Bald sind alle Papiere zusammen. Dann kommen beide auf ihre Kosten. Sie „tritt Deutschland in den Arsch“, er darf dann im getretenen Deutschland unkompliziert bleiben: „Mann und Frau, bis der Tod uns scheidet“, sagt Maria und lacht. Rachid versteht noch nicht so gut Deutsch, lacht dennoch mit. Die beiden haben sich auf einer Soliparty kennengelernt, so eine wie diese hier. Er ist vor einigen Monaten aus einem arabischen Land geflüchtet. Die Route über Lampedusa und Italien hat ihn nach Deutschland geführt.
Maria ist überzeugte „linke Aktivistin“. Sie gibt an, keine Obrigkeiten zu mögen. „Ich heirate Rachid zum Schein“, das sei das normalste der Welt betont sie. Denn sie ist nicht die einzige unter ihren Freunden, die jemanden heiratet „zum Zwecke der Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis“.
„Wenn der Staat nicht will, dass diese Menschen hier bleiben, dann tricksen wir den Staat mit seiner heiligen Ehe halt aus“, sagt Maria. Rachid schweigt lange während sie spricht. Er ist weder ein politischer Asylbewerber, noch lebte er in schlimmer Armut in seinem Land. Er träumte simpel von einem besseren Leben in Europa, hat es aber – wie er später zugeben wird – nicht gefunden. „Ich habe mich durchgeschlagen, nun habe ich mir etwas organisiert, dann kann ich bald wieder reisen“, sagt er. Beide wirken erleichtern. Es ist eine Win-Win-Konstellation. Fast so gut wie wahre Liebe.
„Es wird etwas anstrengend die Behörden davon zu überzeugen, dass es doch keine Scheinehe ist“, erzählt Maria von den Erfahrungen eines Bekannten, der eine eingetragene Partnerschaft mit einem Südamerikaner abgeschlossen habe, obwohl er nicht schwul sei. Die Behörden haben das nie herausgefunden. „Dummes Amt“. Das mache sie jetzt auch so: „Gegen den Staat. Für die Subalternen“, heißt der Trinkspruch zum Pfeffi.