This band. Theyâre just... I have often tried and failed what they mean to me and why I admire their work so much... but see for yourselves :3
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Literarische IdentitÀt
Ich gewinne zunehmend den Eindruck, dass Menschen aller Art sich ĂŒber ihre Zeit auf Erden eine literarische IdentitĂ€t anlegen. Das geschieht zu groĂen Teilen unbewusst, und in vielen FĂ€llen unfreiwillig, aber egal ob man BĂŒcher liest, schreibt, oder verabscheut, man kommt nicht darum herum.
Denn bei dieser literarischen IdentitĂ€t geht es nicht um die groĂen Klassiker, die man gelesen hat, oder um die herrlichen Fantasywelten, die man erkundet hat. Es geht auch nicht um die Songtexte, die man auswendig lernt und auf HeftrĂ€nder kritzelt. NatĂŒrlich machen sie einen groĂen Teil aus, geben den Grundstoff fĂŒr den langen Mantel, den wir uns aus Worten und Gedanken weben... aber die hĂŒbschen Stickereien und Akzente stammen von Zitaten, von Dingen, die man uns gesagt hat, von Worten, die wir fĂŒr eine Weile lang so gerne mochten, dass wir sie viel zu hĂ€ufig verwendet haben. Da wĂ€ren die Idiome und Bauernweisheiten, die wir in die Wiege gelegt bekommen und uns lange genug begleiten, dass wir sie ebenfalls weitergeben können. Dann folgen die essentiellen Sachen, in denen die Worte eine kleinere Rolle spielen als der Tonfall, der sie ausmacht. Der Stolz unserer Eltern und die schĂŒchtern-wilde Zuneigung unserer Freunde. Es folgen die ersten MĂ€rchen, die sich sanft um unsere Schultern legen und sich traulich wie Haustiere in Kindertagen an uns schmiegen. Wie eine verblichene Photographie können wir sie hervorholen und mit einem mal sind sie uns wieder prĂ€sent. Und jenen folgt die Lesefibel, mit den Worten, die uns nahestehen, weil es eine rechte MĂŒhe war, sie auszusprechen. Ihnen haftet noch heute Kinderstolz an, wenn man sie richtig ausspricht. Eng verwandt sind die Lesewörter, die man aus dem Buch kennt und mutig anwendet... um sie falsch auszusprechen und den Kopf demĂŒtig zu senken. Aber auch sie gehören zu der Geschichte, wie ein Rechtschreibfehler, der dem Lektorat entgangen ist.
Sauber goldene Stickereien, die Songs, die unsere Herzen berĂŒhren. Wo man mit Leichtigkeit jeden Text auf das eigene Leid oder die eigene Liebe beziehen kann und dadurch einen ganz eigenen Schnitt fĂŒr den Mantel vorlegt. Und wie Edelsteine zieren eigene Schriften das Werk, wenn es sie nun gibt.
Und diese literarische IdentitĂ€t ist nicht jedem zugĂ€nglich, vermutlich nicht mal einem selbst. Man bekommt einen Zipfel zu fassen, ein StĂŒck Spitze, den Saum, aber ganz sichtbar ist sie nie. Sie besteht aus Worten, die wir lieben, hassen, die uns ausmachen und berĂŒhren, aus Passagen, die wir auswendig können, oder besonders verabscheuen, aus Liedern, deren Takt noch heute in unseren FĂŒĂen steckt und Dialogen, die nirgends geschrieben stehen.
Ging mir heute so durch den Kopf, weil ich mal wieder Kraftklub gehört habe und mich fragte: Warum schreiben die all ihre Songs ĂŒber mein Leben? Also nicht ganz, aber... einige Passagen kann ich sehr gut auf mich beziehen. Was vielleicht daran liegt, dass ein einzelner den Herzschmerz und die Liebe und den Hass nicht auf einmal neu erfinden kann...
Whoever wants to learn anything about writing (fantasy) novels: Watch Brandon Sandersonâs lectures! Heâs not only the best writer I have ever encountered (not literally), but his lectures actually do help a lot!
Also check out his books, preferably the Stormlight Archive
Zwischen derBĂŒrde des Nachdenkens und dem immerwĂ€hrenden Wunsch nach Fortschritt
âErleichtert das Philosophieren das Leben?â, lautet die Frage, der ich mich heute im Angesicht des Wettbewerbs 'Philosophischer Essay' stelle. Eine Frage, die zum Nachsinnen einlĂ€dt und somit als Beispiel fĂŒr die Beantwortung ihrer selbst dienen kann.
Umfassend wie die Philosophie ist bietet sie, wie im Folgenden aufgezeigt werden soll, ebenso viele Antworten, wie es Menschen gibt, denn jeder legt sie anders aus und findet in ihr Erleichterung, als auch Last. Unter Betrachtung der Physik(er) und der UnmĂŒndigkeit des Menschen auch heute noch, sind viele Argumente fĂŒr beide Seiten ersichtlich.
Der erste Impuls auf diese Frage muss ein lautes, schallendes 'JA!' sein, zur Not mit noch mehr Ausrufezeichen. Mein Chemielehrer pflegte zu sagen, dass die Philosophie die Grundlage der heutigen Naturwissenschaften gewesen sei und fĂŒhrte als Beispiel den letzten groĂen Naturphilosophen Demokrit an, der die Grundlage fĂŒr Daltons Atommodell1 schaffte. Dieses Atommodell war der Anfang einer Reihe von Modellen, die uns letztendlich zum Orbitalmodell fĂŒhrten, das wiederum den Weg fĂŒr die Quantenphysik ebnete und somit auch die Weichen fĂŒr Photovoltaikanlagen und Ă€hnliche Entwicklungen stellte. Also ist die einfache Antwort natĂŒrlich, dass die Ăberlegungen und Experimente einiger heller Köpfe unsere Welt erst mit dem Komfort ausstatteten, den sie heute hat. Dazu gehört auch die Nutzung der ElektrizitĂ€t, das VerstĂ€ndnis der Energie, die bei der Verbrennung von Gasen und FlĂŒssigkeiten frei wird, et cetera et cetera.
UnterstĂŒtzend dazu mag das komödiantische TheaterstĂŒck des Herren DĂŒrrenmatt zitiert werden. In einer Szene von 'Die Physiker'2 spricht die Figur Newton an, dass die Bevölkerung ungeachtet ihrer mangelnden Kenntnis ĂŒber ElektrizitĂ€t die VorzĂŒge selbiger genieĂen darf. Ein GroĂteil unserer Industrie und unseres Arbeitswesens ruht schlieĂlich auf Erkenntnissen, nach denen wir uns richten, ohne sie immer und allumfassend nachzuvollziehen. Selbst dem Nichtphilosophen ist es gegeben, sich an den sĂŒĂen FrĂŒchten der Philosophie zu laben.
Wenige Akte und Szenen spĂ€ter offenbart sich aber eine erste Schattenseite des Wissens und der Charakter Möbius spricht die Verantwortung an, die den Philosophierenden obliegt. Viele Erfindungen und Errungenschaften, die erst als bahnbrechend und vorteilhaft fĂŒr die gesamte Menschheit bezeichnet wurden, stellten sich als das genaue Gegenteil heraus. Die Atomenergie, die groĂes Potenzial fĂŒr die stromschluckende Menschheit bot, schickte unter anderem Einstein auf die Suche der nutzerfreundlichen Anwendungsmöglichkeiten, wurde aber sogleich zu einer Massentötungswaffe umfunktioniert,  man bedenke nur das Ende des zweiten Weltkrieges.
Der Philosoph, der also zu einem Ergebnis langer Perioden des Nachdenkens kommt, muss sich immer mit der Frage auseinandersetzen, ob, es sei dahingestellt ob es sich um naturwissenschaftliche, ethische oder anderweitige Themenfelder handelt, seine Ăberlegungen der Gesellschaft preisgegeben werden dĂŒrfen, ohne Gefahr zu laufen, umfunktioniert oder missbraucht zu werden.
