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Wir erklĂ€ren Fronleichnam fĂŒr beendet. Bevor Satire und Information an jeder LitfaĂsĂ€ule mit den SchriftzĂŒgen âSatireâ und âInformationâ gekennzeichnet werden mĂŒssen, um zu gewĂ€hrleisten, dass die Vernunft nicht selbstĂ€ndig wird, kĂŒndigen wir hiermit an: Corona ist Vorbeigewesensein. Das einzig legitime Covid-19-Buch aller Zeiten! (SATIRE!!!) â NSFAQ about SARS-CoV-2! Wir sind am Ziel, es braucht keine Angst mehr, keine Gewalt.
ZĂ€rtlichkeit ist das Gebot der Stunde. Wir nehmen gern horrende Summen in Millionenhöhe, was ganz unsatirisch gemeint ist. Her mit dem Geld â wir sehen demnĂ€chst einen neuen Firmensitz vor, obwohl wir gar keine Firma sind.
Das BĂŒchlein hat uns einen Haufen Arbeit beschert â von wegen âarbeitslosâ und âselbstĂ€ndigâ; so viel Arbeit war lange nicht. Durchweg aus zweiter Hand des Herausgebers schmuddelig zusammendesignt und in unfassbar liebevoller FuĂtrittarbeit zusammengestĂŒckelt, enthĂ€lt das BĂŒchlein einige bisher und auf alle Zukunft hin unveröffentlichte Passagen sowie mehr oder weniger wertvolle medizinische RatschlĂ€ge fĂŒr die Nachfolgezeit, die auf dem Internetblog nicht zu finden sind.
Bestellt werden kann die geballte und streng limitierte Informationsschrift direkt bei uns. Bei Interesse bitte eine private Nachricht an die Verpassten Hauptwerke, mit Angabe einer gĂŒltigen Rechnungs- und Versandadresse â entgegengenommen werden ausschlieĂlich seriöse Bewerbungen. Alles andere wird umgehend ignoriert, gelöscht oder sogar zur Anzeige gebracht. Bitte fĂŒgen Sie Ihrer Nachricht eine Preisvorstellung bei (inkl. Versand) â wir betonen ausdrĂŒcklich, dass jede Person selbst wissen sollte, was ihr die eigene Gesundheit wert ist. UnverschĂ€mte Preisvorstellungen belĂ€cheln wir mĂŒde. Reiche MĂ€zeninnen und betagte Witwer zuerst. Ausnahmen unter Vorlage des Behindertenausweises. Vorerst kommen Bewerbungen auf die Warteliste, bei Ăberhangmandaten wird gelost, wobei die Wahrscheinlichkeit, gelost zu werden streng mit persönlichen Beziehungen und â logisch â Geld einhergeht. Nochmal: Nur solange der Vorrat reicht.
Ausgeliefert wird frĂŒhestens Ende Juni / Anfang Juli, damit das Sommerloch mit Fröhlichkeit gefĂŒllt ist.
auch Reste von Verstand, ROSEN VON VERSTAND #kookbooks Vorschau Herbst 20 #kookbooks fall 20 catalog #yevgeniybreyger #robertstripling #karlareimert #dagmarakraus #andreastoepfer
Zeichen werfen ihre Tage voraus, Herbst 20, Unter Stunden Album I
NSFAQ (not so frequently asked questions) about SARS-CoV-2, Update 22.04.20
âLaut neuster Statistiken von vorgestern ist die Ăbertragungsrate in Deutschland gesunken. Ich stecke im Schnitt nur noch 0,7 Personen an â also ĂŒber zwei Drittel von Gunther. Was passiert mit dem verbleibenden Anteil?â (Marianne von Rothschild, 61 Jahre, Gastronomin, Garmisch-Partenkirchen)
âDer Rest bleibt gesund, du kleines Dummerchen. Und nun zurĂŒck in die Wanne mit den Lymphknoten.â
â Dr. Karlo Hibbe, Facharzt fĂŒr Allgemeinmedizin
âExperten gehen davon aus, dass sich das Virus SARS-CoV-2 beim Reden ĂŒbertragen könnte. Hilft es, die Klappe zu halten?â (Sabine Rettkamp, 38 Jahre, Polizistin, Bad Mergentheim)
âDie Wiege des Abendlandes, das Elixier unsrer Geselligkeit â Markus Lanz, Anne Will, Maybritt Illner, Kermit der Frosch. Talkshows sind mindestens seit Erfindung des Feuerkeils ein guter Anlass, warum wir mit den NĂ€chsten nicht mehr reden mĂŒssen, als unbedingt notwendig â was wirklich reihenweise und ausschlieĂlich Vorteile hat. Was wĂ€re die Alternative? Um den Mindestabstand in Unterhaltungsshows zu bewahren, mĂŒssten langwierige Kamerafahrten quer durch die SchwĂ€bische Alb in Kauf genommen werden, das geht zu weit. Wir vermissen die quatschige Geselligkeit von Gregor Gysi, wollen aber wirklich keine Mund-zu-Mund-Beatmung an Sprechorganen alter SĂ€cke vornehmen. âFresse haltenâ, so heiĂt die Parole der Stunde â und so âne Stunde kann sich ziehen. Wir empfehlen jetzt: TORPEDO â Das Morsealphabet zum Selberbasteln! Und einfach mal wieder das Rauchen anfangen. Man muss Zeichen setzen.â
â Prof Dr. Manfred Bedt, Kommunikationsethnologe an der UniversitĂ€t Paderborn
âNun ist es offiziell, was wir seit Wochen schon befĂŒrchten. Das MĂŒnchner Oktoberfest fĂ€llt aus, Dutzende, in die schönsten Dirndl und Lederhosn hineingeschneiderte Menschen mĂŒssen zuhause zuzeln. Das MaĂ ist voll! Kennt denn dieses Virusding ĂŒberhaupt keinen Anstand?!â (JĂŒrg Feymer, 37 Jahre,Tiefbaufacharbeiter, MĂŒnchen)
âHau-den-Lukas, Herrgottsakrament! Alles hĂ€tte schön werden können, ja! Das endlich aufgehobene Vermummungsverbot ermöglicht sogar ungeahnte Modeerscheinungen: Lederhosn obenrum! Der FC-Bayern Fanschal einfach mal kurz ĂŒbers Kinn gewickelt, schon kann die Lutzi abgehen. Aber nein, keine Japaner, die in den MĂŒnchner Hauptbahnhof reiern; keine RĂ€umtrupps, die wochenlang die kulturgewordene, sĂŒddeutsche Mittelschicht als GrĂŒtze von den Rinnsteinen kratzen. Stattdessen: Langweilige Desinfektionstuben spritzen den weiĂen Schleier in die Bierpatschen. Keiner, der mir zu grölt: Wir wollen dich nackig sehen! So ein Virus ist wirklich eine ganz ĂŒble SpaĂbremse und wir wissen, was SpaĂ ist, wir mĂŒssen es schlieĂlich wissen, wir haben SpaĂ erfunden!â
â Armine Rudlmuks, Wirtin auf der Wiesn
âJetzt mal Butter bei die Fische: Wer hatâs? Namen, Adressen, raus damit!â (Camilla Eridodt, 44 Jahre, Floristin, Bremen)
âWir leben in morastigen Zeiten, wobei oft verwechselt wird, wer nur im Schlamm spielen will und wer sich dabei dreckig macht. Statistisch gesehen kennt jeder Deutsche drei andere Seegurken, die wĂ€hrend der Pandemie das eigene Erbgut zu 0,0048 bis 0,02 Prozent an einen sĂŒdafrikanischen ViehzĂŒchter weitergegeben haben. Das ist nicht witzig. Wenn wir mit einbeziehen, dass Datenschutz schon beim Runterlassen des hauseigenen Rollladens beginnt, mĂŒsste der Nachbar haften, wenn der Obstbaumschnitt dieses Jahr spĂ€ter ausfĂ€llt. Vermutlich hat jeder MitteleuropĂ€er das Virus SARS-CoV-2 schon drei bis viermal gehabt, auĂer, er ist beim ersten Mal dran gestorben, dann natĂŒrlich nicht. Gute Gesundheit.â
â Charlotte Knörtz, Statistisches Bundesamt
âIch bin seit Tagen nur am Schniefen. Gibt es eine allergische Kreuzreaktion zwischen Birke und Sars-CoV-2?â (Daniel MĂŒller, Dramaturgie-Assistent, 26 Jahre, Mönchengladbach)
âSo langsam mĂŒsste man meinen, dass man irgendwas ausschlieĂen kann. Ist aber nicht der Fall. Zur Zeit wird in zwölf Forschungslabors des Robert-Koch-Instituts in unterschiedlicher Dosierung Coca-Cola und Algenwasser SpringmĂ€usen gespritzt, um ihre Reaktion auf eine etwaige Maskenpflicht zu prĂŒfen. AusschlieĂen können wir noch nichts, auch, was einen Impfstoff angeht â neulich reagierten zwei Ratten unter Einfluss von Sekundenkleber immun auf das Virus, wobei nicht sicher ist, ob das Licht noch an war. Pollen wurden bisher gar nicht ĂŒberprĂŒft, danke fĂŒr den Hinweis, demnĂ€chst werden jetzt erstmal ein paar Rhesusaffen von der Ethikkommission befragt, wie sie es fĂ€nden, wenn wir ihnen eine ordentliche Dröhnung Viren mitten ins Stammhirn spritzen. Falls du Geld brauchst, wir suchen ĂŒbrigens Freiwillige.â
â Dr. Robert Knoche, Virologe am Robert-Koch-Institut
âTagelanges hocken in der Butze. Kann ich wen grĂŒĂen? Kilo und Racke ausâm Fitnesscenter, Ute Gerlach vom Senftöpfchen und meine Jugendliebe Fiona, man weiĂ ja nichâ, ob man sich nochmal ĂŒbern Weg lĂ€uft.â (Gerald OĂtheck, 48 Jahre, Schlossermeister, EisenhĂŒttenstadt)
âKlaro! Wird gemacht!â
â Anette Yksel Ălmedin, Radiosprecherin bei Antenne Brandenburg
âWer ĂŒbernimmt in Nordkorea die Staatsangelegenheiten, wenn Kim Jong-un abnabelt?â (Tilman ElbreĂ, 29 Jahre, Konditor, Bad Oeynhausen)
âIm Wikipedia-Artikel heiĂt es ĂŒber die Jugendzeit des nordkoreanischen Machthabers, die er in der schweizerischen Mittelschule Liebefeld Steinhölzli zubrachte, unmissverstĂ€ndlich: âPak-un könnte Kim Jong-un gewesen sein, wĂ€hrend Pak-chol nicht wie ursprĂŒnglich angenommen Kim Jong-un, sondern dessen Ă€lterer Bruder Kim Jong-chol gewesen sein dĂŒrfte.â Mindestens zwölf bis vierzig IdentitĂ€ten soll Kim-Karl (auch Jong Kong oder King Jung) besitzen, wobei er wĂ€hrend eines Pferderennens bei Chongpyong zu Greyerzer KĂ€sekuchen abwechselnd als Rufus Wainwright oder Luciano Pavarotti in Erscheinung trat. Das reicht nach seinem Tod noch fĂŒr mindestens sechzehn Amtszeiten.â
â Dr. Yang Xeng, Ostasienexpertin im Ruhestand
NSFAQ (not so frequently asked questions) about SARS-CoV-2, Update 18.04.20
âIch spiele Dungeons Dead Raven IV â Die RĂŒckkehr der Kellerasseln mit einem Feuerdruiden auf Level 79 und sterbe immer vorm Saramithentor durch rote NetzqauĂ€ler. Wie kann ich die Diamantenaxt aufwerten?â (Lukas Hindt, 15 Jahre, SchĂŒler)
âHast du im Helmdorf Kawandaa die Lebensmittelmotten vernichtet? Wenn ja, erhĂ€ltst du dort auf dem Jahrmarkt einen Lava-Bernstein den du mit dem Wuchtstab verbinden kannst. GrundsĂ€tzlich gilt: Der Wuchtstab ist bis Level 98 die beste Waffe fĂŒr den Feuerdruiden. Werte ihn regelmĂ€Ăig auf und achte auf deine Intelligenzwerte. Die Diamantenaxt kann ab Level 102 zusammen mit dem Rudolf-Schild eine starke Defensiv-Kombination bilden. Tipp: rote NetzquĂ€ler mögen kein Licht. ;-)â
â Florian Scharping, Redakteur des Videospiele-Magazins ZOOOOK
âMeine Frau ist Krankenschwester und hat sich ein bisschen Arbeit ins Homeoffice mitgenommen. Im Flur gibt es jetzt drei Intensivbetten und ein BeatmungsgerĂ€t. Darf ich im Stehen pinkeln?â (Tim Winndell, 39 Jahre, Suhl)
âErstmal zieh dir was an, Tim. Das Substantiv âBesetzungâ ist nur einen Buchstaben von âBeisetzungâ entfernt. Beobachter des WeiĂen Hauses hoffen, dass, sobald der Irre aus Washington an irgendwelchen Knöpfen rumspielt, weil er beispielsweise der Volksrepublik China den Chinakohl erklĂ€rt, rechtzeitig ein Baseball-SchlĂ€ger zur Hand ist. Im Stehen pinkeln ist grundsĂ€tzlich und schon lange ein Ding der Vergangenheit. Das weiĂ doch jedes Kind, du Esel.â
â Vivianne ErnestĂ©, Personalchefin der Notaufnahme Suhl
âJens Spahn rĂ€t zur Masturbation. Wie krieg ich die Bilder aus meinem Fahrstuhl?â (Hildegard Neff, Installateurin, 34 Jahre, Hof)
