Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald. Dort war es finster und auch so bitterkalt, es hatte, um genau zu sein, -22 Grad diesen Winter, ein weiteres Anzeichen für die menschgemachte Klimakrise. Und obwohl Hänsels und Gretels Eltern diese nicht leugneten, taten sie doch nichts, um sie zu verhindern. Den Eltern ging es gut mit ihrem eigenen 180 Quadratmeterhaus und den drei Autos. Als aber ein Gesetz erlassen wurde, das weniger CO2-Produktion in den Haushalten vorschrieb, entschieden sich die Eltern dazu, lieber ihre Kinder als eines der Autos oder etwas Wohnfläche zu opfern. Immerhin hatten sie ja ihre eigene Jugend dem größten Arbeitgeber in der Regio geopfert. Warum also nun auf den Lohn verzichten? Dann doch lieber die eigenen Kinder in eine tödliche Zukunft entsenden, als auf die motorradgewordene Midlifecrisis von Vaddern zu verzichten. Hänsel und Gretel kamen nach einiger Zeit im Wald an ein Häuschen, ganz aus Pfefferkuchen. Weil sie aber normale Kinder waren und Pfefferkuchen wie Anus schmeckt (nicht sexy gemeint), gingen sie sehr unberührt weiter. Nach einer Weile sahen sie ein weiteres Haus im Wald, das komplett aus Scheiße war. Das fanden sie lustig, sie zeigten darauf, aber sie kämen nie auf die Idee das zu essen. Sie gingen also weiter und schließlich erblickten sie auf einer Lichtung ein drittes Haus. Dieses war ganz aus gebratenen Nudeln. Und da Hänsel und Gretel hungrig waren, begannen sie frech daran zu knabbern. Doch kaum hatten sich die gierigen Zähne in den vertrockneten Teig gebohrt, hörten sie schon eine Stimme: “Pluster-Fluster-Schwubel, wer knabbert an mein Nudel??” Anfangs hatten die beiden Angst. Doch schnell stellte sich der Nudelhausbesitzer als freundlich heraus. Er hatte bloß ein Faible für Nudelarchitektur. Alles im Haus war aus Nudeln. “Es ist klein, es ist aus Nudeln, aber es ist meins.”, pflegte er zu sagen. Bei einer Schüssel Nudeln mit Nudelbeilage (wobei die Schüssel und das Besteck natürlich auch aus Nudeln bestanden), erzählten Hänsel und Gretel schließlich ihre Geschichte, berichteten von ihren Eltern und der Klimakrise. “Heilige Tortellini!”, rief der Nudelfreund aus, “nein, so kann das nicht weitergehen!” Und ruckzuck baute er aus Nudeln ein Einhorn mit Düsenantrieb und Lenkraketen. Die Kinder und er schwangen sich auf, flogen davon, zerbombten den Kapitalismus, enteigneten Firmen, retteten das Klima und aßen bis zu ihrem Lebensende lecker lecker Nudeln. Guten Hunger!