Somit scheint die Erleichterung, die die Philosophie durchaus bringt, eingeschrĂ€nkt zu sein, denn alles Gute, das sie bringt, kann binnen weniger Sekunden und Berechnungen Bestimmung und Schlagkraft Ă€ndern â es ist kein Wunder, das Kriegszeiten oftmals viele Neuerungen und Fortschritte brachten, da mit einem Mal alles gutwillige zu seinem böswilligen Ăquivalent weiterentwickelt werden musste. Ob solcherlei nicht passieren wĂŒrde, wenn jeder die Macht und Gefahr in den KrĂ€ften sehen wĂŒrde, die wir unserem Willen beugen, ist ein Gedankenexperiment, das den Rahmen dieses Essays deutlich sprengt.
Dass das Nachdenken fĂŒr das jeweilige Individuum mehr eine BĂŒrde als eine Tugend darstellt ist eine These, die ich parallel zu den Vorteilen fĂŒr das Gemeinwesen aufstelle. Zu Rate ziehe ich dafĂŒr Immanuel Kant, der sich als AufklĂ€rer sehr intensiv mit den Denkweisen und Undenkweisen seiner Zeitgenossen befasste. Dass seine Schlussfolgerungen damit veraltet und auf unsere Gesellschaft unanwendbar sind, ist, insoweit vorhanden, ein Irrtum.
In seiner Definition der AufklĂ€rung3 und, aufgrund enger Verbindung dazu, der UnmĂŒndigkeit, spricht Kant an, dass die selbstverschuldete UnmĂŒndigkeit aufgrund von Angst und Bequemlichkeit existiert und vielerlei Menschen den Schritt zum eigenen Denken nicht tun, aus Furcht, ihn nicht zu schaffen. Was sich seit dem geĂ€ndert hat ist, dass absolutistische Herrscher und souverĂ€ne FĂŒrsten in der westlichen und vielen andere Kulturen der Vergangenheit angehören und, dass wir uns eine aufgeklĂ€rte Gesellschaft schimpfen. Was sich nicht geĂ€ndert hat ist, dass wir zu groĂen Teilen eine sehr unaufgeklĂ€rte Gesellschaft sind und unser Tun und Denken zwar nicht von FĂŒrsten, aber von FernsehkanĂ€len und skandierenden Meinungsbildnern ĂŒbernehmen.
Verzeihung, das ist jetzt ein bisschen viel auf einmal, da kann ich verstehen, wenn man stutzig wird. Also lieber mal ganz von vorne anfangen: Was hat UnmĂŒndigkeit mit Philosophie zu tun? Sie ist ein Widerspruch selbiger â die UnmĂŒndigen scheuen nĂ€mlich davor, selbst zu denken. Und Denken, vor allem Weiterdenken, vor allem Zweifeln sind der Philosophie Unterpfand. Kant sagt, die UnmĂŒndigen wollen nicht selbst denken, weil sie Angst davor haben. Und in ihrer Angst sind sie nicht ganz unberechtigt â Philosophieren heiĂt in erster Linie, sich aus der Komfortzone, die andere fĂŒr uns geschaffen haben, ich referiere hier zu meiner frĂŒheren Aussage, dass wir die Errungenschaften der Philosophie und Naturwissenschaft nutzen, Bequemlichkeiten einzurichten, herauszubewegen. Philosophie beschreibt das menschliche Verlangen, Dinge zu verstehen, die Dinge, die uns umgeben und auch die Dinge, die wir weder sehen, noch mit Berechtigung vermuten können. Dieses Verlangen zu unterdrĂŒcken kann nur schĂ€dlich enden â zum Beispiel in einem Regime, dass ArbeitsplĂ€tze schafft, ohne genau zu sagen, wofĂŒr und wohin die eigentlich fĂŒhren.
Ausgehend von Kant widerspricht der Erleichterung, die uns die Philosophie bringt, der Austritt aus dem Vertrauten, der dafĂŒr nötig ist. Somit bringt der Weg der zu einem freudebringenden Ergebnis fĂŒhrt auch den Prozess des Zweifelns mit sich, der scheinbar der Natur vieler BĂŒrger widerspricht, die noch heute Zweifel am Zweifeln haben. Unbehagen ist es, das in ihnen aufkommt, in der Perspektive auf Ideen, die nicht dem entsprechen, was sie immer zu wissen glaubten. Und nur derjenige, in dem der Drang, selbst zu denken, stĂ€rker ist, als die Sorge, dass das Gewusste sich als falsch herausstellt, um einem Wissen zu weichen, das einen Deut nĂ€her an der Wirklichkeit ist, können sich dazu bewegen, zu philosophieren. TĂ€uschen wir uns nicht darin, dass die Geschichte, auf die wir zurĂŒckblicken, nur aus Systemen und Erkenntnissen besteht, die frĂŒher oder spĂ€ter von Systemen und Erkenntnissen vertrieben wurden, die ein gröĂeres Publikum fanden, ganz gleich ob sie besser oder einfach salonfĂ€higer waren.
Wissen macht unglĂŒcklich, beziehungsweise unwissend ist man mit gröĂerer Wahrscheinlichkeit glĂŒcklich. Beispiel: Ein kleines Kind, dessen Problemwelt sich darauf beschrĂ€nkt, dass sein liebstes Spielzeug gelegentlich verloren geht, aber recht bald von Frau Mama wiedergefunden wird, ist vermutlich glĂŒcklicher als ein ausgewachsener Mensch, der um die Hungersnöte in Afrika, die soziale Ungerechtigkeit ĂŒberall und die unmittelbare Sterblichkeit seiner selbst weiĂ. Oder, fĂŒr einen Menschen vermutlich noch schlimmer, um seine umfassende Unwissenheit â das Zweifeln kann unlĂ€ngst zu ernĂŒchternden Erkenntnissen fĂŒhren, wie Sokrates erfahren musste4.
Ăbertragen heiĂt das, dass es leichter ist, mit der FĂŒlle an Information zu leben, die andere EinflĂŒsse, Menschen oder die Natur, uns ĂŒberliefern, statt sich darĂŒber hinaus zu bewegen und festzustellen, dass sie Nichtigkeiten sind, die nur in einem bestimmten Rahmen 'richtig' sind. Das heiĂt irgendwo auch, dass die Unwissenheit eine gröĂere KrĂŒcke als das Wissen sein kann, denn sie ist wesentlich schwerer zu akzeptieren.
Aber heiĂt denn das, dass die Philosophie uns schadet? Wer ein bisschen nachdenkt wird nur zu dem enttĂ€uschenden Ergebnis kommen, dass er nichts fĂŒr bare MĂŒnze nehmen kann, er wird WidersprĂŒche in Sachverhalten finden, die einst klar und unmissverstĂ€ndlich waren. Wissen ist eine BĂŒrde und Unwissen eine noch gröĂere? Wie bereits erwĂ€hnt muss man einige dieser DĂ€mpfer hinnehmen, doch heiĂt das nicht, das wir zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis gelangen können. Ein Beispiel dessen sei 'Ich denke, also bin ich.' (lat. cogito ergo sum)5, eine der Urwahrheiten, wenn es nach Descartes geht. Das ist nĂ€mlich das schöne daran, zu philosophieren â man erlaubt sich selbst, sein Umfeld nicht lĂ€nger hinzunehmen, wie es ist und erklĂ€rt es sich stattdessen neu, andersartig und persönlich. Dabei kann man sich auf die Ideen anderer stĂŒtzen, MoralgrundsĂ€tze als Bausteine verwenden und Erfahrungen als Beispiele anfĂŒhren, sollte jene vorher aber grĂŒndlich hinterfragt haben.
Unter Betrachtung dieses Konstrukts, dass auf Philosophie fuĂt und gleichermaĂen von ihr in seinen Grundfesten erschĂŒttert werden kann, komme ich zu dem Schluss, dass eine eindeutige Antwort auf diese Frage ihren Tiefgang ignorieren wĂŒrde und somit unzumutbar ist.
