10. Dezember 2017
Besser reisen mit Schaltschrankschlüssel
Vor zwei Jahren fand ich dieses Ding als Beigabe einer Kunststoff-Fachzeitschrift als Demonstration für Spritzguss. Ich postete ein albernes Foto auf instagram, zu dem jemand kommentierte, damit könne man Zugabteile aufschließen. Seither wohnt es in meiner Alltagstasche.
Heute muss ich auf einer Bahnfahrt von Basel nach München in Karlsruhe wegen einer Verspätung sehr hektisch umsteigen. Ich erwische den IC-Anschlusszug, doch er ist überfüllt und ich kämpfe mich auf der Suche nach meinem reservierten Sitz durch mehrere Waggons und damit durch Menschen und Gepäck. Ergebnis: Der Wagon 11 mit meiner Reservierung existiert nicht. Das stelle ich im letzten Wagen vor der Lokomotive fest, als ich vor einem leeren, verschlossenen Abteil stehe.
Engelschöre ertönen, als ich in meine Tasche greife, das grüne Teil heraushole, mich damit recke und das Abteil aufschließe. Ich mache es mir gemütlich, ebenso eine Dame, die sich direkt hinter mir durchgekämpft hatte und nun ebenfalls von dem zusätzlichen Abteil profitiert (und für meinen Geschmack deutlich zu wenig beeindruckt von meinem Aufschließen ist).
Warum das Abteil verschlossen war, finde ich etwa 20 Minuten später heraus: Der Schaffner nähert sich mit einem Fahrrad-schiebenden Passagier, das Abteil war für Fahrradtransport vorgesehen („Ich verstehe gar nicht, wieso das offen ist.“). Macht nichts, Herr Schaffner findet uns beiden einen Platz nebenan, und Murphy hatte halt recht: If nobody uses it, there‘s a reason.
In der Techniktagebuch-Redaktion erfahre ich zum einen, dass das Ding Schaltschrankschlüssel heißt, dass es auch in Flugzeugen Anwendungsmöglichkeiten findet und dass die Community der Schaltschrankschlüssel-Einsetzer vielleicht nicht zur angenehmsten Zeiterscheinung zählt.
(die Kaltmamsell)

















