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Und es schmilzt - Lize Spit
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Und es schmilzt - Lize Spit
Yasunari Kawabata – 1000 Kraniche
Inhalt:
Nach dem Tod seines Vaters wird Kikuji von der ehemaligen Teelehrerin der Familie zu einer Teezeremonie eingeladen. Dort begegnet der junge Mann nicht nur dem schönen Mädchen Yukiko Inamura, sondern auch Frau Oota und deren Tochter Fumiko. Um diese fünf Figuren rankt sich eine Geschichte, die schon in der Vergangenheit ihren Anfang nimmt, denn schon bald stellt sich heraus dass Chikako, die Teelehrerin, ein Verhältnis mit dem Vater Kikujis hatte, dass Frau Oota aber noch eine weitaus größere Rolle in dessen Leben gespielt hat. Diese Beziehungen beeinflussen das Handeln aller Charaktere bis in die Gegenwart hinein.
Die Teezeremonie ist der Beginn komplizierter zwischenmenschlicher Beziehungen, geprägt von Neid, Verwirrung, Trauer, ungesagter Worte und Gefühle. Den Rahmen bildet ein von Traditionen und gesellschaftlichen Konventionen geprägtes Japan, das kaum ein Autor so authentisch zu beschreiben vermag.
Der Kranich ist in Japan ein Symbol für Glück und Gesundheit. Einer Legende zufolge werden die Vögel 1000 Jahre alt und es heißt, wenn man 1000 Kraniche aus Papier faltet, dann wird man selbst mit einem langen Leben und Gesundheit gesegnet.
Meinung:
Das 1951 veröffentlichte 1000 Kraniche ist eines der ungewöhnlichsten Bücher, die ich bisher gelesen habe. Schwer zu greifen und in seiner ganzen Art anders, fast fremdartig. Yasunari Kawabata hat 1968 den Literaturnobelpreis als erster Japaner verliehen bekommen, weil er in seinen Geschichten die Gefühlswelt der Japaner und das traditionelle Japan so authentisch beschreibt wie kein anderer. Und genau dies stellte für mich gerade zu Beginn des Romans ein Problem dar. Ich habe mich zwar schon viel mit dem Land und seiner Kultur beschäftigt, doch als Außenstehender ist es einem nicht ohne weiteres möglich in das Seelenleben der Japaner zu schauen. 1000 Kraniche zog mich nun in die Welt der unausgesprochenen Worte, Andeutungen und Metaphern.
Typisch für den Roman ist, dass bestimmte Gegenstände einen wichtigen symbolischen Part in der Handlung einnehmen und dadurch fast wie eigene Persönlichkeiten mit einer Seele wirken, beispielsweise ist es Yukikos Furoshiki (ein Stofftuch) mit dem Muster der 1000 Kraniche, dass Kikuji während der Teezeremonie zuallererst ins Auge sticht und im Verlauf der Geschichte immer wieder eine Rolle spielen wird. Man muss den Roman aufmerksam lesen und sich auf die Denkweise der Charaktere einlassen können, um den Zauber der Geschichte zu erkennen. Denn die Handlung an sich ist überschaubar, oberflächlich betrachtet geschieht nicht viel. Betrachtet man jedoch die zwischenmenschlichen Beziehungen der Charaktere, eröffnet sich ein Kosmos, der einen packt und nicht mehr loslässt. Mir gingen die einzelnen Schicksale sehr ans Herz und so haben es augenscheinlich schlichte Handlungen geschafft mich tief zu berühren.
Der Schreibstil ist pure Poesie und ein Fest der Metaphern. 1000 Kraniche ist eine feinfühlig und wortgewandt erzählte Geschichte, die mich nachhaltig beeindruckt und nachdenklich gestimmt hat.
In vielen Werken Kawabatas, so auch in 1000 Kraniche, wird immer wieder die Farbe Weiß heraufbeschworen. In Japan steht Weiß für Trauer, Vergänglichkeit und Tod aber auch für Reinheit und Unschuld.
Text: Aki
Impressum: https://post-vom-buecherwurm.tumblr.com/post/620367072772407296/impressum
Sie war so leicht, so gewichtslos, aber sie konnte nirgendwohin; sie schwirrte in dem bizarren Gefäß namens Körper herum wie ein Glühwürmchen.
