"Behutsam fuhr er mit seinem Reißbrett über die Wand, als striegele er ein großes Tier. Er lauschte dem Geräusch, er fühlte die nasse graue Haut aus glänzender Masse und beobachtete sie: das Öffnen und Schließen der Poren, feinste Verschiebungen, Bläschen, satte, seidige oder stumpfe Stellen, dazwischen winzige Körner von Kies. Das war eine Schrift, gut lesbar. Ununterbrochen wühlten sich Asseln, die in den Fugen des Gemäuers hausten, durch den frischen Verputz. Carl rieb sie mit einem leichten Schwung zurück in den Mörtel. Er musste schnell und umsichtig sein dabei, denn oft fraßen sich vier, fünf Tierchen zugleich ins Freie: 'Ihr müsst jetzt versteinern, kleine Freunde, in zehntausend Jahren wird man euch finden, und dann ...'" (Stern 111, Lutz Seiler, S. 140)