Über Hofnarren können nur die Herrscher lachen!
Ein Essay über den Zustand des deutschen Kabaretts und Satiresendungen im Zeitalter von Gleichschaltung und Zensur – staatlich besoldete Spaßmacher zwischen Dekadenz und Niedergang
Der erste deutsche Satiriker war Ulrich von Hutten, gefolgt von Heinrich Heine. Beide starben politisch verfolgt und verarmt an der Syphilis im Exil. Ende des 19. Jahrhunderts, im Wilhelminischen Kaiserreich, waren die Satiriker endlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Angefeindet aber geduldet, hielten sie wie viele Künstler und Schriftsteller den Herrschenden einen Spiegel vor und geizten nicht mit Spott über preußische Herrenreiter, dekadenten Adel, aufgeblasene Bourgeoise und soziale Missstände. 1914 war damit Schluss und man gab sich angesichts des ersten Weltkrieges betont völkisch. Ein Witzblättchen für die Front. In den 20ziger Jahren schossen die Kabaretts wie Pilze aus dem Boden. Eine davon die Pfeffermühle, mit Frontfrau Erika Mann. Ob die Salonkommunistin und Tochter des schwerreichen Bestsellerautors Thomas Mann wirklich den Nerv der Zeit traf, darf bezweifelt werden. Vier Millionen, später sogar sechs Millionen Arbeitslose hatten sicherlich andere Sorgen, als sich die Zeit mit Tingeltangel, Wortspielereien und Kneipenklavier zu vertreiben. Der Expressionist Otto Dix und andere Maler tauchten das Berliner Nachtleben in grelle Farben und düstere Fratzen. Das Bild vom dekadenten, mondänen reichen Nachtschwärmer der 20ziger und 30ziger Jahre, war dann auch prompt Wasser auf die Mühlen der in den Starlöchern stehenden Nazi-Pöbels. Aber immerhin Kabarett und Satire waren Kunst, wozu sicherlich auch der längst vergessene Dadaist Hugo Ball beigetragen hat. Ein deutscher Emigrant, der vor den Greul des ersten Weltkrieges in die Schweiz geflohen war und dort – Nomen est omen - das berühmte Kleinkunsttheater „Voltaire“ aus der Taufe hob. Benannt nach dem satirischen Philosophen von dem der Satz überliefert ist „Ich verabscheue, was Sie sagen, aber ich werde mit meinem Leben dafür kämpfen, dass Sie es sagen dürfen“. Ein Motto, von dem heutige staatliche Spaßmacher weiter entfernt sind, als die Erde von der Sonne. Klassischer Fall: ZDF-Oberspaßmacher Böhmermann, der sich an der Hexenjagd gegen die „Söhne Mannheims“ beteiligt und eine Woche später aus ähnlichen Gründen den Moderator Hans Meiser aus seiner Sendung schmeißt.
Begleitprogramm für die 68ziger
1933 hörte überall im Deutschen Reich der Spaß auf. Wieder war die Zeit der Hofnarren gekommen. Schmunzelmonster wie Heinz Rühmann flimmerten auf den Leinwänden, und quirlige Blondchen wie Marika Röck tanzten zu Göbels arischen Marionettentheater. Die Adenauerära glich wieder ein wenig der Kaiserzeit, muffig, spießig, gutbürgerlich, konservativ, bigott, schwulenfeindlich aber ohne Säbelrasseln, denn dieses Spielzeug hatte man den Deutschen zum zweiten Mal innerhalb eines Jahrhunderts abgenommen. Männer und Frauen – Millionen davon Kriegerwitwen, Trümmerfrauen, Krüppel, Traumatisierte, Ausgebombte, Gewaltopfer und echte Flüchtlinge - hatten absolut die Schnauze voll von jeglicher Art von Militarismus. Der Beschluss wieder eine Armee zu gründen, stieß bei mehr als ein Drittel aller Westdeutschen auf Unverständnis, Angst und Ablehnung. Löste zumindest keine Begeisterungsstürme aus. Das war die Geburtsstunde des Kabaretts der Gegenwart. Ausgelöst durch „die Pauke von Neuss“ und anderen in Opposition zum herrschenden Establishment stehenden Satirikern, allen voran den Stachelschweinen und der Münchner Lach und Schießgesellschaft. Vereinfacht ausgedrückt: Das Kabarett der 60ziger und 70ziger Jahre war das Unterhaltungsprogramm der 68ziger und der Studentenbewegung. Als deren Protagonisten in der Helmut Schmidt und Willi Brand Ära erstmalig an die Macht kamen zeichnete sich bei den Spaßmachern die erste Krise ab. Gegen welchen Feind kämpfen? Das Kabarett wurde zum Schattenboxen. Neuss kämpfte vor allem gegen sich selbst. Nach einer Selbstinszenierung als „Politischer Flüchtling“ flüchtete er in die Welt der Drogen. Sein Statement wenige Jahre vor seinem Tod 1989: „Auf deutschen Boden darf nie wieder ein Joint ausgehen“
