Molinarius:
Die meiste Musik, die ich im Alltag höre, bekomme ich von Amazon Music. Das ist in Amazon Prime enthalten, wofür ich 70 Euro im Jahr bezahle. Von Amazon Music kann ich die Musik streamen oder, was besonders wichtig ist, wenn ich in Edgingen unterwegs bin, zum Offline-Abspielen auch herunterladen. Ich habe über Amazon Prime Zugriff auf eine recht erkleckliche Anzahl Alben, die in der Grundgebühr enthalten sind.
Nicht selten gebe ich Geld für einzelne, spezielle Alben aus (meist klassische oder Jazz-Musik), die ich als Download oder – selten – als CD kaufe, wenn es nicht anders möglich ist. Ich habe keinen CD-Spieler mehr. Wenn es also eine CD ist, habe ich anschließend jedes Mal wieder das Problem, die Musik von der CD auf meine Abspielmöglichkeiten zu bekomme. Das geht zum Beispiel mit dem CD-Spieler des Sohnes.
Früher habe ich mal recht viele CDs besessen, die ich irgendwann vor vielen Jahren größtenteils auf eine Festplatte gerippt habe. Dann kam die Zeit, in der zu vielen der bei Amazon gekauften CDs auch mp3s mit geliefert wurden, so dass ich viele gekaufte CDs gar nicht mehr geöffnet habe.
Außerdem gibt’s Musik von YouTube. Gelegentlich gehe ich in Konzerte, und oft finde ich dann auf YouTube etwas, was ich vorher im Konzert gehört habe.
Andere Streamingdienste habe ich mal ausprobiert, aber der Mehrwert dort war für mich in der Vergangenheit – als ich das letzte Mal guckte – nie so groß, dass ich bereit war, die ca. 10 Euro pro Monat zusätzlich zu bezahlen. Spotify stellt zwar wohl deutlich mehr Musik zur Verfügung als Amazon Music, aber als ich das letzte Mal guckte, war es so, dass beide zwar einen guten Grundstock an Musik hatten, aber die Sachen, die mich dazu interessierten, waren bei beiden nicht verfügbar. Ich sehe also bisher nicht, dass sich die 10 Euro pro Monat für mich lohnen würden. In der Redaktion lerne ich, dass sich dies möglicherweise in letzter Zeit geändert hat, und es sich eventuell lohnt, den Katalog von Spotify noch einmal anzusehen.
Oh, und nicht vergessen möchte ich, dass ich regelmäßig noch Radio höre: nämlich auf NDR Kultur die Sendung “Kantate”, Sonntags von 8:00 – 8:40 Uhr, die immer mit der Kantate schließt, die J.S. Bach für diesen Sonntag komponiert hat. Die Sendung haben meine Großeltern und meine Eltern schon regelmäßig gehört. Und ich kann das dank Streaming auch, wenn ich mich außerhalb des Sendebereichs von NDR Kultur befinde.
André Spiegel:
Ich höre Musik über Spotify und möchte über nichts anderes mehr Musik hören. Die Vorstellung, durch einen, wie ich finde, sehr kleinen Monatsbeitrag Zugriff auf alle Musik zu haben, die jemals produziert wurde, erscheint mir sehr attraktiv. Natürlich gibt es noch nicht alle Musik auf Spotify. Das kann aber nicht mehr lange dauern. Bis dahin bin ich bereit, auf die Musik, die noch nicht auf Spotify ist, zu verzichten. Das ist mir jedenfalls lieber, als mein Musikhören auf mehrere Dienste aufzuteilen, allein schon, damit die Empfehlungsalgorithmen ein vollständiges Bild meiner Hörgewohnheiten bekommen.
Eva Müller:
Ich kaufe CDs/Musikdownloads. Dafür habe ich auch noch einen CD-Player (der auch MP3s abspielen kann). Einen Großteil der CDs, die ich schon lange besitze, habe ich auch schon vor längerer Zeit gerippt, also ist es kein Problem, sie z.B. im Auto zu hören (das gar keinen CD-Player mehr hat).
Was Streaming-Dienste angeht, bezweifle ich einfach, dass sie sich für mich wirklich lohnen. Übers Jahr verteilt kaufe ich mir nicht so viele neue Alben. Es gibt ein paar Bands, die ich wirklich so gerne mag, dass ich Neuerscheinungen von ihnen wirklich sofort hören möchte – und die bringen nicht alle jährlich etwas Neues raus. Viele andere Bands mag ich, kann aber problemlos warten, bis ich über ein Sonderangebot stolpere. Ansonsten kaufe ich auch ab und zu spontan CDs auf Konzerten und lasse sie mir signieren. Und wenn ich dann eine neue CD habe, wird sie auch eine ganze Weile rauf und runtergehört (und definitiv auch später mal wieder rausgeholt und wieder gehört,) also lohnt es sich für mich, dieses Album zu kaufen.
