Billy´s Balloon von Don Hertzfeldt
Wenn ein roter Luftballon die Macht über dich hat und nicht nur für dich sondern für alle zur Gefahr wird. Wenn man an einen Luftballon denkt, fallen einem die Begriffe „Freiheit, Spaß, Unabhängigkeit, Farben und Freude“ ein – doch in dem Kurzfilm „Billy´s Ballon“ wird ziemlich schnell aufgezeigt, dass dies nicht immer der Fall ist. Ein Luftballon übt Macht an einem Kind aus, wie eine Art autoritärer Zwang, völlig hilflos scheint das Kind zu sein – gefangen in den Zwängen eines roten Luftballons. Kaum vorstellbar, doch Don Hertzfeldt der Regisseur des animierten Kurzfilms versucht mit einem schwarz-weißen Hintergrund, einem einfachen Strichmännchen und einem roten Luftballon zu suggerieren, wie leicht nicht nur Kinder, sondern auch Menschen im Alltag zu manipulieren sind.
Das Strichmännchen stellt ein Kind dar, welches mit einem normalen Luftballon da sitzt und durch den minimalistischen gezeichneten Gesichtsausdruck – große Augen, keine Nase und ein Strich als Mund – alle Emotionen des Menschen darstellt. Besonders mit dem Mund schafft es Hertzfeldt das Leiden, die Freude aber auch die Angst des kleinen und hilflosen Kindes aufzuzeigen.
Das Strichmännchen sitzt auf einer Wiese und wird von einem roten Luftballon in Gewahrsam genommen, geschlagen und erniedrigt. Die Frage, die sich die Zuschauer am Anfang stellen ist „Weshalb?“. Doch diese Frage bleibt bis zum Schluss des Kurzfilms Billy´s Ballon offen. Was anfangs von vielen als lustig empfunden wird, entpuppt sich später als ein Spiel des Nachdenkens, gar eine Art Fragestellung an die Realität.
Die Geräusche im Hintergrund sind nicht wie zu erwarten eine Musik, sondern eine Aneinanderreihung von Geräuschen mit denen Hertzfeldt voll ins Schwarze trifft. Geräusche aus der Realität – Vogelgezwitscher, dumpfes Luftballongeräusch beim Schlagen, Rauschen wie in einem Park, hallende Menschenstimmen am Ende des Films... Der Luftballon übernimmt die Rolle einer autoritären Person und schlägt das Kind und lässt es aus der Luft fallen. Der rote Ballon kennt kein Ende. Das Kind liegt auf dem Boden, wie ein Sack, ein Häufchen Elend oder einfach ein Nichts. Man hat das Gefühl, das Kind wird zum Gegenstand und der Luftballon zum Menschen.
Im Mittelteil des Kurzfilms scheint es fast so als gäbe es ein gutes Ende. Ein kurzer Lichtblick für Billy als er in der Luft ein zweites Strichmännchen bzw. ein Strichmädchen in der Gefangenschaft eines gelben Luftballons sieht, mit einem Lachen im Gesicht winken sich die beiden zu. Es kommt ein Gefühl von Liebe, Vertrautheit und sogar ein kleines bisschen Hoffnung auf. Keine Chance auf Veränderung, keine Antwort auf das „Wieso“? Dem Zuschauer bleibt einerseits die Bedeutung des Filmes offen, andererseits wird mit Hilfe von Zeichentrickfiguren eine ziemlich realitätsgetreue Darstellung von Schuld, Zerstörung, Machtdemonstration, Misshandlung und Krieg initiiert. Jeder weiß in diesem Kurzfilm, dass das Ganze mit einem einzigen Nadelstich beendet werden könnte. Aber genau deshalb wird Billy als Kind dargestellt, um zu zeigen, dass er einer höheren Macht ausgeliefert ist.
In der Schlussszene wird gezeigt, dass nicht nur Billy mit seinem roten Ballon zu kämpfen hat, sondern, dass ganz viele Kinder/Menschen von Luftballons unterdrückt und misshandelt werden. Vergleichbar mit einer Schlacht oder wohl eher Krieg, indem die Ballons die Oberhand besitzen.
Alles ohne Worte. Für den Zuschauer bleibt offen, ob es mit Selbstzweifel oder Machtdemonstration der Menschen zu tun hat, ob Manipulation oder Zwänge im Spiel sind. Klar jedoch ist, dass der Kurzfilm zum Nachdenken anregen soll und Don Hertzfeldt trotz der Einfachheit des Filmes emotionale Spuren beim Zuschauer hinterlässt.
Am Ende muss man erschrocken feststellen, dass einem sogar die vermeintlich harmlosesten Dinge wie ein Luftballon, zum Verhängnis werden können.