- Im Zeichen der Mohnblume - Die Schamanin - R. F. Kuang
Stephen King - Shining
Inhalt:
Manchmal passieren ganz schreckliche Dinge, die nicht vergehen wollen. Sie setzen sich fest in den Mauern und Wänden der Orte, die ihnen zum Opfer fallen. Einst schöne Häuser werden grau durch die Erinnerungen und manchmal sogar böse.
Ein solches Haus ist das Overlook Hotel, was versteckt in den Hügeln der Rocky Mountains sitzt und dort mit seinem grausamen Geheimnis bereits seit vielen Jahren lebt. Ein Geheimnis, dass nur Menschen mit dem Shining erkennen können. Jack, der Hausmeister, spürt nichts von dieser ungeahnten Macht, als er sich dafür entschied ganz alleine mit seiner Familie einen Winter dort zu verbringen, doch als der erste Schnee fällt, wird ihm unfreiwillig bewusst, dass sie Drei nicht die einzigen sind, die in diesem verlassenen Hotel wohnen.
Das Buch wurde 1980 von Stanley Kubrick verfilmt. Diese Adaption gilt heute als ein Klassiker des Horrorgenres. Trotz des großen Erfolgs und der Anerkennung, mochte King diese Verfilmung nie. Sie wich ihm an wichtigen Punkten zu stark von seiner Romanvorlage ab.
Meinung:
1977 erschien mit „Shining“ Stephen Kings dritter Roman, der heute ein moderner Klassiker seines Genres ist und spätestens mit Kubricks Verfilmung 1980 weltbekannt wurde. Die Geschichte spielt im Bundesstaat Colorado, am Fuße der Rocky Mountains.
Hauptakteure sind Jack und Wendy Torrance, sowie ihr fünfjähriger Sohn Danny. Der gesamte Roman konzentriert sich auf die kleine Familie und einige, wenige weitere Charaktere. Hier zeigt sich auch Stephen Kings Stärke, denn er ist nicht nur der Meister des Horrors, für den er so gefeiert wird, sondern auch ein Meister darin tiefgründige, realistische Charaktere zu kreieren, die allein durch ihre Präsens eine Geschichte tragen können.
Der Leser erfährt im Verlauf des Romans viel über die Familie und deren Innenleben, außerdem werden immer wieder Schlüsselereignisse aus der Vergangenheit beleuchtet, die das Handeln der Charaktere bis in die Gegenwart hinein beeinflussen. Bereits zu Beginn wird klar, dass sich Wut als Motiv wie ein roter Faden durch den Roman zieht. Trotzdem schafft es King, die Personen, besonders Jack Torrance, facettenreich darzustellen. So wird der Familienvater zwar in weiten Strecken von Wut, Alkoholmissbrauch und der Angst vor dem Scheitern zerfressen, trotzdem zeigt King auf, dass auch Jack ein liebender Vater ist und welche Einflüsse zu seinem Verhängnis werden. Einzige Kritik an der Charaktergestaltung ist, dass Danny für sein Alter deutlich zu erwachsen wirkt. Seine Gedankengänge sind oftmals sehr komplex und gehen meiner Meinung nach, trotz des Shining, weit über das Verständnis eines Fünfjährigen hinaus. Umso überzeugender ist dafür die Gestaltung des Overlook Hotels inmitten der Rocky Mountains. Ein scheinbar idyllischer Ort mit einer überwältigenden Aussicht, der sich in einen Schreckensort verwandelt. Harmlose Dinge wie Heckenfiguren, Schnee oder ein Fahrstuhl werden zu Bildern des Grauens und ein bloßes Gebäude beginnt ein Eigenleben par excellence zu entwickeln.
Für Freunde guter Spukhausgeschichten ist Shining definitiv Pflichtlektüre. Und obwohl Spukhäuser in der Horrorliteratur ein häufig verwendetes Motiv sind, wird hier eine ganz eigene Atmosphäre geschaffen. All die Gesichter der Vergangenheit, die auf ewig mit dem Overlook verschmolzen sind, schaffen eine ganz bedrückende, schaurige, manchmal sogar feierliche Atmosphäre. Das Zusammenspiel aus der schrecklich realen Welt der Familie Torrance und dem surreal anmutenden Hotel macht Shining zu einem großartigen Leseerlebnis, das für Stephen King Verhältnisse auch äußerst kurz und lesefreundlich ist. Bei diesem Werk verliert sich der Autor nicht in endlose Beschreibungen oder Handlungsstränge, die irrelevant sind, sondern konzentriert sich voll und ganz auf den Kern der Handlung und schafft damit eine dichte, furchterregende und packende Geschichte. Meiner Meinung nach ist Shining eine gute Wahl, wenn man noch nie einen Roman vom Meister des Horrors gelesen hat.