Ich schätze, ich gebe jährlich etwa so viel für CDs/Musikdownloads aus, wie mich ein Streamingaccount kosten würde. Natürlich habe ich damit nicht die gleiche Auswahl, aber bisher habe ich die auch nie vermisst. Ohne Empfehlungsalgorithmus finde ich neue interessante Bands durch Empfehlungen von Freunden oder weil ich sie als Vorband / auf einem Festival gesehen habe. Ist mein Interesse geweckt, schaue ich mir meistens noch ein paar Youtube-Videos von ihnen an und dann kaufe ich mir vielleicht ein Album von ihnen.
Alexander Stielau:
Ich nutze Spotify, nur nach sehr kurzer Zeit (eine Woche oder so) auch die Premium-Variante. Vorher hab ich externe Sicherheits- und Privatkopien (so 70 GB) genutzt, das ist aber nervig, weil dafür auch immer der Rechner, auf dem der Musikklumpen liegt, laufen und erreichbar sein muss. Also eigentlich nur zuhause, da war ich aber eher selten.
Außerdem ist mir nicht nur einmal aus Versehen iTunes durch mein Musikarchiv geschliddert und hat alles komplett verwüstet, oder wie Apple sagt: Sortiert.
Ich mochte es schon immer, ein Plugin von last.fm mitlaufen zu lassen (scrobblen hieß das), um mir Vorschläge für ähnliche, interessante, neue Musik geben zu lassen.
Mit Spotify kann ich mit allen Geräten von eigentlich überall, wo es Netz gibt, auf ein deutlich aktuelleres, qualitativ hochwertigeres, besser verschlagwortetes, größeres Angebot zugreifen und insbesondere Vorschläge von Spotify (Dein Mix der Woche, ‘Radio’, Release Radar) nutzen, um Neues kennenzulernen.
Ich nehme dafür in Kauf, dass mir die Musik nicht gehört, und auch, dass eventuell Titel oder Alben oder Künstler aus der Bibliothek verschwinden.
Daneben macht Spotify besonders Spaß, um gemeinsam mit anderen Playlisten zu entwickeln – die Techniktagebuchredaktion pflegt ein paar Playlisten, die ich sehr gerne höre.
Wahrscheinlich lässt sich Spotify in diesem Text ohne jegliche Rückstände durch Deezer, und mit ein paar kleinen Schweißrändern durch Amazon Prime|Google|Apple Music ersetzen – ich hab die anderen nur einfach nicht ausprobiert, weil ich mit Spotify ganz zufrieden bin.
Markus Winninghoff:
Am häufigsten kommt Musik durch das Radio oder live gespielt zu mir. Darum haben Konserven und Abrufdienste eine untergeordnete Bedeutung und kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn die Musik eine bestimmte Richtung einhalten soll: Funk, Jazz, Pop, whatever. (Übrigens praktisch nie Klassik.) Da setze ich derzeit hauptsächlich auf Spotify. Allerdings gibt es immer wieder Bands, deren Musik aufgrund ihrer Unbekanntheit und/oder wegen ihres Aussterbens vor der Online-Ära nur in meinem Platten- oder CD-Regal zu finden sind. Die meisten meiner CDs habe ich auch auf meinem Handy, so dass das händische Einlegen einer CD nur noch sehr selten vorkommt, oder die Musik aus der Kompaktanlage im Wohnzimmer oder via Bluetooth aus der 70er Jahre-Anlage in der Küche kommen soll.
Spotify bin ich auch dankbar für die kollaborativen Playlisten. Schließlich kennen viele Menschen viel mehr und viel bessere Musik als ich, und dadurch lasse ich mich dann gern beglücken. Wo wir schon bei Online-Quellen sind, darf YouTube nicht unerwähnt bleiben. Dort suche und finde ich sehr viele tolle Sachen. Hinsichtlich Musik spielt Facebook keine große Rolle, aber dort höre ich sehr oft Musik von Freunden und Bekannten, wenn sie es nicht bei YouTube hochgeladen haben. Ich habe zwar auch einen Amazon-Prime-Account, den nutze ich aber praktisch nur der Versandkosten wegen. Apple Music habe ich mal ausprobiert, hat sich aber als sinnlos für mich erwiesen. Bei Spotify bin ich Trittbrettfahrer für die geschätzt zwei Stunden, die ich es im Monat nutze.
