Smend gebrauchte in seiner Theorie häufig die Ausdrücke „Wert", ,,Sys tem", ,,Integration", deren Komposita (,,Wertsystem", ,,Integrationssys tem", ,,Integrationswert") und „Struktur". An diesen staatsrechtlichen Begriffen fällt der hohe Abstraktionsgrad, die Inhaltsarmut und die starke Kontextabhängigkeit auf. Diese Begriffe figurieren in einer Liste der Plastikwörter, die Uwe Pörksen 1988 in seiner Monographie „Plastikwör ter: Die Sprache einer internationalen Diktatur" entwickelt hatte. Plastik wörter (linguistisch: konnotative Stereotypen) sind dehnbar und erst der Kontext bestimmt ihren Inhalt. Man könnte sie deshalb auch als Amö benwörter23 bezeichnen. Smends Integrationslehre ist ein Musterbeispiel für die vielseitige Verwendbarkeit der Plastikwörter. Smends Lehre ist in jeder Staatsform anwendbar und passt sich jeder Herrschaft an. Die Ab straktheit der Plastikwörter verschafft ihnen einen umfassenden Anwen dungsbereich und hat eine verdeckte Herrschaftsfunktion. Das Plastik wort hierarchisiert die Sprache und etabliert die Elite der Experten, in de ren Hand es als ein flexibles Instrument dient24. Pörksen führt eine Liste von etwa vierzig Plastikwörtern. Daraus seien als weitere Beispiele her vorgehoben: Beziehung, Energie, Entscheidung (Dezision), Entwicklung, Faktor, Identität, Information, Kommunikation, Projekt, Prozess, Res source oder Strategie25.
Die Plastikwörter entfalten ihre Wirkung einerseits in der Wissenschafts sprache, bahnen sich aber anderseits ungehindert und unbemerkt ihren Weg in die Alltagssprache26. Sie „verwissenschaftlichen" den Tonfall und wirken autoritativ. ,,Sie sind [...] überall gegenwärtig: in den Reden der Politiker wie am Reissbrett der Stadtplaner, auf Akademie-Tagungen, in der immer selbstständigeren Zwischenwelt der Medien"27. Diese Wör ter sind universal einsetzbar, erscheinen griffig und der Schlüssel zu vie len Wirklichkeitsfeldern. Die amorphen Plastikwörter dienen der Regie rung und der Verwaltung des Interventions- und Sozialstaats, der Wissen schaft und der Wirtschaft als legitimatorischer Hebel. Die Smend'schen Plastikwörter haben sich in der deutschsprachigen Staatsrechtslehre festgesetzt.