkungen zum Warenfetischismus
Wenn wir die ersten Seiten des Kapitals als ein Vorspiel der Analyse des Kapitalfetisches betrachten46, dann können wir verstehen, daß die Ausführungen zum Warenfetischismus keine Theorie der “Entfremdung” bilden: dort wird nicht angenommen, daß die Menschen/Subjekte eine Essenz besitzen, die im Kapitalismus “entäußert” oder “verraten” wird (vgl. Heinrich 1991, 243 ff.). Darüber hinaus hat der Warenfetischismus keine ideologische Stärke, wie oft angenommen wird: Weder verdeckt noch “veräußert” er die gesellschaftlichen Beziehungen47. Er ist die Analyse eines “Symptoms” und nicht einer ideologischen Triebkraft.
[...] Durch die Darstellung des Sozialen als etwas Natürlichen erzeugt der Fetischismus keine Effekte der Verkennung des gesellschaftlichen Charakters der menschlichen Beziehungen, die etwa “naturalisiert” würden. Die Beziehung zwischen Sachen ist kein bloßer Symbolismus der handelnden Personen (so wie in einem Gesellschaftsspiel ein Stück Holz einen Spieler darstellt und jederzeit den “Rückweg” auf das Symbolisierte erlaubt). Sie ist eine feste und notwendige Wandlung in der Wahrnehmung der Wirklichkeit (das Gesellschaftliche wird “tatsächlich” zum Natürlichen), die den Individuen nicht erlaubt die “Übertragung” der Beziehung zwischen menschlichen Arbeiten auf eine Beziehung zwischen Sachen zu verstehen48. [...] Das wichtigste ist jedoch dabei, wie Rancière gezeigt hat, daß die Fetischismusfrage mit dem Umkehrungsschema nicht angemessen beschrieben werden kann: “Die gegenwärtigen Termini sind nicht Subjekt, Prädikat und Sache, sondern Verhältnis und Form. Das Fremd-Werden (…) kennzeichnet nicht die Exteriorisation der Prädikate eines Subjekts in einem fremden Wesen, sondern bezeichnet das, was aus dem Kapitalverhältnis in der vermittelsten Form des Prozesses wird. (…) Die gesellschaftlichen Bestimmungen der Produktionsverhältnisse sehen sich also auf die materiellen Bestimmungen der Sache beschränkt. Daher die Verwechselung dessen, was Marx materielle Grundlagen (die Dinge, die die Trägerfunktion ausüben) nennt, mit den gesellschaftlichen Bestimmungen. Diese werden zu natürlichen Eigenschaften der materiellen Elemente der Produktion. Auf die Weise ist das Kapitalverhältnis zu einem Ding geworden. (…) Versachlichung der gesellschaftlichen Produktionsbestimmungen und Versubjektivierung ihrer materiellen Grundlagen, der Dinge, in denen diese gesellschaftlichen Bestimmungen sich darstellen und verschleiern. Marx erklärt, daß diese doppelte Bewegung schon von der einfachsten Bestimmung der kapitalistischen Produktionsweise her wahrnehmbar war: der Warenform des Arbeitsproduktes. (…) Der Fetischismus betrifft nicht das Verhältnis zwischen einem Subjekt und einem Objekt, sondern das Verhältnis jedes einzelnen dieser Träger zu den Produktionsverhältnissen, die sie bestimmen. (…) Die Verhältnisse, die das kapitalistische System bestimmen, können nur in der Form ihrer Verschleierung existieren. Die Form ihrer Wirklichkeit ist die Form, in der ihrer wirkliche Bewegung verschwindet. (…) Die Theorie von Marx begreift diese entfremdeten und irrationellen Formen als Erscheinungsformen des inneren Wesens des Prozesses” (Rancière 1972, 108, 110, 111, 133, 121-22, 123-24).
Der Fetischismus ist also kein Spiel, sondern entspricht den “irrationellen” Erscheinungsformen der internen Gesetzlichkeiten des Akkumulationsprozesses. Marx formuliert im Kapital “die Theorie des Prozesses und die Theorie seines Verkennens” (Rancière 1972, 124).