Shining hat autobiografische Züge (wie die meisten von King’s Werken). Jack Torrance, einer der Hauptfiguren des Buches, ist ein verhinderter Schriftsteller, der vom Alkohol beherrscht wird. Genau wie Jack hatte auch King lange Zeit mit seiner schweren Alkoholsucht zu kämpfen.
Text: Aki & Jongkind
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Literatur im Januar. Ich hab mich sehr gefreut "Superbusen" von Paula Irmschler im Bücherschrank zu finden, denn das stand schon lange auf meiner Liste, war aber in der Bibo ständig ausgeliehen. Auf dem Cover klebte ein Zettel mit "Nach 30 Seiten Teenie-Kacke hab ich aufgehört". Muss ein (im Kopf) alter weißer Mann gewesen sein ... #lesenmachtglücklich #feministliterature #femalewriters #lesenbildet #popliteratur #socksandbooks #strickenundlesen #sockknitting #sockenstricken #paulairmschler #superbusen #modernliterature https://www.instagram.com/p/CKyaJORpamA/?igshid=q20wxjjz1nsn
Hans Ruesch - Iglus in der Nacht
Inhalt:
Das Leben im ewigen Eis, weit weg von jeglicher Zivilisation, ist entbehrungsreich und hart. Niemand weiß das so gut wie Papik und Wiwi, die – wie einst schon ihre Vorfahren – noch immer mit ihren Hundeschlitten durch das verschneite Land ziehen und an den Bräuchen und Traditionen der Inuit festhalten.
Doch die Welt um sie herum ist nicht mehr die, die sie aus den uralten Geschichten ihres Volkes kennen. Sie verändert sich, seit der weiße Mann in den Norden gekommen ist.
Hans Ruesch, der 1913 geboren wurde, war nicht nur Schriftsteller, sondern auch ein erfolgreicher Rennfahrer. Als er 2007 im Alter von 94 Jahren verstarb, war er der bis dahin letzte noch lebende Gewinner eines Grand Prix der goldenen Zwischenkriegs-Ära des Autorennsports. Trotz dieser Leistung und seinen weiteren, zahlreichen Engagements (er setzte sich unter anderem zeitlebens gegen Tierversuche ein), ist er in seiner eigentlichen Heimat der Schweiz praktisch unbekannt.
Meinung:
1950 gelang dem Schweizer Hans Ruesch mit der Veröffentlichung des Romans „Im Land der langen Schatten“ (im Original „On top of the world“) der Durchbruch. Die Geschichte avancierte zum Kultbuch und erreichte nicht nur Übersetzungen in mehrere Kultursprachen, sondern auch eine Auflage von 3 Millionen Exemplaren. „Iglus in der Nacht“ (im Original „Back to the top of the world“) erschien 1973, stützt sich auf die gleichen Motive wie sein Vorgänger, der 23 Jahre zuvor veröffentlicht wurde, ist aber kein Fortsetzungsroman.
In „Iglus in der Nacht“ folgen wir Papik und Wiwi aufs ewige Eis und erleben mit ihnen zusammen den harten Alltag der Inuit. Wir erfahren bereits auf den ersten Seiten, wie schwer und anders das Leben im hohen Norden ist und bekommen ungeschönt vor Augen gehalten, wie rau nicht nur die Natur, sondern auch der Mensch selbst ist. Es wird beschrieben, wie Papik und Wiwi auf die Jagd gehen, was genau sie von welchem Tier essen (bei der Robbe ist so gut wie alles begehrenswert, beim Eisfuchs jedoch werden nur die ungeborenen Jungen verzerrt) und wie die Sozialstruktur innerhalb ihres Volkes funktioniert (Partnertausch, Kinderehe und Dreiecksbeziehungen sind keine Seltenheit). Diese Beschreibungen verwundern und schockieren teilweise in ihrer Rohheit, vor allem auch deswegen, weil Ruesch sie nie Effekthascherisch einsetzt, sondern diese Passagen ganz normal und ohne jegliche Übertreibung oder Beurteilung beschreibt. Er schafft eine Mischung aus Erzählung und Dokumentation, die den Leser sofort die Grenzen zwischen dem „zivilisierten“ und dem „wilden“ Menschen aufzeigt und ihn sich mit seinen eigenen moralischen Grundsätzen auseinander setzen lässt.
