25. Juni 2022
Einkaufen und mobil scannen: einfacher als gedacht, aber mit Haken
Der ziemlich große Supermarkt in Brandenburg, in dem ich am Wochenende gerne einkaufe (in diesen heißen Tagen noch lieber, weil es der kühlste Ort ist, den ich hier kenne), war schon immer eine Art Musterhaus: alle Technik-Fortschritte, die die Lebensmittelkette Rewe erprobt, scheinen recht schnell ihren Weg in diese brandenburgische Filiale zu finden: Selbstscan-Kassen oder Kühlregale mit Näherungssensor-Öffnung waren bereits bei der Eröffnung Standard.
Diesmal entdecke ich - erstmals, ich weiß nicht, ob ich es bislang schlicht übersehen habe - eine neue Variante der Selbstscan-Technik:
In einem Regal gleich am Eingang stehen viele Handheld-Scanner bereit. Mit dem Scan&Go-System habe ich mich bislang noch nicht beschäftigt, und ich probiere es einfach mal aus – in der Hoffnung, dass es recht intuitiv ist und ich nicht erst Gebrauchsanweisungen lesen muss. Oder gar mich irgendwo anmelden, einen Account anlegen oder andere Dinge, auf die ich gerade wirklich keine Lust habe.
Aber das System verlangt nichts von alledem. Ich betätige den Button auf dem Touchscreen, um anzukündigen, dass ich ein Handgerät nutzen möchte. Dann blinkt von den zahlreichen Geräten im Regal eines auf, das ich entnehme (ich kann es sogar in eine eigens vorgesehene Halterung am Einkaufswagen stecken).
Das Scannen erklärt sich praktisch von selbst. Ich richte den Scanner auf den Barcode an der Ware (oder bei nicht einzeln ausgezeichneten Artikel wie Gemüse und Obst den Barcode am jeweiligen Regal) und drücke die Taste unten am Gerät. Der Code wird gelesen, die Ware, die Menge und der Einzelpreis auf dem Bildschirm angezeigt. Anschließend lege ich die Ware in den Einkaufswagen.
Angezeigt wird auch, das gefällt mir, die bislang aufgelaufene Gesamtsumme (ich kann also noch mal überlegen, ob es mir die Flasche Gin im Aktionsangebot wirklich wert ist). Wenn ich einen Artikel dann doch nicht will, lösche ich ihn auf dem Bildschirm – und sollte ihn dann allerdings auch aus dem Einkaufswagen wieder zurücklegen.
Am Ende habe ich - hoffentlich - das im Wagen, was ich einkaufen will, habe alle Artikel bereits erfasst und begebe mich zur Kasse. Ein Klick auf den Button “ xx,xx € bezahlen” erzeugt einen QR-Code:
... und mit diesem QR-Code kann ich sowohl an einer der herkömmlichen Kassen mit Kassierer*in wie auch an einer Selbstscan-Kasse bezahlen. Ob ich das mit Karte oder Bargeld mache, bleibt mir überlassen.
Unterm Strich finde ich das nicht schlecht: Ich habe die Übersicht über meinen Einkauf während (!) des Einkaufens, es geht an der Kasse schneller, ich muss die Waren weder aufs Band legen (bei Kassierer*innen-Kasse) noch auf eine Waage umräumen (Selbstscan-Kasse), ich muss vorher nichts dafür einrichten und am Ende kann ich, wenn ich will, völlig anonym mit Bargeld bezahlen.
Allerdings ist das System noch nicht so ganz ausgereift: Wenn es auf eine Ware einen zusätzlichen Rabatt gibt, zum Beispiel für Artikel, deren Haltbarkeitsdatum bald erreicht ist, klappt es mit dem Scannen nicht. Da kann ich noch so oft den Barcode auf dem “Aktion! 30 Prozent Rabatt”-Aufkleber einscannen, der Rabatt wird mir nicht abgezogen. Das ist nur an der Kasse möglich.
Andererseits: Menschliche Kontrolle brauche ich an der Kasse ohnehin. Denn die Flasche Gin, für die ich mich dann doch entschieden habe, unterliegt - sinnvollerweise - der Jugendschutzkontrolle. Also muss erst ein*e Kassierer*in nachsehen, ob ich wirklich schon über 18 Jahre alt bin.
(Thomas Wiegold)