âĂh, danke. Wir erinnern uns alle an ekelhafte Grabelleien auf dem Kölner Karneval und den Ratschlag der OberbĂŒrgermeisterin Henriette Ficker, zu fremden Marokkanern mindestens eine ArmlĂ€nge Abstand einzuhalten. SARS-CoV-2 stellt wirklich alles auf den Kopf. Wie nah darf ein Eichhörnchen beim Verzehr von Spaghetti-Eis meinen NĂŒssen kommen? Ist Schuld abwaschbar? Welche Piste muss ich nehmen, will ich bei der Abfahrt vom Kreuzmöslberg noch rechtzeitig zur HĂŒttengaudi kommen? Die Menschen beschĂ€ftigt vor allem die Frage, wie sich etwas Unsichtbares so sichtbar zeigen kann. In diesem Sinne: schlieĂen Sie die Augen nicht, mach die Hose auf und los gehtâs. Aber halte mindestens eine ArmlĂ€nge Abstand zu Medien aller Art.â
â Dr. Anette Lipphorst, Sexualtherapeutin an der UniversitĂ€t Eisenach
âBin seit gestern wieder klar in der Birne. Was ist denn los?â (Michael Schumacher, 51 Jahre, ehemaliger Formel1-Pilot, Gland)
âJa, im Kreis rumfahren, ginge noch. Wir wollten aber nichts riskieren. Zuerst einmal: Toll, Michael, dass du wieder klar in der Betriebsmurmel bist. Es war so. Also â wo fange ich an? Beim GroĂen Preis von China wollte ein als Badman verkleideter ungarischer RindviehzĂŒchter beim Qualifying in der zweiten Kurve eine gelbe Flagge schwenken, hat aber stattdessen auf die Piste gehustet. Nein, anders. SĂŒĂkartoffeln kommen immer aus den USA, was ĂŒberhaupt keinen Sinn macht. Wobei, Ende 2019 teilte die Weltgesundheitsorganisation WHO mit, dass Reis Gluten enthĂ€lt, Ă€h. Hihihihi, schaut mal, ein Storchenschwarm! Wieviele Narzissen braucht es, um eine GlĂŒhbirne zu wechseln? Antwort: Flatten the curve! Ich glaub, ich bin auch gesund!!â
â Ben McRoofy, Mediensprecher der Neverland-Range
âIst es Zeit ResĂŒmee zu ziehen?â (Werner Hassbinder, 59 Jahre, Bibliothekar, Papenburg)
âWo wir hinsehen, auf den sozialen Netzwerken und anderswo, Vergangenheit teilt sich mit, was war, hĂ€lt zusammen, als wollte man im Gemeinschaftsbunker nochmal lernen, wie man gelebt hat und mit wem. Dieser Reflex, in der Tiefe, kann als grausamer Spiegel gelten. Woher den Optimismus nehmen, dass es vorangeht? Wie Zukunft denken, wo Gegenwart so radikal alles in Frage stellt? Zukunft ist auch ein Raum gewaltiger, gegenwĂ€rtiger Projektionen. Wie will ich mich sehen? Was geht mir â ganz persönlich â verloren? Beispielsweise, statt abzuwarten und Formen zu erfinden, fand sich im Internet jenseits von BedĂŒrfnissen recht schnell ein ĂŒberfrachtetes Streaming-Angebot von Live-Videos: beinah schneller als das Virus selbst. Selten wurde nach BedĂŒrfnissen gefragt, selten danach, was eigentlich fehlt, wenn etwas fehlt. NatĂŒrlich ersetzen Live-Videos nichts von dem, was sie zu ersetzen versuchen. Aber warum gibt es das Streaming-Angebot? Geht es um innere Hast, mit der Zeit hinterherzukommen? Geht es wirklich um Langeweile? Wird mit selbstdarstellerischem Drang ResĂŒmee des eigenen Lebens mitgeteilt? Sind wir noch zu retten, wenn Welt wirklich ĂŒber uns her rollt und Panik beginnt? Was können wir tun oder wichtiger: Was können wir lassen? Ausatmen lernen, nichts ist je Gewöhnung, nichtmal Menschenliebe â auf die es ankommen könnte; was lediglich eine Vermutung ist. Ich meine, miteinander lĂ€sst sich nicht kaufen. Kunst, als Akt der Entwöhnung vom Spiel der Zeit, braucht Abstand und sagenhafte Natur. Wer kann das bieten? Ich denke, was immer kommen mag â nehmen wir Abschied. So oder so wĂ€re es nicht die schlechteste Haltung, ein Leben zu besiegen, dass, selbst dann, wenn alles beim Alten bleibt, immer zum Gegensatz strebt.â
â Dr. Michaela Rudwidzky-Seidenhanf, Leiterin des Wattwander-Forschungszentrum Wittmund
Als Mitglied in unserem Freundeskreis hast du viele Vorteile: + alle digitalen Neuerscheinungen zum Erscheinungstermin+ als Download per Mail+ ohne...
Grade in diesen Zeiten sei es nochmal mitgeteilt: Jenseits aller Errungenschaft, allen Unfugs und schön und gut ist die Freude, wir wissen, jedes Unternehmen ist eigenwillig. Doch ohne engagierte Geister im Hintergrund, die dann NĂ€gel mit Köpfen machen, wĂ€re Schönheit nur die HĂ€lfte der Wahrheit. Die Verpassten Hauptwerke, ob es sie ohne den Verlag mikrotext in derart gnadenloser Gestalt gegeben hĂ€tte? Wir sagen: FĂŒr schlappe 2,50⏠kriegt man Frei Haus sĂ€mtliche E-Books ins heimische EndgerĂ€t. Aber auch BĂŒchers, BĂŒchers! Jetzt â grade jetzt â Freundeskreis-Kreisler werden! Also bitte!
NSFAQ (not so frequently asked questions) about SARS-CoV-2, Update 13.04.20
âSeit Wochen reden wir ĂŒber nichts anderes als Covid-19. Wann kommt das Sommerloch?â (Susi Löhn, 45 Jahre, Floristin, Willingen (Upland))
âDas Wetter stimmt schon mal, allerdings wurde in fĂŒhrenden Gremien der Medienriesen Springer und Bertelsmann trotz freigewordener Zeitfenster durch entfallende GroĂveranstaltungen (FuĂball-Europameisterschaft, Olympischen Sommerspiele) darĂŒber diskutiert, ob auch das Sommerloch verschoben werden muss. Vorgesehen wĂ€re dann ausgiebige Langeweile erst fĂŒr Mitte bis Ende Oktober, wobei VerbraucherschĂŒtzer mahnen, dass da niemand mehr gediegen rumlĂŒmmeln will. Medienexperten schlagen vor, dass Sommerloch bereits direkt nach Ostern anzusetzen und einfach mal nur Blödsinn zu berichten. Unklar bleibt, welchen Blödsinn. Was wir im Sommer machen, wenn die Lage jetzt schon so elend daher dĂŒmpelt, weiĂ bisher keiner.â
â Mechthild Opal, RechtsanwĂ€ltin fĂŒr Medienrecht
âIch bin positiv getestet, will aber in der StraĂe ein bisschen gute Laune verbreiten. Darf ich meinen schwer ansteckenden Atem in Seifenblasen blasen?â (Bodo Vlies, 37 Jahre, Klinikclown, Bernkastel-Kues)
âSeife hilft, so viel ist klar. Viel Seife hilft noch mehr. Egal, wo reingeblasen wird. Wir plĂ€dieren stark dafĂŒr, ganze StraĂenzĂŒge einzuseifen. Polizeilich gefĂŒhrte Wasserwerfer, Feuerwehrspritzen und die Super-Soaker-Wasserpistolen von den Kurzen â in diesen Zeiten mĂŒssen alle an einem Strang ziehen. Insbesondere Ballungsgebiete, der Ruhrpott, Berlin, gehören durch Seifenbomber komplett weggewaschen. Jeder Wohnblock ist eine potentielle Dreckschleuder.â
â Nina Rotzsch, Sprecherin der Vereinigung SaarlĂ€nder ReinigungskrĂ€fte
âZunehmend reden Leute davon, dass wir einfach rausgehen sollten und utilitaristische Positionen durchaus zu prĂŒfende Alternativen wĂ€ren. Muss eine schrittweise Exitstrategie aus dem Lockdown so mĂŒhselig sein wie der Brexit?â (Kriemhild Redner, 42 Jahre, Journalistin, Tauberbischofsheim)
âWo gehobelt wird, da fallen SpĂ€ne. Insofern gelten in Frankreich erkrankte Berufspendler aus GroĂbritannien zur Zeit mit Verzögerungen bei der Einreise als bedingt zurechnungsfĂ€hig. Wer den letzten Satz verstanden hat, gehört zur Berufsgruppe der amphibischen PillermĂ€nner. Apropos Krötenwanderung â diese Krise geht natĂŒrlich mĂ€chtig ins Geld und wir wissen alle nicht, wann das vorbei ist. Aber wieso eigentlich Krise? Wieso verschieben wir nicht alles unbestimmt auf das Jahr 2147 und drucken so viel Asche nach, dass fĂŒr alle genug da ist â bei konstant stabilen Preisen fĂŒr RinderhĂ€lften? Fangen wir einfach noch mal von vorn an.â
â Dr. JĂŒrgen Leet, Gastroenterologe
âMein Hasi hat sich beim Eiersuchen einen Leistenbruch zugezogen. Kann sich ein RumĂ€ne den Spargel mal ansehen?â (Giovanni Lucci, 33 Jahre, Friseur, Köln)
âNicht jeder Stecher besitzt fĂŒr seine Apparate einen gĂŒltigen FĂŒhrerschein. Also aufgepasst! Bei der Wahl zur Miss Universe 2019 mag es zu UnregelmĂ€Ăigkeiten wĂ€hrend des zweiten Urnengangs gekommen sein, weil Schönheit aber meistens nicht drumrum kommt, mithilfe von Bedeutungen Wichtigtuerei zu betreiben, heiĂt das noch lange nicht, dass jede Brust aus Silikon ist. Ich entscheide mich bei Patienten der Risikogruppe auf jeden Fall, zwei Mal mehr hinzutĂ€tscheln, wer weiĂ, wie oft das noch vorkommt.â
â Dr. Elena Opel, Urologin
âWie lautet die Superzahl im Spiel 77?â (Roland Pawermaltz, 81 Jahre, Rentner, Neukirchen beim Heiligen Blut)
âDie sieben Stationspfeiler der sieben Schmerzen Mariens verkĂŒndigen fĂŒr kommenden Mittwoch pestartige SonnenbrĂ€nde mit gelegentlichen HageltiefschlĂ€gen und ordentlich saurem Regen; nachmittags kann es vorĂŒbergehend zu Giftpisse aus nordöstlicher Richtung kommen. Orkanartige Bohnen bis Böen löschen gegen Abend den ĂŒbrigen Planeten restlos aus; Asteroidenhagel auf dem gesamten eurasischen Kontinent. Jesus stehâ uns Bye bye. Die Superzahl lautet 4.â
â Linda Klinghorst, Wetterfrosch beim WDR
NSFAQ (not so frequently asked questions) about SARS-CoV-2, Update 07.04.20
âIch krieg ânen Rappel. Ich will ein kaltes Bier in einem anstĂ€ndig versifften Bumslokal mit klebriger Theke und ordentlich Bazillen am Pissour und wĂ€hrend wir nachhause wanken, fassen wir uns gegenseitig an die Salzstangen. WeiĂ wer was?â (Harald Tiffcke, 39 Jahre, Agrarökonom, Regensburg)
âSpĂŒlmittel sind knapp, vor allem samstags. Die rar gesĂ€ten Bier-To-Go-Lokale schlieĂen oft schon in den frĂŒhen Abendstunden, weil drauĂen keiner rumlungern darf. Das hat natĂŒrlich auch Vorteile, den anderen Teil der Herde konnte man eh nie ertragen. Andererseits ist die eigene Freiheit mitbeschrĂ€nkt. So war das nicht ausgemacht. Wir mĂŒssen völlig neu ĂŒber Werte nachdenken. Zum Beispiel: Darf die dumme Sau am anderen Thekenende wirklich so einen verfickten Dreck zusammenlabern, selbst wenn ich wĂŒnschte, dass die Kneipe geöffnet hĂ€tte? Er darf. Er wird sogar Teil der selben HerdenimmunitĂ€t wie du sein. Das kann als Gedanke schwer krĂ€nken, depressiv machen und zu Alkoholismus fĂŒhren. Doch grĂ€me dich nicht, Harald, komm mal wieder rum, wir machen auf â nach 22 Uhr, darf aber keiner wissen, bring Jochen mit.â
â Rafael âRaffeâ Edmundson, Besitzer der âLuderigen Altenâ in Regensburg
âIch habe keine Arme, in welche Beugen soll ich nieĂen?â (Fiona Eps, 29 Jahre, Risikogruppe, Landshut)
âIn die Kniebeugen.â
â Dr. Tina Cordula Redt, Ărztin aus Landshut
âDer Kiosk war geschlossen, ich bin die letzten Wochen nur noch selten aus dem Haus gegangen. Eher unfreiwillig habe ich wĂ€hrend der Pandemiesache das Rauchen aufgegeben. Wie kann ich wieder anfangen?â (Norbert F., 59 Jahre, Raucher, MĂŒhlhausen/ThĂŒringen)
âDie oft verbreitete Theorie, Raucher wĂŒrden von den Regierungen der Welt nur gezĂŒchtet werden, um kleinen Kindern das von Rauchern ausgeschĂŒttete Endorphin RĂŒdeldiedĂŒdeldiedĂŒdĂŒdĂŒdĂŒ zu injizieren, hat sich nachweislich als nicht ganz korrekt erwiesen. In Wirklichkeit ist fĂŒr betroffene SĂŒchtige der Wiedereinstig weitaus schwieriger. Der mĂŒhsam an das Gift gewöhnte Körper kommt auf einmal ohne Serkan vom Kiosk aus und zieht sich nun keine zwei Schachteln mehr tĂ€glich durch den Lungenapparat. Hinzu kommt der soziale Druck. Keiner hat mehr Bock. Bitte wenden Sie sich innerhalb der nĂ€chsten 14 Tage dringend an eine der Beratungsstellen der Bundesvereinigung Anonymer Wiederraucher (BAW). Und suchen Sie einen Raucher auf, es muss weitergehen!