Ja, die Philosophie erleichtert unser Leben ungemein, wenn wir ihr sĂ€mtliche wissenschaftliche Verdienste zuschreiben. Auch die Prinzipien, die die Basis unseres demokratischen Staates bilden, sind keine SelbstverstĂ€ndlichkeiten, sondern alter Ăberlegungen, auch Religionen, entsprungen.
Aber der Weg zu Prinzipien und Photovoltaikanlagen schlieĂt langwierige ErwĂ€gungen ein, die den menschlichen Verstand an seine Grenzen fĂŒhren â was per se nichts schlechtes ist. Solche, die sich nicht bevormunden lassen und ihr Vertrauen in ander' Leuts Philosophie legen, ohne sie als solche, eine Lebensphilosophie, zu erkennen, finden eine bestĂ€tigende Leere hinter den Zweifeln, die sie hegen. Es ist des Nachdenkens Sinn und Zweck, unseren Wissensdurst zu stillen und nur, wer dem nachgeht erfĂŒllt seine Aufgabe als Mensch, ich will sagen, erfĂŒllt das, was uns zu Menschen macht.
Mit gröĂter Sicherheit sind die Lichtblicke am Ende aller Unklarheiten, wie zum Beispiel Descartes' Feststellung, das, was die Philosophie so wertvoll macht. Das Körnchen Gold, in dem Sand, dessen Sieben wir uns zur Lebensaufgabe machen, wenn wir unsere UnmĂŒndigkeit zumindest in Teilen ablegen wollen. Und zu solchen Lichtblicken zu kommen muss beschwichtigend, ja, befriedigend sein. Dennoch... erleichtert es unser Leben?
Das Individuum strebt aus einer Unzufriedenheit heraus eine realitĂ€tsnĂ€here ErklĂ€rung dessen an, was die Allgemeinheit als RealitĂ€t bezeichnet und stöĂt dabei möglicherweise auf das erschreckende Ergebnis, in dieser RealitĂ€t eine Illusion zu finden. Es begibt sich folglich auf eine ermĂŒdende Suche â das hatten wir schon. GlĂŒcklich macht der Fund einer Lösung, ja, aber kann man es den Denkern verdenken, von Zeit zu Zeit ausgelaugt zu sein, von dem ganzen Falschliegen? Es ist fast wie die stĂ€ndige Suche nach Essen â nötig, ein innerer Zwang, gelegentlich von Erfolg gekrönt, aber zumeist gibt es immer das gleiche.
Die Gesellschaft, wie schon oft gesagt, gewinnt zumeist von den kleinen Fortschritten ihrer Denker, setzt ihn gleichzeitig aber der Verantwortung aus, seine Erkenntnisse mit ihr zu teilen, hinsichtlich der vielen Fehler, die damit bereits begangen wurden. Mag sein, dass ihr Gewinn so weit geht, dass sie die Zweifel an ihrem System, geĂ€uĂert von einem Einzelnen, bald in selbiges aufnehmen. Dies sei allerdings bloĂ als DenkanstoĂ mitgegeben.
Um einen runden Abschluss zu bieten: TatsĂ€chlich haben die Ăberlegungen im Zusammenhang mit der Fragestellungen keine Erleichterung meines Lebens dargestellt, aber fĂŒr mich persönlich Klarheit an einer Front geschaffen, die ich so noch nicht definiert hatte.
1Siehe dazu A New System of Chemical Philosophy; Dalton (1808)
2Siehe dazu Die Physiker; DĂŒrrenmatt (1961)
3Siehe dazu Beantwortung der Frage â Was ist AufklĂ€rung?; Kant (1784)
4Ich weiĂ, das ich nicht weiĂ.â nachzulesen in der Apologie des Sokrates, verfasst von Platon (um 400 v. Chr.)
5Siehe dazu Discours de la méthode IV, René Descartes (1637)
Alle glĂŒcklichen Familien sind einander Ă€hnlich, jede unglĂŒckliche Familie jedoch ist auf ihre besondere Weise unglĂŒcklich.
erster Satz in Leo Tolstois âAnna Kareninaâ
Und trotzdem
'Das System ist furchtbar', wusste das junge MĂ€dchen bereits, als es kaum zwölf Jahre alt war. Die Armen hungern, die Reichen ernĂ€hren sich von den Partyresten einer Fete, die zuletzt in der Form unter Ludwig XIV geschmissen wurde. Gemeinte Nachfolgeparty war, so munkelt man in Untergrundkabuffs, vermutlich noch gröĂer als die des verhassten Monarchen, und am Schlimmsten ist, dass die erste gottgegeben, die zweite aber selbst erarbeitet war und daher keiner ein Recht darauf hat, an ihren Grundfesten, bestehend aus einem bröselnden Tortenboden und vielen Luftballons, zu rĂŒtteln. Andererseits munkelt man auch, dass die zweiten PartygĂ€nger keine anderen als die ersten waren, welche ihrerseits bloĂ Masken aus Dollarscheinen aufgelegt haben, um unter neuem Namen zu unterdrĂŒcken, wer sich keinen Zutritt zur zweiten Party selbst erarbeitet hat, unter der strengen Nichtbeachtung des Fakts, dass die Auflage an Eintrittskarten limitiert war.
'Das System', wiederholte das MĂ€dchen, um den roten Faden nicht in revolutionĂ€rer Apathie (der Neuzeit) zu verlieren, 'ist furchtbar. Aber von unten kann man nichts ausrichten.â Jaja, sie hat da ganz recht. Ein Staubkorn am Boden eines UhrgehĂ€uses richtet erst etwas aus, wenn der Wind, der aus gutem Grund in keinem UhrgehĂ€use zu finden ist, es zwischen zwei ZahnrĂ€der treibt, wo es sich zwischen kleinen ZĂ€hnen einnistet und Karies verursacht â aber auch das reicht nicht aus. Ein WattebauschohrenreinigungsstĂ€bchen reicht nĂ€mlich aus, um die entstandene Krankheit zu heilen. Das Staubkorn muss also zum Zahnrad werden.
Und trotzdem das junge MĂ€dchen seinen Hass gegen die Welt in der Systematik der selben verankert sieht, muss sie sich eingliedern, damit sie sich die Methodik ihres Feindbildes aneignet. In der Schule querzustehen wird nichts bringen â Bildung braucht man, um den Dietrich zu greifen und die ersten Schrauben zu lockern. Also muss der innere Systemgegner schwelgen.
'Man muss tun, was man kann', findet das MÀdchen, welches unterdes einen kleinen Aushilfsjob angenommen hat, wÀhrend es die Suppendosen falsch einordnet, dem Alkohol falsche Codes und Preise aufklebt, den Boden wischt und kein 'Frisch gewischt'-Schild aufstellt. 'Aber!', schleicht sich der Zweifel in ihr Ohr. Kann ein WattebauschohrenreinigungsstÀbchen auch hier Abhilfe schaffen?
'Was ich hier tue richtet sich gegen all jene, die von der Party ausgeschlossen waren. Haben sie nicht zu genĂŒge gelitten? Ja, ich muss noch ein wenig funktionieren, bevor ich kaputtgehe.'
Und trotzdem die junge Frau ihr HĂ€nde in Panzertape badet, sieht sie den groĂen Zweck hinter der kleinen Idee und erhebt den Arm (hinter vorgehaltener Hand) gegen alle UnterdrĂŒcker. Sie muss jetzt ganz groĂ und unentbehrlich werden. IT, hat sie gehört, ist unentbehrlich. Sie mag Backen eigentlich lieber, aber mit Brötchen ist keine Revolution zu beginnen. Sie studiert und zeigt ihre, mit Silber umwickelten, mit Klebeband embroidierten HĂ€nde als Identifikation vor. Man schlĂ€gt Saltos. SYSTEMKONFORM steht auf ihrer Stirn, aber in ihrem Herzen singt sie immer noch das internationale Lied der UnterdrĂŒckten.
