Mein zerficktes Hirn läuft im Dauerbetrieb. Es seziert jedes Szenario, zerlegt es in neue, noch perfidere Unterbeatungen, jagt sie durch ein Prisma und löst das Ganze auf, bis nur noch nackte, kalte Pixel übrig sind.
Positive Momente sterben bei mir einen langsamen Tod. Sie enden selten gut. Stattdessen versinken sie mit schmerzhafter Regelmäßigkeit in den dunkelsten Windungen meines Kopfes, werden vergessen oder so lange in ihre atomaren Einzelteile zerlegt – jede Geste, jede Mimik, jedes Wort, jedes Verhaltensmuster, bis nichts Schönes mehr daran ist.
Die kleinste Anomalie triggert eine unaufhaltsame Kettenreaktion. Ein innerer Zwang, einen Impuls zu setzen, nur um die Reaktion der anderen wie im Labor zu testen. Ich fixiere sie. Ich seziere die Bewegung ihrer Augen, das Zucken ihrer Hände.
Die nackte Angst, dich wieder gehen zu sehen, zieht tonnenschwere Mauern hoch. Sie zwingt mich, jedes verdammte Worst-Case-Szenario im Loop zu durchleben, nach Rissen im Fundament zu suchen und den Wahnsinn von vorn zu starten. Bis jedes Fünkchen Hoffnung kaputt seziert ist. Unsere Dynamik. Die verzerrte Erwartung, die du vielleicht an mich hast. Das lähmende Gefühl, dir niemals das geben zu können, was du zum Atmen und Leben brauchst... das ist keine glühende Rasierklinge, die sich durch meine Haut ins Fleisch brennt. Es ist schlimmer. Es ist die Angst, dich zu brechen. Und aus genau dieser Angst heraus werde ich kalt. Eine kalkulierte Starre. Nicht, um dir wehzutun, sondern als Schutzschild, um dich vor dem emotionalen Trümmerfeld zu bewahren, das ich in dir anrichten könnte.
Eher richte ich mich selbst zugrunde, als zuzulassen, dass ich dir nicht das gebe, was du im Innersten brauchst. Allein unsere Gespräche besitzen eine so brutale Wucht, dass diese Sehnsucht mich zerrissen, obwohl wir uns noch nie von Angesicht zu Angesicht gegenüberstanden.
Versteh mich verdammt noch mal nicht falsch.Du und ich, wir sind nie allein in unseren Köpfen. Die eigenen Dämonen fordern ihren Tribut, sie reden immer mit. Die Angst füttert sie im Sekundentakt. Und am Ende bleibt nur diese bleierne, erstickende Stille in dem Raum, in dem wir beide gefangen sind. Diese Stille radiert alles aus. Und ich werde verdammt noch mal nicht zulassen, dass diese Stille das letzte Wort behält und am Ende triumphiert.
Noch zwei Tage. Zwei Tage, an denen deine Stimme mich nicht retten kann. Zwei Tage, an denen "nur" deine geschriebenen Zeilen wie ein Schutzwall gegen meine innere Zerstörungswut und Angst ankämpfen. Ich will deinem Wunsch bedingungslos folgen. Such dir deine Safe Zone aus. Ich folge deinen Spuren im Sand, egal, wohin sie führen.
Aber das bleibt unter uns, dass wird nie ausgesprochen.