â Dr. Elisabeth Klingenlieb, Vorsitzenden im Bundesverband der BAW
âWas haben ein Bengalischer Tiger, eine Burka und Boris Johnson gemeinsam?â (Jessica Sebald, 15 Jahre, SchĂŒlerin, Rheda-WiedenbrĂŒck)
âVielen Dank fĂŒr diese Fangfrage, aber darauf falle ich nicht rein. Es ist natĂŒrlich klar, dass sich QuarantĂ€ne mit Q schreibt und Kuh mit K â womit wir hoffen, dass Du deine Hausaufgaben gemacht hast, Jessica. Die Vollverschleierung wurde in Bayern nicht eingefĂŒhrt, damit dumme Fragen gestellt werden. Es ist damit zu rechnen, dass Markus Söder auch dann nicht sein Gehege verlĂ€sst, wenn ein paar Miezen im Freistaat schnurren. Aber ich verplaudere mich. Worum geht es eigentlich? Hier, in Nordrhein-Westfalen, haben wir Unklarheiten in der Beantwortung der Frage, ob man sich auf dem Standesamt in Billerbeck noch kĂŒssen darf oder nicht. Das bringt uralte Grundfeste ins Wanken. Zur Zeit fĂŒgen wir den Satz âSie dĂŒrfen jetzt mit den Ellbogen rummachenâ ein. Das ist natĂŒrlich ziemlich unpraktisch, wie Du Dir sicher vorstellen kannst. Das kann nicht mehr lange so weitergehen. Andererseits muss man auch sagen: Hat sich der eigene Haustiger beim home-offizieren erstmal einen Virus ins WLAN geschrammelt, ist nichts mehr mit Netflix glotzen im Kreise derer, auf die man auch gut verzichten könnte. Also, halt die Ohren steif und lerne zu unterscheiden, Jessica.â
â Armin Rektal, Standesbeamter aus Bielefeld
âHandelt es sich bei dem Virus SARS-CoV-2 um EinzeltĂ€ter?â (Michael FliĂburg, 49 Jahre, Rechtsanwalt, Köthen (Anhalt))
âMit schwammigem Rumgeeiere haben wir ĂŒber die Jahre den schlimmsten Bazillus verschleppt, den sich eine Gesellschaft fangen kann, ja. Womit ich festzuhalten habe: Nein, im Robert-Koch-Institut wurden keine Akten geschreddert. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass rechtsradikale LĂŒmmel ĂŒberall im Land sich durch den Alltag schmarotzen, aber wenn es mal darum geht, fĂŒr das Gemeinwohl Masken zu nĂ€hen, klemmen die Patschen noch im Abzug. Ab wann eine Handlung von einer einzelnen zu einer in Gruppen organisierten, terroristischen und durch ZusammengehörigkeitsgefĂŒhle geprĂ€gten, ĂŒbergeht, ist dummes Definitionswischiwaschi. Klar ist: Existenz braucht Essen, ein Dach, Gesundheit und ordentlich Kunst fĂŒr alle. Es ist zwar ein alter Hut, aber kĂŒmmern wir uns doch jetzt endlich darum, dass Altlasten wie Erika Steinbach dringend abgewrackt werden. Wir fordern ein gesetzliches Renteneintrittsalter von viereinhalb, fĂŒr alle, die sich an MitgefĂŒhl, NĂ€chstenliebe und Weltoffenheit in dieser Gesellschaft orientieren. Zudem gehören in jedes vernĂŒnftige SchĂŒlercafĂ© ein paar blubbernde Shishas. Aus Abend- und Morgenland muss endlich mal der Zusammenhang erkannt wird: Der Tag ist die Menschheit.â
â Olaf Maria Zimm, Staatsanwaltschaft Magdeburg
âDer Lucas Latte-Macchiato HĂŒdenrist sagt auf dem Spielplatz am Kollwitzplatz den anderen immer, ihm ist Prenzlauer Berg nicht mehr gut genug. Dann kriegt er einen Hustenanfall und spuckt Blut auf die Rutsche. Darf ich ihm eine reindonnern?â (Matze F., VorschĂŒler, 7 Jahre, Berlin)
âWie das Robert-Koch-Institut gestern herausfand, war Robert Koch gar kein Koch. Er soll sogar ziemlich miserabel gekocht haben. Seine Frau berichtet in einem Tagebucheintrag vom 06.11.1877 sie habe von dem Zeug, das ihr Mann da zusammengeschmissen habe, âunendlich elende MagenbeschwĂŒrdenâ und âeinen ziemlichen Milzbrandâ. Womit ich sagen will: Thorben weiĂ es noch nicht, aber er ist kein Latte Macchiato. Spuck dir zwei Mal feste in die Faust und dann donnerâ dem Lucas ordentlich eine rein. Pass aber auf, dass Mama und Papa nichts mitkriegen.â
â Fabian Wellensittich, Sozialarbeiter
âLange Zeit ist es her, dass ich meiner Vernunft trauen konnte und wusste, was los ist. Inzwischen sehe ich, dass drauĂen auf den Pappeln Polizeibeamte sitzen und den Ruf der Amseln nachahmen. Auf dem Gehsteig turnen Kanadier und backen in Salinen aus Altglas Rosinenbrötchen. Ich möchte eine Brust-OP. Kann mal jemand meinen Kalender halten? (Matilde Töppelweck, 39 Jahre, Bademeisterin, Illertissen)
âIch sag mal so: Internet ist fĂŒr uns alle Neuland. Wir sollten nicht jeden DĂŒnnpfiff glauben, den wir den Tag ĂŒber meinen gedacht zu haben. Vernunft an sich kann ein nĂŒtzliches Gut sein, solange sie gebraucht wird. Sie ist dann sogar nötiger denn je. Doch wie gebrauche ich meine Vernunft? Ab wann kann ich sagen, dass ich erwachsen wurde? Ich bin schockiert, wie viele Leute mit Langeweile ĂŒberfordert sind. Ich lebe seit Jahren mit mir. Ich kann sagen, Einsamkeit ist eine Kulturtechnik.â
â Peter Habib-Hadchi, Internationale Eremitenstiftung
NSFAQ (not so frequently asked questions) about SARS-CoV-2, Update 02.04.20
âSind rechtsradikale Krankenpfleger auch systemrelevant?â (Ruth Zöbel, 46 Jahre, Krankenpflegerin, Stade)
âNatĂŒrlich finden Arschlöcher in allen Berufsgruppen eine Ausbildung. Ein Auslandssemster könnte in diesem Fall fĂŒr Klarheit sorgen. Einfach mal ein Dreivierteljahr im indischen Bundesstaat Rajasthan und ein halbes Jahr in Bergamo auf zwei Intensivstationen mithelfen und sobald die Kröte zurĂŒck im heimischen Osterholz-Scharmbeck an nationalen Embolien rumdoktert, sehen wir weiter. Die Ăberlegung, dass dumpfbackige gesellschaftliche Ăberzeugungen eines womöglich sehr systemrelevanten Menschen â wo diese Ăberzeugungen herkommen und ob es am Gehalt liegt â nur im Weg rumstehen, sobald die Pandemie vorbei ist, kommt natĂŒrlich viel zu kurz, wenn wir im örtlichen Supermarkt Frau Schulze und Herrn EzgĂŒl beklatschen, weil da so fleiĂig das Kreuz hingehalten wird, wo andere nur doof rummotzen, wenn sich kein Klopapier im Ausgangsbereich tĂŒrmt. Wir wissen nicht, was Menschen fĂŒr Ansichten vertreten. Insofern unbedingt misstrauisch bleiben â der selbe Arzt zieht womöglich den Stecker, wenn es um ein Grundeinkommen geht, nicht wahr?â
â Dr. Tina Ălmez, Autorin und freie Soziologin aus Straubing
âMein Chihuahua Francisco Coelho hat die Meerschweinchen vom Nachbarn durchgebumst. Gibt es einen Zusammenhang zwischen FrĂŒhling und Hysterie?â (JoĂŁo SimĂŁo, 79 Jahre, HobbygĂ€rtner, WĂŒrzburg)
âUnbedingt, ja. Inwieweit das Coronavirus SARS-CoV-2 moralische Epilepsien aller Art auslöst, ist noch nicht untersucht, es könnte allerdings sein, dass vor allem HĂ€hne lauter schreien. Was nicht heiĂt, dass jeder Schrei gleich ein Hahn ist. Unterscheidungen zu erlernen, immer wieder â und damit auch Gleichheit im auĂermoralischen Sinne kennenzulernen, unterstreicht die Vielfalt unseres Denkens auf Basis von Sauerteig. Das ZĂ€pfchen der Vernunft wird lediglich einmal die Woche eingefĂŒhrt â entschieden zu wenig im Kampf gegen einen Feind, der so groĂ erscheint wie ein Scheunentor, sich aber unsichtbar zeigt.â
â Dr. Neptun Radisberg-Wendtreiter, Urologe an der UniversitĂ€t Wilhelmshaven
âHĂ€tte ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen die Ausbreitung des Viruserregers SARS-CoV-2 verlangsamt?â (Karin Feld, 44 Jahre, Servicekraft bei Sanifair, Siegen)
âJa, davon ist dringend auszugehen. Ist es fĂŒr die Gesundheit wirklich wichtig, mit 180 Sachen ĂŒber Hitlers Asphaltpisten zu nageln? Nein. Noch vorigen FrĂŒhling hat man uns zu Dutzenden mit E-Scootern die InnenstĂ€dte zugeschĂŒttet, heute batterieschrottet das Zeug in leergefegten Parkanlagen und auf ausgestorbenen PlĂ€tzen rum. Stattdessen hĂ€tte man die Asche fĂŒr eine funktionierende Transportlogistik benötigt; Atemschutzmasken fĂŒrs Krankenhauspersonal fehlen ebenso wie Forschungsgelder fĂŒr die Untersuchungsfrage, ob Staubsaugerroboter Gedichte atmen. Es ist dringend ratsam, die basalen Frohlockungen, wie menschliche Gesundheit und sein allgemeines Wohl zu Gunsten der Mitmenschlichkeit und Freude am Hurra wieder zu fördern, damit in Zukunft Zeit und Geld da ist, fĂŒr all den ĂŒberflĂŒssigen Unfug und Schwachsinn, der uns so wunderbar bereichert. Zum Beispiel braucht es Wasserrutschen fĂŒr alle.â
â Bodo PĂŒlle, Bademeister am Erlebnisbad U4 in Montabaur
âLebt Uschi Glas eigentlich noch?â (RĂŒdiger Hefte, 33 Jahre, Radiomoderator, Trier)
âJa, Risikogruppe.â
â Dr. Thorben Londen, Privatarzt an einer Lungenklinik in MĂŒnchen
NSFAQ (not so frequently asked questions) about SARS-CoV-2, Update 01.04.20
âDie einen sagen so, die andern so. Ich blicke nicht mehr durch. 147jĂ€hrige Resterampe-Senioren stecken Corona mit links weg und werden als geheilt aus dem Zoo entlassen, wĂ€hrend es 16jĂ€hrige Kinder plötzlich beim Skateboardfahren ohne Symptome, dafĂŒr mit ĂŒberdurchschnittlichem IQ, auf offener StraĂe dahinrafft â wer kann helfen? Darf ich meinem Tagebuch anvertrauen, dass mein Leben unbedingt die Nachwelt interessiert?â (Jaqueline Ködeldinger, 27 Jahre, Kosmetikerin, Zittau)
âIn der Krise gilt: Behalt deinen Tinnef fĂŒr dich. Alles, was beigetragen wird, kann grundsĂ€tzlich als Selbstoffenbarung gelten. Jeder dient mit dem, was er hat â was so viel heiĂt, wie: Jeder dient auch mit dem, was er nicht hat. Will man das? Halt die FĂŒĂe still, rotz drei- bis achtmal tĂ€glich in einen KerzenstĂ€nder und seh zu, dass du mal wieder einen anstĂ€ndigen Schmöker durchackerst. Du musst dann nicht jedem mitteilen, was Essenzielles drin stand. Behaltâs einfach fĂŒr dich. Danke, aber wir wissen alle nicht, wie lang das hier noch dauert. Schnappatmung hingegen macht kurzlebig, du dumpfer Rindenmulch. Und nun sieh zu.â
â Elisabeth von Radingen, ArchĂ€ologin im Ruhestand
âHaben Diktatoren kleine LĂŒmmel?â (Diana Kiesinger, 46 Jahre, Biologin, LĂŒneburg)
âGute Frage â Politik ist nicht easy; zur Zeit erweist es sich als nichtmal bewiesen, ob MĂ€nner ĂŒberhaupt einen LĂŒmmel haben. In jedem Fall stecken Selbstverherrlichung, Egomanie, narzisstische BeweihrĂ€ucherung sowie Ăberbewertung der eigenen Handlungen und ĂŒbermĂ€Ăige Interpretation des GröĂenselbst seit langem in keiner Krise, im Gegenteil. Das Virus SARS-CoV-2, soviel ist sicher, wirkt sich verstĂ€rkend auf die VerkĂŒrzung des mĂ€nnlichen GelĂ€uts aus.Von Viktor OrbĂĄn, ĂŒber Donald Trump, Markus Söder, Recep Tayyip ErdoÄan bis hin zu JĂŒrgen Klinsmann zeigen sich eindeutige Symptome (gehĂ€uftes Kratzen am Kanister, lamentierende Hammel-Rhetorik auf der heimischen SchieĂbude sowie lustloses Rumpullern an staatlichen Pissoirs) â generell ist bei den Jungs schon lange tote Hose. FĂŒr den Heimbedarf empfehlen wir: Locker bleiben, nicht verzagen, der kleine Diktator zuhause vor dem Fernseher will nur mal wieder am hauseigenen Polyp gekratzt werden.â
â Dr. Elke OberlĂ€nder, Humanbiologin der TU Salzwedel