Während ich bei der Arbeit praktisch nie Musik höre, dudelt in der Freizeit eigentlich immer irgendwo etwas, in der Regel das Radio, vor allem in meinem Bastelraum. Kommt da nur Mist, z. B. irgendwelche Fußballkonferenzen (”TOR IN DUISBURG!!!”), dreht sich entweder eine CD in der Schublade, oder auch oft eine LP auf dem Plattenteller, gern auch im Sommer nach draußen in die gemütliche “Sitzgruppe” übertragen. Eigentlich hätte ich auch gern einen Plattenspieler im Wohnzimmer, aber das hat sich noch nicht ergeben. Ich mag die Zeremonie des Plattenauflegens und -umdrehens. In seltenen Fällen eiert auch mal eine Kassette im Tapedeck, das allerdings in letzter Zeit auch mal streikt.
Was ich, der Vollständigkeit halber erwähnt, gar nicht nutze, sind Tonbandgerät, Minidisk- und DAT-Player. Immerhin fristet auch noch ein herkömmlicher mp3-Player sein Dasein, auf den ich z. B. Musik direkt nach Bandproben überspielen und dann über das Autoradio auf der Rückfahrt hören konnte. Seitdem die Bandproben bei mir zu Hause stattfinden, spielt der mp3-Player allerdings keine Rolle mehr.
Thomas Wiegold:
Mein Musikbedarf ist überschaubar – und wird zum überwiegenden Teil von den Rundfunksendern gedeckt, die ich vor allem des Wortanteils wegen höre. Wenn ich aber gezielt bestimmte Musik suche oder wünsche, greife ich auf physische Tonträger zurück. Also im Regelfall auf eine CD. Auch wenn ich die dann gleich auf eine Festplatte überspiele (glücklicherweise haben zwei meiner älteren Rechner noch ein eingebautes Laufwerk).
Gegenüber Streamingdiensten bin ich aus zwei Gründen skeptisch. Der erste ist die ganz einfache technische Seite: Gerade in Deutschland kann ich mich nicht darauf verlassen, immer und überall ausreichende (mobile) Internetversorgung vorzufinden, und vor allem bei meinen Sommerwochenenden in Brandenburg bin ich auf einen mobilen Internetzugang angewiesen. Für diese Wochenenden würde ich mir also ohnehin Musik auf einen Datenträger speichern – dann kann ich das auch gleich immer machen.
Der zweite Punkt ist grundsätzlicher Natur: Wie auch bei (elektronischen) Büchern möchte ich die weitgehende Verfügungsgewalt über die bezahlten Inhalte behalten. Und nicht erleben, dass ein Musikstück (oder auch ein Buch) über einen Streamingdienst plötzlich nicht mehr verfügbar ist, aus welchen Gründen auch immer. Sei es, weil es Streit über die Urheberrechte gibt, sei es, weil das anbietende Unternehmen sein Angebot zurückzieht. Die Kontrolle über Inhalte so vollständig aus der Hand zu geben, scheint mir keine gute Idee. (Und ja, ich weiß, auch mit der lokalen Datenspeicherung ist meine Kontrolle nur begrenzt. Aber immer noch weitergehend als in der Hand eines Unternehmens.
Virtualista:
Im Vergleich zu früheren Jahrzehnten höre ich sehr wenig Musik, deren Auswahl zudem sehr zufällig erfolgt. In drei Räumen unserer Wohnung stehen Radios, von denen ich gelegentlich eines einschalte, z.B. morgens im Bad. Die Wohnung enthält zudem ca. 100 Schallplatten und 200 CDs samt funktionierender Abspielgeräte, die aber nur selten genutzt werden.
Wir besitzen auch noch einige Dutzend Musikcassetten, aber das Tape Deck ist defekt. So bleibt es uns erspart, uns vom jämmerlichen Zustand der 20 Jahre alten Magnetbänder zu überzeugen und wir überlassen sie stattdessen dem kleinen Kind zum Zerspielen.
Es gibt einen Bestand von ca. 70 GB an MP3-Dateien mit inhaltlich großer Überschneidung mit den CDs. Jeweils eine Auswahl davon befindet sich auf meinem Laptop und meinem Telefon, von wo sie gelegentlich abgespielt werden. Ein 2nd Generation iPod liegt ungenutzt herum. Sein Akku ist total hinüber und irgendwie funktioniert er dadurch nicht einmal mehr, wenn er am Ladekabel hängt.
Ich habe einen kostenlosen Spotify-Account und Zugriff auf Amazon Prime Music über das Konto meiner Frau. An manchen Abenden hangele ich mich durch Spotify-Playlisten, wie die der TT-Redaktionskollegen, oder an YouTube-Vorschlägen entlang und erfreue mich an obskuren Live-Aufnahmen und Coverversionen. Aktive Gestaltung des Musikgenusses – z.B. durch Erstellen eigener Playlisten – findet hingegen kaum noch statt.
Auf Konzerte gehe ich etwa sechs- bis achtmal pro Jahr.
(André Spiegel / Eva Müller / Alexander Stielau / Markus Winninghoff / Thomas Wiegold / Virtualista / Molinarius)