Aber drin sein reicht lange nicht, noch immer ist sie entbehrlich. Da muss KreativitĂ€t her. Um Inspiration zu schöpfen setzt sie sich in ein CafĂ© und isst mit Marzipan verzierte TortenstĂŒcke. Die Ideen, wenn sie jemals da waren, gehen ihr aus. Erst als sie auf ihre HĂ€nde blickt bemerkt sie den Fehler, den sie seit einer halben, wenn nicht gleich einer ganzen, Ewigkeit begeht. Silber? Auf der Party tanzt neuerdings nur, wer sich in Gold schmĂŒckt. Als sie die neuen Ketten anlegt lacht sie. Ketten... wer hat die noch immer getragen?
Wer immer es war, er hat sie abgelegt â wenige Jahre nachdem die junge Frau, die jetzt unentbehrlich ist und den Text zur Internationalen vergessen hat und eigentlich auch nicht mehr jung genannt werden kann, von Silber zu Gold (mittlerweile zu seltenen Erden aus China) gewechselt hat. Und nun stĂŒrmen diese Kettenlosen die Party, deren GĂ€ste sich kaum mehr halten können, denn der Kuchenboden bröselt endgĂŒltig auseinander.
Als die fast-alte, aber eigentlich junge, denn den Normen muss man sich ja beugen, Frau die roten Flaggen sieht, erinnert sie sich. SYSTEMKONFORM hat es mittlerweile in ihr Herz geschafft, wo es einen Foxtrott zu den Liedern einer Band tanzt, die in Polohemden auftritt und statt MikrostĂ€ndern GolfschlĂ€ger benutzt. Aber irgendwo tief im Inneren erinnert sie sich daran, wie sehr sie das System hasst. âNieder mit euch PartygĂ€ngern!â, schreit sie erbost, aber dank dem Punsch aus gegorenem Kosmopolitismus, mit einer Note Bourgois-Wein, lallt sie gehörig und die Tarnung wird ihr abgelegt.
âUND TROTZDEM du die Parolen auswendig kennst, lebst du sie nicht! VerrĂ€ter! Du trinkst unser Blut, wenn du es nicht gerade als Treibmittel fĂŒr deine Energiewende benĂŒtzt!â Man legt sie in Ketten aus... Eisen!
I love Laura Marling? Sheâs such an inspirational woman and... I love how she just smashes prejudices and doesnât betray herself by abandoning her femininity. Sheâs just as a modern, female artist ought to be. Proud to be a woman.
Always remember, anyone can be a woman, as long as she, they or he embrace their femininity.
Nimongs letzter Versuch
âAkzeptanz der Machtlosigkeit ist etwas, das dem Menschen schwerfĂ€lltâ, sage ich und schaue den groĂen Uhu an, der aus gelben Augen auf mich hinab starrt.
âIst das so?â, will er wissen und schuhut.
âHĂ€tte er sonst Angst vor dem Altwerden? Was ist schlimmer daran, als nichts daran Ă€ndern zu können? Es ist schlieĂlich nicht so fatal wie das Sterben.â
âGewissermaĂen ist es der Weg zum Todeâ
âBindung zum Leben ist, was uns vor dem Tod erschaudern lĂ€sst. Wir trauern nicht um unsereins, sondern um das, was uns noch entgehen magâ, fĂŒhre ich den Gedanken weiter.
âSo mag es dir gehen, doch wie ist es mit den anderen? Wollen sie vielleicht ihre Familien nicht zurĂŒcklassen?â
âSie wollen die Liebe ungern zurĂŒcklassen. Doch alles, was sie vermissen werden ist unmittelbar mit dem Leben verknĂŒpft. Wir Ă€ngstigen uns, die Kelle Leben, die man uns aus dem groĂen Universaltopf reicht, vorschnell auszutrinken.â
âChancen, sind sie das, was uns das Leben bietet?â,will der Uhu wissen. Ich verurteile ihn nicht dafĂŒr, er versteht das menschliche Leben nun mal nicht. âDas Leben ist die Grundlage fĂŒr jede Chance, die wir uns selbst bieten. Ich betrachte Chancen als etwas, das nur dem zukommt, der sich wirklich mĂŒhtâ, erklĂ€re ich geduldig.
âAlso kann ein Nichtsnutz keine Chancen bekommen?â, wundert er sich.
âMan kann ihm welche anbieten, aber er wird sie nicht erkennen. Chancen mĂŒssen als solche identifiziert werden.â
âDeshalbâ, schlussfolgert er zufrieden. âDeshalb was?â, helfe ich nach.
âNichts, deshalb. Ich wollte nur sehen wie du reagierst, wenn ich 'Deshalb' sage. Ihr Menschen seid ulkig.â Ich krĂ€usele den NasenrĂŒcken und ziehe die Augenbrauen bis zum Haaransatz. âIch verstehe nicht ganzâ, gestehe ich ihm und mir selbst.
âIhr könnt keine Behauptung akzeptieren, ohne einen Grund dafĂŒr zu erhalten. Deshalb ist Wasser nass.â
âWeshalb ist Wasser nass?â
âSiehst du?â
âEwigkeit ist relativ. Glaubst du an die Ewigkeit, Uhu?â
âIch verstehe sie nicht. Du etwa?â Ich verneine mit einem KopfschĂŒtteln. âTut mir leid. Manche Leute geben vor sie zu kennen, doch ihre Ewigkeiten existieren nur in endlichen RĂ€umen.â
âWie bitte?â
âSie glauben, die Ewigkeit zu kennen. Doch in diesem Glauben limitieren sie etwas Unendliches auf ihr, sehr, sehr geringes VerstĂ€ndnis. Sehr weise von dir zu sagen, sie nicht zu verstehen. Ich verstehe sie auch nicht.â
âFreude. Gibt es sie?â Ich zucke mit den Schultern. âEs existiert ein GefĂŒhl, das die Menschheit einheitlich als Freude bezeichnet. Aber es ist nicht messbar, wie zum Beispiel die AtmungsaktivitĂ€t eines Menschen. Sie ist nicht vergleichbar.â Der Uhu schnurrt interessiert  und studiert mein Gesicht sehr genau. âWĂŒsstest du, dass es Freude gibt, wenn es keine Trauer gĂ€be?â Die Frage ist gut... âNein. Der Kontrast ist, was das jeweilige GefĂŒhl so eigen macht. Trauer wĂ€re weniger qualvoll, wenn Freude mir fremd wĂ€re.â
âIst Freude ein Zustand, geringer Trauer oder ist Trauer ein Zustand geringer Freude?â
Ich weiĂ keine Antwort.
âGrĂŒnde fĂŒr deine Existenz?â, gurrt er nach einer exzessiven Denkpause. âIch denke, also bin ichâ, zitiere ich. âDescartes. Von ihm habe ich schon gelesen. FĂ€llt dir nichts besseres ein?â Zischend atme ich ein und sinke etwas in mich zusammen. 'Nein', denke ich. âWie kommt das?â, stichelt er. 'Weil das der einzige Beweis ist, den ich habe', gebe ich in Gedanken zurĂŒck. Er bricht in schallendes, schnarrendes Lachen aus. âWas ist mit dem, was du fĂŒhlst, siehst und hörst?â Ich zwinkere und schenke ihm ein wissendes LĂ€cheln. âBitte, die Empiristen haben mich nie beeindruckt, geschweige denn ĂŒberzeugt. Das kann alles genauso gut Einbildung sein.â
âHaben und Nichthaben. Wo liegt der Unterschied, wenn alle sterben?â Vielleicht habe ich mich getĂ€uscht und der Vogel versteht uns besser, als wir selbst es tun. âDie Menschen brauchen etwas, an dem sie festhalten können, wĂ€hrend sie ĂŒber die Erde wandelnâ, mutmaĂe ich. Die Ăberlegung scheint auf den ersten Blick logisch und ich spinne sie ein wenig weiter. âSie mögen das GefĂŒhl, etwas von der Ewigkeit festzuhalten, die ihnen so schnell wieder entrissen wird.â
âAlso wĂŒrdest du ein MöbelstĂŒck als Ewigkeit bezeichnen?â
âDas nicht. Aber als einen Aspekt, der die Ewigkeit ausmacht, wie wir sie erfahren.â
âIch. Findest du, das Wort hat eine Berechtigung?â, will ich von dem Uhu wissen. Er hat vermutlich gar keine rechte Ahnung davon, was das 'Ich' ist. Er ist nur ein Vogel. âMehr als jedes andere Wort. Du hast doch gesagt, dass die eigenen Gedanken die BestĂ€tigung fĂŒr das Sein sindâ, meint er. In seinen gelben Augen liegt etwas Forderndes... da steckt noch mehr in seiner Antwort.