[...] Das “sachliche” Element des Warenaustausches bedeutet, daß der Produzent etwas erzeugt, daß er nicht braucht (d. h. für ihn keinen Gebrauchswert hat). Er erwirbt, was er braucht, durch den Verkauf einer für ihn nutztlosen Sache. Die “Sozialisierung” des Prozudenten setzt also die Erzeugung von persönlich nutzlosen Sachen voraus, und die Vermittlung der Sache erweist sich als ihr (indirekter) Gebrauchswert (gesellschaftlicher Gebrauchswert). Der individuelle Produzent wird in den gesellschaftlichen Produktionsmechanismus durch die “Sachen” intergiert. Dies beschreibt die Beziehungen zwischen Kapitalisten und kann als allgemeine Analyse der Erscheinungsformen der gesellschaftlichen Verhältnisse im Kapitalismus nur gelten, wenn auch die Arbeitskraft als “Sache” betrachtet wird.
Das wichtigste ist jedoch, daß der Markt weder die Triebkraft noch den “Grund” der Sozialisierung bildet: “In Marx’s view, it is not the price system which ‘regulates’ the capitalist economy but, rather, unknown yet capitalistically-determined necessities of production acting through the price mechanism.(…) The market is the stage on which all competitive activities are played out. But this stage itself is set up and bound by the class nature of the social structure” (Mattick 1969, 53-54).
In einer wichtigen Passage betont Marx, daß “die capitalistische Produktionsweise, wie jede andre, nicht nur beständig das materielle Product reproducirt, sondern die gesellschaftlichen ökonomischen Verhältnisse, die ökonomischen Formbestimmtheiten seiner Bildung” (MEGA II/4.2, 889-90, MEW 25, 879). Daraus ergibt sich, daß die Marxsche Analyse weit davon entfernt ist, ein ideologisches Spiel der Ableitung der gesellschaftlichen Entwicklung von der “bloßen Ware” anzubieten. Der Fetischismus der Kapitalbeziehung bedeutet nicht, daß das Schicksal der Menschen von den Produkten ihrer Arbeit bestimmt wäre. Der Fetischismus ist nur eine notwendige Form der Wahrnehmung der Realität in einer kapitalistischen Gesellschaft, die zusammen mit dem Kapitalismus beseitigt wird50.
[...] 3.3.3. Eine Bemerkung bezüglich des Konstruktivismus
Der Fetischismus, wie auch andere gesellschaftliche Konstrukte (z. B. das jedem Individuum gesellschaftlich zugewiesene Geschlecht, die nationale Zugehörigkeit oder das kriminelle “Stigma”) sind Vorgänge, die aus einer konstruktivistischen Perspektive dekonstruiert werden können. Dekonstruktion bedeutet hier zweierlei: Einerseits das Aufzeigen ihrer Geschichtlichkeit (d. h. ihrer Konstruktionsgeschichte) und andererseits die Analyse der Gründen dieser Konstruktion, d. h. der Interessen, denen sie entsprechen. Das Kapital wird jedoch auch nach solchen Dekonstruktionen weiterhin Profit “erzeugen”, genauso wie die Individuen weiterhin Geschlecht, nationale Identität oder Eintragungen im Strafregister haben werden, auch wenn einschlägige Studien und politische Erfahrungen zeigen, daß diese “natürliche” Eigenschaften nur eine Erscheinungsform der Gesellschaftsstruktur und der Klassenverhältnisse bilden, die transformiert (bzw. abgeschaft) werden kann52.
Der Konstruktivismus stellt die Frage, wie unsere Vorstellungen bezüglich der Wirklichkeit entstehen, d. h. wie unser “Wissen” über die Wirklichkeit entsteht. Somit überwindet er das traditionelle philosophische Dilemma “Objektivität oder Subjektivität des Wissens”. Weder erzeugen die Individuen die “wirklichen” Gegenstände noch “offenbaren” sich die “Objekte” bzw. die Realität dem Subjekt. Der Konstruktivismus untersucht die konkreten Prozesse der Bildung verschiedener Wissensarten: Aussagen, die in bestimmten Kontexten als gültig betrachtet werden, “sagen”, was die Wirklichkeit eingentlich sei und so konstruieren sie die Wirklichkeit53.