âMein Goldfisch mag am liebsten das SĂ€gemehl aus der Tierhandlung Drollige Eule am ReĂenhĂ€der-Platz. Habt ihr ein gutes Rezept fĂŒr FischstĂ€bchen?â (Jo Kestner, Referendar, 25 Jahre, Traben-Trarbach)
âPutzige Tierchen in Zeiten der Krise zu verbraten, ist ratsam, aber erfordert auch Mut zur Entscheidung. Viele fragen sich: Gibt es eine Zeit nach Zwergpincher Royal Black? Hat meine Hamsterdame Esmeralda die paar erforderlichen Kilo zu viel? Geht es Oma Gerda wirklich schlecht? GrundsĂ€tzlich gilt, dass nicht die Wahl des Rezepts, sondern der Zeitpunkt stimmen muss. Was zu viel ist, ist zu viel: Im Zweifelsfall einfrieren!â
â Daniel Lembrecht, Sternekoch und Moderator der TV-Sendung Fixer Fisch
âWochenlang war die Grundversorgung mit Fleischsalat an den Wursttheken der Republik abgeschnitten. Ich fĂŒhle mich schwach. Experten rieten, wir mĂŒssten jetzt wieder unsere StĂ€rken schĂ€tzen. Ich bin nicht gut im SchĂ€tzen. Wie viel sind 100 Gramm?â (Norbert Rodde, Hausmann, 59 Jahre, Olpe)
âEin ansehnliches Gesicht unterscheidet sich von einem Pfund gemischtem Gehackten durch eine halbwegs intelligente Steuerung des Sprechorgans. Mit Notstandsgesetzen ist nicht zu spaĂen â selbstverstĂ€ndlich geht auch darum, die SchwĂ€chsten zu schĂŒtzen und den StĂ€rksten den Marsch zu blasen. Was SchĂ€tzungen angeht, wiegt Uli HoeneĂ entschieden zu viel. Auch wĂŒrde immer wieder ĂŒber Politiker-Honorare gesprochen, womit wir fordern: Bedingungslose DiĂ€ten fĂŒr alle! Jetzt könnten wir positiv denken, und alles anders machen, zum Beispiel mittwochs, nicht wahr? KalbsbĂ€ckchen wĂ€ren im AngebotâŠâ
â Susanne Quette, Sprecherin der Deutschen Schlachter*inneninnung
âVerbreitet sich durch die Zeitumstellung das Virus SARS-CoV-2 eine Stunde schneller?â (Ute-Karin Al-Sharif, Musiklehrerin, 39 Jahre, ZweibrĂŒcken)
âBlödsinn.â
â Prof. Dr. Erika Tescke, Leiterin des Instituts fĂŒr Tempuswechsel an der UniversitĂ€t SaarbrĂŒcken
âDie oft verschobene und erneut festgelegte Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg (BER) zum 31.10.20 könnte durch das Coronavirus erneut ins Wanken geraten. WĂ€re es, um den Neubau nicht ungenutzt zu lassen, denkbar, Geisterspiele von Hertha BSC und Union Berlin im noch nicht fertig errichteten Terminal 2 abzuhalten?â (Dr. Erwin Tölle, 65 Jahre, Vorstand des Flughafen BER, Berlin)
âErwogen wird von der Deutschen FuĂballliga das Stadtderby aus SicherheitsgrĂŒnden auf die Möllemann-Gedenk-Landebahn zu verlegen. Entsprechende Platzmarkierungen wĂ€ren bereits vorhanden. Neu erprobt werden könnte unterm Schiedsrichtergespann Dr. Josten â Dr. Wodarf â Dr. von der Leyen, was erlaubt ist. Statt der herkömmlichen Gelben Karte könnten die Jungs nach Abpfiff ein bisschen mit anpacken â vom Rollfeld mĂŒssten ein gutes Dutzend LĂŒftungsrohre und die Sprinkleranlage zum HauptgebĂ€ude rĂŒber gewuchtet werden. Bei gelungener DurchfĂŒhrung des Spieltags, wĂŒrde sich auch ein Stadionneubau fĂŒr die Hertha erĂŒbrigen, die ihre Heimspiele bis zur Fertigstellung des BER 2029 auf dem FlughafengelĂ€nde austragen könnte.â
â Hubertus Löhn, Vorstand der DFL
âVor einem Jahr war die Welt noch in Ordnung, nur in Notre-Dame de Paris musste einem Ministranten beim Gokeln am Osteralter versehentlich ein qualmendes Weihrauchfass aus den Patschen rutschen und unters bischöfliche Messgewand kullern. Der Rest ist bekannt. Was wird aus der Renovierung der Kathedrale?â (Kai Lederriem, 21 Jahre, Auszubildender zum Bibliothekar, Itzehoe)
âMit Robert Habeck in der Paraderolle als Quasimodo plant Paris das Benefiz-Musical Untenrum intakt. Damit es im Publikum nicht zu einer Schmierinfektion kommt, wird im Kleingedruckten des Festivaltickets ĂŒber einen verpflichtenden Autokorso gegen den Klimawandel nachgedacht. Wir werden berichten.â
â Natascha RĂŒmbell, Redakteurin des Theatermagazins INTRO OUTRO
âDas Chaos ist ausgebrochen â alles darf behauptet werden. Das youtube-Video von Dr. Dr. JĂŒrgen Töffelrost-Zuppelbart mĂŒsst ihr unbedingt schauen, das klĂ€rt alles auf! Der BĂŒrgermeister von Baranawitschy in WeiĂrussland hat im Kampf gegen das Coronavirus alles richtig gemacht und Atemschutzmasken durch Trockenhefe ersetzt. Ein gutes Pils braucht 14 Minuten, ich bin der Kaiser von China, Hilfe, holt mich hier raus! Wer kann mir helfen?â (Josh Elm, 33 Jahre, KfZ-Mechaniker, Schwerin)
âWir alle mussten davon ausgehen: Es ist vorbei. Keine rassigen Klingonen auf einer siamesischen HĂŒpfburg, keine Stradivari mit Brustnippeln gebratscht, kein islĂ€ndischer Technomob inmitten von Shetland Schafen und keine zwei Punkte vom Nachbarn aus Lichtenstein, kurz: Kein Eurovision Song Contest. Rettung naht: RuhestĂ€nd(l)er Stefan Raab erwĂ€gt unter dem Titel #jesuischarlie eine Wiederauflage der 1995 abgesetzten Wok-WM, bei der wir uns ordentlich mit Desinfektion einseifen dĂŒrfen und endlich wieder Orientierung und gute Laune erhalten. Isâ klar, Steffi. Nein, der Plural von Mopp ist nicht Dackel, wie Rudi Carrell einmal sagte. Aber noch ist nicht aller Tage Abend. AufklĂ€rung braucht Zeit und das gesunde Humorzentrum wird nur bei ausbleibender HirnverĂ€tzung aktiviert. Bis dahin brĂŒllen wir munter mit, wenn es wieder heiĂt: Das ist Wahnsinn, warum schickst du mich in die Hölle? Hölle-Hölle-Hölle-Hölle! Immer dran denken: Geschmeidig bleiben.
â Dieter-Roland Reiffeisen, Schlagerkritiker im dĂ€nischen Fernsehen
NSFAQ (not so frequently asked questions) about SARS-CoV-2, Update 27.03.20
âDie Seuche wĂŒtet und rafft zu Dutzenden die Menschen dahin. Ganze Landstriche â einst reich bevölkert, heute menschenleer, teilweise sogar unbelebt. Der Paketbote, ĂŒbersĂ€t mit Pusteln, mein Mann, die faule Sau, fettet auf der Couch vor sich hin und glotzt Deutschland um Drei. EnthĂ€lt TiefkĂŒhllasagne wenigstens Pferdefleisch?â (Nadja C. Pomporov, 39 Jahre, Hausfrau, Emden)
âDie Sorgen sind berechtigt. Pferde â einst Stolz unserer Nation; Ross und Reiter verehrt und geschĂ€tzt bei den Leuten auf dem Land, gefĂŒrchtet im groĂstĂ€dtischen Tohuwabohu (bei DĂŒsseldorf); heute nichts als der Abglanz einer Epoche, die vorĂŒber trabte. Das neuartige Corinna-Virus greift auch Schimmel an, das ist richtig. Doch kein Grund zur Sorge! Im Notfall frisst der Dreck auch Pferdebremsen. Lasagne italienischer Art: Den Herstellern ist nichts mehr heilig.â
â Dr. Armin Lambrecht, Mediengruppe Verbraucherschutz
âIch bin Medizinstudentin und kann eine Gabel von einem RöntgengerĂ€t unterscheiden. Darf ich ins Feldlazarett?â (Greta Serdel, 21 Jahre, Studentin der Medizin an der Dualen Hochschule Baden-WĂŒrttemberg, Villingen-Schwenningen)
âKrieg verhĂ€lt sich zum Coronavirus wie der NĂŒrnberger Christkindlmarkt zu einem Völkermord â damit ist nicht zu spaĂen. An ein durch öffentliche Verkehrsmittel vernĂŒnftig angebundenes FlĂŒchtlingslager könnten wir vielleicht ein paar Medizinstudenten abschieben. In Zeiten einer Pandemie steht uns das Gesindel auf einer deutschen Intensivstation allerdings eher im Weg rum. Hier kommen auf eine Pritsche dreiĂig bis vierzig Erkrankte, die Pissrinnen in den Fluren sind mit Eiter geflutet, auf der Entbindungsstation ist die KrĂ€tze ausgebrochen. Glaubt ihr eigentlich wir blödeln hier nur rum? Existenz ist kein Zuckerschlecken.â
â Dr. Norbert Lesbos, Rettungsarzt aus Chemnitz
âWas wird aus Urlaub auf Malle?â (Ătzi Kuhn, 47 Jahre, Betreiber eines MöbelgeschĂ€fts bei Darmstadt, Dieburg)
âWir kennen sie alle. Feministische Urlaubshits wie Ich bin der König mit dem Schniedel, Zeig mir deine Hupen in einem Zelt unter freiem Pimmel oder Auf meinem Schlauchboot spritz ich dir die Lippen schön. â Sich kĂŒbelweise den Sangria durch die Desinfektionsröhren zu pumpen, ist schlicht gelebtes Verantwortungsbewusstsein. Gesellig, humanitĂ€r und immer mit einem guten Buch von Immanuel Kant unter der Achselhöhle, schwitzt sich die deutsche Mittelschicht allsommerlich ihre Unvernunft aus den Bauchfalten. Das einmeterfĂŒnfziglange GemĂ€cht taumelt befreit in der Brandung. Hier pulsiert es, das Herz unserer unverzichtbaren Export-KulturgĂŒter sowie mittigste Mitte der deutschen Mitte, zur Titte, zum Sack, zackzack! Ab Ostern werden Rosinenbomber die verwaiste Gemeinde auf Mallorca versorgen, mittendrin auch Schlagerstars wie Roland Rödel und seine fickenden HĂŒhner. Noch vor Fronleichnam wieder volle Aufnahme des Flugbetriebs, neun Mal tĂ€glich. Tickets fĂŒr das All-Inclusive-Soli-Saufen aus dem gröĂten Eimer der Insel â dem Bauchnabel von Hildegard Brunftwanst â ab sofort erhĂ€ltlich! Wer heute noch bucht, erhĂ€lt als PrĂ€mie eine exklusiv von Virologe Dr. Christian Heinrich Maria Drosten signierte Autogrammkarte sowie ein limitiertes Motorboot-Quartet auf seinem Sonnendeck.â
â RĂŒdiger Deffke vom Touristikverband Ballermanns Balearen
âBefindet sich das Coronavirus wirklich ĂŒberall?â (Ilse Röff, 76 Jahre, Rentnerin, Wolfsburg)
âKeine Sorge, in Deutschland lĂ€uft nichts ungeordnet ab, schon gar keine Pandemie. Wir haben alles unter Kontrolle. Jedes Virus der Marke SARS-CoV-2 wird sorgfĂ€ltig registriert und ist erst nach AusfĂŒllen eines von der CharitĂ© Berlin entworfenen Fragenkatalogs zur Vervirung der Bevökerung berechtigt, Aufgaben als Virus wahrzunehmen. Erst dann wird eine Arbeitserlaubnis ausgestellt. Widerrechtliche VirusaktivitĂ€ten werden mit empfindlichen Busgeldern und einem Punkt in Flensburg geahndet. Das wĂ€re ja noch schöner, wenn hier jede dahergelaufene organische Struktur MitbĂŒrgerinnen und MitbĂŒrger einfach so infizieren dĂŒrfte.â
â Theo Brems, Einwohnermeldeamt Dinslaken
âKönnen Harry und Magan zurĂŒck in die britische Thronfolge eingegliedert werden, falls Prinz Charles an einem der kursierenden Bluthusten verbleicht? An welcher Stelle der Thronfolge steht Pinkelprinz Ernst August von Hannover?â (Raimond Ferdinand, 40 Jahre, externer Berater der englischen Krone, London)
âDie britische Thronfolge ist penibel gesichert. Prinz Ernst August von Hannover könnte â stand heute â bei einem plötzlichen Tod von Prinz Charles und allen weiteren etwa 770 zwischen Ernst August und Queen Elizabeth II. stehenden Thronfolgern sich richtig einen in die britische Krone kippen. Als Ur-ur-ur-ur-ur-ur-Enkel des aufgrund einer Stoffwechselerkrankung dem Wahnsinn verfallenen Königs Gilbert III. hat Ernst August rechtmĂ€Ăigen Anspruch auf eine Toilette im Buckingham Palace. Harry und Magan hingegen sind raus, so viel steht fest, zu einem PrĂ€zedenzfall wird es nicht kommen.â
â Rudolph McRimbird, externer Berater der englischen Krone
âWie landet das milliardenschwere Hilfspaket der Bundesregierung bei mir zuhause?â (Igor Lende, 56 Jahre, Verbraucher, Ratingen)