Die Geschichte von Papik und Wiwi ist spannend und zeitlos. Sie könnte zu jeder Zeit der Inuit spielen, da sie so leben, wie ihr Volk schon immer gelebt hat. Jedoch begreift der Leser sehr schnell, dass es bei weiten nicht mehr ursprünglich ist, wie Papik und Wiwi selbst gedacht haben. Der weiße Mann ist schon seit einiger Zeit in den Norden vorgedrungen und stülpt nicht nur dem Land, sondern auch den Menschen seine Lebensweise über.
Das Inuitpärchen trifft selbst immer wieder im Laufe der Geschichte auf diese Fremden und wird mit ihrer Welt und ihren Gebräuchen konfrontiert. Dabei entstehen skurrile Situationen. Zum Beispiel erschlägt Papik bei einer ausartenden Robbenjagd vorsätzlich einen weißen Mann, da dieser ihn seinerseits schlug und ihn zum Töten der wehrlosen Robbenjungen anhielt – was Papik grausam und falsch vorkam. Aufgrund dieser Tat wurde der Inuit vor Gericht gestellt, doch wie soll man jemanden verurteilen, der weder die Schwere seines Handelns und das Prinzip von Recht und Ordnung der Weißen versteht? Dieses Gegenüberstellen von zwei so unterschiedlichen Welten ist die größte Stärke des Romans. Sie zeigt immer wieder, wie lächerlich doch der zivilisierte Mann in den Augen der Inuit ist. Seine Bräuche und Regeln helfen ihm nicht, um im Land des ewigen Eises zu überleben. Und auch wenn er immer wieder versucht die „Wilden“ zu zähmen, so gelingt es ihm nie, denn wenn es den Inuit danach steht zu gehen, dann gehen sie – und kein Weißer kann sie in dem endlosen Land des Schnees je wieder finden.
Doch die Zeiten ändern sich. In der Realität, sowie auch in der Geschichte. Denn zum Ende des Buches hin findet ein Generationenwechsel statt. Die Kinder von Papik und Wiwi finden Gefallen an der so viel einfacheren Welt der Weißen, wo man Geld für Arbeit bekommt und sich ein Haus bauen kann, was immer an der gleichen Stelle steht.
Die Netsilik Inuit, die Ruesch höchstwahrscheinlich als Vorlage für dieses Buch dienten, waren die letzten Inuit, die ihr Nomadendasein Mitte/Ende des 20. Jahrhunderts aufgaben. Ähnlich wie ihnen wird es auch Papik, Wiwi und ihrer Familie ergehen, denn auch wenn das Ende des Romans offen ist, so erkennt man als Leser doch den Weg, den alle Naturvölker irgendwann einmal unwiderruflich gehen müssen.
„Iglus in der Nacht“ mutet an vielen Stellen wie ein Abenteuerroman an. Vielleicht ist er das auch größtenteils, dennoch steckt in ihm soviel mehr als nur reine Unterhaltung, denn die Kultur und das Leben der Inuits ist Wirklichkeit. Daher bin ich mir sicher, dass jeder der sich für fremde Kulturen und Naturvölker interessiert, mit dieser Geschichte seine Freude haben wird.
Eine der eher verstörenden Passagen des Buches befasst sich mit der willentlichen Tötung von weiblichen Neugeborenen. Dieser Akt mutet grausam an und dennoch ist es ein Phänomen, was bei mehreren Naturvölkern praktiziert wird. Der sogenannte Neonatizid (lateinisch/griechisch für Neugeborenentötung) wurde auch bei den Netsilik Inuit (die eines der am besten dokumentierten Inuit Völker sind und höchstwahrscheinlich als Vorbilder für dieses Buch standen) angewendet.
Text: Jongkind
Impressum: https://post-vom-buecherwurm.tumblr.com/post/620367072772407296/impressum
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