Tag 1375 / Das Ende der Theorie, der Beginn der Praxis?
Impuls, weniger zu bloggen. Nach verspätetem jetzt das noch. Vorstellung, dass die Intensität meines Bloggens kein Mensch, keine Beziehung aushält, mich vom Leben abhält, von der Praxis.
Mich mehr raus ins Leben trauend seit letztem Jahr, diese Reha, diese Arbeitserprobungen, dieser Kontakt mit nicht-Meinesgleichen, mit nicht-Süchtigen, mit nicht-offiziellen-Psychos.
Wenn die soziale Teilhabe gelingen soll, muss ich dann raus aus dem Psycho-Jargon?
Bis vor kurzem ganz strikt daran festgehalten, auf gar keinen Fall mit einem Gelegenheitstrinker zusammen sein zu können. Dass er ab und zu trinkt, hat mich fast gar nicht berührt, als ich es erfuhr. Wahrscheinlich hat der gestern dieses Zellgift in sich reingelassen, gegen das ich einen gigantischen Kriegsfeldzug führe. Ihn heute am Ausnüchtern vermutend. Daher möglichst auf Kontaktaufnahme verzichten wollen.
Aber wirft Alk psychisch stabilere Menschen vielleicht weniger aus der Bahn als mich? So wie ihn der Schlafmangel nicht so trifft? Zweifel an meiner geistigen Klarheit im übermüdeten Kontakt. Nicht mehr meinen Ansprüchen genügend erinnern können, was ich erzählt habe.
Doch ich stelle fest, dass ich mich generell sehr zurückhalte mit Komplimenten, mit Aussagen über die Schönheit des Moments. Als ob ich eben alles, fast alles mit Tagebuch, AA, Arzt, Therapeutin ausmache und im Kontakt, bei der Begegnung sehr reserviert bleibe.
Verdammt! Es war schön!
Ich habe Angst, dies und anderes zu sagen, weil ich Angst habe, dass er es anders sieht, dass er sich bedrängt fühlt, dass ich verletzt werde, dass ich mich öffne und zurückgestoßen werde.
Ich hab mich wohlgefühlt, begehrenswert, geborgen, angenommen.
Ich möchte ihn wiedersehen.
Im Hotelbett gefragt, ob das nicht anstrengend, langweilig, zu eng, zu alltäglich wird, jeden Morgen zusammen aufzuwachen.
Aber klar, mit meiner Katze mochte ich das sehr.
Was sind das für Menschen, die gern so enge Beziehungen führen? Normale bindungsfähige Menschen? Bin ich beziehungsgestört, weil ich nie eine lange hatte?
Dienstag noch zu Carry gesagt, wonach ich mich im Tiefsten sehne: Ehemann, Kinder, Haus, Katze, Hund, Vorgarten, Garten hinterm Haus. Und sie ironisierte das mit einem Einwurf und ich blieb in meiner ernst gemeinten Skizze.
Und was sagte der kaum 24 Stunden nach dem Mann-Haus-Garten-Gespräch? Er sei so n klassischer Reihenhaustyp.
Carry meinte auch, vielleicht will jemand, der offiziell was Festes sucht, mich überzeugen, dass das auch das Richtige für mich sei.
Ist es ja auch. Inoffiziell.
Ich muss im Heute bleiben. Heute werden wir uns nicht sehen. Heute stehen keine Entscheidungen an.
Auch noch nicht die, ob ich ihm und der Beziehung zuliebe weniger blogge.