âAlso ist das 'Ich' das Einzige, mit einer BegrĂŒndung. Das Ich-Bewusstsein ist ergo das einzige existente Bewusstseinâ, lautet meine Konklusion.
âJetzt verlĂ€sst du dich zu sehr auf Descartes. Aber gewissermaĂen hast du Recht. FĂŒr dich ist das Ich-Bewusstsein die einzige Legitimation dafĂŒr, dass du bist.â
âJeder trĂ€gt das Bewusstsein in sich. Richtig?â
âDas kannst du nur vermuten. Aber generell können wir von dieser Annahme aus weitergehen und zu dem Schluss kommen, dass es ein Universalbewusstsein gibt.â Ich hebe beide HĂ€nde in dem Versuch, ihn zu beschwichtigen. âRuhig... so was kannst du nicht einfach in den Raum stellen.â PrĂŒfend blickt er mich an. âWas hast du denn getan?â
âEine Frage gestellt, ganz einfachâ, verteidige ich mich.
âJeder Frage wohnt eine Ăberlegung inne. Die hast du soeben in den Raum gestelltâ, antwortet er gelassen und zupft mit dem krummen Schnabel an seinem Gefieder herum.
âTrotzdem... wie kommst du auf das Universalbewusstsein?â
âWie wĂŒrdest du sonst auch nur die geringste Idee von... einem Uhu haben? Ist die Idee von einem Uhu in deinem Gehirn verankert? Oder bin ich ein Hirngespinst?â
âKompliziert. Und Kontrovers. Ich meine, dass wir unsere GesprĂ€che auf ganz verschiedene Grundlagen bauen. Mal gehen wir davon aus, dass alles nur in meinem Kopf geschieht, mal gehen wir davon aus, dass die Ewigkeit fĂŒr jeden existiertâ, wechsle ich das Thema. Der Uhu gurrt amĂŒsiert, kommentiert den holprigen Wechsel aber nicht. âKontroversitĂ€t und MultiperspektivitĂ€t sind zwei entscheidende Nenner in unserem Denken.â
âWir mĂŒssen uns so viele Perspektiven erlauben, wie es uns möglich istâ, fasse ich zusammen.
âUnd sollten uns ĂŒber jede Kontroverse freuen, die uns auffĂ€llt. Es wĂ€re furchtbar, wĂ€re unsere Welt einfach zu erklĂ€ren.â
âLeben ist also nichts anderes, als unsere Welt zu erklĂ€ren?â, erlaube ich mir zu fragen. âDas gefĂ€llt mir. Irgendwie bedeutet das schlieĂlich, dass jeder seine eigene ErklĂ€rung findet.â
âUnd man muss fĂŒr sich selbst entscheiden, ob es die beste ErklĂ€rung ist. Eigentlich unfair, denn man hat nur eine Chanceâ, ĂŒberlege ich. Ich hoffe, den richtige Ansatz gefunden zu haben.
âDu meinst wahrscheinlich, ob man sein Leben glĂŒcklich, oder unglĂŒcklich lebt... nun, es liegt wirklich bei jedem selbst, das zu entscheiden. Man kann schlieĂlich jeden Moment dazu nutzen, neu anzufangen. Und wenn ich dich richtig verstanden habe, musst du deine Chance nur erkennen, um sie auch zu nutzen.â
Das bringt mich zum lÀcheln. Er hat mir gut zugehört.
âMusik, Dichtung und Kunst. Ich habe mich schon immer gefragt, was es mit den dreien auf sich hat. Sie scheinen den Menschen sehr wichtig zu seinâ, setzt mein GesprĂ€chspartner nach einer Weile des Schweigens wieder an.
âĂber diese drei kann man einfach nicht streiten. Manch einer interessiert sich nicht im Mindesten dafĂŒr, dennoch haben fast alle eine Meinung zum Thema. Ich persönlich glaube, das Komponisten, Poeten und andere KĂŒnstler ihre Auffassung der Ewigkeit so verarbeiten, dass sie prĂ€gend fĂŒr anderleuts EindrĂŒcke sind.â
âWas ist denn mit Handwerkern. Einem Tischler zum Beispiel? Der erschafft doch auch etwas Neues.â
âAch, das wĂŒrde ich so nicht sehen. Ein Tisch ist und bleibt ein Tisch. Der wirkt auf jeden gleich... ĂŒbersteigt den emotionalen Wert eines ErbstĂŒcks nicht. Aber eine Oper, oder eine Ballade... die sind viel persönlicher. Sie ermöglichen es, die Welt aus einer neuen Perspektive, aus fremden Augen zu sehen. MultiperspektivitĂ€t, schon vergessen? Neue DenkanstöĂe sind wertvoller als eine Plattform, auf der man essen kann, wie es schon die Leute vor zweihundert Jahren taten.â
âNeu. Das ist sowieso ein Wort, das mich verwirrt. Wirklich neu ist schlieĂlich nichts. Jeder Gedanke wurde schon einmal gedacht. Der menschliche Gedankenreichtum beschrĂ€nkt sich auf das Schwingen eines Pendels, von einem Extremum in das andereâ, behauptet der Uhu.
âDas stimmt gar nicht. Mit jedem neuen Menschen wird auch das Potenzial fĂŒr neue Gedanken geboren. NatĂŒrlich ziehen sich Parallelen durch die Weltgeschichte. SchlieĂlich baut man auf alte Ideen auf, bevor man sie widerlegt. Die Menschen der AufklĂ€rung hatten ganz neue Blickwinkel auf all das, was um sie herum geschieht, als die Leute des Mittelalters. Gedankliche Schranken mĂŒssen gebrochen werden.â
âAlso wĂŒrdest du behaupten, dass das Gedankenpensum deiner Sippe nie erschöpft ist?â
âJa.â
âObwohl...â, zweifelt er an meiner Antwort.
âWas?â, frage ich leicht gereizt. Der Uhu ist mir eine Spur zu zweifelnd. Andererseits braucht man irgendeinen AnstoĂ, weiterzudenken. Und wenn es ein sprechender Uhu ist.
âSag du es mirâ, gibt er spielerisch zurĂŒck.
âDu willst nur, dass ich mich selbst hinterfrage, richtig? Man darf nichts fĂŒr garantiert nehmen, nicht mal die eigene Meinung. Ist auch besser so... wenn man stets auf seine Meinung beharren wĂŒrde, bestĂŒnde keine Möglichkeit, mit anderen Menschen zusammenzuleben. Kompromisse sind das A und O menschlicher Beziehungen.â
âPhilosophie liefert die Antwort auf eure Fragen. Liege ich richtig?â, will er nun in Erfahrung bringen. Ich kann nur stöhnen und mit den Augen rollen. âHörst du mir eigentlich zu? Philosophie ist der Inbegriff des Hinterfragens. Sie ist die ewige Suche nach Antworten. Mal kann man eine beantworten, aber dann stöĂt man auf eines dieser 'Obwohls' und muss plötzlich von Neuem anfangen. Das ist der Grund, warum unser Gedankenpensum nie zur Neige geht. Wir mĂŒssen immer neue Lösungen finden.â
âAlso gibt es keine Antworten?â
âEs gibt Antworten, die nur fĂŒr eine gewisse Zeit bestehen und in dieser Zeit auch richtig sind. Bis schlieĂlich die Philosophie in Form eines neuen Denkers daherkommt und alles umwirft, um eine neue Theorie aufzustellen.â
âQuod erat demonstrandum... hat der Satz damit keinerlei Bedeutung, weil man absolut nichts beweisen kann?â
âDas finde ich nicht. Mathematik ist einfach etwas, wo man sich nicht irren kann... also... zumindest ist sie ein System, dem viele Menschen Glauben schenken und das eine gewisse Sicherheit mit sich bringt. FĂŒnf und zwei KĂŒhe sind sieben KĂŒhe, da gibt es keine Diskussion.â
âAber weshalb hat die Mathematik solche Macht ĂŒber euer Denken? Ihr verlasst euch in allen Lebensbereichen auf ihre Richtigkeitâ, fragt der Uhu.
