15.01.2026
1 seltsames Problem
Höchst bemerkenswert sind die Fortschritte, die in letzter Zeit Speech-to-text-Algorithmen gemacht haben. Und zwar auch die, die in gängigen Smartphone-Applikationen standardmäßig verfügbar sind. Vor wenigen Jahren brauchte man noch kostenpflichtige Software, um halbwegs fehlerfreie Transkripte zu bekommen. Inzwischen muss man nur in sein Handy sprechen und bekommt Verschriftlichungen, in denen sogar die Interpunktion meist stimmt.
Auch in der Videoerstellungssoftware, die in der TikTok-App mitgeliefert wird, ist so eine Speech-to-text-Funktion verfügbar. Die kann man nutzen, um für Videos automatisch Untertitel zu generieren. Das begann vor ein paar Jahren als nutzerseitiges Feature, das man (wie bei YouTube oder früher schon über Videotext) ein- und ausschalten konnte. Das geht immer noch, aber inzwischen bauen die meisten, die Videos produzieren, die Untertitel direkt in die Videos ein. Dann können auch die, die im ÖV oder in der Vorlesung oder so TikToks ohne Ton schauen, verstehen, worum es in den Videos geht.
Ich wundere mich bei meinen eigenen Videoproduktionen immer wieder, wie gut diese vollautomatisierten Untertitel inzwischen sind. Das zeitliche Alignment ist auf das Wort genau nahezu perfekt, von kleinen Problemen bei sehr seltenen Fachbegriffen abgesehen funktioniert die Verschriftlichung oft fehlerfrei und sogar Sprachenwechsel werden erkannt. Nur mit dem unbestimmten Artikel im Nominativ Singular Maskulinum hat TikTok 1 Problem.
Aus mir völlig rätselhaften Gründen wird das Wörtchen „ein“ konsequent als „1“ transkribiert – aber eben nur dieses Wort. Mit dem Akkusativ „einen“ oder dem weiblichen Artikel „eine“ kommt der Algorithmus klar. Mit der abgetrennten Verbpartikel wie in „ich schlaf gleich ein“ wiederum nicht, denn das wird als „ich schlaf gleich 1“ transkribiert.
Ob das eine Reminiszenz an das 2016er-Meme „Was ist das für 1 Life“ ist? Ich kann das nicht so recht glauben.
(Simon Meier-Vieracker)














