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Aus Überforderung wird Aggression.
Aus Aggression wird Angst.
Und immer dabei, der Hass auf mich selbst.
Und irgendwann bist du wieder soweit, dass jede Kleinigkeit deine Welt zusammenstürzen lässt.
Ich werde es nicht schaffen.
Egal, was ich jetzt mache.
Ich kann mich schneiden, ich kann rauchen, saufen, um mich schlagen.
Mich wehren.
Und im Nachhinein erst verstehen, dass das alles noch schlimmer gemacht hat.
Ich werde die Schule nicht schaffen.
Nicht, weil ich dumm wäre.
Oder weil ich nicht motiviert genug wäre.
Sondern weil meine Psyche nicht mitmacht.
Weil ich jetzt am Boden bin.
Das ist doch lächerlich.
Ich werde es nicht schaffen.
Und die Worte, die ich mir an den Kopf werfe tun weh.
...aber ich muss es versuchen...
Ich habe nichts anderes in diesem Leben.
Wer bin ich? Während ich darüber nachdenke, fällt mein Blick auf die Klinge...auf das Blut...auf die Wunde an meinem Arm. Wer bin ich? Die Frage wiederholt sich, immer wieder und immer wieder. Aber die Antwort fällt mir nicht ein. Da fährt die Klinge ein zweites Mal den Arm entlang, ein kleiner Schnitt. Wer bin ich? Voll Verachtung lasse ich die Klinge fallen, sie fällt und fällt...ich bleibe stehen. Im Spiegel blickt ein Fremder auf mich, mit dunklen Augen, hasserfüllt. Wer bin ich? Ich schließe die Augen, atme ein, atme aus. Spüre die Luft in meinen Lungen, den schnellen Schlag meines Herzens, die Kälte, den Schmerz, die Angst. Wer bin ich? Ich blicke wieder auf, starre in den Spiegel. Ich schrecke auf...ich blicke in meine eigenen verzweifelten Augen. Wie konnte ich nur bezweifeln, dass ich das bin? Wer bin ich? Ich bin die Person im Spiegel, die mich mit Tränen in den Augen dabei beobachtet, wie ich das Blut aufwische. Ich bin die Person, die es verzweifeln lässt, bei dem Gedanken daran, was sie getan hat. Ich bin die Person, die den Schmerz bracht um wieder zu wissen, wer sie ist. Ich bin die Person, die mir selbst zu manchen Zeiten fremd geworden ist. Ich bin die Person, die ihrem Spiegelbild nicht mehr in die Augen blicken kann...
Mein Kopf schreit danach.
Mein Körper verlangt danach.
Aber ich habe es versprochen.
Ich habe es ihm versprochen.
Dass ich stark bleibe.
Aber war ich jemals stark?
Was würdest du jetzt am liebsten machen? - Ich würde gerne weinen können... Dann weine. - Ich kann nicht. Warum nicht? - In dem Moment, in dem meine Augen zu tränen beginnen, falle ich in die Tiefe, in die Taubheit, in den Zustand, der mich vor der Trauer beschützt... Und das tut weh. Und es tut weh, dass meine Augen wieder trocken werden und sich in mir diese unglaubliche Einsamkeit ausbreitet. Und dann kommt dieser innere Druck...
Ich weiß, ich soll 18 Jahre alt sein und erwachsen und vernünftig und verantwortungsbewusst und ich soll mein Leben in den Griff bekommen und soll niemanden verletzen oder enttäuschen und soll glücklich sein. Aber ich kann das einfach nicht. Ich wollte nie Verantwortung haben. Ich wollte nie um mein Leben kämpfen müssen. Ich wollte nie Versprechen geben müssen und hoffen müssen und vertrauen müssen. Ich wollte feig sein und mich aus dem Leben schleichen. Ich wollte klein sein und mich durchschummeln. Ich wollte taub sein und vergessen. Und jetzt lebe ich. Und jetzt ist es zu spät, um umzudrehen, weil ich mich fürs Leben entschieden habe. Auch wenn ich die Entscheidung oft bereue. Irgendwie. Ich war noch nie stark. Ihr habt nur erwartet, dass ich stark bin. Aber ich kann nicht mehr.