Groß ist die Macht des Kleinen, wenn seine Vielfalt außergewöhnlich ist.
Fersit

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Groß ist die Macht des Kleinen, wenn seine Vielfalt außergewöhnlich ist.
Fersit
Ifharstal
Der Torrpenwald /Bleistiftzeichnung
Die silbernen Steine
Damals, als die elementaren Aom die Welt formten, fehlte ihnen im fast vollendeten Ifharstal noch das letzte Eine, das Element in dem gigantischen Kunstwerk, welches zur absoluten Vollendung führen sollte. Sie berieten sich über Jahre hinweg, doch eine angenehme Lösung des Problems konnte nicht gefunden werden. Die einzige Möglichkeit, die in all ihren Gedanken umherschwirrte, war jedoch so absurd und unvorstellbar, dass keiner von ihnen je daran gedacht hatte sie umzusetzen. Von ihrer Macht ein Teil abzuspalten und dieses Teil in einem Objekt im Tal zu fixieren. Da den Aom nichts anderes übrig blieb, taten sie es und spalteten ihre Macht, versteckten sie in fünf silbernen Steinen und sie waren gebunden an die Gesteine. Es war keinem Wesen möglich, die Steine zu berühren oder zu bewegen. Nur die Erben der elementaren Aom wären in der Lage über die silbernen Steine zu verfügen. Und so begab es sich, dass die Drachen der Eujiar Herrscher der Steine wurden. Einer für jeden von ihnen. Und so hüten sie die Steine wie ihren Augapfel, sodass niemand ihnen jemals diese Macht nehmen könnte. Eines Tages jedoch, stahl ein unbekannter Aom Melcios silbernen Stein und versteckte ihn im Norden Ifharstals. Seitdem tobt Melcio und zerberstet die nördlichen Lande. Kein Fels ist mehr ganz, keine Wiese mehr grün. Es wirkt als wäre man auf dem Friedhof der Welt. Die Erde bebt nahezu ständig, der Boden teilt sich auf und lässt tiefe Spalten entstehen. Rauchschwaden steigen hinauf und schwärzen den Himmel. An keinem anderen Ort in ganz Ifharstal ist es so dunkel wie hier. Man kann nicht mal mehr über den nächsten Hügel blicken. Außerdem legt sich für mehrere Stunden am Tag, ein gewaltiger Nebel auf die Lande nieder. Bisher ohne Erfolg, zerwüstet Melcio diese Landschaft weiter und er wird erst ablassen, wenn er den Stein wieder in seinen Besitz gebracht hat.
Das Erbe der Aom
Vor langer Zeit kamen die ersten Sphärenwanderer nach Ifharstal. Niemand weiß genau wann sie kamen, auch nicht wo sie hingingen oder was sie taten und dennoch weiß jeder, dass sie sich dort aufhielten. Es sind die Zeichen die die Menschen geben, wenn sie ihre Menschlichkeit einbüßen. Dann kann man die tote Seele erkennen, die sie führt. Die Aom wissen alles was sie durch Ifhar sehen können, aber Manches können sie nicht erkennen. Liebe ist ihnen fremd, die können sie im Tod nicht fühlen. Die entgleitet ihnen, wie Wasser, das zwischen den bloßen Händen hindurch fließt. Damals, als die Aom anfingen, Körper als Träger ihrer Macht zu nutzen - das war lange nach den elementaren Aom des Wassers, der Luft, der Erde, des Feuers und des Lichts - erhoben sich die Drachen von Eujiar. Sie sollten über die Lebewesen herrschen, damit Ifhar erneut die Kontrolle über das Tal erlangen könne. Eristeanal war ihr Anführer und Hüter der Schuppenwesen, Melcio der Hüter der Nacktwesen, Fersit hütete die Federwesen, Aseragt die Pflanzen und Nenegai sollte über die Flüssigen verfügen. Sie arbeiteten zusammen und herrschten über die Lebenden wie über die Toten, so wie Ifhar es verlangte. Doch eines Tages erhob Melcio sein Wort gegen Eristeanal. Er wollte ihn nicht als alleinigen Anführer anerkennen. Und so brach ein großer Streit zwischen den Eujiar aus, der viele unschuldige Leben kosten sollte. Der Eujiarkrieg.
