Juli 2017
Technik im Haushalt, vorhandene und nichtvorhandene
Der erste Teil der Bestandsaufnahmenserie ist hier.
Der Fernseher: Nicht mehr vorhanden, seit ich ihn irgendwann in den 90ern an einen Freund verliehen habe, weil ohne MTV das Fernsehen sinnlos geworden ist. Später kam er noch mal kurz zurück zu mir, aber nicht in die Wohnung, nur ins Büro, und um 2010 herum wurde er entsorgt.
Der Festnetzanschluss: Nicht mehr vorhanden seit 2003. Dose und aufgerolltes Kabel hängen immer noch da, für den Fall einer Festnetz-Retrowelle. Naja, eigentlich nur aus Faulheit.
Der Internetanschluss: War noch nie vorhanden, ich bin vom Modem direkt auf mobile Internetversorgung umgestiegen.
Der Kühlschrank: Nicht mehr vorhanden seit 1997. Fehlt nicht, auf Partys müssen die Leute halt warmes Bier trinken, aber ich veranstalte sowieso nur alle fünf Jahre eine zu den runden und halbrunden Jubiläen meines Einzugs in diese Wohnung. Das warme Bier war also erst dreimal ein Problem.
Der Elektroherd: Nicht mehr vorhanden, seit ich ihn 2007 mit einem Beil von der Mietsache getrennt habe. Gekocht wird auf einem tragbaren Gaskocher (alle paar Monate mal).
Der Wasserkocher: Ich brauche ihn für Tee, aber nicht täglich, denn Tee trinke ich nur am Arbeitsplatz. Ein Geschenk meiner Mutter zu meinem ungefähr 21. Geburtstag. Das war mir damals vor meinem anwesenden Freund peinlich, ich fand es ein uncooles Geschenk, und für diese unangebrachte Scham schäme ich mich seit mehreren Jahrzehnten. Es ist ein guter und robuster Wasserkocher, ich werde mich also noch lange weiterschämen.
Die Mikrowelle: Ich habe sie mir zugelegt, um Trockenmittel zu trocknen, und das ist weiterhin ihre Hauptaufgabe, etwa zweimal jährlich. Allerdings wurde sie inzwischen durch eine neue ersetzt. Die alte schaltete sich nach Ablauf der eingestellten Zeit nicht mehr ab. Die Mikrowelle steht auf vier Spülschwämmen, damit sie beim Schleudern von der Waschmaschine nicht abgeworfen wird.
Die Waschmaschine: Ohne Waschmaschine geht es nicht. Zwar gibt es in meiner Nähe noch einen Waschsalon (was nicht mehr so selbstverständlich ist wie vor 20 Jahren), aber ohne Waschmaschine muss man vorausschauend planen. Mit Waschmaschine hingegen kann ich abends die Maschine befüllen und ihren Timer so einstellen, dass sie fertig gewaschen hat, wenn ich aufstehe.
Der Staubsauger: Ich sauge zu selten Staub. Das liegt unter anderem daran, dass es so schwer ist, den Staubsauger aus der Abstellkammer zu extrahieren und er sich dann so widerspenstig anstellt mit seinem Kabel. Ich habe kürzlich davon erfahren, dass es Akkustaubsauger gibt und, da der vorhandene mindestens 15 Jahre alt und leicht defekt ist, über einen neuen nachgedacht. Allerdings sprechen die Amazonrezensionen eine deutliche Sprache: Wie auch bei den Epiliergeräten hält der Akku nur ein, zwei Jahre durch. Dann lieber doch weiter Kabelgezerre.
Einen Desktop-PC gab es bis 2008, einen eigenen Drucker hatte ich bis 2007. Allerdings waren beide schon lange davor keine Mitglieder dieses Haushalts mehr, sondern standen im Büro.
Das Tablet: Angeschafft für Vorträge, aber nach den ersten paar Mal nicht mehr benutzt. Damit Einbrecher es nicht finden, habe ich es irgendwo versteckt, nur wo?
Der Laptop: Gehört eigentlich gar nicht zum Haushalt, sondern zu meiner Person, genau wie das Smartphone. Um das Smartphone zu fotografieren, müsste ich seinen Vorgänger aus der Kiste mit Kabeln und obsoleter Technik heraussuchen. Darin sind auch zwei von den drei Digitalkameras meines Lebens, der Handscanner, das Mauspad und sehr viele USB-C-Kabel.
Die Rollläden öffnen und schließen elektrisch, nachdem man einige Schalterstellungen durchprobiert hat.
Schon etwas älter: der Sicherungskasten und der Stromzähler. Wahrscheinlich gibt es solche Sicherungen immer noch zu kaufen, aber ich weiß darüber nichts, ich habe in 25 Jahren nie eine neue gebraucht.
Das Gehäuse der Wohnungstürklingel habe ich in den 90er Jahren nur kurz abgenommen und dann verlegt. Man müsste sie auch mal wieder an der Wand festschrauben. Im Unterschied zur Haustürklingel funktioniert sie aber einwandfrei. Was soll da auch kaputtgehen, es ist eine Klingel wie die Schemazeichnung einer Klingel.
Die kleine Klappe in meiner Küchenwand ist eins der letzten Relikte aus der Zeit des Kohleofens und des Beistellherds. Der Kaminkehrer, der in Berlin Schornsteinfeger heißt, hat aus ihr den vorher im Kamin, ich meine Schornstein, mit seinem Stoßbesen losgekratzten Ruß herausgeholt. Im Keller gibt es weitere solche Zugänge. Rechts im Bild sind die Rohre des Ofenheizungsnachfolgers zu sehen, der Gastherme.
Das warme Wasser zum Duschen wird aber nicht von der Gastherme erzeugt, obwohl sie das könnte. Weil die Dusche lange vor der Gastherme eingebaut wurde, noch in der Zeit der Ofenheizung, hängt sie an einem Elektroboiler. Ich besitze ganz schön viele unterschiedliche Geräte zum Herstellen von Wärme. Im Wasserbett gibt es auch noch eins, ein flaches Elektroheizpanel, das ich aber nicht fotografieren kann, weil 800 Liter Wasser auf ihm drauf liegen.
In allen Räumen sieht man noch am Betonestrich, wo bis Ende des 20. Jahrhunderts die Öfen gestanden haben: ein Kachelofen, zwei Allesbrenner und der Beistellherd. Ich brauche aber keine Erkennungshilfen. Ich war ja dabei.
(Kathrin Passig)













