Obscura - Akroasis



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Obscura - Akroasis
Album: Alt - J/This Is All Yours
Vor zwei Jahren war die Welt noch einfacher, zumindest für Rezensenten der Band Alt - J. Der Hype um die Briten war schon spürbar, doch wer wird denn heute nicht gehypt? Eben, so ein kleiner Hype lässt sich leicht aus dem Weg räumen, da meckert niemand über irgendeine Reaktion. Entsprechend oft begegneten Kritiker dem Debüt "An Awesome Wave" eher schulterzuckend; eine nette Angelegenheit, aber nicht wirklich bahnbrechend. In der Zwischenzeit haben Alt - J 1.000.000 Kopien dieses netten Albums verkauft, ein Bandmitglied verloren, sind um die Welt getourt und haben den renommierten Mercury Prize gewonnen. All das hat man natürlich im Hinterkopf, wenn man sich "This Is All Yours" nähert, jenem zwangsweise schwierigen zweiten Album. Erneut gilt es genau hinzuhören und sich zu fragen, wie man sich zu dieser Musik verhalten möchte. Ein bisschen ist es so wie mit diesen anderen Mercury Prize Gewinnern, The XX - die Zutaten des Sounds sind so bekannt, dass man unter Umständen gar nicht bemerkt, dass hier etwas ziemlich anders gemacht wird als es bisher in der Musikwelt der Fall war. Das galt für Alt - Js Debüt, das gilt auch für "This Is All Yours", bei dem Alt J ihr Rezept nicht dramatisch verändert haben. Es gibt ein paar neue Applikationen, es gibt ein paar Modifizierungen, doch im Grunde handelt es sich immer noch um sehr leise Musik, die Folk, Hip Hop Beats und Electronica erstaunlich homogen zusammenbringt.
Vorab raufte sich das Fanlager die Haare: der erste Track, "Hunger Of The Pine", trumpfte mit einem brutalen Video und Miley Cyrus Sample auf, der zweite namens "Left Hand Free" machte auf College Rock und fuhr breitbeinig über den Highway, der Sonne entgegen. Witzigerweise haben Alt - J mittlerweile gebeichtet, dass es sich bei dem Song tatsächlich um eine Art Auftragsarbeit handelt; die amerikanischen Plattenfirmenmenschen hatten sich das bisherige Material angehört, trotz Sample von Frau Cyrus keine Single gefunden und eine solche umgehend in Auftrag gegeben. "Left Hand Free" klingt nicht nach erzwungener Auftragsarbeit, ist willkommene Abwechslung - repräsentiert aber glücklicherweise auch nicht den Sound des Albums. Hier ist "Hunger Of The Pine" schon eher geeignet: recht düster, auf jeden Fall aber ziemlich flächig kommt der Song daher und ist trotz oder gerade wegen des Samples keine plumpe Pop Anbiederung geworden. Das Album beweist generell Mut zur Fläche, kommt weniger pluckernd und aufgekratzt daher als das Debüt. Manches klingt dabei vertrackter, anderes aufgeräumter, wichtig ist: eine Entwicklung hat stattgefunden, ohne gleich den ganzen Klang der Band auszutauschen. Dazu gehört auch der Wert, den Alt - J auf das Format Album legen.
Trotz Auftragssingle gibt es nämlich durchaus eine Dramaturgie zu erkennen. Drei Lieder behandeln die japanische Stadt Nara: Ankunft und Ortbeschreibung zu Beginn, die Abreise zum Schluss. Es ist keine interpretatorische Meisterleistung, diese Ordnung als Rahmen für das gesamte Album zu identifizieren. Das vorangestellte Intro funktioniert in dieser Dramaturgie als mit bekannten (die geloopten Stimmfetzen, die prominenten Drums) sowie neuen (die Chöre, die man sich ein bisschen von VASTs "Touched" ausgeborgt hat) Zutaten spielender Prolog, den man sich in dieser Länge jedoch hätte sparen können - zu viel Dynamik wird hier in Kombination mit dem sehr leisen "Arrival In Nara" verschenkt. Die Dynamik die zu Beginn geraubt wird hat die Band glücklicherweise schnell wieder drin. Nach den ruhigen, besinnlichen Nara - Songs geht die Stimmung erst mal nach oben: "Every Other Freckle" lässt die Sonne hinein in den etablierten Sound der Band, schaut in der Mitte kurz auf dem Mittelaltermarkt vorbei, wurde ansonsten aber nah an die bisherigen Hits der Band gebaut. "Left Hand Free" braust dann etwas verhalten in Richtung Spring Break, bevor mit einem flötig - mittelalterlichen Interlude die Stimmung erneut umschlägt; ein bereits angedeuteter Hauch von Mystik umweht die Musik ab jetzt. "Hunger Of The Pine" wirkt sehr schwer und düster, mit unheilverkündenden Hörnern und generell einfach viel bedrohlicher als ein handelsüblicher Alt - J Song. Definitiv einer der Höhepunkte der Platte, den Alt - J mit einem der luftigsten Momente des Albums konterkarieren.
"Warm Foothills", der nächste Song, ist das denkbar zärtlichste Gegenstück zu "Hunger Of The Pine": leichtfüßige Gitarren, weiblicher Gesang (weitere Gäste folgen im Verlauf, u.a. Conor Oberst) und beschwingtes Pfeifen. Es bleibt sanft in der Folge, egal ob leicht frickelig - dramatisch ("The Gospel Of John Hurt") oder ganz bei sich ("Pusher"), traumwandlerisch durchschreitet die Band das etablierte Vokabular, bis es tatsächlich Zeit ist zu gehen. "Leaving Nara" knüpft mit seinen Chorälen an den Anfang der Platte an und geleitet uns sicher nach Hause. Einen eindeutigen Hit haben Alt - J dieses Mal nicht mitgebracht (abgesehen von "Left Hand Free", aber den lasse ich nicht gelten); das Album steckt zwar voller Melodien, doch ein griffiger Song wie "Tesselate" oder "Breezleblocks" bleibt aus. Weiter schlimm ist das nicht, denn Alt - J gelingt damit der Sprung auf die nächste Ebene. Selbst wenn "This Is All Yours" nicht makellos ist: ein gutes, stellenweise exzellentes Album ist es allemal geworden, vor allem ein solches, dass sich als würdiger Nachfolger eines ausgezeichneten Debüts erweist statt an der Bürde zu scheitern.
Alt - J beschenken: hippe Leisetreter/bebrillt - empfindliche Mystiker/stilistische Querdenker des 21. Jahrhunderts
Reinhören: http://vimeo.com/100604554
Holy guacamole! That's just brilliant!
new Mount Kimbie
und weil die GEMA so fein ist:
to start with something beautiful
Sie können Ad-Hoc-Frickellösungen sowohl erstellen als auch warten, sie als systematische und ordentliche Lösungen anerkennen und auch verstehen, dass wenn das alles nicht so ganz toll funktioniert das an Ihnen liegt.
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