Wir werden hier nicht die erkenntnistheoretischen Probleme der verschiedenen Versionen des Konstruktivismus untersuchen, die damit zusammenhägen, daß der Konstruktivismus letztendlich der idealistischen oder der realistischen Falle zum Opfer fällt54. Uns interessiert hier, daß für seine Fetischismusanalyse Marx eine konstruktivistische Perspektive übernimmt, auch wenn seine Methode im Allgemeinen keine konstuktivistische Züge aufweist. In bezug auf dem Fetischismus unterscheidet Marx nicht zwischen dem Richtigen und dem Falschen, z. B. zwischen der Ideologie und der Wahrheit. Er behauptet, daß auf der Basis bestimmter Daten der Produktionsstruktur die Individuen eine Wahrnehmung der Wirklichkeit entwickeln, die -ohne richtig oder falsch zu sein- einer bestimmten gesellschaftlichen Struktur entspricht, d. h. die einzige Art und Weise bildet, diese Wirklichkeit wahrzunehmen, die weder unabhängig von dieser Wahrnehmung (“wahre Wirklichkeit”) existiert noch eine rein subjektive Betrachtungsweise bildet.
Der Konstruktivismus behauptet erstens, daß die individuellen Vorstellungen bezüglich der Wirklichkeit konstruiert sind, ohne jedoch etwas “Künstliches” oder “Gefälschtes” zu sein, und, zweitens, daß diese Vorstellungen in einem anderen geschichtlichen Rahmen von anderen ersetzt werden können, die unterschiedlichen Wahrheitskriterien entsprechen. Die “neuen” Vorstellungen können vielleicht politisch wünschenswerter sein, sie werden jedoch genauso wie die heutigen das Ergebnis einer Konstruktion bilden. So wird z. B. die “Transparenz” der zwischenmenschlichen Beziehungen in einer kommunistischen Gesellschaft weder die “Wahrheit” der Arbeitsteilung noch eine ideologiefreie Wahrnehmung der “wahren Wirklichkeit” ausdrücken, sondern nur eine neue Konfiguration gesellschaftlicher Vorgänge seitens der Individuen bilden.
Das ist der aus praktischer Sicht “schwache” Punkt des Konstruktivismus: Die theoretische Entdeckung des konstruierten Charakters einer als natürlich dargestellten Wirklichkeit ändert Nichts an ihr. Genau diese “Schwäche” können wir bei der Marxschen Fetischismusanalyse feststellen55. Diese Analyse ist also erkenntnistheoretisch besonders “modern” und ideologisch-politisch kaum bedeutend. Kein ideologischer Kampf gegen den Fetischismus und keine Überwindung im Rahmen des Kapitalismus erscheinen als möglich. Die Marxschen Ausführungen bieten nur eine tiefe Analyse der Mechanismen der Wahrnehmung der Wirklichkeit im Kapitalismus, die auch einen wichtigen Beitrag zum Prozeß der Bildung der individuellen Identität im Kapitalismus leisten.
[...] 3.4. Fetischismus ohne ideologische Staatsapparate?
[...] Die Betrachtung von Athusser und Balibar verkennt jedoch eine Besonderheit des Fetischismus. Als “naturwüchsiges” Effekt der Verdeckung der gesellschaftlichen Verhältnisse durch die ökonomische Funktion ist der Fetischismus nicht unmittelbar mit den ISA verbunden. Marx durfte also in bezug auf den Fetischismus, den Staat “zu vergessen”. So bleibt zwar der Rahmen der Entstehung des Fetischismus unerklärt, dies bildet jedoch kein Argument gegen die Fetischismusanalyse an sich.
