Dusko Goykovich , Fluegelhorn Roland Kovac, Rhythm & String Set - Super Baby (Wunderhorn) [1977]

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Dusko Goykovich , Fluegelhorn Roland Kovac, Rhythm & String Set - Super Baby (Wunderhorn) [1977]
so voller poesie dieses buch namens kontinentaldrift auch ist, so sehr geht dem einband diese poesie ab... ein im endeffekt nichtssagender einband, der scheinbar absolut verschweigen will, dass man im innern auch verzaubert werden kann. leider wirkt dieser fast wie der deckel für einen behördlichen lagebericht... aber bitte bei diesem buch nicht auf das äußere achten - hier zählen ganz eindeutig die inneren werte!
kontinentaldrift
das schwarze europa
prosa herausgegeben von fiston mwanza mujila
erschienen 2021
im verlag das wunderhorn
isbn: 978-3-88423-658-1
(von tobias bruns)
sie schreiben auf italienisch, schwedisch, englisch, niederländisch, deutsch, französisch oder, oder, oder ... ihre gedichte. es ist an sich nicht erwähnenswert, denn es sind die sprachen der länder, die die dichter und dichterinnen ihr zuhause nennen. sie sind hier zuhause und dennoch haben sie eine weitere kultur, die sie verkörpern - die kultur ihrer mütter und väter, für die die sprache, in der ihre kinder schreiben häufig die sprache der kolonisatoren war. “zwei seelen wohnen, ach!, in meiner brust” heißt es in goethes faust. die zerrissenheit, sich für eine dieser seelen zu entscheiden kann in die verzweiflung führen - doch ist diese entscheidung gar nicht nötig... nichts spricht dagegen, diese zwei seelen in eintracht in einer brust wohnen zu lassen um dann sagen zu können “daß ich erkenne was die welt, im innersten zusammenhält” (goethe, faust 1)... zumindest kann man dies so interpretieren, wenn man sich die werke der verschiedensten poeten in diesem kompendium, die die stimme für “das schwarze europa” darstellen sollen, durchliest.
themen der immigration, der verschiedenen kulturen, die aufeinandertreffen, miteinander einhergehen, von alltäglichem rassismus, politischer probleme hie wie dort, der geschichte, von persönlichkeiten von lumumba bis mandela, aufarbeitung, die dringend nötig zu sein scheint und ist und all das in poesie ...
“und spreche ich vom paradies, spreche ich von meiner großmutter, die mir riet, es stets bei mir zu tragen” (”tragbares paradies”, roger robinson) - wunderschön dieser satz... teil eines der vielen gedichte dieses kompendiums. es geht weiter in robinsons zeilen, denn die großmutter rät noch mehr. “such dir eine lampe und leere dein paradies auf einem tisch aus” übersetzt jonis hartmann das gedicht weiter. dieser satz steht hervorragend für den gesamten band. es werden aspekte beleuchtet, die viele menschen nicht sehen - vor allem, wenn sie nicht auch mehr als eine kultur als zuhause empfinden. kontinentaldrift möchte eine poesie in den blick rücken, die bisher oft nur übergangen oder geflissentlich übersehen wird. man kann sich nur wünschen, dass das konzept aufgeht, denn eines ist sicher: es lohnt sich in jeder hinsicht! verse mit faszinierender ästhetik und noch mehr substanz.
nachtrag: erwähnenswert und sehr positiv ist noch zu erwähnen, dass alle texte nicht nur in deutsch, sondern auch in ihrer jeweiligen originalsprache abgedruckt sind...
“Premonitory, Glissant anticipated the effects of globalization at a time very few people wrote about it. Glissant writes about the violent consequences of globalization which lead to disappearance—a mass extinction—of language, cultural phenomena, handwriting, and species.”
vom dadaismus zum surrealismus
essays von ré soupault
erschienen im verlag das wunderhorn
2018
isbn: 978-3-88423-602-4
(von tobias bruns)
in dieser essaysammlung von ré soupault befinden sich genau zwei essays, und zwar eines aus dem jahr 1968 mit dem titel tristan tzara, begründer des dada und eines aus dem jahr 1974 namens “wir haben uns geirrt: die wahre welt ist nicht, was wir geglaubt haben.” die entstehung des surrealismus. es sind zwei faszinierende essays über zwei kunststile, die vielmehr als nur kunststile, sondern vielmehr eine weltanschauung, ein bruch mit dem gewesenen ist, eine revolution in mehrfacher hinsicht.
wer ist besser geeignet diese hervorragenden essays zu schreiben als diese faszinierende frau ré, die mittendrin war, in den wirren dieser künste, die verheiratet war mit dem dadaisten hans richter und ihren nachnamen soupault von ihrem zweiten ehemann, dem mitbegründer des surrealismus philippe soupault angenommen hat. geboren im kleinen bubitz in pommern, studiert sie im bauhaus in weimar, erobert und ist fortan teil der kunst- und literaturszene, immer in kontakt mit den großen namen der noch jungen kunstgeschichte.
