Alexander Solschenizyn – Ein Tag (im Leben) des Iwan Denissowitsch
Inhalt:
Die Tage im Leben von Iwan Denissowitschs beginnen immer mit demselben Ritual. Seit acht Jahren sitzt der Protagonist, von seinen Mithäftlingen meist Schuchow gerufen, in einem Straflager im bitterkalten Sibirien.
Er teilt sich sein Schicksal mit unzähligen Mithäftlingen. Sie alle durchleben jeden Tag dieselbe Hölle, die größten Freuden sind die kläglichen Essensrationen, selbstgebaute Zigaretten und trockene Stiefel. Der Bunker hingegen versetzt alle in Angst. Wer einmal 10 Tage zur Strafe dort verbringt, wird das Lager nicht mehr lebend verlassen, so heißt es. Die Welt, in der die Gefangenen leben, ist klein, die Regeln unmissverständlich.
Der 1962 erschienene Roman beschreibt einen beliebigen Tag vom Wecksignal bis zum Nachtappell in all seiner Tristesse und versetzt den Leser in eine Zeit und an einem Ort, der heute schier unvorstellbar erscheint.
Der Schriftsteller Alexander Solschenizyn wurde aufgrund stalinfeindlicher Bemerkungen 1945 zu acht Jahren Haft verurteilt und verbüßte seine Strafe in sowjetischen Straflagern, den sogenannten Gulags. Seine Erfahrungen verarbeitete er unter anderem in „Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch“. 1970 erhielt er den Nobelpreis für Literatur weil er wie kein anderer den Alltag in den Gulags authentisch zu beschrieben vermochte.
Meinung:
Der etwa 180 Seiten starke Roman von Alexander Solschenizyn, ist ein Vertreter des russischen Realismus, ein Genre, das Schriftsteller wie Dostojewski und Tolstoi geprägt haben. Schonungslos werden die sozialen Bedingungen Russlands und später auch der Sowjetunion in diesen Werken thematisiert.
Im Roman „Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch“ stellt die unverblümte und authentische Schilderung des Lebens im Straflager den Mittelpunkt des Romans dar.
Dabei verzichtet der Autor gänzlich auf gekünstelte Spannungsbögen. Vielmehr wirkt die Erzählung wie ein Bericht, der allerdings auch emotional wenig ausgeschmückt ist. Zwar beschreibt Solschenizyn die zwischenmenschlichen Beziehungen der Häftlinge untereinander und die dort erlebte Menschlichkeit inmitten all der Grausamkeit, ließ mich zwischenzeitlich immer mal wieder aufatmen oder sogar schmunzeln, aber trotzdem bleibt immer eine gewisse Distanz zwischen Leser und Charaktere. Ich hatte den Eindruck, dass die nüchterne und objektive Betrachtung der eigenen Erlebnisse der einzige Weg war, um mit der Unmenschlichkeit dieser Erfahrungen umzugehen und diese schriftstellerisch zu verarbeiten.
Der Schreibstil wirkte insgesamt etwas steif und die Beschreibungen des Autors waren teilweise etwas zu ausschweifend für meinen Geschmack, sodass der Roman streckenweise seine Längen hatte.
Trotz allem habe ich dieses Buch gern gelesen. „Ein Tag im Leben des Iwan Dennisowitsch“ war mein erster russischer Roman und aufgrund der überschaubaren Seitenanzahl auch ein gutes Einsteigerbuch, um sich mit den ungewohnten Namen, vor allem Kosenamen und fremden Schauplätzen vertraut zu machen. Er eröffnete mir eine Welt, die ich vorher nicht kannte. Ich habe beim Lesen viel über eine grausame Epoche der russischen Geschichte gelernt, die nicht in Vergessenheit geraten sollte aber auch über Menschlichkeit, die selbst unter den widrigsten Umständen nicht erlischt.
Am 11. Dezember 2018 jährte sich der Geburtstag des Autors zum 100. Mal. Putin rief das Jahr 2018 zum Solschenizyn-Jahr aus, doch die Resonanz blieb bescheiden. Die Popularität des Autors hat seit seinem Tod 2008 selbst in Russland stark nachgelassen und außerhalb Russlands ist Alexander Solschenizyn heutzutage fast in Vergessenheit geraten.
Text: Aki
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