Kohl-Ära als Tropf für die kranken Salonkommunisten
Andere Kabarettisten legten Mitte der 80ziger Jahre wieder richtig los, angereichert durch unzählige Newcomer. Der Grund war das wandelnde Fettnäpfchen Helmut Kohl, den man eigentlich nur noch doubeln brauchte, um ganze Säle zum Bersten zu bringen. Wer das quallige Pfälzisch mit Anfängerenglisch und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelten Französischen Satzbausteinen aus der VHS anreicherte konnte seinen Blackoutkanzler bundesweit vermarkten. „Wichtig ist, was hinten rauskommt!“ Mit dem Ende der Kohl-Ära 1998 war eigentlich das Ende des oppositionellen Kabaretts eingeleitet. Fortan ist Satire eingebettet in eine staatlich-gelenkte, rotgrüne, gleichgeschalteten Medien- und Unterhaltungsbranche. Staatlich Sender wie SWR und HR schufen regelrechte Satire-Teams, die sogar auf Tournee gingen. Der klassische Kabarettist wandelte sich immer mehr zum „Comedian“. Manches war sogar bissig und böse, wie die Maultaschen-Conection. Aber nur so lange es „Hassfiguren“ des gegnerischen, sprich CDU-Lagers betraf. Zeitgleich setzte die Morgendämmerung der „Political correctness“ ein. Eine sprachliche Missgeburt der späten Postmoderne, für die es früher ein klares Wort gab. ZENSUR!
Der geistige Niedergang der Kabarett- und Satirekunst lässt sich am besten mit dem Verfall der römischen Kultur vergleichen. Unter Cäsar und Augustus waren die Porträts und Plastiken den Griechischen Vorbildern der Perikles Zeit fast ebenbürtig. Danach setzt ein spürbarer Niedergang ein. Die Gesichter der Cäsaren schrumpfen immer mehr zu Stereotypen. Von Nero wissen wir lediglich, dass er einen Kranzbart trug, Caligula sah sich als jungen Gott, die Philosophenkaiser Hadrian und Marc Aurel trugen Afrolook und Vollbärte. Der letzte große römische Kaiser Konstantin ist nur noch ein unförmiger Klotz. Eine Kopie jagt die andere, und am Ende sind es sogar Kopien von Kopien, die auf ihre Weise wie Spielbilder den stetigen Zerfall dokumentieren.
GEZ-Witzchen von der Stange
Die heutigen bestallten Kabarettisten sind fast durch die Bank GEZ-Söldner der politischen Correctness. Eine erfrischende Ausnahme ist Dieter Nuhr, den ein beleidigter Muslim aus Osnabrück wegen seiner islamkritischen Äußerungen als Hassprediger vor das „Sharia-Gericht“ zerren wollte. Stein des Anstoßes war der harmlose Satz. „Der Islam ist nur dort tolerant, wo er keine Macht hat.“ Die brutale Verfolgung von Schwulen und Christen in islamischen Ländern zeigt, Nuhrs Sätze sind keine Beleidigung sondern die Wahrheit. Die Kritik an Nuhr - auch von anderen Muslimen und sogar Medien – zeigt dagegen etwas Anderes, nämlich wie es um die Meinungsfreiheit in unser Land steht. Wir sollen uns abschlachten lassen und die Fresse halten. Eins hat der Hamas-Sympathisant erreicht: Nuhr ist vorsichtiger geworden. Andere Kabarettisten machen um Themen wie Zwangsehen, Ehrenmorde, Migrantengewalt, Salafismus einen großen Bogen. Der Mörder der Meinungsfreiheit hat sein Ziel erreicht. Was sonst – wie im Fall von Theo van Gogh - Terroristen mit Messern schaffen, dass schaffen Winkeladvokaten und islamophile Staatsanwälte, schleimende Pfaffen und Politiker. Die Islamisierung Deutschlands schreitet nicht zuletzt durch einen vom Stockholmsyndrom durchtränkten Unterwerfungsfaschismus in großen Schritten voran. Nicht zuletzt, weil es Islamisten spielend gelingt große Teile der rotgrünen Eliten, inklusive Justiz, Kirchen und Gewerkschaften als fünfte Kolonne für ihre menschenverachtenden Ziele einzuspannen.