âMathematik ist irgendwie etwas, das erst mit den Menschen entstand... und doch können wir in unseren Systemen alles mit der Mathematik begrĂŒnden. Sie ist so viel gröĂer als der Mensch... fast wie eine Religion.â
âReligion â schöne Ăberleitung â ist das wirklich die Antwort auf alle Fragen? Oder ist sie eine zeitweise Idee und der Mathematik unterlegen? â Jetzt stöĂt der Uhu an seine eigenen Grenzen, wenn er sie nicht schon lang zuvor ĂŒberschritten hat. âIch glaube, das Besondere an der Religion ist, dass sie eine immerwĂ€hrende Antwort zu geben versucht. Und das ohne BeweissĂ€tze, wie die Mathematik sie aufweist.â Der Uhu schweigt und fĂŒr eine Weile glaube ich, das ihn irgend ein Kleintier im Unterholz, eine Nager im Dickicht, ablenkt.
âSchafft sie das?â
âIn vielen Aspekten, ja. In Sachen Moral und Werte hat sie eigentlich immer eine wichtige und berechtigte Rolle gespielt. Das ist gerade das Interessante an den Religionen, viele von ihnen vertreten sehr Ă€hnliche Moralvorstellungen, obwohl sie verschiedenen Ursprungs sind. Aber ich denke, dass auch ihre Antworten ein Verfallsdatum haben... und dieses zögert sich nur dadurch hinaus, das wirklich viele Menschen durch die Religionen vereint sind.â
âWie meinst du das, mit dem Verfallsdatum? Sind die Antworten genauso kurzlebig wie die der einzelnen Philosophen?â, bohrt der Uhu etwas weiter.
âEben nicht... sie besitzen die FĂ€higkeit, alles zu erklĂ€ren und dadurch ein sehr umfassendes Weltbild zu erschaffen, wĂ€hrend einzelne Denker nur kleine Teile abdecken können. Aber ihre ErklĂ€rungen, zum Beispiel alles auf Gott zurĂŒckzufĂŒhren, reicht vielen Menschen lange nicht mehr aus. Und auch manche der Werte, die vertreten werden, sind langsam hinfĂ€llig...â
âAber irgendwas muss doch dran sein, das trotzdem so viele Menschen daran festhalten. Sonst wĂ€ren Bibel, Koran und Tora nicht halb so beliebt.â
âSie vereinen die Menschen und geben eine mögliche Grundlage, schlagen einen Kompromiss vor, mit dem viele Leute leben können. Vor allem ist es aber der Wunsch an etwas zu glauben, der sie so mĂ€chtig macht.â
âSein und das Nichts. Wie erklĂ€rst du dir den Unterschied?â Eines meiner absoluten Lieblingsthemen! Es gibt nichts spannenderes als das Nichts... obschon diese Behauptung allein sehr widersprĂŒchlich ist...
âDas Nichts ist der Zustand der eintritt, wenn das Sein fehlt. Ein Vakuum zum Beispiel. Es umschlieĂt unser Universum.â
âGlaubst du, das Nichts ist unendlich?â, will er wissen. Ich ĂŒberlege ein wenig, obwohl die ErklĂ€rung fĂŒr mich auf der Hand liegt. Es hat mich einige schlaflose Nachtstunden gebraucht, auf diese zufriedenstellende Lösung zu kommen.
âNein. Denn wo wir, Menschen, Tiere und Pflanzen, Planeten und Sterne sind, ist das Sein. Also muss das Nichts irgendwo auf die Grenzen des Seins treffen und dort enden. Ganz einfach.â Dieser Gedankengang stillt des Uhus Neugierde, wenn auch nur fĂŒr eine sehr kurze Weile.
âTodesangst. Ein Wort, das nur die Menschen kennen und eine Angst, die nur sie spĂŒren. Ich verstehe sie nicht.â
âWas denn, die Angst, oder die Menschen?â, wispere ich, bei dem Thema wird selbst mir etwas mulmig zumute.
âBeidesâ, gibt er reumĂŒtig zu. Als wĂ€re es eine Schande, etwas nicht zu wissen! Je weniger man weiĂ, desto mehr kann man letztlich lernen.
âWir fĂŒrchten uns vor dem Tod, weil wir Enden verabscheuen. Enden bedeuten VerĂ€nderung. Das Ende einer Beziehung heiĂt Alleinsein, zumindest glauben das viele. Und das Ende eines Buches bedeutet, sich auf ein neues einzustellen. Aber mit dem Leben ist es anders. Keiner kann uns sagen, was folgt. Da ist nur Leere und viele groĂe Fragezeichen. Neue BĂŒcher können empfohlen werden... ĂŒber das Schlussmachen wissen viele Bescheid. Aber was kommt nach dem Leben?â
âWeshalb... weshalb denkt ihr ĂŒberhaupt darĂŒber nach? Es gibt so viele Theorien zu dem 'Leben nach dem Tod'. Warum?â, ernste Verzweiflung liegt in den Augen des Uhus. Ich muss gestehen, ich habe etwas Mitleid mit ihm...
âVermutlich, weil wir uns vor dem Unbekannten noch viel mehr Ă€ngstigen. Ein wilder Wolf ist weniger angsteinflöĂend als ein Knurren aus der Dunkelheit.â
âUniversum, Weltall, Sternenmeer. Die Angst erscheint mir ja plausibel, aber woher kommt dann dieses ungemeine Interesse an allem UnerklĂ€rlichen?â, murmelt er undeutlich und ich bin mir unsicher, ob er auf eine Antwort wartet. Wenn, dann lasse ich mich nicht lange bitten. âNatĂŒrlich, weil wir Herausforderungen lieben. Ist denn das nicht einer der GrĂŒnde, warum es die Gesellschaft gibt? Herausforderungen meistern und sich mit anderen vergleichen! Wer ist als erster auf dem Mond? Wer kann Wasser auf dem Mars nachweisen? Wer schafft es, die chinesische Mauer vom Weltall aus zu fotografieren? Leider ist die gar nicht sichtbar... jedenfalls befinden wir uns in einem Wettstreit, alles ĂŒber unsere Umwelt herauszufinden und die TrophĂ€en unserer Nachforschungen zu einem groĂen Puzzle zusammenzusetzen. Ich glaube, wenn der Mensch alles wĂŒsste, wĂŒrde er sich schrecklich langweilen. So ist es.â
Der Uhu schĂŒttelt den Kopf und schlieĂt die Augen.
âDas verstehe ich genauso wenig. Warum kann man nicht einfach glĂŒcklich sein, mit dem, was man hat? Zufriedenheit muss doch euer gröĂtes Ziel sein. Ein sicheres Heim -â Ich kann nicht anders, ich muss ihn an dieser Stelle einfach unterbrechen: âZufriedenheit ist, wie jede Antwort die solche hervorruft, nur von temporĂ€rer Existenz. Der Mensch ist der geborene Zweifler.â
âVerhaltensweisen machen eure Gesellschaft aus. Oder macht eure Gesellschaft auch eure Verhaltensweisen aus?â Ich ahne, wie er darauf kommt. Es muss an dem Ehrgeiz, dem steten Siegerwillen liegen, den ich vorher angesprochen habe. Trotzdem könnte er ebenso gut fragen, was zuerst kam, das Ei oder die Henne...