âZuerst einmal mĂŒssen Sie die korrekte Adresse angeben. Die Lieferzeit von Paketen bewegt sich in der Regel zwischen 3 und 12 Werktagen, kann allerdings aufgrund der momentanen Auslastung bis zu einem halben Jahr dauern. Die Auszahlung an den Endverbraucher soll durch MĂŒnzrollen ĂĄ 40 x 10-CentstĂŒcke erfolgen. Allerdings ist zunĂ€chst nicht vorgesehen, das Geld einfachen Haushalten zur VerfĂŒgung zu stellen. Geld ist immer noch die hilfreichste Medizin, ein Impfstoff, der Wunder wirkt, das sagen fĂŒhrende Virologen der Internationalen Börsen. Wir werden diese Krankheit zuschĂŒtten mit Geld, jawohl. Deswegen kriegen wir alles und du nichts, du Schmarotzer. Und jetzt gehâ verrecken in deiner Dreckbude.â
â Alexandra Schneff, Investmentbanker bei Goldmann-Sachse
âAuf meinen Ziertomaten wĂ€chst seit letzten Mittwoch ein gallertartiger, helltĂŒrkisfarbener Schleim, der bis Sonntag rasant anschwoll. Ab Montag tropften Bestandteile der Substanz auf Formsteine wie Wegplatten und Ă€tzten das Gestein weg. Gestern Abend war die Masse auf die GröĂe eines Kleinwagens gewachsen, setzte sich in Bewegung und verschlang auf dem NachbargrundstĂŒck die Kinder und den Hund, die restlos zersetzt wurden. Heute morgen saĂ das Zeug auf meinem AnhĂ€nger, rauchte Gartenzwerge und strullte eine stinkende, brodelnde FlĂŒssigkeit in umliegende SchrebergĂ€rten. Das Zeug Ă€tzt alles weg, was sich ihm in den Weg stellt. Seit mittag rollt der Schleimkollos auf die nahgelegene AutobahnraststĂ€tte Finstere Unstrut zu. Habe ich Rentenanspruch?â (Erwin Retzcke, 55 Jahre, Dachdecker, Osterode am Harz)
âAufgrund des momentan erhöhten Anfragenaufkommens bzgl. der aktuellen Corona-Situation kommt es bei E-Mail-AuskĂŒnften durch den Kleingartenverein Osterode am Harz zu Verzögerungen. Wir bitten alle Gartenbesitzer und Interessierte um Geduld und melden uns baldmöglichst wieder, frĂŒhestens jedoch im Juni 2037. Viel GlĂŒck mit den Tomaten!
â Automatische generierte E-Mail des Kleingartenvereins Osterode am Harz
âMein Virenscanner findet zur Erkennung potentiell unerwĂŒnschter Software (Weichware) nur den Trojaner toiletpaper.exe und einen Ordner mit alten Klassenfotos aus der 7b. Kann ich das Corona-Problem mit einem Shutdown lösen?â (Maximilian Ritz, 17 Jahre, SchĂŒler, Waldkappel)
âKlingt unbedenklich. Computer herunterfahren und mit den Fingern ein wenig im USB-Anschluss rumfischen, danach lĂ€uft alles wieder wie geschmiert.â
â Jo Hinter, Computerexperte der Fachzeitschrift Flach!
NSFAQ (not so frequently asked questions) about SARS-CoV-2, Update 24.03.20
âNun mal Butter bei die Fische: Wie dunkel ist die Dunkelziffer?â (Sören Jung, 79 Jahre, Rentner, Kiel)
âAuf einer Helligkeitsskala von âFixsternâ bis âfinster wie ein BĂ€renarschâ tendiert die Dunkelziffer des inzwischen nicht mehr ganz so neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 gegen minus Acht. Virologen der UniversitĂ€t Omsk gelang es unter Verwendung einer zufĂ€llig vorbeifahrenden SchneefrĂ€se und zweier Hallogenstrahler der Marke Brennstuhl einen unerkannt Infizierten spontan zu erleuchten. Seine Gebeine sind in der Krypta von Ljubinski untergebracht, wo sie sich in der Originaldunkelheit des 16. Jahrhunderts bewundern lassen. FĂŒhrungen nach telefonischer Absprache mit dem örtlichen Touristenamt der Stadt Ljubinski und jeden dritten Dienstag im Monat zwischen 12 und 13.30 Uhr, Treffpunkt alte Weggemarkung Romononow gegenĂŒber der Eisdiele Schwitzi. Maximale GruppengröĂe: 5 Personen.â
â Sergej Opov, Touristenamt der Stadt Ljubinski
âIch habe heute beim morgendlichen Stuhlgang aus Gewohnheit in ein Klopapier geschnĂ€uzt. Darf ich das?â (Petra A. Dröst, 39 Jahre, Sachbearbeiterin, Frechen)
âBist du des Wahnsinns?!â
â Armin Dröst, Ehemann
âAufgrund des Mindestabstands von 1,5 Meter zwischen Personen werden vom römisch-katholischen Bistum Augsburg zur Zeit keine Beichten abgenommen. Im Netz kursieren Falschmeldungen ĂŒber den Erlass von SĂŒnden. Meine Hose ist offen, an wen muss ich mich wenden?â (Charlotte Kohl, 49 Jahre, Einzelhandelskauffrau, Kempten (AllgĂ€u))
âErstmal â mach die Hose zu. Das gilt seit letzten Freitag auch fĂŒr alle Priester, die sich fĂŒr die Erstkommunion, die Chorproben und den mittwöchlichen Ringelpiez mit Anfassen verantwortlich zeigen. Sicherheit geht vor. Man weiĂ zur Zeit nicht, wo man sich ansteckt. Kinder, die bereits fĂ€hig sind, den Unterschied zwischen einem Gehirn und einem Kanten Brot zu erkennen, mĂŒssen ab sofort an keiner Orgelpfeife mehr lutschen, sondern dĂŒrfen mit sofortiger Vergebung durch den zustĂ€ndigen Priester â je nach Bearbeitungszeit â rechnen. Erwachsene ab dem 14. Lebensjahr sollten direkt ein gutes Dutzend RosenkrĂ€nze zur höchsten Instanz beten. Wir hoffen aufs Beste. FĂŒr den Hausbedarf ist Weihwasser des Bistums Augsburg auch im Diözese-Museum to go oder ĂŒber den Online-Shop erhĂ€ltlich.â
â Godfried Kardinal RinntelbĂŒrster, Kurienkardinal der Katholischen Kirche
âEine Ă€ltere Dame, vermutlich ĂŒber 70, hat mich gebeten sie einzuhaken und ihr ĂŒber die StraĂe zu helfen. Ich habe meine Gummihandschuhe vergessen. Kann ich sie liegen lassen?â (Kevin Trift, 21 Jahre, Auszubildender der Veranstaltungstechnik, Recklinghausen)
âLass liegen, ja. Der Enkeltrick ist eine der fiesesten Maschen, mit der Damen und vereinzelte Herren ĂŒber 70 versuchen, ihren Opfern ordentlich Geld aus der Tasche zu ziehen. Meist bleibt es nicht beim Ăberqueren der StraĂe. Ist man auf der anderen StraĂenseite angelangt, wird hĂ€ufig um einen gemeinsamen Einkauf beim örtlichen Supermarkt gebeten. Die charismatischen Damen geben vor ânur mal kurz vor die HaustĂŒrâ gegangen zu sein und âgrad kein Geldâ dabei zu haben; versprochen wird dann eine RĂŒckzahlung zu spĂ€terem Zeitpunkt â als Adressen werden vor allem Briefkastenwohnsitze auf Malta angegeben. Oft wird noch im Ladenbereich zu einem Kuss auf die Wange gezwungen. Der feste Griff der Alten (Oberarm) lĂ€sst sich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr lösen. Infizierte Opfer verspĂŒren hĂ€ufig erst nach einer Inkubationszeit von 14 Tagen ekelhaften Brechhusten. Das Geld ist zu diesem Zeitpunkt bereits ĂŒber alle Berge.â
â Dr. Tatjana Rombow, FachanwĂ€ltin fĂŒr BetrugsfĂ€lle (Trier)
âGerĂŒchten zufolge breitete sich das das Cornavirus in Deutschland vor allem durch eine Karnevalsfeier im Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen aus. Wieso hat der TĂŒrsteher das Virus reingelassen?â (Oberst Ferdinand Lommemost, 47 Jahre, Kassenwart der Heinsberger Funken und Kranfahrer, Heinsberg)
ââWolle mer se roinlasse?â gilt nicht fĂŒr alle, klar. Ansonsten: Sorry. War echt nicht mein Abend â zumal die HĂŒtte brechend voll war, aber dafĂŒr kann ich nichts, da ist der Veranstalter Mitschuld, muss man auch mal so sehen. Wir von der Security gucken ja erstmal nur: Wie voll ist der Jeck? Wer noch auf zwei bis drei Linien mehr oder weniger ĂŒber 15 Meter kommt, darf rein. NatĂŒrlich sind uns ein paar Herren und Damen aufgefallen, in rundlichen Schaumgummi-KostĂŒmen mit lustigen Noppen zu allen Richtungen. Da habâ ich zu meinen Kollegen Diddi und Gerald schon noch gesagt: âAuf die mĂŒssen wir ein Auge haben.â Gerald macht den Job nun seit knapp 40 Jahren, der hat so gut wie alle wichtigen Clubs von auĂen gesehen. Ich hatte Bedenken, Diddi hat schlieĂlich gesagt: âKomm, lasst die rein, die sind witzig.â Als uns ein Bauarbeiter, zwei Polizisten, ein Leichtmatrose, eine Seekuh, eine Indianerin und eine Wassermelone vor die TĂŒr gekotzt haben, sind wir natĂŒrlich rein in den Laden. Da war aber alles schon zu spĂ€t. Eines der Viren knutschte mit einem Cowboy, ein anderes grabbelte beim Barkeeper an knapp vierzig GlĂ€sern Gin Tonic rum. Krankenschwestern wurden die Atemschutzmasken vom Leib gerissen; ĂŒberall auf den Tischen husteten Leute in ihren Kartoffelsalat. Es war schlicht ein Gemetzel.â
â Jonny ErkĂŒl, TĂŒrsteher der Security FAUST II
âSollten E-Sports wie FIFA 20 jetzt olympisch werden? Wie gut ist die Deutsche Computerspiel-Mannschaft fĂŒr die Zukunft aufgestellt?â (Winfried Eldor, 77 Jahre, SportfunktionĂ€r der Sportvereinigung Bitburg, Röhl)
âDie ganze Welt ist von Corona besetzt. Die ganze Welt? Nein! Ein von unbeugsamen Olympiaken bevölkertes Dorf wird nicht aufhören, SARS-CoV-2 Widerstand zu leisten â allen Skeptikern zum Trotz. Dennoch ist es zu frĂŒh, um ĂŒber die EinfĂŒhrung des elektronischen Sports in die olympischen Sportarten nachzudenken. Denn der deutsche Computerspielsport befindet sich in desolatem Zustand. Erst vergangenen Samstag verschoss Zukunftshoffnung Fabien Winter vom SV Wehen Wiesbaden beim Stand von 1:2 gegen den VfL OsnabrĂŒck in der â umgerechnet â 93. Spielminute den vermutlich spielentscheidenden Handelfmeter, weil er wegen eines Daumenkrampfes vom Controller abrutschte. Erste Stimmen wurden laut, Fabien Winter sei seinen Aufgaben noch nicht gewachsen und zeige vor allem in brenzligen Situationen Nerven. Nach Beendigung des Zweitligaspiels kam Winter unverzĂŒglich in QuarantĂ€ne; Spielbeobachter des Spielkonsolen-Verbands und des Elektro-Fachhandels CONRAD hatten festgestellt, dass der zuvor positiv auf das Coronavirus getestete Lucas Schmidt von der Arminia Bielefeld auf dem selben Controller rumgespielt hatte.â
â Daniela Leithuhn, Sportmoderatorin des Nordwestdeutschen Rundfunks
NSFAQ (not so frequently asked questions) about SARS-CoV-2, Update 23.03.20
âEs ist so still. Ich habe bis vierzehn Uhr geschlafen, dann die Kinder mit je einer Doppelstunde Physik und Mathe ins Bett gebracht. Der Friseursalon unten auf der Gasse hat dicht, keine MĂŒllabfuhr. Das Citalopram wirkt alle. Welcher Tag ist heute?â (Jochen Reschneck, 42 Jahre, Eventmanager, Dortmund)
Heute ist Mittwoch oder Freitag, wie du willst, Jochen. Hauptsache du fĂŒhlst dich als Mensch in mitten deiner FĂ€higkeiten als Mensch. Das kann sehr animalisch sein, verstehst du? Stell dir vor, du wĂ€rst ein Salamander, oder ein Kakadu. Wir alle wissen am besten, was wir sind. Vertrau auf deine natĂŒrlichen Fertigkeiten. Kalender sind eine Erfindung von Kaisern um die Knechtschaft zu zĂ€hlen. Es ist nicht einfach, denn wir sind kaum anderes gewohnt. Die meisten von uns haben die letzten Jahre in Strukturen gelebt, die ihnen von auĂen vorgegeben wurden. Im Grunde lebt ein GroĂteil unserer Gesellschaft sehr infantil, alles muss festgelegt sein, wir brauchen StundenplĂ€ne, Essenszeiten und auch manchmal einen Tritt in den Hintern â Freestyle, Freiheit, Selbstverantwortung, Empathie fĂŒr das eigene Wohlbefinden â all dies fĂ€llt schwer. Lass dich mal wieder treiben, höre hin. Was brauchst du wirklich? Wie geht es dir? Werde jetzt Mensch, Jochen! Es ist deine Chance!