In zwei Passagen des Kapitals schreibt Marx: “Die Darstellung von Mehrwerth und Werth der Arbeitskraft als Bruchtheilen des Werthprodukts (…) versteckt den spezifischen Charakter des Kapitalverhältnisses, nämlich den Austausch des variablen Kapitals mit der lebendigen Arbeitskraft und den entsprechenden Ausschluß des Arbeiters vom Produkt. An die Stelle tritt der falsche Schein eines Associationsverhältnisses, worin Arbeiter und Kapitalist das Produkt nach dem Verhältnis seiner verschiednen Bildungsfaktoren teilen” (MEGA II/5, 431, MEW 23, 555). “Bei der Sklavenarbeit erscheint selbst der Theil des Arbeitstags, worin der Sklave nur den Werth seiner eignen Lebensmittel ersetzt, den er in der That also für sich selbst arbeitet, als Arbeit für seinen Meister. Alle seine Arbeit erscheint als unbezahlte Arbeit. Bei der Lohnarbeit erscheint umgekehrt selbst die Mehrarbeit oder unbezahlte Arbeit als bezahlt. Dort verbirgt das Eigenthumsverhältnis das Fürsichselbstarbeiten des Sklaven, hier das Geldverhältnis das Umsonstarbeiten des Lohnarbeiters. (…) Auf dieser Erscheinungsform, die das wirkliche Verhältnis unsichtbar macht und grade sein Gegentheil zeigt, beruhn alle Rechtsvorstellungen des Arbeiters wie des Kapitalisten, alle Mystifikationen der kapitalistische Produktionsweise, alle ihre Freiheitsillusionen, alle apologetischen Flausen der Vulgärökonomie (…)” (MEGA II/5, 437, MEW 23, 562).
In beiden Fällen (Kapitalismus, Sklavengesellschaft) lassen sich immanente Verdeckungseffekte feststellen, die jedoch in zwei entgegengesetzten Richtungen funktionieren. Dies hat eine besondere Bedeutung für die politischen Herrschaftsverhältnisse sowie für die Ausgestaltung der ideologischen Ebene in den entspechenden Gesellschaften. Es ist jedoch kein Produkt der ideologischen Tätigkeit, sondern eine interne “Notwendigkeit” der jeweiligen Produktionsweise, die zwar das Funktionieren des Überbaus voraussetzt, nicht aber von ihm erzeugt wird.
[...] Unser methodischer Hinweis auf die zugleich interne und externe Perspektive, die jede Fetischismusanalyse berücksichtigen muß, zeigt, daß es kein absoluter “Beginn”, d. h. kein externer Bezugspunkt gibt, der vor dem Auftreten (auf geschichtlicher und theoretischer Ebene) sämtlichen Strukturmerkmale des Kapitalismus zur Verfügung stünde. Aus diesem Grund kann die Analyse des Waren- und Kapitalfetischismus weder aus einer vorgegebenen juristischen Ideologie abgeleitet werden, noch ist es möglich, die Struktur des Rechtssystems als Konsequenz einer “reinen” Struktur des Warenaustausches zu betrachten.
Es ist unmöglich das Geflecht des Internen/Externen analytisch auseinanderzuhalten, um auf die Frage der Entstehung des Fetischismus eine “saubere” Antwort zu geben. Es gibt jedoch die Möglichkeit einer gleichzeitiger Analyse der verschiedenen Phänomene mit den “bereicherten” Begriffen, die uns die dialektische Methode von Marx bietet. Und dabei behält der Ansatz von Paschukanis seine Gültigkeit, auch wenn die Betrachtung des Ökonomischen als etwas Ursprünglichen, woraus sich die Rechtsstruktur ableiten ließe, aporetisch ist. Paschukanis begründet die “negative” These, daß ohne Kapitalismus das (bürgerliche) Recht buchstäblich undenkbar ist. Die umgekehrte Formulierung (ohne das bürgerliche Recht kann der Kapitalismus nicht funktionieren) ist zwar formell richtig, hat jedoch keinen materialistischen Sinn. Sie setzt nämlich voraus, daß eine externe Instanz ein Rechtssystem entwickelt, das dann ein Gesellschaftssystem funktionsfähig macht. Aus diesem Grund erweist sich der Vorrang des Ökonomischen bei Paschukanis als zutreffend, obwohl es aus geschichtlicher Sicht nur ein Prozeß gibt, wo sich interagierende Institutionen und Elemente die KPW bilden; zu diesen gehört das Rechtssystem und die juristische Ideologie/Philosophie.