âIch glaube, die meisten Gesellschaften, Sozialkreise, wurden aus Ă€hnlichen Verhaltensweisen und Interessen heraus geformt.â
âAber?â
âInnerhalb dieser Gesellschaften haben sich Normen festgefahren, oftmals, aber nicht ausschlieĂlich an eine Religion gebunden, die es erheblich erschweren, sich mit anderen Sippen zu vermischen. Genauso fĂ€llt es einem Individuum schwer, das aus der Reihe fĂ€llt... seine Verhaltensweisen werden kritisch betrachtet und in den schlimmsten FĂ€llen werden die AutoritĂ€ten der jeweiligen Sippe versuchen, es zurechtzustutzen.â
âHabt ihr deshalb Schwierigkeiten, fremde Kulturen zu akzeptieren?â
âLeider, ja. Ich hoffe aber, das die Globalisierung einiges daran Ă€ndern wird. Ich wĂŒrde gerne viele verschiedene Kulturen kennenlernen und aus jeder von ihnen etwas mitnehmen. Ich will ein WeltbĂŒrger sein.â
âWissen, lieber WeltbĂŒrger, wĂŒrdest du es ĂŒber die Liebe stellen?â
âIch persönlich?â Was fĂŒr eine unsinnige Frage... die Auswahlmöglichkeiten sind beide so umfassend, dass ich keines auslassen will.
âMĂŒsste ich mein Wissen aufgeben, um Liebe zu erfahren?â, setze ich dazu, denn seine Fragestellung ist mir nicht konkret genug.
âDas musst du dich selbst fragen... Tiere messen sich nicht in solchen Belangen. Wir haben Instinkte und Triebeâ, erklĂ€rt er. Doch er kann unmöglich sich selbst meinen, er besitzt einiges an Wissen.
âIch glaube, man kann Liebe zum Wissen haben. Liebe zur Kunst und zur Musik, Liebe zum Leben... und durch diese GefĂŒhle einiges an Wissen erlangen. Die Liebe ist eine Wissenschaft wie jede andere und wer sie nicht als solche akzeptiert, verbleibt nun mal dumm. Und ohne Liebe zur Wissenschaft und dem Erlangen von Wissen... wĂŒrde man nicht schlauer. Also funktioniert es gar nicht, die beiden zu trennen.â
âYin und Yang stehen fĂŒr das Gleichgewicht in der Welt. Hast du von dieser Theorie des Daoismus gehört?â
âNatĂŒrlich. Das Gute enthĂ€lt Böses und das Böse enthĂ€lt Gutes. Gemeinsam wiegen sie einander ausâ, antworte ich. Die These finde ich interessant, weil sie jedem Wesen unserer Erde eine gewisse Dialektik schenkt. Sie passt auch zu dem Sprichwort, das jede Medaille zwei Seiten hat.
âStimmst du dem zu?â So weit bin ich nie gekommen... stimme ich dem zu?
âJa. Es liegt in der Beschaffenheit jeder Handlung, jeden Gedankens, dass alles Gute auch schlechte, negative Effekte hat. Das lĂ€sst sich allein schon mit der menschlichen Geschichte beweisen. Die französische Revolution zum Beispiel, sie war ein Weckruf fĂŒr alle schlummernden, demokratisch und liberal gesinnten KrĂ€fte. Gleichzeitig hatte sie einen radikalen Diktatorenstaat und Napoleon als Bezwinger Europas zur Folge.â Ăhnliche Thesen wurden schon oft in der Philosophie aufgestellt und sie bieten eine Reflexionsmöglichkeit der Geschichte, die wir so nicht hĂ€tten, wenn wir von linearen Folgeereignissen, statt KrĂ€ften und GegenkrĂ€ften sprechen wĂŒrden. Jedes Extremum weckt das genaue Gegenteil in Ă€hnliche Handlungsbereitschaft.
âZeit. Das ist mein letzter Punktâ, seufzt der Uhu resigniert. âDu hattest eine Liste? Die ganze Zeit ĂŒber?â, frage ich belustigt. Er schuhut nur und schlĂ€gt die Lider nieder. âAlso hast du auf den nĂ€chstbesten Wanderer gewartet, um ihm deine Fragen und Behauptungen entgegenzuwerfen?â, forsche ich nach. Er spielt beschĂ€ftigt, indem er eine Feder aus seinem Daunenkleid rupft und sie langsam zu Boden gleiten lĂ€sst. âEigentlich habe ich auf den nĂ€chsten Denker gehofft, denn, wie du sicherlich weiĂt, bedeutet Existenz nicht gleich Ideenreichtum. Du hast mir das 'A' gegeben.â
Ich spĂŒre, wie meine Wangen heiĂ werden, sicherlich bin ich puterrot.
âKannst du mir die Zeit erklĂ€ren, ehe sie vergeht?â, fragt er hoffnungsvoll.
âWie soll ich das schaffen? Zeit ist... sie ist nicht wirklich da.â Eigentlich verhĂ€lt es sich mit ihr, wie mit der Mathematik... ein Konstrukt der Menschen, das das Individuum bei weitem ĂŒberragt.
âZeit ist kostbar. Aber woher kommt diese Wertigkeit?â
âZeit ist... der Mensch hat sie erschaffen, um  das zu definieren, was er gerne unbegrenzt hĂ€tte. Manche glauben Zeit sei ein langer Streifen, eine StraĂe, an der wir uns entlang bewegen. Aber das denke ich nicht. Ich denke, Zeit ist eine groĂe Kugel, die all das, was seit der Entstehung des Universums bis zum Untergang des Universums passiert, umfasst. Und innerhalb dieser Kugel sind viele Ereignisse, wie Punkte, die sich miteinander verknĂŒpfen lassen. Und gegen Ende des Universums wird jeder Fleck der Kugel, jeder Moment, ausgefĂŒllt sein. Und es ergibt sich das bunte Bild einer Murmel, mit unendlich vielen Farben.â
âWas geschieht mit der Murmel?â, schieĂt es aus dem Uhu heraus. Kommt es nur mir so vor, oder dematerialisiert er sich vor meinen Augen? Werden die roten Augen blasser?
âJemand nimmt sie und legt sie zu all den anderen Murmeln.â
Dann löst sich alles auf. Die BlĂ€tter fallen von den BĂ€umen, die Rinde pellt sich von ihren StĂ€mmen, der Boden bröckelt unter meinen FĂŒĂen weg und der Uhu geht in tausend lose Federn auf. Ich verliere alles GefĂŒhl fĂŒr meine Umgebung und schlieĂlich verliere ich mich selbst.
âDiese hier ist fertig. Sie haben die Lösung, es war ein kleines MĂ€dchenâ, murrt Nimong, als er die kleine, einst transparente Kugel aus ihrer Halterung nimmt. âWo ist das Glas?â, fragt er. Und lĂ€sst seinen Blick einmal  durch den ganzen Raum schweifen. Goldene Staubsprenkel tanzen durch Sonnenstrahlen und setzen sich auf das alte, verwitterte Holzmobiliar und die feinen, silbernen GerĂ€tschaften. Jelta blickt auf und deutet auf ein groĂes Glas, das auf der Fensterbank steht und fast bis zum Rand mit bunten Glaskugeln angefĂŒllt ist. Auf dem Glas ist eine krakelige Aufschrift 'Paralleluniversen â Modell 5315'. Nimong steht auf und schlurft herĂŒber, vorsichtig legt er diese Murmel zu den anderen. âEine machen wir noch. Dann ist das Glas voll und wir können das Projekt ad acta legen. Modell 5316 wird hoffentlich interessanter.â Er begibt sich zurĂŒck an seinen Platz und legt eine kleine Glaskugel in die Vorrichtung. Mit einem Schnaufen beugt er sich darĂŒber und sieht durch die Lupe dabei zu, wie der Urknall sich ein abertausendstes Mal ereignet.