â Dr. Sabine Töpperwien, Beraterin einer Philosophischen Praxis
âEs ist alles nur noch grausam. Stimmt es, dass wir Deutschen den Italienern die Nudeln weggekauft haben?â (Stefan Rast, 32 Jahre, Sozialökonom, SĂŒlzetal)
De facto ist das richtig, ja. Wir sollten uns wieder auf Buchweizen, Haferschleim und den anderen Fraà besinnen, der hier beheimatet ist. Nudeln den Italienern, die haben es nötiger. Reis den Chinesen. Kartoffeln den Amerikanern. Basta.
â Enrico Nuss, Sozialökonom der UniversitĂ€t Magdeburg
âIch bin spontan wĂ€hrend der AusgangsbeschrĂ€nkungen in NĂŒrnberg zur SchwarzmeĂller-BiobĂ€ckerei geschlendert. Muss ich an einer roten FuĂgĂ€ngerampel warten, obwohl nichts los ist und wenn ja, wie lange?â (Elke FiĂmeyer, 44 Jahre, Friseurin, NĂŒrnberg)
Nein, Sie mĂŒssen nicht warten und dĂŒrfen die rote Ampel jederzeit ĂŒberqueren. Die AusgangsbeschrĂ€nkung geht vollstĂ€ndig mit einer AuĂerkraftsetzung der Verkehrsregeln einher. Dem Virus muss ĂŒberall und unter allen UmstĂ€nden ausgewichen werden. Um Ausweichmanöver zu gewĂ€hrleisten haben Bund, LĂ€nder, Kommunen, Haushalte und Elfriede ĂnipĆĄe aus Gotha die Verkehrsregeln auĂer Kraft gesetzt. Beispielsweise dĂŒrfen Kreisel nun nicht nur rechts rum, sondern auch linksrum befahren werden, sogar in GroĂbritannien (ausgenommen Wales, wo lange darĂŒber debattiert wurde, ob nicht eine Umkehrung des Linksverkehrs genĂŒgen wĂŒrde). EinbahnstraĂen gelten hingegen nur in der entgegengesetzten Richtung der ursprĂŒnglich festgelegten Einbahn â auĂer das Ausweichen vor dem neuartigen Coronavirus machen eine Befahrung der EinbahnstraĂe in der ursprĂŒnglich vorgesehenen Richtung notwendig. Bestehen bleibt das Halteverbot. Zebrastreifen heiĂen jetzt nach §VGdEU 24.3c âTigerfleckenâ. Fun-Fact GroĂbritannien: Um am Rettungsfonds der EuropĂ€ischen Union teilzuhaben, hat das Englische Unterhaus die Beitrittsverhandlungen mit der EU am 23.03.20 aufgenommen.
â Luisa Yank, Verkehrsgleichstellungsbeauftragte der EuropĂ€ischen Union
âIst fĂŒr die Zeit der QuarantĂ€ne oder der freiwilligen Selbstisolation ein Aids-Test verpflichtend?â (Raimond Schnutz, 46 Jahre, Privatier, Bonn)
âJa. Wer in QuarantĂ€ne bumsen will, muss das machen.â
â Dr. Volker Finke, Referent fĂŒr Medizin im Rat des Bundesrats
âWird in einer der folgenden NSFAQ der Verpassten Hauptwerke der Begriff der Systemrelevanz diskutiert?â (Tim Schröter, Auszubildender zum Hotelfachmann,19 Jahre, Husum)
âWir vom Team der Verpassten Hauptwerke diskutieren momentan darĂŒber, ob wir den Begriff der Systemrelevanz fĂŒr systemisch relevant halten. Viele Menschen fĂŒhlen sich zur Zeit ĂŒberflĂŒssig, andere werden wichtig â wieder andere sind zwar schon immer wichtig gewesen, allerdings wird ihre Wichtigkeit erst jetzt schmerzlich sichtbar oder verschwindet unwillentlich in Unsichtbarkeit. Menschen mit Ăbergewicht könnte man einschmelzen und zu Seife weiterverarbeiten. Das sind Argumente, die zur Zeit zu kurz kommen. Kunst ist im besten Fall inkommensurabel, weswegen Wertesysteme versagen. Wir sollten Vergleiche scheuen und Arschlöcher benennen. Was darf Moral? Wer ist Hildegard Eckmilz? Wieso kann man KlobĂŒrsten nicht essen? Wie halten wir das alles aus und warum sind manche total entspannt? Wir bewerten das Irrelevante als unbedingt relevant, meinen aber auch, dass es zwangslĂ€ufig Pralinen fĂŒr alle braucht.â
â Viktoria Rotz, immunbiologische Querulantin im Team Verpasste Hauptwerke
NSFAQ (not so frequently asked questions) about SARS-CoV-2, Update 21.03.20
âWas heiĂt, Sozialkontakte auf 15% zu minimieren? Ich kennâ hier doch gar keinen. Muss ich die Sozialkontakte auf 15% hochfahren?â (Marlene Rot, 24 Jahre, Gamerin, Rostock)
âJa, du musst aus dir rausgehen, Marlene. Schau den Menschen freundlich ins Gesicht, sprich sie an. Aber bleib anstĂ€ndig, halte dich an die Verhaltensregeln. Auch grade schĂŒchterne Charaktere können in Krisenzeiten aufblĂŒhen und zeigen, was in ihnen steckt. Sei der Sonnenschein, den viele jetzt nicht genieĂen können. Wenn nicht jetzt, wann dann? Die Krise ist deine Chance ein neuer Mensch zu werden.â
â Ruth Elke Ebenholz, Chefredakteurin der EGO â Fachzeitschrift fĂŒr Esoterik, Globuli und Osteopathie
Ma MinistaprÀsident schpricht a komischn Dialeckt. I verstehs koa Wort. Was hoatÀ gesoagt? (Dr. Hildegoard Feschhoam, 54 Jahre, Linguistin an der UniversitÀt Passau)
âNoa, der hats ned so gemeint.â
â Detlef Grubinger, Landwirt bei Bayreuth
âIch bin erregt. Wo muss ich hinfassen?â (JĂŒrgen M., 44 Jahre, Klempner, Delmenhorst)
âMach genau, was ich dir sage, SĂŒĂer. Du streichelst mit deiner Hand am Hals langsam abwĂ€rts ĂŒber deine Brustwarzen â fĂ€hrst langsam mit den Fingerspitzen ĂŒber die Seite, ĂŒber deinen kleinen sĂŒĂen Bauch, runter zu deinen Oberschenkeln. Vom Knie streichelst du hoch, zu den â langsam, ganz langsam â âŠâ
â Elfriede âthe hotâ Dimrowskaja, Sexarbeiterin aus dem REH: Rote Elbe Hamburg, im Home-Office
âWas wird passieren, wenn das Virus Asyl beantragt?!!?1!! Wieso gelten keine EinreisebeschrĂ€nkungen fĂŒr Krankheiten?!!?1!!?â (Helmut KnĂ€cker, 61 Jahre, Inhaber der Aluhut GmbH, Dresden)
âPuh, Herr KnĂ€cker. Nun mal langsam mit den jungen Pferden. Setzen Sie sich doch erstmal. Wir haben ganz andere Sorgen. Die Inkubationszeit von Vollidioten betrĂ€gt in der Regel wenige Minuten bis zu einer Stunde, das ist richtig. Wir ĂŒberlegen allerdings dringend, ob Nazis unter QuarantĂ€ne gesetzt werden sollten. Anbieten wĂŒrde sich hierfĂŒr ein gröĂeres GebĂ€ude, es muss ja nicht unbedingt ein Landtag sein. Wir wollen den Teufel aber nicht an die Wand malen. Bisher wurden noch keine Kornkreise gesichtet, auĂer zweiâŠ. Kleiner Scherz. Nein, es wurden keinen Kornkreise gesichtetâŠ. Setzen Sie sich â bitte.â
â Dr. Cicero MĂŒller, Fachanwalt fĂŒr Asylrecht und Jurist an der TU Wesel
âIn der PokĂ©mon Go-Kampfarena gegenĂŒber am Schwedlneuer-Kurplatz (U-Bahnstation OstkolperstraĂe / Tresenheimer Markt) gehtâs richtig ab. FĂŒr mich reicht von der Lehnhecker-Str. 17a der Empfang leider nicht vollstĂ€ndig aus, um an KĂ€mpfen teilzunehmen und so mein auf den Fidschi-Inseln eingefangenes Relicanth aufzuwerten. Gilt eine AusgangsbeschrĂ€nkung auch fĂŒr den Fall, dass ich nur mal kurz unten bis vor den Seniorenstift NussbĂ€umer Altersresidenz laufe, um, sagen wir, ein DreiviertelstĂŒndchen, zu zocken?â (Fabian Legon, 17 Jahre, SchĂŒler, MĂŒnchen)
âJa, gilt.â
â Corinna Tollmen, StaatssekretĂ€rin des Freistaat Bayern
âDas Wasser in Venedig klĂ€rt sich â Delphine wurden gesichtet. Der Himmel ĂŒber Teilen Chinas wird wieder blau, der Flugverkehr wird eingestellt, FuĂballspieler verzichten auf Geld und bauen KrankenhĂ€user, wir reden neu ĂŒber Gehaltsbedingungen im Pflege- und Gesundheitswesen, ĂŒber systemrelevante Berufe. Muss man davon ausgehen, dass es sich um ein hochintelligentes Virus handelt?â (Vamantharata Samkahtach, 33 Jahre, Informatiker, Bischofsheim in der Rhön)
âNein. Das Virus ist strunzen-dumm. Wiederholt konnte es bei einem IQ-Test der UniversitĂ€t TĂŒbingen im Mittel maximal 4 bis 9 Punkte erlangen. Auszugehen ist davon, dass das Virus in einer Art Schwarmintelligenz Effekte erzielt, die den IQ-Wert auf bis zu 11 Punkte ansteigen lassen. Dies reicht nicht dafĂŒr aus, um in mehr als zwei von zehn FĂ€llen, beispielsweise in der Wortgruppe âHund â Helm â Detlef â Urinâ dasjenige Wort auszumachen, was nicht zugehörig ist. Man kann davon ausgehen, dass wir demnĂ€chst den Planeten wieder ordnungsgemÀà zumĂŒllen, die Polkappen in dem dafĂŒr vorgesehenen Zeitfenster abschmelzen und ordentlich rauchend auf der Stadiontoilette kacken können. Wirklich, ich habe, um ehrlich zu sein, noch nie so etwas saublödes erlebt, wie dieses neuartige Coronavirus. Es findet nicht mal innerhalb einer Petrischale den kĂŒrzesten Weg von einem Rand zum anderen. Machen wir uns keine Sorgen. Intelligenz gibtâs nur beim Menschen. Wir sind das MaĂ aller Dinge, die Krone der Schöpfung, die Creme de la Creme â hoppla, jetzt hab ich mir an die Nase gefasst!â
