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Untitled von Florian Thein Über Flickr: 2017, Mitte, Berlin Yashica T5, Kodak Gold 200
Plastikgabel II
Zerbrochen, schade. Aber gar kein Problem, wir haben Klebstreifen. Oder noch besser, wir kaufen eine neue! Zusammen geht das besser, jetzt wo wir Erfahrung haben. Im Plastikgabelfachgeschäft wird sicherlich was zu finden sein. Ach du willst nicht? Du hast eine neue gefunden? Nun ja, dann muss ich wohl allein losziehen. Ist aber auch nicht schlimm, Plastik hinterlässt schließlich keine Narben. Vor allem dann, wenn alles Einbildung ist. Ein Gedicht, das vage Bezug auf die Kurzgeschichte nimmt, die ich hier vor einiger Zeit veröffentlicht habe. Richtet sich an die gleiche Person, wenige Wochen nach dem Verfassen der Kurzgeschichte, die aus meiner Sicht wesentlich besser ist, als dieses... Gedicht.
Plastikgabel
Es ist so unwirklich. Wie die sanfte Biegung, die die weiße Plastikgabel vollführte, während sie die einspurige Verbindung zwischen meiner Hand und deinem Mund darstellte, mich noch jetzt zum Schaudern bringen kann. Wie überspielt die Vorstellung zu sein scheint, dass ich gleich im Anschluss, nachdem das gezackte, wenngleich stumpfe und ungefährliche Ende des Instruments, das in jenem Moment so viele Zwecke erfüllte, in deinem Mund verschwunden war und deine Zunge vorsichtig, oder gierig, das konnte ich von außerhalb nicht ganz festmachen, die von mir sorgfältig ausgewählten Kuchenkrümel, mühselig zusammengehalten von Buttercreme wie Allzweckkleber, herunter leckte, zu dir hinauf sah, um in deinen Augen nachzulesen, ob es dir geschmeckt hat. Genau wie ich schienst du der Bedeutung des Augenblicks nicht ganz sicher zu sein. Hatte ich diese Gabel in deine Richtung gestreckt, damit du sie meiner statt sauber machst und ich sie, vielleicht weil ich ein unreinlicher Mensch bin, oder weil das Spüli alle ist, oder weil die Spülmaschine nicht funktioniert, anschließend in den Besteckkasten stecke? Unwahrscheinlich, denn es war eine Plastikgabel, die trotz des unmittelbaren Wertes, den sie durch ihre Dienlichkeit als Brücke erlangt hatte, keine weitere Verwendung finden würde.
Oder wollte ich wirklich wissen, ob dir der Kuchen schmeckt? Ich glaube, diese Option hast du ganz zu Anfang ausgeschlossen, denn ich kann mich nicht daran erinnern, dass du jemals eine Wertung dazu abgegeben hast. Vielleicht war das auch rein unmöglich, weil der Geschmack des Gebäckstücks, das rückblickend ein außerordentliches Exempel der Backkunst war, von einer Süße überlagert wurde, die nur wir beide teilten. Es mag auch Illusion meinerseits gewesen sein.
Oder brauchte ich eine Entschuldigung, um dir tief in die Augen zu sehen und so zu tun, als würde mich deine Meinung zum Thema Gebäck interessieren? Obwohl letzteres impliziert, dass ich von gänzlicher Desinteresse erfüllt bin, was deine Beziehung zu Backwaren betrifft, was nicht der Wahrheit entspricht, schien es für diese Sekunde, die nur dir, mir und der Gabel gehörte, die einzige Aussage zu sein, die geltend war.
Und wie sehr ich auch danach verlangte, das Erlebnis zu einem Stillstand zu bringen, oder besser noch, auf eine höhere Ebene zu heben, fällt mir nach reichlichem Überlegen kein Gericht ein, weder Gebäck noch Hauptspeise oder Dessert, das eine solch einschlagende Wirkung auf unser beider Gemüter hätte haben können und letztendlich zu der zarten Versprechung geführt hätte, die meine Lippen auf deinen, oder deine Lippen auf meinen zur Folge gehabt hätten. Was eine Schande, aber keine Endgültigkeit ist. Ich werde jede Bäckerei der Welt absuchen, um eine Entschuldigung dafür zu haben, ein weiteres Mal zur Plastikgabel zu greifen und diese Entschuldigung in kleinlicher Feinarbeit aufzutürmen, sodass sie eine Wiederholung und mehr noch eine Korrektur des Versäumnisses ermöglicht und mir von neuem erlaubt, dir in die Augen zu sehen.
Diese Kurzgeschichte... oder dieses Wasauchimmer ist verantwortlich für den Titel des Blogs.