Iodar
Man atmet Knochenstaub, riecht verbranntes Fleisch, läuft über verfaulte Leichen, sieht nur Leid und Tod. Die Katastrophe von Iodar. Einst war die Stadt prunkvoll und wunderschön gewesen. Das Stadtbild zeichnete sich durch viele kleine Häuser und Hütten aus und wurde durch den großen Palast vollendet. König Mersam lebte hier mit seinen Untertanen. Die massive Stadtmauer ließ niemanden Ungewollten hinein, verteidigte die Stadt sogar in der ein oder anderen Schlacht. Doch dann kam der Drache Eristeanal . Mitten in der Nacht hörte man erst ein Geräusch wie ein Donnerschlag, dann schon die Flügelschläge und den extrem hohen Ton, wenn der Drache sein Feuer in der Kehle aufsteigen lässt. Dann war überall Licht. Die meisten Häuser standen in Flammen und Schreie drangen aus ihnen. Ein paar Menschen versuchten noch kleine Brände mit Wassereimern zu löschen, dann erneut Licht. Die Schreie verstummten. Häuser brachen in sich zusammen und hinterließen nur Asche. Ohne dass jemand den Drachen gesehen hatte, starben sie alle. Es gab kein Entkommen. Einer nach dem Anderen. Bis zum letzten Mann… Seither liegt die Stadt zusammengefalllen da und wurde von Niemandem jemals wieder betreten. Aber der Drache zieht weiterhin seine Kreise am Himmel und vernichtet Dörfer entlang seines Weges. Es scheint hoffnungslos…
Von den Dhulas
Meistens erwartet Besucher von Dhuar schon von weitem die traditionelle Musik der Dhulas. Hier, zwischen grünen Auen und kleinen Wäldern haben sie ihre Heimat. Kein Gold der Welt könnte sie von hier weglocken. Die Landschaft gehört zu ihnen, wie die berühmte und in ganz Ifharstal begehrte Schreibfeder. Das Schreiben ist in ihrer Kultur so fest verankert, wie das Mondfest. Und das will schon etwas heißen. Schließlich ist das Mondfest das monatliche Zusammenkommen der gesamten Sippe und das Feiern des neuen Monats, bei dem viel gegessen, getrunken und sich unterhalten wird. Meistens ergibt sich ein kleiner Ball, bei dem ausgelassen, bis zum nächsten Morgen, getanzt wird. Viele teilen ihre Geschichten und ihre Lyrik mit den anderen und es gibt Vorlesungen für die Kinder. Abgesehen von solchen Festen, leben die Dhulas eher zurückgezogen und für sich. Auf dem wöchentlichen Markt in der Mitte des Dorfes, werden verschiedene Lebensmittel, aber auch Felle, Werkzeuge, Federn, Tinte, Kaminholz und bescheidene Schmiedekunst angepriesen. Es herrscht reges Treiben und man hört die Händler mit Kunden feilschen. Die traditionelle Kleidung besteht bei den Männern aus einem weißen Rüschenhemd oder Tunika, einer schlammbraunen Leinenhose und schwarzen hohen Stiefeln. Darüber tragen sie üblicherweise einen meist dunkelgrünen Mantel, in dem Kräuter, Werkzeuge und die eigene Schreibfeder platz haben. Die Frauen tragen azurblaue, lange Röcke mit karierten Blusen. Die Haare werden geflochten und mit geschnitzten Braunerken-Zweigen zusammen gesteckt. Wenn sich Fremde nach Dhuar verirren, dann werden sie meistens herzlich Willkommen geheißen und schnell ins Herz geschlossen. Die Dhulas interessieren sich sehr für fremde Kulturen, würden sich jedoch nie trauen ihre Heimat zu verlassen. Dafür fühlen sie sich viel zu sehr gebunden. In ihren kleinen, mit Stroh gedeckten Hütten leben sie, gemeinsam mit der ganzen Familie, ein bescheidenes Leben.
Der Torrpenwald
Von satten grünen Farnen, über gewundene Äste der Wurten, zu rotem Holz der Roterke. Im Torrpenwald haben viele Pflanzen Platz. Knorrige, große Bäume, Sträucher in den verschiedensten Farben und Moose so weit das Auge blickt. Das Auge blickt jedoch nicht sehr weit, denn die Bäume stehen sehr dicht bei einander. Unterhalb der Baumkronen gibt es so gut wie nie Licht. Manchmal zerwühlt ein Vogel die Blätter und ein Lichtstrahl fällt auf den Waldboden nieder. Obwohl der Wald nicht sonderlich besiedelt ist, schlagen sich immer wieder mutige Abenteurer hinein, um sich auf die Probe zu stellen. Denn der Torrpenwald birgt Gefahren, wenngleich er auf den ersten Blick eher harmlos und einladend wirkt. Besonders die Goe Affen haben viele der Abenteurer auf dem Gewissen. Mit ihren riesigen, messerscharfen Zähnen zerfleischen sie Alles, was ihnen vor die Schnautze kommt. Egal ob mit Haut, Fell oder Gefieder, die Goe Affen lassen nichts übrig. Holzfäller aus Astekh berichteten schon von ganzen Gemeinschaften die den Wald betraten und nie wieder gesehen wurden. Der Torrpenwald ist und bleibt ein wunderbarer, aber auch schauriger Ort an den man sich erinnert, wenn man von seinen Reisen zurückkehrt.