Will all great Neptune's ocean wash this blood clean from my hand? No, this my hand will rather multitudinous seas incarnadine, making the green one red.
Macbeth in William Shakespeareâs âMacbethâ
As opposed to Vera...
I can wash my hands in water afterwards, I can wash my hands in water afterwards. Come, I shall save Russia, I have sworn it.
Vera, in Oscar Wildeâs âVeraâ
One of the sentences that strikes me as a peculiar passage from the drama and underlines how interesting it should be to compare âVeraâ to âMacbethâ by William Shakespeare.
Plastikgabel II
Zerbrochen, schade. Aber gar kein Problem, wir haben Klebstreifen. Oder noch besser, wir kaufen eine neue! Zusammen geht das besser, jetzt wo wir Erfahrung haben. Im PlastikgabelfachgeschĂ€ft wird sicherlich was zu finden sein. Ach du willst nicht? Du hast eine neue gefunden? Nun ja, dann muss ich wohl allein losziehen. Ist aber auch nicht schlimm, Plastik hinterlĂ€sst schlieĂlich keine Narben. Vor allem dann, wenn alles Einbildung ist. Ein Gedicht, das vage Bezug auf die Kurzgeschichte nimmt, die ich hier vor einiger Zeit veröffentlicht habe. Richtet sich an die gleiche Person, wenige Wochen nach dem Verfassen der Kurzgeschichte, die aus meiner Sicht wesentlich besser ist, als dieses... Gedicht.
Freitag
Freitags traf ein Schwerenöter auf einen Geistlichen und sagte âHo!â, sagte er. Der Geistliche zuckte, weil nur die Gewohnheit von ihm verlangte, dies nicht zu tun.
âGrĂŒĂ Gottâ, sprach er dann und senkte den Kopf und das Niveau, sodass sie einander begegnen konnten.
âFreitagâ, antwortete der Schwerenöter und lĂ€chelte, als hĂ€tte er es nicht schwer nötig, oder aber das BedĂŒrfnis vor wenigen Minuten gestillt. Ja, da streunt ein Weib aus der Ecke.
âFreitag ist der Tag der fleischlichen GelĂŒsteâ, fĂŒgte er an und zog eine Flasche aus der Tasche. Der Geistliche zuckte, weil die Gewohnheit noch nicht eingekehrt war.
âIch wĂŒrde sagen, der fischigen GenĂŒsseâ, entgegnete er zögerlich und der Schwerenöter lachte feierlich.
âWenn sie sich nicht wĂ€scht, so ist es eine fischige Angelegenheit!â Der Geistliche wusste nicht, wie ihm war und blickte auf die StraĂe. Es schneite Freitagsschnee, aber der Boden war sonntagswarm und die Flocken schmolzen, sobald sie auf den schwarzen Asphalt trafen. Wie Sterne, die explodieren und Dunkelheit zurĂŒcklassen. Der Geistliche war sehr stolz auf den Vergleich und fasste neuen Mut, dem Schwerenöter ins Gesicht zu blicken.
Jener hatte es wieder schwer nötig.
âWas tust du fĂŒr deine Seele?â, fragte der Geistliche dann, denn auf Seelen verstand er sich. Der andere zuckte (die Schultern), was die Gewohnheit von ihm verlangte, da er sich in einem stĂ€ndigen Zustand des Egalfindens befand.
âDie Seele ist wichtig.â
Der Schwerenöter schĂŒttelte den Kopf.
âDie Seele ist nur der Inbegriff der Illusion, dass unser Leben nicht aus fleischlichen GelĂŒsten besteht. Es freud mich nicht sehr, dass ihr das nicht wisst.â
Selbst wenn er die Antwort gelesen hĂ€tte, der Geistliche hĂ€tte den Witz nicht verstanden. Er fand selten wenig witzig und wenn, dann war es von solcher Nichtigkeit, dass er erst Stunden spĂ€ter, wenn er allein war, darĂŒber lachte.
Der Schwerenöter lachte sehr und klopfte dem Geistlichen auf die Schulter.
âAch so ein Freitag, nicht wahr?â
âJa, ich glaube schon.â
Das war mal fĂŒr nen Wettbewerb gedacht... dieser Moment, wenn die Jury einfach keinen Geschmack hat. Meh.
Plainly beautiful.
Blauperlbronn
Blasse StrÀhne der Nacht fÀllt,
ĂŒber das gebrochene Silberlicht
der DĂ€mm'rung, als sie die Sonne hinab jagt.
Und von mitternachtfarbenen Spindeln,
LĂŒg' und Wahrheit des Tags erzĂ€hlt,
werden in den Teppich gewoben, der Leben genannt
Weisheit blÀst das Horn, den Tag auszurufen
und die Melodie tanzt weiter ĂŒber atmend Land und Meer.
Schwerer Brust hÀlt der Wandrer seinen Pfad
durch und durch den gelben Herbstwald.
Wie es ihn dĂŒrstet, das alte Athen zu treffen,
ehe er als Glocke endet,
leicht schwingend von den Ăsten eines
groĂen Hirschs Geweih.
Doch der Lichtung Licht ist weit,
vom dunkelsten Dickicht, das er kennt.
Nachtingtal, ein Ort genannt Heimat,
von denen die vergessen scheinen
und verloren auf der immerwÀhrenden Suche
nach Liebe.
Trost finden sie im sĂŒĂen Geschmack,
geschenkt von Ambrosia
und dem wohlklingenden Gesang der Zweige,
die unter des Wandrers FĂŒĂen brechen.
TĂŒrkise Fichten neiden eifersĂŒchtig,
greifen weit mit bitteren Krallen,
das goldene Kleid, das fiel, aufzuklauben,
vom stillen, zungengebundenen Boden.
'Stirb durch Trauer' summt der Blonde,
liegt unter einer Eiche,
tauscht das Leben fĂŒr die Kunst,
sich selbst zu vergeben.
Und das MĂ€dchen kniet beiseiten,
wĂŒnscht sich nur zu sehen,
wo der Fehler ist, im Leben
so zu leben wie's gefÀllt.
Zu dem Text gab es einst eine Melodie, doch ich haber vergessen, wie man sie singt.
I once wrote a poem
Only once I wrote a poem
it was nice and sweet
dedicated to the one I wished
at last to meet.
When I last thought of him,
I felt betrayed and bitter,
thinking of his face
made me laugh and titter
Why is my head,
once sharp and clear,
so befuddled and dazzled,
when the lad comes near?
I tried holding my breath,
stomping my feet,
dancing and walking on my hands,
but never did I get, what I need.
Now I am sitting,
alone yet again,
waiting for rescue,
but waiting in vain.
There is no knight,
except for this one,
that can relish the pain
and have my heart won.
'Til he will appear,
shining armor and all,
I will sit writing,
as a poet I'll bawl.
This poemâs about the same guy I wrote âTempleâ about... or so I think. Iâm not sure.
Tell me one thing
It lately overcame me,
a feeling of being a lot smaller,
than I used to feel beside you.
When the day was done and
night fell over the heatherfields,
I used to think of you - as my closest soul on earth.
Now you still dominate my dreams,
but you seem to have grown,
into the distance, far, far over me.
We were like carterpillars,
small and soft and never full,
but you turned into a butterfly, I into a moth.
I sometimes ponder,
are you really the person I knew,
or have we woken from different dreams?
You dance with the birds,
hunt your own kind,
I feel like scum, who has betrayed whom?
Why is it butterflies that children draw,
they are false and wrong.
Or are they just to me?
Tell me one thing.
Have you just grown out of childhood memories,
or have I shrinked to be the shadow of reminiscence?
Sind irgendwie doch mehr Gedichte, als ich gedacht hÀtte... naja.