â Prof. Dr. Dr. Sören Diebel, Leiter der Virologie am UniversitĂ€tsklinikum TĂŒbingen
âIn den DB-FernzĂŒgen ist der Mindestabstand zwischen SitzplĂ€tzen in der 2. Klasse geringer als in der 1. Klasse. Gilt meine Reservierung auch in der 1. Klasse, obwohl ich nur ein Ticket fĂŒr die 2. Klasse erworben habe? (Onlinebuchung Super-Sparpreis)â (Erna Wetzel, 62 Jahre, Bankkauffrau, Emden)
âBitte wenden Sie sich an den Online-Kundenservice. Bei Onlinebuchungen kann nur der Online-Kundenservice eine Stornierung inklusive einer Umbuchung auf eine höhere Fahrgastbeförderungs-Servicestufe durchfĂŒhren. Sie erhalten als EntschĂ€digung fĂŒr eine umgebuchte Reise auf der selben Strecke eine TĂŒte Selters (0,5 Liter) und eine Packung von unseren vierfarbigen Schnulli-Bulli-GummibĂ€rchen der DB-Eigenmarke Naschzwerge. In der Regel fahren pro Zug sowieso nur um die zwanzig Personen. Sie mĂŒssen sich ja nicht alle nebeneinander setzen. Ăh, können sie aber.â
â Petra Neulinger, DB-Reisezentrum Emden
âKann ich statt Seife auch SpĂŒli benutzen? Obwohl es als fettlösend gilt, nehme ich den letzten 7 Tagen erheblich zu.â (Erwin Herpes-Schlitz, 46 Jahre, Versicherungsvertreter, Stuttgart)
âHerr Herpes-Schlitz, kann es sein, dass Sie sich mal wieder zwei, drei Teller Nudelpampe mit FleischkĂŒchle zu viel in die Gesichtslappen geprĂŒgelt haben? Achten Sie auf eine ausgewogene ErnĂ€hrung, machen sie 10, spĂ€ter 15 LiegestĂŒtze pro Tag und ein paar Sit-Ups schaden nicht. Steigern Sie das Pensum allmĂ€hlich. AuĂerdem: SpĂŒli nicht in den Mund nehmen.â
â Beate RĂŒhtow, Chemikerin am Institut fĂŒr fettlösliche TĂ€tigkeiten (IffT) Kiel
âIch darf mit meiner Familie noch spazieren gehen. Aber wer zĂ€hlt zu meiner Familie? Bin unschlĂŒssig, weil die YzgĂŒl, die ist eigentlich meine Halbschwester, aber ich hab die sehr gern und wir sehen uns tĂ€glich. Ihr Bruder, der Ylderim, also, das ist kompliziert, weil das ist auch fĂŒr sie nur der Halbbruder und ich hab eigentlich gar kein VerwandtschaftsverhĂ€ltnis zu dem Ylderim und er hat mich aber eingeladen auf einen Kaffee. Naja, also, wir haben uns schon sehr, sehr gern und haben uns auch schon oft gesehen. Jetzt hab ich schon lĂ€nger drĂŒber nachgedacht, ob wir nicht mal mehr Zeit miteinander verbringen sollten, um uns besser kennenzulernen. Der Ylderim hat aber schon drei Frauen und ich wĂ€re dann die vierte, also â reicht eine Schwangerschaft, und wenn ja, muss es die eigene sein, damit Ylderim und ich (und seine anderen drei Frauen plus die Kinder und auch YzgĂŒl bitte!) gemeinsam spazieren gehen dĂŒrfen? (Ăzlem Hylderim, 27 Jahre, KindergĂ€rtnerin, GroĂheirath)
âOk, geht klar. Aber YzgĂŒl muss zuhause bleiben.â
â Hans Kramer, Minesterialdirektor des Freistaat Bayern
âMeine Schwiegermutter will ums Verrecken nicht sterben. Ich huste ihr bei jedem Besuch im Altersheim ordentlich mit Spucke und so ins Gesicht, die Alte ist allerdings zĂ€h wie Leder und hat eine Toleranzgrenze bis zum Geht-nicht-mehr. Was kann ich tun?â (Rainer Lupen, 49 Jahre, Heizungsinstallateur, LĂŒbeck)
âAbwarten. Aufgrund der immer noch unklaren Inkubationszeiten, kann es sein, dass sich die Olle lĂ€ngst infiziert hat, aber noch keine Symptome zeigt. Ansonsten: Gibt es eine Treppe im Altersheim? Einen Balkon? Einen Fleischwolf?
â Dr. Cornelius West, Medizinethiker an der UniversitĂ€t Duisburg
âIch habe Katzenstreu mit Reis verwechselt. Wie lange werde ich mich erbrechen?â (Cibbo, 23 Jahre, Rapper, Bremerhaven)
âKatzenstreu ist ein saugfĂ€higes Granulat, bestehend aus einer Mischung von Holz- Mais- und anderen Pflanzenfasern. In abgekochtem Zustand kann Restzellulose beschwerdefrei und ohne NĂ€hrstoffverlust vom menschlichen Verdauungsapparat verarbeitet werden. Die Verwechslung ist unbedenklich. Allerdings saugt Reis keine Katzenpisse auf. Die kleine Muschi sollte also besser schleunigst gewaschen werden.â
â Stephan Pfeifer, Tiermediziner in der Tierarztpraxis HUNDIKUNDI, Bremen
âDer Deutsche FuĂballbund (DFB) hat Kollektivstrafen fĂŒr die Fanszene ausgeschlossen. Wenn die Ausgangssperre fĂŒr alle kommt, warum mĂŒssen wir drinnen bleiben, obwohl eine Minderheit von Idioten drauĂen Bengalos gezĂŒndet hat? Ist Dietmar Hopp vielleicht doch ein Hurensohn?â (Lutz Wiedenthal, 47 Jahre, Vorsitzender des FANCLUB OSTBĂHNE SpVgg Greuther FĂŒrth, FĂŒrth)
âDer Diddi hat als Anteilseigner des biomedizinischen Konzerns Hodensack vorerst verhindert, dass ein etwaiger Impfstoff an die Amerikaner verabreicht wird. Das ist grundsĂ€tzlich positiv zu bewerten, wenngleich trotzdem zu kritisieren ist, dass der DFB das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 milder ahndet als Beleidigungen gegen Greta Thunberg. Wir plĂ€dieren in der jetzigen Situation, damit Ruhe einkehrt, fĂŒr die EinfĂŒhrung schwarzafrikanischer Schiedsrichterinnen.â
â Roland Knipper, Sprecher des SĂŒddeutschen FuĂballverbandes
âIst das neuartige Coronavirus bereits mutiert?â (Dr. Karim Al-Hasif, 56 Jahre, Facharzt fĂŒr Allgemeinmedizin, Thierhaupten)
âDass Florian Silbereisen Xavier Naidoo in der Deutschland-sucht-den-Superstar-Jury abgelöst hat, ist ebenso folgerichtig wie alarmierend. Wie viele der Söhne Mannheims sich mit dem Coronavirus bereits infiziert haben, ist zur Zeit nicht abzuschĂ€tzen. Wir gehen aber davon aus, dass es sich bei Silbereisen und Naidoo jeweils bereits um Mutationen des SARS-CoV-2 handelt. Ja.â
â Paula Jedergenn, Klofrau bei RTL
NSFAQ about SARS-CoV-2
Liebe Gesinnungskolleginnen und Kollegen â
selbst uns von den Verpassten Hauptwerken ist nicht entgangen, dass die Nudeln knapp werden. In Zeiten, wo Veranstaltungen so reihenweise abgesagt werden, dass sich praktisch an jeder Supermarktkasse mal so richtig zĂŒnftig verpassen lĂ€sst, braucht uns kein Mensch mehr. Das macht uns nachdenklich, allerdings nicht sentimental.
Wir haben vorgesorgt.
In den vergangenen Tagen erreichten uns zahlreiche Anfragen von besorgten BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern â Menschen, die trotz allem immer noch der Kompetenz, Korpulenz und Kondolenz der Verpassten Hauptwerke glauben schenken. Weitsicht war nie unsere Kernverfehlung.
Die vielen Anfragen ehren uns, bringen aber auch eine nicht zu unterschĂ€tzende und nicht zu ĂŒberschĂ€tzende Verantwortung mit sich, der wir hiermit teilweise gerecht werden wollen. Noch konnten wir nicht alle Fragen sichten; einen kleinen Auszug jedoch konnten wir mehr oder weniger sorgfĂ€ltig lesen, an entsprechende Fachidioten weiterleiten und nach bestem Wissen und Gewissen beantworten lassen (alle Angaben ohne GewĂ€hr).
Im Anhang finden Sie zur genauen Sichtung, liebe Leserinnen und Leser, die NSFAQ (not so frequently ask questions), samt Expertenantworten. Wir raten sicherheitshalber davon ab, empfohlene MaĂnahmen als gesundheitsfördernd und / oder gesundheitsgefĂ€hrdend einzustufen. Zudem sollte bei schwachen Nerven auf eine LektĂŒre völlig verzichtet werden. Alles könnte stimmen, wobei wir lange versucht haben, Ihnen, geschĂ€tzte Heinis, diesen Senf zu ersparen. Seht zu, wie ihr klarkommt â keine Panik, es sind genĂŒgend Antworten fĂŒr alle da.