[...] Die dritte Definition [vom Begriff Ideologie] entkoppelt sich vom Schema des falschen Bewußtseins, d. h. von den Gegensätzen wahr/unwahr, richtig/falsch, frei/unfrei usw., die die obengennanten Definitionen prägen. Wenn die Ideologie nur eine mit Lügen verdeckte Gewalt wäre, würde sie weder glaubwürdig noch stabil sein. Der einzige Weg die Immanenz der Ideologie, d. h. ihre Notwendigkeit und Dauerhaftigkeit zu erklären, ist sie als Wahrheit aufzufassen, die in einer bestimmten Gesellschaft eine “notwendige” und “offensichtliche” Geltung hat (vgl. Balibar 1994, 55). Ausgangspunkt ist dabei, die Betrachtung der Ideologie als einer Menge von Praxisarten (Verhaltensweisen), die im Rahmen der ideologischen Apparate erzeugt, gelehrt und realisiert werden. Diese Apparate sind direkt oder indirekt mit dem Staat verbunden und fuktionieren als Instanzen der Reproduktion der allgemeinen Funktionsbedingungen der geselschaftlichen Verhältnissen. Das Hauptelement ist nicht, daß die Ideologie materielle “Sitze” hat, noch daß sie mit den verschiedenen Formen mittelbaren Zwangs verbunden wird, sondern daß die “Ideen”, in denen sie sich kodifiziert, “organisch” sind, d. h. zur Reproduktion der Produktionsverhältnisse beitragen. Als solche werden sie von allen Gesellschaftsmitglieder akzeptiert und als Ausdruck der Wahrheit des Gesellschaftslebens erlebt. In diesem Sinne gründet die Ideologie eine notwendige (wie auch imaginäre) Beziehung der Individuen zu ihren Existenzbedingungen59.
Um die ausschließliche Referenz auf die “Idee” als Gegenteil des Realen (und des Wahren) zu vermeiden, wäre es angebracht, das Ideologische als das “Symbolische” zu bezeichnen und es als eine Wirklichkeitsebene zu verstehen, die parallel zu den anderen wirkt, konstitutiv-performative Wirkungen für das Verhalten der gesellschaftlichen Individuen aufweist und letztendlich eine “reale Illusion” (Haug 1993, 51), ein Symptom und einen entstellten Ausdrucksmodus der gesellschaftlichen Realität (Althusser 1974, 20-21) bildet.
Dies bedeutet nicht, daß es unmöglich ist, die ideologische Bedingtheit bestimmter Auffassungen zu zeigen: Durch eine geeignete gesellschaftliche Analyse, durch die kritische “Lektüre” und den Vergleich von Diskursen kann es gezeigt werden, daß einige Auffassungen einer für die gesellschaftliche Reproduktion “nützlichen” Wahrheit entsprechen und deswegen praktische, verhaltenskonstituirende Effekte haben60. Die Ideologie ist jedoch dem menschlichen Denken immanent, d. h. sie kann nicht durch Rationalität und Dialog oder selbst durch eine gesellschaftliche Umwälzung endgültig überwunden werden. Sie ist eine gesellschaftlich erzeugte Wahrheit, die mit der Notwendigkeit bestimmter Praxisarten in jeder Gesellschaft zusammenhängt.
