Wie ich in Berlin einen Reisepass dringend brauchte und auch sofort einen beantragen konnte
Ich will beruflich für ein paar Tage nach Russland. Den Visumantrag kann man hier online ausfüllen, was einigermaßen einfach geht, man kann auch bequem zwischenspeichern und später weitermachen. Verwirrend ist allenfalls die Doppelstruktur aus Russischer Botschaft auf der einen und VFS Global, einem Dienstleister für Visumsfragen für Dutzende Staaten, auf der anderen Seite. Und dass beim Googeln nach den wichtigsten Begriffen diverse Webseiten von privaten und entsprechend teuren Visumsdienstleistern den Kanal verstopfen.
Egal, am 17. Februar ist Abflug. Am 27. Januar (ein Freitag) fahre ich daher in der Mittagspause mit allen Unterlagen in das Visumszentrum in Berlin-Mitte. Dort läuft alles gut, bis mein Pass ins Spiel kommt. Hier ist die letzte Seite seit einiger Zeit halb herausgerissen, deswegen geht er nicht für eine Einreise. Ich brauche einen neuen. Immerhin: Besser sie sagen es mir hier als am Flughafen in Sotschi. Die Frau ist auch sehr freundlich dabei.
Bis zum 3. Februar (der Freitag eine Woche später) muss ich mit allen Unterlagen kommen, sonst wird es nichts mehr. Ich sehe meine Reise platzen: Es ist bekannt, dass Berliner Bürgerämter Termine nur mit einigen Monaten Vorlauf vergeben, ALLE beschweren sich deswegen. Ich schaue direkt im Handy nach, und eine Googlesuche nach “vorläufiger Reisepass” zeigt mir als ersten Treffer die entsprechende Unterseite im Service-Portal Berlin.
Dort wird nicht nur sehr übersichtlich erklärt, was ich für Unterlagen brauche, sondern man kann auch gleich Termine für die Beantragung buchen. Und zwar für spezifische Bürgerämter, für jeweils ganze Bezirke oder auch berlinweit. So kann ich sehen, dass schon am Montag (30.) noch diverse freie Plätze da sind, zwar nur in Bürgerämtern am Stadtrand, aber wer nach Russland will, muss eben auch mal an den Stadtrand fahren. Einzige Ausnahme: das “Bürgeramt 2.0 Ausbildungsbürgeramt Schlesische Str.”.
Weil ich noch ein, zwei andere Termine jonglieren muss, buche ich zur Sicherheit drei verschiedene Termine in zwei Ämtern. Man kriegt dann eine Mail, darin stehen auch Zugangsdaten, wenn man den Termin verschieben oder stornieren will. Am Ende stehe ich tatsächlich am Montag um 9.30 Uhr vor dem Bürgeramt am Zwickauer Damm, einem lächerlichen Flachbau fast an der Grenze zu Brandenburg.
Drinnen kann man keine Wartenummern ziehen, aber ich habe ja meine Terminnummer. Knapp 10 Minuten später bin ich dran und kann (und muss daher, so ist das Gesetz) nun sogar einen echten Reisepass bestellen, der im Expressverfahren angefertigt wird, am Donnerstag (2. Februar) ist er schon fertig. Das mit den Fingerabdrücken und dem biometrischen Foto wurde ja schon hier erklärt. Ich bezahle mit EC-Karte, denn anders geht es nicht, also auch Bargeld wird nicht akzeptiert. Als ich wieder zu Hause bin, storniere ich natürlich die beiden anderen Termine, alles funktioniert sehr einfach.
Einziger Schönheitsfehler: Das grauenvoll hässliche biometrische Foto von mir, das ich eigentlich nur für das Visum hab machen lassen, muss ich nun 10 Jahre lang in meinem Reisepass mit mir herumtragen. Und weil ich jetzt eben einen echten Pass zum Abholen habe und keinen vorläufigen zum direkten Mitnehmen: Ich muss am Freitagmorgen noch mal an den Zwickauer Damm. Wenn man bedenkt, dass die Bundesdruckerei ziemlich genau zwischen mir und der Visastelle liegt und das alles nur wenige Kilometer voneinander entfernt, der Zwickauer Damm hingegen 11 Kilometer in die andere Richtung, ist das ein wenig schade. Aber ich will nicht klagen!
PS: Am Abend des 31. Januar ist kein Termin mehr vor dem 14. Februar buchbar. Ich hatte also vielleicht auch einfach sehr viel Glück.