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Pente (La Valette, Malte)
Malte Zierden and ANINOVA rescue four piglets
Immeuble Art Nouveau - Sliema - Malte. - source Márta Bognár.
PHONE BACKGROUNDS | Valentines Day
08.04.2025
Elterngeld Digital (oder auch nicht)
Wir haben Zwillinge bekommen, und das zieht neben wenig Schlaf und viel Arbeit auch einiges an Papierkram nach sich. Unter anderem würden wir gern Elterngeld bekommen. Dieses kann man per Papierformular beantragen.
In zehn der 16 Bundesländer gibt es nun aber schon "Elterngeld Digital", einen Onlineservice zur Beantragung, mit dem das Papierformular entfallen soll. Auf der Begrüßungsseite sind allerdings schon die ersten Einschränkungen zu sehen: Nur in drei Bundesländern ist der Antrag tatsächlich "volldigital", in den anderen "teildigital" oder "volldigital in einzelnen Behörden". Unser Bundesland, Thüringen, ist teildigital.
Man braucht eine BundID, also einen Login für behördliche Aufgaben, der sich zum Beispiel mit dem elektronischen Personalausweis authentifizieren lässt. Diesen haben wir bereits aus anderen Gründen, das sollte also kein Problem sein. Theoretisch funktioniert der Antrag so: Die relevanten Daten werden online eingegeben, nachdem man sich mit der BundID eingeloggt hat, dann wird ein PDF generiert, welches gedruckt und von beiden Elternteilen unterschrieben werden muss, einige Nachweise werden dazugelegt und das Ganze dann per Post an die zuständige Elterngeldstelle geschickt.
Wir haben schon gehört, dass das alles nicht so trivial ist, und man die Zeit vor der Geburt nutzen sollte um den Antrag vorzubereiten, so dass man dann nur noch das Geburtsdatum eintragen muss und den Antrag absendet. Wir versuchen also vor der Geburt schon mal alles auszufüllen, aber nur kurz vor der Geburt, denn nach sechs Wochen werden die eingegebenen Daten gelöscht.
Wir loggen uns ein. In den ersten Schritten werden vor allem Daten abgefragt, die eigentlich schon vorliegen sollten – Name, Adresse, Staatsbürgerschaft usw, alles Dinge, die aus dem Login der BundID übertragen werden könnten. Dann das erste Hindernis: Wir können nur ein Kind eingeben. Während es korrekt ist, dass man nur einmal Elterngeld für zwei Kinder bekommt und nicht etwa das Doppelte, ändert sich doch der Satz etwas und auch andere Dinge sind leicht verändert. Der Antrag ist darauf offenbar nicht vorbereitet. Ebenfalls können wir die Elternzeitmonate nicht gleichzeitig anklicken, obwohl es hier auch eine Ausnahme für Mehrlingsgeburten gibt - bei einem Kind darf nur in einem Monat gleichzeitig Elternzeit genommen bzw. Elterngeld bezogen werden. Dies gilt für uns nicht, aber der Assistent verweigert mehr als einen gleichzeitigen Monat. Nach kurzem Suchen im Internet finden wir heraus, dass man einfach schon mal irgendein Geburtsdatum eingeben soll, danach erscheint dann ein Feld, in dem man "Mehrlingsgeburt" aktivieren kann (aber keinen zweiten Namen angeben - Elterngeld wird per Definition für das erste Kind beantragt). Schon schaltet der Assistent auf Mehrlingsmodus um, und wir können die Besonderheiten der Mehrlingsgeburt eintragen.
Die weiteren Schritte sind riesige Textwände mit schwer verständlich gestellten Fragen ("Erhalten Sie wärend der Bezugszeit Einkünfte aus nichtselbstständiger oder selbstständiger Arbeit?", "Falls Ihr Wirtschaftsjahr vom Kalenderjahr abweicht, ist anstelle des Kalenderjahres der Zeitraum entscheidend, auf den es auch bei der Einkommensteuer ankommt (Veranlagungszeitraum)", "Haben Sie im Bemessungszeitraum (siehe Abschnitt 7) Leistungen bekommen, die als Ersatz für Ihr Erwerbseinkommen gedacht sind?" und ähnliches), jeweils zwei Mal auszufüllen für beide Elternteile. Wir kämpfen uns durch. Zum Schluss bekommen wir eine Liste der benötigten Nachweise, die wir ebenfalls in Papier beilegen sollen.
Nun sind die Zwillinge da, und wir können das Geburtdsatum anpassen. Schlussendlich schicken wir folgendes ein:
Der eigentliche Antrag, doppelt unterschrieben. 26 Seiten.
Sämtliche Gehaltsnachweise der letzten 12 Monate des Vaters. Mit einigen Korrekturrechnungen 15 Seiten.
Sämtliche Gehaltsnachweise der letzten 12 Monate der Mutter. Ca. 12 Seiten.
Einkommenssteuerbescheid des letzten Jahres. Da wir verheiratet sind, nur ein gemeinsamer Bescheid. 6 Seiten.
Bescheinigung der Krankenkasse zum Erhalt von Mutterschaftsgeld. 1 Seite
Geburtsurkunden der beiden Kinder (hierfür werden explizit zweckgebundene Geburtsurkunden ausgestellt, eine einfache Kopie ist nicht ausreichend). 2 Seiten.
Für einen Antrag, der sich "Elterngeld Digital" nennt, müssen über 60 Seiten Papier gedruckt und per Post verschickt werden. Sehr digital fühlt sich das nicht an.
(Malte)
Un Gloster Meteor T7 du 613 Squadron RAF à l'aérodrome Ta' Qali – Malte – Juillet 1952
©RuthAS