In der Perspektive der “notwendig-wahren” Ideologie ist der Fetischismus des Kapitalverhältnisses nur ein Aspekt der gesamten Ideologieerzeugung. Er hat jedoch eine besondere Bedeutung als Indiz der Funktionsweise der ideologischen Instanzen. Die Analyse des Fetischismus entdeckt einerseits den Mechanismus des Internen/Externen als Eigentümlichkeit des Symbolischen, die uns vom Gegensatz richtig/falsch befreit, und andererseits die konsensstiftende Funktion der Naturalisierung des Gesellschaftlichen. Das wichtigste ist jedoch, daß der Fetischismus die Ideologie mit den Begriffen des Individuums und der Unterwerfung verbindet, die Marx ganz anders als die “moderne” philosophische Tradition auffaßt. Es wurde nämlich gezeigt (Balibar 1993, 64 ff.), daß für Marx das “Objektive” nicht nur die Sache, das Reelle, das Seiende ist, sondern auch die “Illusion”, das “übersinnliche Ding”. Letztere bilden Bestandteile der Wirklichkeit, auch wenn sie aus ihre Verkennung und aus der Naturalisierung geschichlticher Konstrukte hervorgehen. Genauso reell sind die unsichtbaren (ideologischen) Verhaltenszwänge. Dadurch überwindet Marx die klassische Unterscheidung zwischen Welt und Subjekt und zeigt, daß es keine Individuen gibt, die unabhängig von einer bestimmten Gesellschaft seien: Es gibt nur geschichtliche Praktiken, die die Individuen als Produkte einer bestimmten Gesellschaft konstruieren. Das Individuum konstruiert die Welt nicht, wie der Idealismus behauptet, sondern die Welt erzeugt die Subjektivität des Individuums der kapitalistischen Gesellschaft als Eigentümers von Waren und von seiner Person. Dieser Konstruktionsprozeß erfolgt in strenger Gleichzeitigkeit mit der “Welt der Dinge”. Dadurch hat Marx die Philosophie des Bewußtseins und des Subjekts gewissermaßen umgekehrt.
Der Fetischismus ist eine Analyse des Prozesses der Unterwerfung der Subjekte durch den Markt, der im Kapitalismus den Ort der “ideologischen” Konstitution von Objekten und Subjekten bildet (vgl. Balibar 1993, 75 f.). Der Fetischismus kann also uns keine Theorie der Politik und der Macht geben, d. h. keine Erklärung für die Orte der eigentlichen Ideologieproduktion. Der Fetischismus bleibt jedoch ein Teil der Theorie der Ideologie: Seine Analyse zeigt die Mechanismen der Wahrnehmung der Realität unter kapitalistischen Bedingungen und daß sie mit “Zwängen” dieser Produktionsweise zusammenhängen, die den Subjekten “übetragen” werden.
Hier ist eine letzte Bemerkung notwendig. Für die Ideologieproduktion im Kapitalismus bietet der Fetischismus eine “Rohmaterie” an: die Idee und Praxis des Primats der Individuen. Je nach konkreter Situation wird diese Auffassung aktiv vorgetragen (z. B. in parlamentarischen Demokratien, die eine neoliberale Politik treiben) oder wird sie in den Hintergrund gesetzt (z. B. faschistische Regime, die die “geschichtlich erwachsene Gemeinschaft”, die “die Pflicht der Auforferung im Namen der Rasse” usw. propagieren und die individuelle Autonomie in Wirtschaft und Politik einschränkten). Daraus geht hervor, daß die ideologischen Apparate den individuen konstituirenden Fetischismus politisch verwerten können. Niemals erscheint aber der Fetischismus an sich als eine ideologische Kraft und ohne das Funktionieren einer ideologisch-politisch “vollständigen” Gesellschaftsformation bleibt er unmöglich. Es gibt also kein fetischistisches “Schicksal” im Kapitalismus und keine unabwindbare ökonomische Notwendigkeit, die die Individuen zu einem bestimmten Handeln zwingt. Dies zeigt die relative Eigenständigkeit der Politik und die Möglichkeit einer revolutionären Umwälzung.”
Quelle: http://users.ntua.gr/jmilios/DimMil%281%29.doc
Der Fetischismus
Es gibt praktisch nichts, was nicht zum Objekt der sexuellen Begierde werden kann. So sind, in entsprechenden Kreisen, getragene Socken oder Latexhosen ebenso begehrt wie Luftballons oder Windeln. Lange Zeit über galten die sexuellen Vorlieben von Fetischisten als pervers. Auch... http://www.vistano-portal.com/psychologie/psychologie-news/fetischismus.html?utm_source=dlvr.it&utm_medium=tumblr