es sind zwei essays, die die augen für dada und surrealismus öffnen, die hinter die kulissen der gründung, hinter die gedanken ihrer akteure, deren philosophie und absichten schaut... es ist ein lesegenuss. man fühlt sich bei der lektüre knapp hundert jahre nach gründung von dada und surrealismus so, als wäre man hautnah dabei, obwohl diese essays selbst fast ein halbes jahrhundert später aus den erinnerungen dieser unglaublichen frau zu papier gebracht wurden. selten hat man eine so geniale analyse der verflechtungen gelesen, die vom dada zum surrealismus führten... zwei essays, ein kunststück!
migranten
essay von patrick chamoiseau
erschienen im verlag das wunderhorn
2017
isbn: 978-3-88423-577-5
(von tobias bruns)
wie viele iren gibt es heutzutage auf der welt? wie viele davon leben in irland? wie viele italiener leben tatsächlich in dem land, dass ihnen ihren namen gibt? wie viele deutsche leben in frankreich, spanien, argentinien, brasilien, den vereinigten staaten oder sonstwo auf der welt? und aus welchen gründen? flucht vor verfolgung, vor krieg, vor hungersnöten waren immer ursachen von wanderungsbewegungen - ebenso das ganz einfache menschliche bedürfnis nach einem besseren leben für seine familie und sich. migration von wo nach wo auch immer hat nie aufgehört - hört nie auf. migranten gab es zu jedem zeitpunkt der menschheitsgeschichte - sie ist überhaupt ihr ausgangspunkt, wenn man so will. migranten, so der titel von chamoiseaus essay gab es also schon immer.
migranten ist ein plädoyer zum umdenken, das hinterfragt und ideen einbringt. woher kommt der reichtum der wenigen in unserer kapitalistischen gesellschaft, in der vor allem die politik die globalisierung als allheilmittel für die probleme der welt verkauft. chamoiseau argumentiert, der reichtum der wenigen (wenigen menschen, wenigen staaten) werde “von allen erbracht, nicht zuletzt von den menschen in den kolonien, aber auch von generationen von den arbeitnehmern”, die selbst in reichen ländern oft oder meist nicht an ebendiesem reichtum teilhaben. da der reichtum aber, so der autor, eine gemeinschaftsproduktion ist, sollte er an sich allen in gleichen teilen zustehen. chamoisneau geht viel weiter als sich gedanken über die gerechte aufteilung des reichtums zu machen - doch ist es leider gerade dieser reichtum, der geglaubt wird verloren zu werden, der so vielen menschen angst vor zuviel migration macht.
der globalisierung stellt chamoiseau ein neues konzept gegenüber: die “mondialität”. ein wort, welches weder im duden noch auf wikipedia zu finden ist (23.10.2017). die “mondialität” stellt das gegenteil der globalisierung dar, in der immernoch die devise des maximalen gewinns maßgeblich ist. doch sie ist keine wirtschaftsform, die “mondialität”, sie ist weit mehr als das: sie ist eine umfassende weltanschauung und lebenseinstellung, die all dem, was wir als gegeben nehmen,was aber nicht im geringsten der natur der dinge entspricht, logisch entgegentritt.
als der deutsche astronaut alexander gerst 2014 wieder auf der erde landete, sagte er auf einer pressekonferenz: “was man da oben tatsächlich nicht sieht, sind grenzen”. sprich: wandernde menschen, flüchtende menschen, sollte man sie von dort oben aus sehen wandern nicht über grenzen hinweg - sie bewegen sich ganz einfach nur von einem ort zum anderen. auch chamoiseau sieht diese grenzen nicht. und dennoch sind sie oft unüberwindbar.
möglicherweise ist die “mondialität” mit allem idealismus nichts anderes als eine utopie - im moment ist sie es mit sicherheit, doch auf jeden fall ist chamoisneaus essay ein denkanstoß, den nur genügend menschen verinnerlichen, vor allem aber einmal lesen müssen. grenzen müssen nicht nur auf den landkarten verschwinden - vor allem müssen sie in den köpfen abgebaut werden, wo sie fester verankert sind, als es die berliner mauer je war.
migranten ist ein glühendes plädoyer für eine bessere welt, welches nicht nur die missstände in unserer heutigen gesellschaft anprangert sondern zugleich einen weg zur lösung aufzeigt, der durchweg nachvollziehbar ist.
Niq Mhlongo's Affluenza and German Way Back Home
Niq Mhlongo’s Affluenza and German Way Back Home
Niq Mhlongo
South African Niq Mhlongo is the author of three novels Dog Eat Dog, After Tears and Way Back Home. I have read all three and the best of the lot is the most recent one Way Back Home about a tenderprenuer who was an exile fighting for South African freedom. Its not only brilliant but it also is a very good reminder of the role other African countries took during Apartheid now…
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How worth listening to are the Wunderhorn songs?