Nur zu Weihnachten: Radio hören über Kurzwelle
Die Radiosendung Gruß an Bord des Norddeutschen Rundfunks ist nicht nur - nach Angaben des Senders - eine der ältesten noch bestehenden Rundfunksendungen weltweit. Sie ist auch ein Abbild der technischen Entwicklung seit Sendebeginn vor 63 Jahren – und kehrt am Heiligabend ein wenig an ihren Ursprung zurück: Obwohl die Kurzwellen-Austrahlungen europäischer Rundfunksender schon vor Jahren eingestellt wurden, ist die Grußsendung für deutsche Seeleute in aller Welt am 24. Dezember auch über Kurzwelle zu empfangen.
Als Gruß an Bord 1953 erstmals ausgestrahlt wurde, waren - mitunter recht verrauschte - Funkverbindungen noch normal. Auf jeden Fall für die Gespräche mit den Seemännern, deren Angehörige in Deutschland sie nur mit solchen handvermittelten Seefunkgesprächen über eine Küstenfunkstelle erreichen konnten. Und auch für die Rundfunkausstrahlung: Neben den - inzwischen ebenfalls eingestellten - Mittelwellensendungen waren Kurzwellen-Ausstrahlung das übliche Mittel, ein Programm möglichst weltweit zu verbreiten.
Das prägte natürlich den Stil der Sendung. Ich rufe das Motorschiff... , leiteten die Moderatoren den Gesprächsversuch ein. Und wenn dann über eine knackende, rausche Verbindung der Kontakt mit dem Frachter irgendwo im Indischen Ozean zu Stande kam und die Kinder ihrem Vater frohe Weihnachten wünschten, wurde es einem dann so recht warm ums Herz.
Das alles ist weitgehend Geschichte. Die Kommunikation mit Schiffen auf hoher See läuft inzwischen über Satellit, entweder als Telefongespräch oder gleich via Internet, das ebenfalls über Satellit zugänglich ist.
Doch wenn der NDR am Heiligabend den Gruß an Bord auch über eigens angemietete Kurzwellenfrequenzen ausstrahlt, ist das nicht nur eine Reminiszenz an vergangene Zeiten. Denn trotz besserer Erreichbarkeit (und Kommunikationsqualität) über Satellit hat die traditionelle Kurzwellenverbindung einen unschlagbaren Vorteil: Sie ist für den Empfänger kostenlos, wenn er ein entsprechendes Gerät hat – nicht zu unterschätzen bei einer vierstündigen Radiosendung. Die Datenmengen, die für den - natürlich ebenfalls angebotenen - Livestream via Internet anfallen, würden für die Reeder oder gar für die Seeleute selbst horrende Kosten bedeuten. Ganz abgesehen davon, dass möglicherweise die Satellitenverbindung in dieser Zeit für andere Zwecke nur eingeschränkt verfügbar ist.
Ein kleines bisschen scheint der NDR allerdings auch an die Fans dieser Sendung an Land zu denken. Denn zusätzlich zu den Frequenzen für alle sieben Meere (na ja, fast, der Pazifik ist nicht erfasst) gibt es eine speziell für Europa. Zum Mithören hierzulande, für die, die noch einen Kurzwellenempfänger besitzen.
Die Kurzwellenfrequenzen am Heiligabend, nach Senderangaben:
In der Zeit von 19 bis 21 Uhr UTC (20 bis 22 Uhr MEZ) sendet die Kurzwelle über folgende Frequenzen:
6.125 Atlantik - Nord
11.650 Atlantik - Süd
9.800 Atlantik/Indischer Ozean (Südafrika
9.740 Indischer Ozean - West
9.790 Indischer Ozean - Ost
6.145 Europa
In der Zeit von 21 bis 23 Uhr UTC (22 bis 24 Uhr MEZ) sendet die Kurzwelle über folgende Frequenzen:
5.930 Atlantik - Nord
9.830 Atlantik - Süd
9.590 Atlantik/Indischer Ozean (Südafrika
9.765 Indischer Ozean - West
9.650 Indischer Ozean - Ost
6.145 Europa
(Foto: Weltempfänger Sony SW100 mit der eingestellten Frequenz 6145 KHz im 49-Meter-Band)