Juli 2019
Beim nächsten Ton ist es 36,9
Meine Tante (Alter: 70+) fühlt sich ein wenig matt und fiebrig. Ihr altes Fieberthermometer zeigt allerdings Werte an, die eher auf Steak medium als auf eine leichte Sommergrippe schließen lassen. In der Apotheke kauft sie ein neues Gerät, das jedoch auch nicht ganz so funktioniert, wie es soll: Zwar misst es die Körpertemperatur anscheinend korrekt – aber weder beim Einschalten noch beim Ende der Messung ertönt der in der Bedienungsanleitung beschriebene Quittungston. Auch ein Batterietausch bringt keine Abhilfe. Das kaputte Thermometer wird also zurück in die Apotheke gebracht.
Die dortige Mitarbeiterin (Alter: unbekannt, aber unter 70) prüft die Beschwerde und stellt fest: Das Thermometer funktioniert einwandfrei. Beim Einschalten sowie beim Ende der Messung ertönt ein Quittungston. Meine Tante hört den Ton weiterhin nicht, will aber nicht nerven und nimmt das Thermometer wieder mit. Beim Ausprobieren zu Hause in meinem Beisein bestätigt sich der Verdacht: Der Quittungston hat eine so hohe Frequenz und ist zugleich so leise, dass er nicht für alle potenziellen Thermometernutzer zu hören ist – in jedem Fall nicht für ältere Leute, auch wenn sie, wie meine Tante, ansonsten nicht erkennbar schwerhörig sind. Für mich (Alter: 30+) ist der Ton problemlos wahrnehmbar.
Dass er wirklich existiert und ich sie nicht im Komplott mit der Apothekenmitarbeiterin zum Besten halte, glaubt mir meine Tante erst, als ich den Ton mit dem Handy aufnehme (und das Mikrofon dabei sehr nah an das Thermometer halte) und anschließend wieder abspiele. Auf dieser Aufnahme, auf der der Ton sehr laut und etwas verzerrt zu hören ist, kann sie ihn auch hören. Als sie das Thermometer anschließend zwecks Messung in den Mund steckt, muss ich ihr allerdings ein Handzeichen geben, als der für sie unhörbare Ton anzeigt, dass das Ergebnis vorliegt. Das fällt immerhin aus wie erhofft: 36,9 Grad – wohl doch keine Grippe, zumal sich meine Tante schon viel besser fühlt.
(Christopher Bergmann)











