Geflügeltes Wort: “Jemandem aufs Dach steigen”
Nein, Menschen, die meinen, jemandem aufs Dach steigen zu müssen, leben dort nicht unbedingt ihre tierische Seite aus. Sicherlich hätte es durchaus seinen Charme, wenn der Nachbarn ähnlich wie des Bauern Gockelhahn munter auf einem Dach umherstolziert. Dass man ihm dabei ein gutes Gleichgewicht wünscht, versteht sich von selbst. Denn solch eine Show wäre doch bekanntlich um weiten besser als das, was man oftmals als Blockbuster im Kino präsentiert bekommt.
Ganz so amüsant hält es sich mit unserem Pseudo-Gockel nicht. Denn, wenn man jemandem aufs Dach steigt, meint man für gewöhnlich sich heftig beschweren zu müssen, jemandem die Meinung zu sagen oder gar jemanden unter ziemlichen Druck zu setzen. Der versinnbildlichte Klettermaxe wäre somit leider einiger Federn beraubt. Doch wo kommt dieser Ausspruch eigentlich her, „jemandem aufs Dach steigen“?
Rein versinnbildlicht könnte man meinen, es käme aus dem Handwerk. Als Dachdecker muss man ja auch so einige Kletterpartien hinter sich bringen. Ganz abwegig ist dieser Gedanke nicht, mit Dächern hat es im Kern wirklich zu tun.
Im Mittelalter, wo die Welt noch ziemlich dunkel war, gab es in Städten bereits die ersten Hipster, die sich eine eigene Behausung leisten konnten. Dort regierte ihre eigene Rechtsprechung. So ähnlich eben, wie manch Eltern heute auch noch behaupten, die heimische Diktatur für sich beanspruchen zu können, solange man die Füße unter deren Tisch stelle. Wie dem auch sei, ließ sich der Hauseigentümer im Mittelalter etwas zu Schulden kommen, konnte er sich vor der Justiz in seinem Haus verstecken. Da niemand ohne Erlaubnis einen Fuß in sein Eigentum setzen durfte, konnte ihn auch keiner seiner gerechten Strafe zuführen. My home, my castle. Aber das Recht der eigenen Justizverwaltung im Häuschen galt eben nur solange, wie sich ein Dach auf besagtem Versteck befand. Und so kletterten bei berechtigtem Verdacht so manch Zimmerleute behände auf das Dach des Übeltäters, um dort die Ziegeln zu entfernen. Der Himmel wurde in das Haus gelassen und nun war es an Gott zu richten. Okay, dann eben an seinen irdischen Vertretern. Einer musste den Job ja machen. Da das Dach abgedeckt war, verlor der Hausherr alle Rechte über seinen Grund und konnte festgenommen werden. Man konnte ihn so nicht nur dingfest machen, sondern auch seine Meinung sagen. So wie wir es heute auch noch tun, wenn wir jemandem aufs sprichwörtliche Dach steigen.












