Randnotizen (und das Schreiben von Geschichten)
Beim Schreiben lässt sich schwer ignorieren, was doch immer wieder geschieht: Randnotizen. Kleine, hingekritzelte Gedankenschnipsel, die doch einen Teil des verworrenen Puzzles lösen, das die rohe Geschichte anfangs noch darstellt. Eine Randnotiz büßt selten an Bedeutsamkeit ein - sogar, wenn sie länger keinerlei Beachtung findet. Aber sie ist da und wartet.
Randnotizen warten darauf, dass ein kleiner, scheinbar unwichtiger Aspekt vergessen und vernachlässigt worden ist. Darauf, dass die geschriebenen Sätze der Prüfung standhalten. Darauf, dass sich der oder die Autor:in fragt: Hatte der Charakter nun blaue oder braune Augen? Blondes oder schwarzes Haar? Wie war das nochmal? Dann schlägt die Stunde der unbekümmerten, bisweilen etwas naiv wirkenden Randnotizen.
Fein säuberlich aufgereiht, eine Notiz nach der anderen, warten sie geduldig auf den Tag, dass das Rampenlicht sie streift. Fast einer Liebkosung gleich, ist es sofort wieder fort - ein flüchtiger Schein bloß, ein kurzer Moment. Doch er genügt, um das Gesamtwerk zu erhellen, von innen heraus strahlen zu lassen, und den Randnotizen ihre Berechtigung zu verleihen.


