Mit hĂŒstelnden GrĂŒĂen
Cornelia Flank (Ăffentlichkeitsarbeit), Dr. Helmut Jod (Tierarzt), Pannacotta Tusnelda Bravissimo (Molekularmikrologin), Robert Stripling (Chef-Herausgeber), Tina Schmidt (Praktikantin), JĂŒrgen Glossar (Hausmeister)
NSFAQ (not so frequently asked questions)
âWie groĂ ist das Virus?â (Marlene McBiggin, EisverkĂ€uferin, 34 Jahre, Berlin)
âNach Auswertung der Befragungen zahlreicher Augenzeugen und Infizierter ist das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) ungefĂ€hr so groĂ wie ein Elefantenkalb. Aufgrund von Temperaturschwankungen, grade im FrĂŒhjahr und wegen der wechselhaften LichtverhĂ€ltnisse in unseren Breitengraden erscheint das Virus allerdings hĂ€ufig kurzfristig nicht gröĂer als ein handelsĂŒblicher Einzeller, in anderen FĂ€llen ungefĂ€hr so groĂ wie ein schlaffer Luftballon. Schlagartig kann sich das Virus allerdings wieder auf die GröĂe eines Elefantenkalbs ausdehnen. Kurz vorher kommt es zumeist zur versehentlichen Einatmung des Viechs. Im ausgedehnten Zustand zeigt sich das Virus höchstgradig passiv. Es lĂŒmmelt faul in der Sonne rum, joggt durch die Gegend, nuckelt an leeren Bierflaschen oder bummelt durch die InnenstĂ€dte. Bei Sichtung eines ausgedehnten Virusâ wird der Bevölkerung dringend angeraten sofort zuzuschlagen und dieser Drecksseuche eine richtige Abreibung zu verpassen. Um die BerĂŒhrung mit dem Virus durch die nackte Faust zu vermeiden, empfiehlt es sich, Schlagstöcke, BaseballschlĂ€ger, Pfefferspray o.Ă€. mit sich zu fĂŒhren.â
â Prof . Dr. Tom Ridmeyer, Makrobiologe der UniversitĂ€t Köln
âMenschen sterben an dem Virus, immungeschwĂ€chte oder alte Menschen sind besonders gefĂ€hrdet, zu erkranken. Darf man ĂŒber das Virus Witze machen?â (Niko Tihn, 22 Jahre, Comedian, Leverkusen)
âNein, halt die Fresse.â
â Saskia Erdell-Maadicht, Kommunikationsethnologin an der UniversitĂ€t Koblenz
âDarf ich mein Haus verlassen um den Briefkasten zu leeren?â (Werner Leckbardt, Rentner, 69 Jahre, Hildesheim)
âKommt aufs Haus und den Briefkasten an. Das Verlassen des Hauses zur zweckmĂ€Ăigen Entleerung des Briefkastens ist grundsĂ€tzlich gestattet. Wir von der Post sind bemĂŒht den Brief- und Paketverkehr im gewohnten Rhythmus aufrecht zu erhalten. Befindet sich der Briefkasten einen oder mehr als einen Kilometer entfernt von ihrem Haus (z.B.: Region Nordfriesland, Mecklenburgische Schweiz und Kummerower See im Landkreis MĂŒritz, Plattling bei Deggendorf) entscheidet die örtliche Behörde ĂŒber eine Personenzustellung. Von persönlichem Kontakt mit dem Zustellungsbeamten wird allerdings abgeraten. Obwohl bisher so gut wie keine FĂ€lle bekannt sind, bei der das Virus mithilfe von Papier ĂŒbertragen wurde, wird die Installation eines zweiten Briefkastens empfohlen. Nach einer Isolationszeit von 14 Tagen kann die Post entnommen und in den zweiten Briefkasten umgelagert werden, vorausgesetzt, innerhalb der 14 Tage kam keine neue Post hinzu. Im zweiten Kasten muss die Post fĂŒr weitere drei Tage aus rechtlichen GrĂŒnden lagern. Wird die Post direkt aus dem ersten Postkasten mit in die Wohnanlage des EmpfĂ€ngers entwendet, gilt die Zustellung als vorsĂ€tzliche Infektion und somit als nicht zugestellt. Tut mir leid, aber ich habe mir den Unfug nicht ausgedacht.â
â Walter von Schnebel, Leitender Postkoordinator der Deutschen Post
âIch bin total schlecht mit Disziplin. Muss ich mit ganz strengen Regeln rechnen? Ich und mein Freund wollen bald zusammenziehen.â (Lotte Larifari, SchĂŒlerin,16 Jahre, Pirmasens)
âHab dich nicht so. Das bisschen Anpassung schadet dir nicht. AuĂerdem ist deine Mathe-Note eh unter aller Sau. Du machst jetzt schön deine Kurvendiskussion und dann wird Englisch gepaukt.â
â Hildegard Estrich, Nachbarin, Pirmasens
âIch und meine Frau haben unsere Grenzen geschlossen. Brauchen wir Klopapier?â (Peter und Erna Temp, 53 und 49 Jahre, Eheleute, Erfurt)
âNein. Bei geschlossenen Grenzen kommt Ihnen die Notdurft irgendwann zu den Ohren raus. Q-tips reichen völlig aus.â
â Dr. Volker Schmidt, Gastroenterologe am UniversitĂ€tsklinikum Baden-Baden
âMeine Nase hat gejuckt und ich habe mich versehentlich mit der Armbeuge gekratzt. All das ĂŒberfordert mich. Darf ich meine HĂ€nde noch benutzen?â (Tim, 5 Jahre, will mal Feuerwehrmann werden, Oldenburg)
âJa, die HĂ€nde dĂŒrfen noch benutzt werden, nach neuesten Erkenntnissen allerdings nur freitags zwischen 7 und 19 Uhr und unter strenger Verwendung von Ă€uĂerst dicken Handschuhen. BewĂ€hrt haben sich bisher die Topfhandschuhe der Firma FEUERMEISTER â schau doch mal, was deine Eltern fĂŒr den Bedarfsfall so am Backofen rumhĂ€ngen haben und grabbel da eine Weile drin rum. Danach darfst du dir praktisch ĂŒberall ungefĂ€hrdet hinfassen, kleiner Mann.â
â Wilfried Pressmaier, KindergĂ€rtner und SonderpĂ€dagoge an der SARS-Mittelschule Oldenburg
âMeine Waschmaschine bietet im dritten Programm eine SpĂŒlung mit doppeltem Schleudergang an. Auf dem WeichspĂŒler mit desinfizierender Wirkung finde ich keine Angaben zur Wirksamkeit in Bezug auf COVID-19. Muss ich auf meinen geliebten Hasi-Schlupf-Schlafanzug verzichten?â (Selma BrĂ€ndtner, 23 Jahre, Auszubildende, Trier)
âBitte kontaktieren Sie den Kundendienst Ihres Waschmaschinenherstellers mit Bitte um RĂŒckmeldung bzgl. der Haftpflicht innerhalb von Garantiezeiten. Befindet sich die Waschmaschine auĂerhalb der Garantiefrist, ist zu beachten, dass Servicetelefone in der Regel entsprechende Anfragen nur mit Nennung der GerĂ€tenummer bearbeiten.â
â Lolinda Bret, Fachberaterin fĂŒr Kundenrecht bei MIELE
âDie A-Capella-Gruppe nowhere to dust hat eine Benefiz-CD mit beiliegender Atemschutzmaske und eine Neuauflage des SoldiaritĂ€tssongs Upsala, wo ist mein Manfred hin? (1999) angekĂŒndigt. Wie kann ich spenden?â (Cordula F. Stralsippi, Fernfahrerin, 47 Jahre, Salzgitter)
âEs handelt sich hierbei um eine Falschmeldung â die A-Capella-Gruppe nowhere to dust hat sich vor drei Jahren aufgelöst und produziert keine Alben mehr. Allerdings ist seit einigen Jahren beim ehemaligen Plattenlabel WUHAND-IM-GESICHT eine Art Retro-Sammlung verschiedener KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler im GesprĂ€ch, die eine Neuauflage der Songs von nowhere to dust (darunter auch Upsala, wo ist mein Manfred hin?) als Coverversionen vorsieht. Um ĂŒber ein Veröffentlichungsdatum zu sprechen, ist es jedoch noch viel zu frĂŒh.
â Yang âChippyâ Pong, Redakteur des Pop-Magazins Lovely Island
âIst COVID-19 vergleichbar mit der 1763 ausgebrochenen Subtropischen SackkrĂ€tze?â (Prof. Dr. Theodor Lahmbrecht, Virologe an der UniversitĂ€t GmĂŒnd, GmĂŒnd)
âJa, ist es. Wenngleich der genaue Erreger noch nicht hinreichend untersucht ist, muss davon ausgegangen werden, dass vor allem MĂ€nner nicht fĂ€hig sind, sich die HĂ€nde zu waschen. Und nun raus aus meiner KĂŒche, du Schmutzfinger.â
â Erna HaĂke, Hausfrau
âMuss ich beim Spazierengehen von GĂ€nsen Abstand halten?â (Marjia Cimbrowskaja, Auszubildende, 24 Jahre, Hamburg)
âEs kommt darauf an, ob es sich um eine dumme Gans handelt. Bei dummen GĂ€nsen ist dringend eine ArmlĂ€nge Abstand angeraten. Kluge GĂ€nse weichen meist gefahrenfrei von sich aus SpaziergĂ€ngern aus. Besser aber, du bleibst drinnen.â
â RĂŒdiger Ende, Biologe und Tierpfleger des stĂ€dtischen Landschaftsgartenbaus Jena
âWird es dieses Jahr weiĂe Ostern geben?â (Felix Keppler, Student der Soziologie, 21 Jahre, Kassel)
âSorry, aber wir haben wirklich keine Zeit fĂŒr blöde Scherze.â
â Prof. Dr. Katia Mbumba, Meterologin an der UniversitĂ€t Memmingen
âDarf ich mich in einer Ausnahmesituation völlig normal verhalten? Wem kann ich trauen? Wer ist wirklich ein Experte, wer ist es nicht?â (Ingeborg Bachmann, 37 Jahre, Hausfrau, Seligenstadt)
âSchwieriger Fragenkomplex, der vor allem auf den Philosophen und Gesellschaftsanalysten Heribert Kadinczki (1847 â 1929) verweist. Zu allererst darf NormalitĂ€t â nach Kadinczki â ausschlieĂlich dann angestrebt werden, wenn im Ausnahmefall die Abkehr von der Gewohnheit zu Gunsten der Ausnahme als Ausnahme mit einer Neubewertung althergebrachter Verhaltensweisen einhergeht. Wenn es fĂŒr Sie normal ist, niemandem zu trauen, wĂ€re eine Abweichung von diesem Verhalten ein Vertrauen und umgekehrt, wenn sie normalerweise allen Vertrauen, wĂ€re die Abweichung nun ein gesundes Misstrauen. Wie auch immer Sie sich entscheiden, bleiben Sie zuhause und Essen Sie ausreichend Fischklopse. Horten Sie Katzenstreu. Zeigen Sie den Kindern mal ein paar Videokasten, damit die das mal zu Gesicht bekommen. Und machen Sie niemandem auf, wenn es klingelt. Experte bin grundsĂ€tzlich nur ich.â
â Dr. Robin Flachs, Experte fĂŒr Knowledge an der UniversitĂ€t Potsdam im Home-Office
âDas Sommersemester 2020 wurde nach hinten verschoben. Was wird aus dem Foucault-Seminar zu Ăberwachen und Strafen bei Prof. Dr. Eduard Kaminski-Schröder an der UniversitĂ€t GieĂen? Kann ein GroĂer Schein (Teilnahmeschein) auch nach spĂ€terem Beginn erworben werden und bringt dieser die volle Anzahl von Credit Points ein?â (Helge Britz, 27 Jahre, Student der Philosophie, GieĂen)
âZur Zeit können Anfragen nach Scheinen nicht abschlieĂend beantwortet werden. Prof. Dr. Eduard Kaminski-Schröder wurde positiv getestet, zieht aber in Betracht, allen Interessierten auch ohne Teilnahme einen Schein fĂŒr das Seminar auszustellen. Es ist ihm ziemlich egal, wer Sie alle sind. Die Zuerkennung von Credit Points regelt im Einzelnen die jeweilige Studienordnung in Absprache mit dem Gesundheitsamt. Bitte gedulden Sie sich.â
â Renate Knast, Sekretariat Kaminski-Schröder an der UniversitĂ€t GieĂen
âDer Bundesnachrichtendienst (BND) hat Hinweise auf TerroranschlĂ€ge in den USA verschlammt. Inwieweit hĂ€ngt der 11. September 2001 mit dem Corona-Virus zusammen? Gibt es Anzeichen auf eine durch die Taliban initiierte Raubkopie von deutschem Spargel?â (Serkan Hasan, 39 Jahre, Flugzeugpilot, Groningen)
âJa, es gibt diese Anzeichen. Vermutlich ist der Spargel noch vor der SchlieĂung der Grenzen mit bulgarischen Gastarbeitern zuerst in den HunsrĂŒck, dann in den Hindukusch gelangt. Raubkopien deutschen Spargels könnten, so ist aus Taliban-Kreisen zu vernehmen, entzĂŒndungshemmend wirken. ZusammenhĂ€nge zum 17. Oktober 2004 schlieĂt der Bundesnachrichtendienst allerdings kategorisch aus.â
â Rainald Hemms, Kriminologe der UniversitĂ€t Frankfurt (Oder)
âImmer wieder sehe ich Videos von Menschen, die auf ihren Balkonen und an offenen Fenstern applaudieren und gemeinsam singen. Ich find das voll, voll schön und will sowas auch mal miterleben. Wie kann ich teilnehmen?â (Jennifer Elbenhost, 29 Jahre, Hauptmieterin, Göttingen)
âVoraussetzung fĂŒr die Teilnahme an den allabendlichen, verbindlichen (!) Soli-Abenden ist ein Wohnsitz in einer Nachbarschaft, bei der die Fenster und Balkone nah genug zueinander stehen, sodass ein einheitlicher Resonanzraum ermöglicht wird. Fröhlich sein kann grundsĂ€tzlich jeder und jede so wie er will (oder sie), allerdings sollte vermieden werden, dass die Mittagsruhe, die Bettruhe, die Abholzeiten der MĂŒllabfuhr und Ăbungszeiten fĂŒr den Feueralarm eingehalten werden und die Chorproben niemanden bei der AusĂŒbung seiner HaupttĂ€tigkeit behindern. Voraussetzung ist zudem, dass Sie wirklich nur dann mitsingen, wenn Sie halbwegs was auf dem Kasten haben. FĂŒr Göttingen sind sĂ€mtliche ChorplĂ€tze zur Zeit belegt. Nachdenken sollten Sie ĂŒber einen Umzug nach Esslingen. Gesucht werden hier zur Zeit noch ein Alt und ein Sopran. Verbindlich sind die Teilnahme am Sommerkonzert (open air), an den Adventskonzerten in den evangelischen Kirchengemeinden Ostfildern, Köngen, Wolfschlugen und Aichtal (insgesamt 14 Konzerte) und am Neujahrskonzert 2020/21. Erwartet wird zudem eine mindestens dreijĂ€hrige Mitgliedschaft im Domspasten e.V. Esslingen-SĂŒd. Klar ist: Wir können hier nicht jedes unbegabte Reibeisen mitschleifen. Haben Sie Vorkenntnisse?â
â Petra Stallhorst, Sprecherin der Wohngenossenschaft Esslingen-SĂŒd
âVor drei Jahren habe ich meine Wohnung gekĂŒndigt, weil ich meine Arbeit liebe. Ich schlafe im BĂŒro, ich gebe alles fĂŒr die Firma. Was heiĂt es fĂŒr mich, zuhause zu bleiben?â (Thorsten Matthes, 42, Workaholic, Bitterfeld)
Wenn sich Ihre Kolleginnen und Kollegen an die Vorgaben halten, können Sie bleiben, wo Sie sind. Bleiben Sie ruhig. Halten Sie Abstand vom Kopierer. Sollte doch mal jemand in die Firma kommen, freundlich grĂŒĂen und der Person höflich aber bestimmt mitteilen, dass sie gefĂ€lligst zuhause bleiben soll. Es sind Zeiten, in der wir unseren Feinden die Hand reichen sollten. Passen wir auf, auch gesundheitlich, vor allem aber in den FuĂballsimulationen der Nation â an der Playstation, an der Xbox, und schlieĂlich in der nĂ€chsten Staffel von Dr. Kamillo und seine Schwestern. Wird Nancy Kevin heiraten? Hat Pete noch eine Rechnung offen? Wird Lara-Anna schweigen? All dies erfahren wir hoffentlich bald, wenn es wieder heiĂt: Wer wird Germanys next Top-Feudel? Bleiben Sie sauber! Womit ich Ihnen alles Gute wĂŒnsche und mit besten GrĂŒĂen verbleibe. Auch Abseits vom Virus gehört die Psyche warm gehalten.
â Prof. Dr. Isabella Chardo-Jasmin, Neuro-Psychologin an der UniversitĂ€t Wien
Denkt dran: wer immer Wahrheit mitteilt, wir haben sie bereits gesagt! ErhÀltlich in jedem Buchhandel.