Mai 2018
Ich verliere einen Schlüssel, finde ihn aber im Internet wieder
Am zweiten Tag der re:publica passiert mir etwas, was mir sonst nie passiert, weil ich doch der Typ Mensch bin, der drei Mal guckt, ob der Herd aus ist und auf dem Weg zu einer Veranstaltung zehn Mal prüft, ob die Eintrittskarten tatsächlich immer noch in der Tasche sind.
Trotzdem verliere ich beim Einkaufen irgendwo zwischen Wohnungstür und Marktplatz den Schlüsselbund für die Berliner Ferienwohnung, laufe drei Mal den Weg ab, frage in jedem Geschäft, bis ich wirklich die komplette Infrastruktur Spandaus kennengelernt habe, aber der Schlüssel bleibt verloren. Auch beim Bürgeramt und bei der BVG wurde nichts abgegeben.
Ich muss also doch meine Mutter anrufen, die einem Nachbarn Bescheid sagt, der einen Ersatzschlüssel für Haus und Wohnung hat. Da der Wohnungsschlüssel kein Sicherheitsschlüssel ist, lasse ich diesen sofort einmal nachmachen, zur Sicherheit und damit - falls der Schlüssel verloren bleibt - meine Eltern wenigstens diesen nicht noch mal anfertigen lassen müssen.
Bis zu meiner Abreise taucht der Schlüssel nicht wieder auf. Ich habe mich bis dahin schon im Internet informiert und die Seite des Berliner Fundbüros aufgetan, wo alle eingehenden Gegenstände mit Fundort, Funddatum und Beschreibung gelistet werden, aber schon im Bürgeramt sagte man mir, dass es üblicherweise dauert, bis etwas im zentralen Fundbüro landet und so liefert die Suche erstmal nichts.
Zu Hause in Essen forsche ich dann einige Zeit später noch mal nach und werde aufmerksam. Funddatum passt, Fundort zwar nicht so ganz, aber eventuell kenne ich Spandau auch nicht so gut oder der Schlüssel wurde auf wundersame Weise ein paar hundert Meter weiter transportiert, bevor ihn der ehrliche Finder aufhob. Vor allem aber passt die Beschreibung (Anzahl, schwarzes Mäppchen und ein Schlüssel mit bunter Kappe) und es ist doch sehr unwahrscheinlich, dass am gleichen Tag am ungefähr gleichen Ort zwei so ähnliche Schlüssel verloren wurden.
Ich schicke meinem Vater per Mail einen Link zu der Fundsachenbeschreibung und wir sind uns einigermaßen einig, dass es sehr, sehr wahrscheinlich der gesuchte Schlüssel ist. Beim nächsten Berlinbesuch muss mein Vater also zum Fundbüro nach Tempelhof fahren und kann das arme verlorene Ding wieder abholen.
Interessanterweise wäre der grundsätzliche Ablauf dieser Geschichte auch ohne Technik gar nicht so viel anders verlaufen. Aber nach dem ganzen Stress und dem nachgelagerten schlechten Gewissen, etwas Anvertrautes verloren zu haben, freue ich mich sehr darüber, dass ich zumindest online die Fundsachen durchsuchen kann und meinen Eltern schon vorher hoffnungsvolle Botschaften übermitteln kann.
(Anne Schüßler)