Die deutsche Kabarettszene ist daher zum Schmierentheater von feigen Duckmäusern und gefälligen Hofnarren verkommen, deren Witzchen nicht einmal lustig sind. Ins Visier genommen werden vor allem islamkritische Parteien und Bewegungen. Last not least, die einzigen Oppositionellen Kräfte, die einer Allparteienregierung wenigstens ein klein wenig Widerstand entgegensetzen. Dass sich auch Nazis auf diesen Zug aufgeschwungen haben, ist bedauerlich. Noch bedauerlicher ist jedoch, dass nicht liberale Künstler und Intellektuelle, denen die Freizügigkeit und Werte einer offenen Gesellschaft am Herzen liegen, sich ähnlich wie Theo van Gogh, eindeutig dieser Oppositions-Bewegung anschließen.
Hier schließt sich der Kreis und offenbart zugleich einen geschichtlichen Bruch, ein Novum. Früher waren Kabarettisten und Satiriker auf Seiten der Opposition, geißelten die Mächtigen, kritisierten den Staat. Heute sind die Künstler fester Bestandteil des herrschenden Systems, Hofnarren von öffentlich-rechtlichen Gnaden, die sich die politische Richtung von Programmdirektoren der staatlichen Propagandasender vorschreiben lassen. Einer davon ist Florian Schröder, der als „HR1-Hauskabarettist“ vorgestellt wird. Sogar als „Chefkabarettist“. Er ist eine Mischung aus Böhmermann und Dieter Nuhr. Ein Yuppie mit Dreitagebart, der sich mit Dauerquasseln von einer vergeigten Pointe zur nächsten rettet und dabei den gewichtig, belehrenden Stil von Dieter Nuhr zu imitieren versucht. Ein Versuch, der schon allein deshalb zum Scheitern verurteilt ist, weil Nuhr meisterhaft seine pseudointellektuellen Oberlehrertiraden geschickt mit rheinischen Sprachpausen unterlegt und sie dann in einem wahren ironischen Feuerwerk von Pointen ausklingen läßt, die er noch dadurch zum nachglühen bringt, in dem er den Zuhörer fragt, was es da eigentlich zu lachen gibt. Bei Florian Schröder gibt es nichts zu lachen. Außer dem selbstentlarvenden Satz, dass man bei einem so schlechten und langweiligen Programm, tatsächlich Botox im Gesicht braucht, damit man überhaupt Lachfalten bekommt. Welch Glück für den Entertainer, dass Veranstaltungssäle, anders als Gerichtsäle meistens im Erdgeschoss oder ersten Stockwerk liegen und man bei einem Sprung aus dem Fenster nicht weiter zu Schaden kommt. Nachfolgendes Gedicht fasst Schröders Programm in wenigen Sätzen zusammen:
Ich bin ein Hofnarr von öffentlich, rechtlichen Gnaden
Mein Witz ist so fade wie meine Geistesgaben
Alles ist glatt, politisch sauber korrekt
Dass keiner über meine öden Pointen erschreckt
Ich schone die Türken, die Töchter an Onkels verticken
Und unter den Burkas den Geist der Freiheit ersticken
Ich plaudre ein wenig wie der mutige Nuhr
Der kann es viel besser- woran liegt es nur
Ich schone die Mutti, die unser Land verrät
Und notgeilen Sexmob in jeden Winkel sät
Ich schone die Nafris und U-Bahntreter
Totschläger, Grabscher und Volksvertreter
Nur auf Petry und Pegida prügle ich ein
Die andern müssen untadelig sein
Ich bin ein Heuchler von öffentlich, rechtlichen Gnaden
Mein Programm wird bestimmt von mächtigen Chargen
Von Rundfunkgebühren, einer Kopfgeldsteuer
Werde ich bezahlt – Und ich bin teuer
Der Beifall ist mäßig im Zuhörersaal
Bin halt nicht witzig, geschwätzig und fahl
Meine Freunde sind die feigen Zensoren
Die haben mich zum Witzbold erkoren
Klaus Lelek - staatlich unabhängiger Dichter